Tag-Archiv für 'weimar'

kritik der kunst. ästhetik & gesellschaftskritik.

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Donnerstag | 3. Juli | 20:00 | ACC Galerie Weimar | Burgplatz 1-2 | Weimar

BOOK LAUNCH ::: Nr. 5 – WEIMAR

KRITIK DER KUNST – ÄSTHETIK & GESELLSCHAFTSKRITIK

Was verbindet das philosophische Nachdenken über Kunst mit einer Kritik der Gesellschaft – und kann eine kritische Ästhetik noch heute ein „Instrumentarium“ bereit stellen, um die Gegenwart von Kunst und Gesellschaft zu fassen?

LUKAS HOLFELD (Mitglied des Bildungskollektivs, Kunst Spektakel Revolution) diskutiert mit dem Herausgeber MARCUS QUENT (Engagierte Wissenschaft e.V.)

Die 1970 veröffentlichte Ästhetische Theorie ist ein Fragment gebliebenes Textgefüge, in dem Theodor W. Adorno wesentliche Gedanken in einer Verflechtung von Kunst, Philosophie und Gesellschaft entfaltet. In dem neu erschienen Buch „Das Versprechen der Kunst“ (Turia + Kant, 2014) fragen Autorinnen und Autoren aus den Bereichen Philosophie, Politischer Theorie sowie der Kunst-, Literatur- und Musikwissenschaft nach der Aktualität von Adornos ästhetischer Theorie.

Anlässlich der Veröffentlichung des Sammelbandes veranstaltet die AG Ästhetische Theorie (Engagierte Wissenschaft e.V.) im Juni und Juli zwei weitere Buchpräsentationen in München und Weimar. Zu Gesprächen und Diskussionen sind Autorinnen und Autoren des Bandes, eingeladen um mit den Herausgebern exemplarisch über die Aktualität von Adornos ästhetischer Theorie zu diskutieren.

http://www.engagiertewissenschaft.de/de/inhalt/AG_Aesthetische_Theorie
http://www.turia.at/titel/adorno_kunst.html
http://www.acc-weimar.de/

anarchie & kunst.

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Die | 17. Juni | 20:00 | Der Laden | Trierer Straße 5 | Weimar

Anarchie & Kunst

Allan Ant­liff – An­ar­chist, Kunst­his­to­ri­ker, -kri­ti­ker und Pro­fes­sor für Mo­der­ne und Zeit­ge­nös­si­sche Kunst in Ka­na­dav – und Katja Cro­nau­er – Über­set­ze­rin – tra­fen sich vor Kur­zem zum ers­ten Mal in Per­so­na und be­schlos­sen spon­tan eine Le­se­r­ei­se zu star­ten.

Allan Ant­liff stellt sein bei Edi­ti­on AV er­schie­ne­nes Buch An­ar­chie und Kunst – Von der Pa­ri­ser Kom­mu­ne bis zum Fall der Ber­li­ner Mauer vor. Es be­ginnt mit Cour­bet, Proud­hon und der Pa­ri­ser Kom­mu­ne und han­delt von an­ar­chis­ti­scher Kunst seit dem 19. Jahr­hun­dert und ihrer Wech­sel­wir­kung auf ge­sell­schaft­li­chen Wan­del an­hand be­deu­ten­der ge­schicht­li­cher Er­eig­nis­se, vor allem in Eu­ro­pa, Russ­land und den USA. Unter Be­zug­nah­me auf die phi­lo­so­phi­schen und po­li­ti­schen Dis­kur­se der je­wei­li­gen Epo­che, wird un­ter­sucht, wie sich an­ar­chis­ti­sche Künst­ler*innen (Maler*innen, Dich­ter*innen, Gra­fi­ker*innen, Mu­si­ker*innen, Kunst­his­to­ri­ker*innen, u.a.) mit einer Reihe von The­men wie Äs­the­tik, Mi­li­ta­ris­mus, der öko­lo­gi­schen Krise, Staats­au­to­ri­ta­ris­mus, Armut, An­ti­im­pe­ria­lis­mus und Fe­mi­nis­mus be­schäf­tigt haben. Der Vor­trag wird auf Eng­lisch und Deutsch ge­hal­ten.

http://www.edition-av.de/buecher/antliff-anarchie_und_kunst.html

red apollo. crowns&thieves. miles&feet. black everest.

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Sa | 7. Juni | 20:00 | WunderBar | Gerberstraße 1/3 | Weimar

LOTUS ENTERTAINMENT PRÄSENTIERT:
____________________________________________________

+ RED APOLLO +
(Atmospheric Sludge Ambient Metal / Dortmund)
http://redapollo.bandcamp.com/
Alerta Antifascista Records | Good Die Young Records | Moment of Collapse Records

+ CROWNS&THIEVES +.
(Post-Hardcore Punk / East Germany Orbit)
http://crownsandthieves.bandcamp.com/
Heads Down Records / Farblos Records

+ MILES&FEET +
(Melodic Heartcore Punk / Leipzig Orbit)
http://milesandfeet.bandcamp.com/
Lifeisafunnything Records

+ BLACK EVEREST +
(Atmospheric Post-Hardcore Screamo / Hamburg, Oldenburg, Berlin Orbit)
http://blackeverest.bandcamp.com/
Moment of Collapse Records

bradley zero. mila stern. deer. sog.

Fr | 23. Mai 2014 | 22:00 | Gaswerk | Weimar

LIVE
Deer (Giegling Weimar)

DJ
Bradley Zero (Boiler Room /Rhythm Section London UK)
Mila Stern (Chalalit / Charles Bronson Halle/S.)
Sog (Polynom Köln-Weimar)

VISUALZ
bckp.vj-team

Bradley Zero (Boiler Room /Rhythm Section London UK)
Bradley Zero, das bekannte Gesicht vom Boiler Room London, ist außerdem ein junger DJ mit einem unstillbaren Durst auf der Suche nach neuen Sounds. Als Host und Resident von Rhythm Section, eine Partyreihe welche in der ikonischen Peckham Pool Hall in South London stattfindet, hatte Bradley die Chance über Jahre hinweg einen eigenen Style mit einem breiten Musikgeschmack zu entwickeln, welcher Woche für Woche unzählige Tanzwütige in die Poolhall lockt.
Als DJ, Promoter oder Host versteht es Bradley durch seine große Leidenschaft zur Musik Neuem Platz zu schaffen, ohne den nötigen Respekt den Traditionellen gegenüber zu verlieren. Diese Prinzipien vereint Bradley schließlich in seinem neuen Label „Rhythm Section International“ mit dem ersten Release im Frühjahr 2014. Wenn du Bradley nicht in der Pool Hall oder im Boiler Room antriffst, hast du die Chance seiner monatlichen Live Show auf NTS anzuhören.

Mila Stern (Chalalit / Charles Bronson Halle/S.)
Mila Stern legt feinstoffliche elektronische Musik auf, welche die Crowd auf eine Reise schickt und dabei Zustände von verweilend-melancholisch bis hin zu rhythmisch-treibender Materie auf der Agenda hat. In ihren Sets modellieren sich harsche Basslines und warme Chords mit einem großen Löffel aus der Emotionsdose zu Feinkost und lassen den Zuhörer mollig schwofen, bevor technoide Euphorie den Moment retardiert. soundcloud.com/mila-stern

Deer (Giegling Weimar)
Als Deer erkundet Martin Hirsch (*1978) viele Arten der elektronischen Musik. Er bezieht Material aus verschiedenen Quellen und schafft so einen besonderen Sound, charakterisiert durch Field Recording, das auf komplexe Rhythmen und wunderschöne, selbst gestaltete Melodien trifft. Martin überlässt es dem Zuhörer, ob er das Produkt dieser Kombinationen als House, Techno oder etwas vollkommen anderes ansieht. Auf jeden Fall ist es einzigartig und fesselnd. Als erfahrener Performer auf Festivals und in Clubs benutzt Martin sowohl Laptop als auch analoge Hardware in seinem Live-Setup. Indem er die Balance zwischen aufwendigem Set und improvisierten Elementen hält, kontrolliert er die Tanzfläche mit seinen Melodien und Bässen.
http://www.deer.fm / soundcloud.com/deer

Sog (Polynom Köln-Weimar)
Ein bisschen Spaß muss sein, denn einer klassischen Schublade im elektronischen Musik-Business hat er sich nie angeschlossen. DJ-Sets gehören bei ihm seit 1994 auf die Plattenspieler, so ist es und so bleibt es und dort passiert halt, was passiert. Abliefern sollen die Typen die damit ihr Geld verdienen wollen oder müssen. Sog will nur unterhalten in echt und ungeschminkt von Gerade bis Gebreakt, von Tunes mit viel Bass für die Murmelmassage bis hin zu Hotsteppern. Die Welt ist Klang, also Ohren auf und immer schön lauschi lauschi und däncy däncy machen. Er beehrscht sein Handwerk! soundcloud.com/dj-sog

[backup kurzfilm festival weimar]

alva noto. mxzehn.

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Fr | 23. Mai | 19.30 Uhr | Deutsches Nationaltheater | Weimar

alva noto | mxzehn

Die Videokunstgruppe MXZEHN, das Backup-Festival und das Deutsche Nationaltheater Weimar gaben heute einen Coup bekannt: Mit dem 1965 in Chemnitz geborenen Künstler und Musiker Carsten Nikolai holen sie einen Weltstar der neuen Avantgarde in die Klassikerstadt. Der Gründer des legendären Raster-Noton Labels wird am Freitag den 23. Mai als Alva Noto das multimediale Konzert univrs im großen Haus des Nationaltheaters zur Aufführung bringen.

Carsten Nicolai balanciert leichtfüssig wie kaum ein anderer zeitgenössischer Künstler auf dem schmalen Grat zwischen Bühne und Museum. Seine Performances werden weltweit bei den wichtigsten Festivals für Medienkunst gefeiert und in keinem seiner Werke entwickelt die Verschmelzung von Bühnenpräsenz, mächtigen Soundgewittern und kongenialer Visualisierung eine derart hypnotische Wucht wie bei dem 2011 entstandenen univrs Konzert, das in Weimar in der uniscope version zu erleben sein wird. Die Performance inszeniert virtuos die klangbasierte Manipulation software-generierter Videobilder die als riesige Projektion die Bühne beherrschen.

Unterstützt wird Alva Noto am 23. Mai von der Videokunst Gruppe MXZEHN, die zusammen mit den Musikern Marc Sauter und Philipp Hiemann ihr neues audio-visuelles Konzertprogramm ZEHN QUADRAT zeigt. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der im Juni 2013 uraufgeführten Performance ZEHN mal ZEHN. Virtuos spielt Vollblut VJ Bahadir Hamdemir dabei sein Lieblingsinstrument, den Panasonic WJ-MX10 während Stefan Kraus, Marc Sauter und Philipp Hiemann in Echtzeit einen digitalen Remix der analogen Videosignale herstellen der aus den rohen Pixelstürmen audiovisuelle Meisterwerke formt.

http://www.alvanoto.com
http://www.carstennicolai.de
http://www.rasternoton.net

http://www.nationaltheater-weimar.de/de/index/spielplan/stuecke_extras/stuecke_details.php?SID=1379

the coloradas. schachtelmund.

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Do | 24. April | 20:00 | Laden | Trierer Straße 5 | Weimar

THE COLORADAS sind eine Kooperation des Sängers und Songwriters Roy Davis, seinem langjährigen Partner Bernie Nye (Songwriting, Stimme, Gitarre, Banjo) und den besten Bluegrass-Musikern aus Maine. Davis hat einiges gemacht. Erst 25 Jahre alt, hat er in den letzten fünf Jahren drei full-length Indie-Folk-Alben herausgebracht, war auf zahlreichen Touren durch die Staaten von Küste zu Küste und war kürzlich auch in Europa unterwegs. Das Ergebnis ist ihr self-titled Debut, innerhalb von zwei Monaten in Portland, Maine aufgenommen: eine Zusammenstellung von energetischen, lyrisch dichten Country-Songs, aufgenommen in einer dieser Musik sehr gemäßen Form: live, akustisch und in einem Raum. Mandoline (Joe Walsh), Kontrabass (Amanda Kowalski, Steve Roy) und Banjo (Nye) legen das Fundament auf dem das Album sich durch ausgelassenen Dylan-Blues, freundliche Country-Waltzer und reduzierte Akustik-Stories webt. Es klingt nach einer Gruppe reisender amerikanischer Root-Musiker, die daran erinnern wie viel Spaß so ein Album machen kann. Im April ist Roy Davis zusammen mit Bernie Nye in Europa auf Tour.

http://www.thecoloradas.com/
http://www.hometowncaravan.de/

SCHACHTELMUND sind hervorgegangen aus einer Weimarer Punkband und spielen melancholische Lieder – Gitarre und Gesang.

http://soundcloud.com/schachtel

todesbejahung und schwarz in der ästhetik des faschismus.

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Do | 13.​ März ​2014 | 20:00 Uhr | ACC Ga­le­rie | Wei­mar

Todesbejahung und Schwarz in der Äs­the­tik des Fa­schis­mus

Vor­trag von Car­men Deh­nert und Lars Quad­fa­sel

Es kann bei einer Ver­an­stal­tung zur Farbe Schwarz im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus nicht al­lein um na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Kunst­po­li­tik gehen: Denn der Na­tio­nal­so­zia­lis­mus sel­ber war, als »Äs­the­ti­sie­rung der Po­li­tik« (Wal­ter Ben­ja­min), eine to­ta­le In­sze­nie­rung, die alle Wirk­lich­keit in sich hin­ein­sog, nichts außen vor las­sen konn­te. Lü­cken konn­te er um kei­nen Preis dul­den – und damit auch nicht die Schwär­ze als Aus­druck von Man­gel, von Trau­er, von Ne­ga­ti­vi­tät.

Weil aber der Kult des un­ver­stüm­mel­ten, wi­der­spruchs­lo­sen Le­bens alles das still­stel­len muss, wo­durch Leben erst le­ben­dig wird, kehrt auch die Farbe Schwarz auf hö­he­rer, näm­lich Eli­ten­ebe­ne wider: als Form herr­schaft­li­cher Iden­ti­fi­ka­ti­on mit genau dem, woran im Bilde nichts er­in­nern darf. Nicht um­sonst lieb­te die SS Namen wie »Schwar­zes Korps«. Im Ver­hält­nis zur Farbe Schwarz re­flek­tiert sich das Ver­hält­nis der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten zum Tod: Was sie als Aus­druck von Ver­gäng­lich­keit, von un­be­herrsch­ba­rer Kon­tin­genz per­hor­res­zie­ren, ver­klä­ren sie zu­gleich, in alter ge­gen­auf­klä­re­ri­scher Tra­di­ti­on, als Sinn­bild un­wi­der­sprech­ba­rer Macht.

Car­men Deh­nert und Lars Quad­fa­sel sind as­so­zi­iert in der Ham­bur­ger Stu­di­en­bi­blio­thek und der Grup­pe Les Ma­de­lei­nes, deren »The­sen zu Tod und Ma­te­ria­lis­mus« im Ex­tra­blatt Nr. 8 er­schie­nen sind.

[Kunst. Spektakel. Revolution.]

einladung zur reise oder: das andere schwarz.

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Do | 20.​ Februar ​2014 | 20:00 Uhr | ACC | Weimar

Einladung zur Reise oder: das an­de­re Schwarz

Vor­trag von Alex­an­der Ema­nu­e­ly

Künst­le­rIn­nen und Schrift­stel­le­rIn­nen der Avant­gar­de, wie Carl Ein­stein, Mi­chel Lei­ris, Su­san­ne Wen­ger, Pier­re Sou­la­ges ent­deck­ten für sich die Wel­ten der Dogon, der Yo­ru­ba, der Zar und auch jene neue Ideen, so z.B. Lépold Sédar Seng­hors nicht un­um­strit­te­nes „Négritu­de“-​Kon­zept, wel­che aus dem mo­der­nen Afri­ka kamen. Dar­aus ent­wi­ckel­te sich zwi­schen In­tel­lek­tu­el­len, ab­seits von Ko­lo­nia­lis­mus, Be­frei­ungs­be­we­gun­gen und -​Krie­gen, über die Kon­ti­nen­te hin­weg, ein Aus­tausch von Ideen und Träu­men, die prä­gnan­te Spu­ren in Kunst und Li­te­ra­tur hin­ter­las­sen haben. Die­sen Spu­ren wird Alex­an­der Ema­nu­e­ly in sei­nem Vor­trag nach­ge­hen.

Alex­an­der Ema­nu­e­ly lebt in Wien und ist wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter der Theo­dor-​Kra­mer-​Ge­sell­schaft. Er ist Autor zahl­rei­cher Texte und be­schäf­tigt sich mit The­men wie Sur­rea­lis­mus und mo­der­ne Kunst, Psy­cho­ana­ly­se und Ideo­lo­gie­kri­tik sowie Er­fah­rung und Li­te­ra­tur des Exils. In der Reihe Kunst, Spek­ta­kel & Re­vo­lu­ti­on war er 2009 be­reits zum Thema »Sur­rea­lis­mus als Re­vo­lu­ti­on« zu Gast.

[ksr]

die enigmatische sprache der kunst. be­cketts roman der na­men­lo­se mit ador­no ge­le­sen.

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Do | 12.​ Dezember | 20:00 Uhr | ACC Galerie | Weimar | Bäckerei | Leipzig

Die enigmatische Sprache der Kunst. Be­cketts Roman Der Na­men­lo­se mit Ador­no ge­le­sen.

Vor­trag von Mar­tin Krem­pel

Die Weimarer Veranstaltungsreihe Kunst, Spektakel & Revolution wird in ihrer fünften Runde (diesmal mit dem Thema »Dunkelheit und Schwarz in der Kultur«) nicht mehr nur nach Hamburg sondern mit dem dritten Vortrag am 12.12 auch in Leipzig per Videoübertragung zu sehen und zu hören sein. Die Liveübertragung wird in den Räumlichkeiten des Casablanca („Die ganze Bäckerei“) in der Josephstraße 12 in Leipzig stattfinden.

Nach Theo­dor W. Ador­no trägt jedes ge­lun­ge­ne Kunst­werk Ge­heim­nis­se über den Zu­stand des mensch­li­chen Zu­sam­men­le­bens in sich ver­bor­gen, wel­che da­nach ver­lan­gen äs­the­tisch er­fah­ren und in­tel­lek­tu­ell ge­deu­tet zu wer­den. Durch ihren ei­gen­sin­ni­gen Sprach­cha­rak­ter kön­nen Kunst­wer­ke ver­schüt­te­te Er­fah­run­gen the­ma­ti­sie­ren, wäh­rend der glei­che Sprach­cha­rak­ter ver­hin­dert, dass diese Er­fah­run­gen vom Re­zi­pi­en­ten in Gänze ver­stan­den wer­den. Sie blei­ben Rät­sel, die die pa­ra­do­xe Auf­ga­be her­aus­for­dern, durch ihre un­mög­li­che Ent­schlüs­se­lung hin­durch, ent­schlüs­selt zu wer­den.

Im Vor­trag soll das schwie­ri­ge Un­ter­neh­men ver­sucht wer­den den Roman Der Na­men­lo­se von Sa­mu­el Be­ckett nicht nur äs­the­tisch zu be­schrei­ben, son­dern auch nach sei­nem ge­hei­men Kern theo­re­tisch zu be­fra­gen. Im Roman selbst fin­det man sich im Kopf des na­men­lo­sen Prot­ago­nis­ten wie­der und ist ge­zwun­gen des­sen psy­cho­ti­schen Dis­kurs über sich selbst, seine Sin­nes­wahr­neh­mun­gen, sei­nen Drang zum Nichts, dem end­gül­ti­gen Tod, und den an­de­ren Stim­men und Ge­stal­ten in of­fe­nen Räu­men nach­zu­ir­ren. Dabei ist man mit drei ver­schie­de­nen Se­quen­zen kon­fron­tiert: einer sich stän­dig wie­der­ho­len­den und sich ver­schie­ben­den Iden­ti­täts­su­che, dem Ent­wurf von schau­rig-​schö­nen Fa­beln, Bil­dern und Pan­to­mi­men, und einer immer wie­der ein­ge­scho­be­nen ne­gie­ren­den Selbst­re­fle­xi­on über das Ge­sche­hen. Alle drei Se­quen­zen sind dabei so tief in­ein­an­der ver­schlun­gen und durch­ge­formt, dass sie sich zu einer düs­te­ren aber immer schon ver­lo­ren ge­gan­ge­nen Welt zu­sam­men­zie­hen.

Im vor­sich­ti­gen Rück­griff auf die vie­len No­ti­zen die Ador­no über Be­cketts oeu­vre, z. B. in der Äs­the­ti­schen Theo­rie, in den Noten zur Li­te­ra­tur oder auch in sei­ner ei­ge­nen Aus­ga­be des Ro­mans Der Na­men­lo­se, nie­der­ge­schrie­ben hat, soll für diese trost­lo­se Welt­er­fah­run­gen eine In­ter­pre­ta­ti­on Stück für Stück ent­wi­ckelt wer­den. Ador­no selbst schrieb 1962 in einem Brief an Wer­ner Kraft über seine Be­ckett­lek­tü­re: »Üb­ri­gens glau­be ich, daß die Ro­ma­ne an Be­deu­tung über die Stü­cke noch hin­aus­ge­hen, vor allem L`In­nom­ma­ble, den ich jetzt mit wahr­haft fie­ber­haf­ter Teil­nah­me ge­le­sen habe. Eine In­ter­pre­ta­ti­on habe ich, noch wäh­rend der Lek­tü­re, skiz­ziert; viel­leicht finde ich neben mei­nen gro­ßen Pro­jek­ten Zeit, sie zu tex­tie­ren. Sie soll­ten aber die­sen Roman un­be­dingt lesen, ob­wohl gute Ner­ven da­zu­ge­hö­ren – damit ver­gli­chen ist Kaf­kas Straf­ko­lo­nie wie der Nach­som­mer.«

Der An­spruch des Vor­tra­ges lau­tet nichts­des­to­trotz, den Roman auf kei­nen Fall in Ador­nos Phi­lo­so­phie zu er­trän­ken oder auch nur des­sen po­ten­ti­el­le In­ter­pre­ta­ti­on nach­ho­len zu wol­len, son­dern ein­zel­ne äs­the­ti­sche Re­fle­xio­nen von Ador­no als Hil­fe­stel­lung zu be­nut­zen, um das Kunst­werk als Kunst­werk ei­gen­stän­dig deu­ten zu kön­nen. Be­cketts Werke schei­nen un­ter­schied­lichs­te phi­lo­so­phi­sche Aus­le­gun­gen über Ador­no hin­aus, wie z. B. die von Gün­ther An­ders, Gille De­leu­ze, Alain Ba­diou oder Simon Critch­ley, um nur ei­ni­ge we­ni­ge zu nen­nen, ma­gisch an­zu­zie­hen, viel­leicht auch weil Be­ckett der Phi­lo­so­phie, ohne vor-​phi­lo­so­phisch zu wer­den, so kom­pro­miss­los wie kein Zwei­ter das Ge­richt ge­macht hat.

In der an­ge­streb­ten In­ter­pre­ta­ti­on soll die These ver­tei­digt wer­den, dass im Na­men­lo­sen eine ex­tre­me Si­tua­ti­on der spät­mo­der­nen Welt­lo­sig­keit ihren künst­le­ri­schen Aus­druck fin­det. Und zwar indem die The­men Sub­jek­te ohne Sub­jek­ti­vi­tät, To­po­lo­gie des so­zia­len Todes und Ethos der Hoff­nungs­lo­sig­keit, un­nach­ahm­lich durch­ge­spielt wer­den. Jedes die­ser The­men ist nicht nur auf der in­halt­li­chen son­dern auch auf der for­ma­len Ebene, z. B. durch die Mit­tel der Sub­trak­ti­on, Dis­so­nanz, psy­cho­tisch ge­bro­che­ne Satz­struk­tur, in­ne­ren Span­nung, gleich­blei­ben­den Dich­te, Sym­bol­wir­kung star­ker Sub­stan­ti­ve, des Echos, Aus­drucks, Glan­zes und der Er­schüt­te­rung, auf­ge­ho­ben. Be­ckett hat in sei­nem Werk die klas­si­sche Struk­tur des Ro­mans, in wel­cher unter einer je spe­zi­fi­schen Dra­ma­tur­gie mit einem An­fang und einem Ende han­deln­de Sub­jek­te ihre Be­zie­hung zur Welt or­ga­ni­sie­ren, ge­kappt und in neuer, ne­ga­ti­ver Art und Weise fort­ge­führt. Das zen­trie­ren­de Mo­ment ist nun nicht mehr ein tra­gi­scher oder ko­mö­di­an­ti­scher Sinn­zu­sam­men­hang, son­dern die Fo­kus­sie­rung auf einen ima­gi­nä­ren Null­punkt, einer des Schwei­gens, der Ruhe und des letz­ten Frie­dens, um wel­chen herum die Hand­lung ver­zwei­felt auf der Stel­le tritt. Da­durch wird die fik­tio­na­le Be­schwö­rung einer an­de­ren Welt eben­so wie die rea­li­täts­ge­rech­te Be­schrei­bung ge­sell­schaft­li­cher To­ta­li­tät hin­ter sich ge­las­sen, um im Schau­rig­schö­nen der ge­stei­ger­ten Rea­li­täts­kon­fron­ta­ti­on fest­zu­hal­ten, dass das, was ist, nicht alles sein kann, wenn Lei­den das Leben zu er­drü­cken sucht. »Be­cketts Stü­cke oder der wahr­haft un­ge­heu­er­li­che Roman Der Na­men­lo­se üben eine Wir­kung aus, der ge­gen­über die of­fi­zi­ell en­ga­gier­ten Dich­tun­gen wie Kin­der­spiel sich aus­neh­men; sie er­re­gen die Angst, wel­che der Exis­ten­zia­lis­mus nur be­re­det.« (Ador­no)

Mar­tin Krem­pel lebt in Wei­mar und stu­diert Ge­sell­schafts­theo­rie in Jena.

[Kunst, Spektakel und Revolution]

tiger magic. sleazy, inc. operated. the nofis.

Fr | 15. November | 21:00 | wunderBar | gerber 3 | Weimar

sleazy, inc. operated (post punk, LE)
http://sleazyincoperated.bandcamp.com/

tiger magic (screamo, postpunk, LE)
http://tigermagic.bandcamp.com/

the nofis (lo-fi grunge duo, DD)