Tag-Archiv für 'staat'

debüt eines lesekurses. hegels grundlinien der philosophie des rechts.

Di | 6. Mai 2014 | 19:00 Uhr | translib | Lütznerstraße 30/Götzstraße 7 | Leipzig

Debüt eines Lesekurses. Hegels Grundlinien der Philosophie des Rechts

Einführungs- und Vorbereitungstreffen

Hegels Grundlinien der Philosophie des Rechts verdanken ihre Prominenz weniger ihrer Lektüre, sondern vielmehr ihrer Kritik durch Karl Marx. Dieser, so will es die Überlieferung, habe Hegels Idealismus in materialistischer Absicht ‚vom Kopf auf die Füße gestellt’. Ob dieses Postulat, das sich landläufig mit der Denunziation Hegels als Apologeten des preußischen Obrigkeitsstaates verbindet, einer eingehenden Prüfung standhält, wird nur eine erschöpfende Untersuchung der hegelschen Rechtsphilosophie erweisen können.

Die Grundlinien erarbeiten den Begriff der modernen Welt ausgehend von Arbeit und Eigentum über die kapitalistische (Re-)Produktion bis zum geschichtlichen Wirken der Staatenkonkurrenz. Das Ziel dieses Unternehmens ist nicht allein empiristische oder subjektivistische Beobachtung, sondern das über derart beschränkte Hinsichten hinausgehende Wissen über das Wesen der Selbst-, Sozial- und Weltverhältnisse der modernen Welt.
Hegels Rechtsphilosophie erschließt den Zusammenhang der Institute der Welt (Arbeit und Eigentum, Moral, Familie, bürgerliche Gesellschaft, Souveränität, Weltgeschichte); sie ist eine bürgerliche Leistung, die Marx in kommunistischer Absicht fortbilden wollte, wie sein – später umgeformtes – Systemprogramm belegt: „Die ganze Scheiße soll zerfallen in 6 Bücher: 1.Vom Kapital. 2.Grundeigentum. 3.Lohnarbeit. 4.Staat. 5.Internationaler Handel. 6.Weltmarkt.“

Die Grundlinien sind jedoch weniger von kommunistischem Interesse, weil sie zur Vertiefung des Verständnisses der Marxschen Theorie beitragen. Sie sind vor allem von Interesse, weil sie um die sehr praktische Frage kreisen, die die Französische Revolution aufgeworfen hat: Wie die Ergebnisse der Emanzipation sichern und vervollkommnen?

Arbeitsaufwand/-weise:

Für die Teilnahme am Kurs sind keine besonderen Vorkenntnisse erforderlich, wohl aber einige Zeit und Muße und Ausdauer, sich den Text lesend, fragend und diskutierend zu erarbeiten.

Es ist schwer vorauszusagen, wie viele Sitzungen nötig sein werden, um Hegels Rechtsphilosophie und ihre Kritik durch Marx angemessen zu behandeln. Als Minimum darf man mit 25 Terminen à 2 Stunden rechnen; ein ähnlich hoher Zeitaufwand sollte für die vorbereitende Lektüre eingeplant werden.

Um den Zusammenhang und die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit festzuhalten, werden sämtliche Sitzungen protokolliert. Diese Aufgabe wird im Rotationsprinzip auf alle Teilnehmenden verteilt.

[http://translibleipzig.wordpress.com/]

tagesseminar zur linken bolschewismuskritik.

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Freitag | 12. Juli | 20:00 Uhr | Marienstraße 18 | Weimar

Tagesseminar zur linken Bolschewismuskritik

Im Seminar wollen wir die im Vortrag von Hendrik Wallat besprochenen Themen vertiefen. Zum einen wollen wir versuchen den histo­rischen Aufstieg des Bolschewismus nachzuvollziehen und zum anderen die rätekommunistische Kritik am Staatssozialismus zu re­konstruieren. Insbesondere wollen wir dabei auch in den Blick neh­men, wie der Bolschewismus weltweit ein Bild seiner selbst erzeugen
konnte, die einzig legitime Form revolutionärer Arbeiterbewegung
darzustellen. Anhand der Lektüre rätekommunistischer Texte soll dann gezeigt werden, welche revolutionären Alternativen zum Staats­sozialismus zumindest denkbar waren, aber auch, welche Widersprü­che darin zum Vorschein kommen.

Es sind keine Vorkenntnisse nötig ­ wir bitten um eine kurze Anmel­dung über biko[at]arranca.de.

http://dissideo.blogspot.de/

wochenendseminar zur staatskritik.

14.-16. Juni | Marienstraße 18 | Weimar

Wochenendseminar zur Staatskritik

Das Problem des politischen Subjekts in der bürgerlichen Gesellschaft besteht nach Marx in der Zerrissenheit der bürgerlichen Persönlichkeit: sie zerfällt in den bourgeois auf der einen Seite, der sich privat reproduzieren muss und egoistisch seinen privaten Geschäften folgt und in den citoyen auf der anderen Seite, der Staatsbürgersubjekt ist und sich mit anderen Staatsbürgern über die Belange der Allgemeinheit berät. Aus dieser Zerrissenheit entspringt ein Blumenstrauß von Ideologien – denn das Staatsbürgersubjekt, das sich immer als souverän Handelndes verstehen muss, muss daher seine privaten Voraussetzungen von sich abspalten. Freiheit und Gleichheit kann sich das bürgerliche Subjekt nur deswegen als real existent vorstellen, weil es die reale Unfreiheit und Ungleichheit im Privatleben verbirgt. Weil es andererseits nicht in der Lage ist, diese Ungleichheiten als gesellschaftlich hervorgerufen und bedingt zu begreifen – denn die Sphäre des Vertrags geht ja wirkmächtig von Freien und Gleichen aus –, muss es die Existenz des Staates als lebensnotwendig erachten. Weil es seine privaten Bedingungen und egoistischen Interessen nicht von selbst gesellschaftlich vermitteln kann, braucht es den Staat, der die gesellschaftliche Qualität alles Tuns und Werkelns institutionalisiert und darin von den einzelnen bourgeois verselbstständigt und entfremdet. Nicht staatlich miteinander vermittelte Einzelinteressen sind für den Bürger nur als Mord und Totschlag vorstellbar, während der Staat das Recht auf Gewaltanwendung monopolisiert. Dementsprechend forderte Marx in mehreren Schriften, dass der bourgeois den citoyen in sich zurücknehmen müsse – das heißt, dass die privaten Menschen sich ihrer gesellschaftlichen Qualitäten bewusst werden und ihre Vermittlung in die eigene Hand nehmen müssen. Während am Ende des 19. Jahrhunderts nach Marx die Pariser Kommune ein Beispiel dafür gegeben hat, wie die Gesellschaft die Staatsgewalt in sich zurücknehmen könne, hat sich das Verhältnis der Revolutionäre zum Staat im Laufe des 20. Jahrhunderts verschoben und verkompliziert: Die Verstaatlichung der Arbeiterbewegung, die Errichtung des Staatssozialismus im Osten, der Staat als autoritärer Krisenbewältiger im Westen, die Rücknahme des citoyen in den bourgeois in Form des Soldaten der Arbeit und die intendierte Aufhebung der Klassengegensätze im nationalsozialistischen Volksstaat – all dies sind Stichwörter, die deutlich machen, dass wir historisch und gegenwärtig auf verschiedensten Ebenen mit dem Problem des Staats konfrontiert sind und um eine umfassende Kritik jeder Form von Staatlichkeit nicht herumkommen. Im Seminar wollen wir zunächst einige Bestimmungen Marxens zum modernen Staat nachvollziehen, um diese in der gemeinsamen Lektüre mehrerer Texte (u.a. von Johannes Agnoli) zu konkretisieren. Dabei soll sich die Textlektüre nach den Bedürfnissen der TeilnehmerInnen richten und gegebenenfalls in kleineren Lektüregruppen gearbeitet werden. Ziel des Seminars ist weniger eine umfassende Abarbeitung am Problem des Staates, als eine Annäherung und gemeinsame Diskussion an/über Probleme, die den Organisatoren und TeilnehmerInnen wichtig erscheinen.

Das Seminar findet statt im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Dissidenten der Arbeiterbewegung“: http://dissideo.blogspot.de/ Es sind keine Vorkenntnisse nötig, eine Anmeldung zum Seminar ist erwünscht (biko[at]arranca.de).

staatsverschuldung als kategorie der kritik der politischen ökonomie.

Mittwoch | 5. Juni | 19 Uhr | kleiner Hörsaal | Carl-Ludwig-Institut (Liebigstraße 27) | Medizinische Fakultät | Universität Leipzig

„Staatsverschuldung als Kategorie der Kritik der politischen Ökonomie“

Ingo Stützle

Fünfter Vortrag der Reihe MarxExpedition 2013

Mit der gegenwärtigen Debatte über Staatsverschuldung und Steueroasen gerät meist aus dem Blick, in welcher vorherrschenden Form Reichtum produziert wird und was die öffentlichen Finanzen als spezifische Form kapitalistischen Reichtums überhaupt ausmacht. Warum nimmt das »ökonomische Dasein« (Marx) des Staates die Form des Steuerstaates an? Diese und ähnliche Fragen werden und wurden in den Debatten im Anschluss an Marxens Werttheorie kaum gestellt.

wissenschaft im dienste von staats­- und geldmacht und hochschulreform als waffe in der standortkonkurrenz.

Do | 23. Mai | 19:00 Uhr | Universität Leipzig (GWZ) | Raum 2.010 | Beethovenstr. 15 | Leipzig

Wissenschaft im Dienste von Staats­- und Geldmacht und Hochschulreform als Waffe in der Standortkonkurrenz

Vortrag und Diskussion mit Freerk Huisken

Hochschulpolitiker sind ausgesprochen selbstkritisch. Ihnen erscheinen ein gebührenfreies Studium von mehr als acht Semestern, Prüfungen nur am Ende des Studiums, Studienordnungen, die Studierenden die Planung des Studiums überlassen, der garantierte Beamtenstatus und die freie Wahl von Forschungsgegenständen nach den Wissenschaftsinteressen der Lehrenden wie eine Einladung zur Faulheit, Ineffektivität und Vergeudung von „Humankapital“. „Zu lange Studienzeiten“, „zu wenig Leistungszwang“, „zu wenig ökonomische Effektivität“, „zu wenig Praxisbezug“, „zu wenig Konkurrenz”, lautet ihr Befund. Für sie steht fest, dass die Unis nicht genug von dem leisten, was die Nation braucht: Mehr Wachstum, mehr Attraktivität des Standorts für internationale Geldanleger, größere (Wissens­)Vorsprünge in Sachen Produktivität vor dem Rest der Welt. Der ganze Sektor leistet für sie in dieser Hinsicht einfach zu wenig. Das Credo der Reform heißt deshalb: Für das Geld, das der Staat ausgibt, und in den Einrichtungen, die er längst geschaffen hat, mehr Leistung erzwingen, die in Forschung und Lehre am Maßstab der Standortkonkurrenz orientiert ist.

Wissenschaftler sollen daher mehr Forschungsergebnisse liefern, die schneller der Industrie verfügbar sind. Studenten sollen gemäß des Bologna­Prozesses kürzer und intensiver studieren, damit sie jünger und billiger in die Berufe drängen. Die Kapazitätsüberlastung der Unis gilt als Konkurrenzimpuls für Studierende, die Zulassung von Privatunis heizt die Rivalität mit den Staatsunis an und der Wettbewerb um die Anerkennung als Exzellenzuniversität macht den Forschern Beine. So geht Hochschulreform heute.

Kritik von Studierenden gibt es daran auch. Doch welche: Es wird mehr Geld für die Unis gefordert, der Leistungsdruck mit dem Hinweis darauf, dass man doch „Mehr Wert“ sei, angeprangert, der Verlust der Freiheit von Forschung und Lehre gerügt und, wenn es hoch kommt, der Zugriff von „Verwertungsinteressen“ auf die Unis kritisiert. Diese Kritik trifft nicht das, was die Uni ist und was der Staat mit ihnen vor hat. Und der studentische Forderungskatalog steht mehr für den Aufstand einer beleidigten akademischen Elite als für eine treffende Befassung mit den Gründen der Hochschulreform.

Eine Veranstaltung des Arbeitskreises Gesellschaftskritik.

europäisierung und krise.

Fr | 17. Mai | 19 Uhr | Hörsaalgebäude | HS 8 | Universität Leipzig

Europäisierung und Krise

Dritter Vortrag der Reihe MarxExpedition 2013 mit John Kannankulam (Marburg)

Dass die europäische Integration kein Thema war, das Karl Marx behandelt haben könnte, liegt auf der Hand. In seinem Vortrag will John Kannankulam dennoch der Frage nachgehen, wie sich der europäische Integrationsprozess aus historisch-materialistischer Perspektive begreifen laesst. Im Anschluss an Arbeiten aus dem Umfeld der Staatsableitungsdebatte der 1970er Jahre und des sog. „Neo-Gramscianismus“ sollen Perspektiven der kritischen Europaforschung dargestellt werden, um im Anschluss daran der Frage nachzugehen, inwieweit sich mit diesem Instrumentarium die aktuelle Eurozonen-Krise begreifen und kritisieren lässt.

*John Kannankulam lehrt am politikwissenschaftlichen Institut der Philipps-Universität Marburg.

zur kritik der nationalen und transnationalen migrationspolitik.

Donnerstag |16. Mai | 19:00 Uhr | Conne Island | Leipzig

Zur Kritik der nationalen und transnationalen Migrationspolitik

Vortrag und Diskussion mit John Kannankulam (Uni Marburg)

Migration ist ein wesentlicher Bestandteil der kapitalistischen Produktionsweise und stellt diese vor immer neue Herausforderungen. An den europäischen Außengrenzen sterben Jahr für Jahr tausende Menschen, doch trotz massiver Abschottung gelingt vielen die Einreise in ein
Europa, das die Geflüchteten systematisch nach dem Grad ihrer Produktivität aussortiert und entrechtet.
Die europäische Integration hat eine Migrationspolitik hervorgebracht, welche klassische staatstheoretische Argumentationen vor neue Überlegungen stellt. Bedeutet diese doch die Herausbildung eines den Nationen überlagerndes Territoriums, einer transnationalen Bevölkerungsregulierung sowie die Verschiebung von Gewaltmonopol und Staatsbürgerschaft. Der Vortrag soll sich aus einer kritisch-materialistischen Perspektive mit diesen Entwicklungen auseinandersetzen und dabei auch auf die Fragen eingehen, welche Konsequenzen sich aus staatstheoretischer Sicht für eine emanzipatorische linke Praxis ergeben können.

Der Vortrag findet im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zur 20. Jährung der Abschaffung des Asylrechts in Deutschland statt, die sich dem Zusammenhang von Rassismus, Migrationspolitik und Kapitalismus, aber auch der Kritik antirassistischer Theorie widmet.

Eine Veranstaltung von The Future Is Unwritten.

in der umlaufbahn. über die sozialen und politischen auswirkungen der eurokrise.

13.Dezember * 18.15 Uhr * Melanchthonianum, Uniplatz

Anton Landgraf: In der Umlaufbahn. Über die sozialen und politischen Auswirkungen der Eurokrise

Nirgendwo ist es ruhiger als im Zentrum des Orkans. Während Süd- und Osteuropa mit dem wirtschaftlichen Verfall kämpft, ist in Deutschland wenig davon zu spüren. Hier lästert man über liederliche Griechen und bankrotte Spanier, während man sich selbst auf die Schulter klopft – jetzt scheint sich die Aussage von Bundeskanzlerin Merkel zu bestätigen, wonach Deutschland gestärkt aus Krise hervorgehen werde. Die neue deutsche Herrlichkeit ist allerdings untrennbar mit einem sozialen Desaster in den peripheren Staaten verbunden. In kurzer Zeit ist dort der Lebensstandard dramatisch gesunken, vergleichbar nur mit der Zeit nach einem (Kalten) Krieg. Die Reaktionen in den betroffenen Regionen fallen dabei unterschiedlich aus. Während es in Südeuropa zu heftigen sozialen Auseinandersetzungen kommt, experimentiert man in Osteuropa mit Formen autoritärer Herrschaft. Hinzu kommt in ganz Europa eine Renaissance längst obsolet geglaubter separatistischer Bewegungen. Der alte Plan eines Kerneuropas erhält so neue Aktualität: Während sich die peripheren Staaten immer schneller in der Umlaufbahn drehen, verfestigt sich die Macht im Zentrum.

Ein Vortrag in der gesellschaftskritischen Veranstaltungsreihe „Kapitalistische Krisenzeiten. Politik, Ideologie, Identität.“ des AK Kritische Intervention.

Form und Geschichte des kapitalistischen Staates.

05.07. | 19:00 Uhr | Hörsaal 1 | Neues Hörsaalgebäude Uni Campus Leipzig

Joachim Hirsch (Uni Frankfurt)

Joachim Hirsch, einer der Hauptakteure der sogenannten Staatsableitungsdebatte der 70er Jahre und einst Professor für Politikwissenschaft an der Uni Frankfurt, gastiert in Leipzig und spricht über den kapitalistischen Staat und seine Bedeutung für die Marxsche Kritik.

[MarxExpedition 2012]

Kritik der Politikwissenschaft.

Mittwoch, 20. Juni, 19 Uhr, Melanchthonianum, Universitätsplatz, Halle (Saale)

»That politics may be reduced to a science«. Die politikwissenschaftliche Ersetzung von Herrschaft durch Psychologie der Herrschenden.

Vortrag und Diskussion mit Alex Gruber

In Anschluss an das von Gramsci et al. herrührende Hegemoniekonzept hat sich eine Seinslehre der Macht durchgesetzt, die den Staat als jene Arena hypostasiert, in welcher der für das Feld des Politischen grundlegende Kampf stattfindet. »Der Staat ist die materielle Verdichtung von Kräfteverhältnissen«: Dies ist die an Nicos Poulantzas geschulte Fassung einer Ontologie des Politischen, die in ihrem Versuch, »Politische Theorie als erste Philosophie« (Oliver Marchart) zu betreiben, alles andere als zufällig – mal verdruckster, mal offener – eine Renaissance von Politischer Theologie vorantreibt und darin der Ranküne gegen Rechtsstaatlichkeit und repräsentative Demokratie zuarbeitet.

»Ist unsere Demokratie noch zeitgemäß« ist die Frage, die in solch scheinkritischen Diskussionen gestellt wird, und die wenig überraschende, weil in der Frage schon angelegte Antwort lautet: Nein – ?weil die »etablierte Politik« im Dienste der »Vermögensbesitzer« und gegen die »leidende Bevölkerung« regiere (Ulrich Brand). Die am Beginn der Moderne stehende Erkenntnis, dass es auf die gesellschaftliche Einrichtung und nicht auf die subjektiven Dispositionen des Herrschaftspersonals ankommt, ist liquidiert zugunsten einer Psychologie, welche Herrschaft und Krise auf mangelnde Solidarität der regierenden Politiker reduziert wissen, und diese durch einfühlsamere und ›bürgernähere‹ ersetzt sehen möchte. Darin ist zugleich die Gewalt verdrängt? – jene Gewalt, von der ein bürgerlicher Denker wie Hume noch jederzeit einen Begriff besaß, und die er durch einen »representative body« und ein System von »checks and balances« eingehegt wissen wollte.

Alex Gruber ist Mitherausgeber des Buches »Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft« (ça ira, 2011).

[Hört auf zu studieren, fangt an zu begreifen! Antifaschistische Hochschultage Sommersemester 2012]