Tag-Archiv für 'seminar'

zur geschichte und vorgeschichte der revolution in portugal 1974-1975.

So | 11. Mai 2014 | 11:00 Uhr | translib | leipzig

Zur Geschichte und Vorgeschichte der Revolution in Portugal 1974-1975
Tagesseminar

Die historischen Bedingungen und Entwicklungsphasen dieser sozialen Revolution wollen wir uns in gemeinsamer Lektüre und Interpretation einiger aussagekräftiger Dokumente klarmachen. Wie kann die Frage eines linkscommunistischen Buchtitels beantwortet werden: “Portugal – Die unmögliche Revolution ?” und was ist von der gleichzeitigen Behauptung zu halten: “Die portugiesische Erfahrung ist modern in jeder Hinsicht, ebenso wie die portugiesische revolutionäre Bewegung” ? Auch in diesem Workshop steht uns zur Annäherung an die komplexe Geschichte verschiedenes Filmematerial zur Verfügung. Ein Reader (sowie Frühstücksbüffet) werden bereitgestellt.

tagesseminar zur linken bolschewismuskritik.

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Freitag | 12. Juli | 20:00 Uhr | Marienstraße 18 | Weimar

Tagesseminar zur linken Bolschewismuskritik

Im Seminar wollen wir die im Vortrag von Hendrik Wallat besprochenen Themen vertiefen. Zum einen wollen wir versuchen den histo­rischen Aufstieg des Bolschewismus nachzuvollziehen und zum anderen die rätekommunistische Kritik am Staatssozialismus zu re­konstruieren. Insbesondere wollen wir dabei auch in den Blick neh­men, wie der Bolschewismus weltweit ein Bild seiner selbst erzeugen
konnte, die einzig legitime Form revolutionärer Arbeiterbewegung
darzustellen. Anhand der Lektüre rätekommunistischer Texte soll dann gezeigt werden, welche revolutionären Alternativen zum Staats­sozialismus zumindest denkbar waren, aber auch, welche Widersprü­che darin zum Vorschein kommen.

Es sind keine Vorkenntnisse nötig ­ wir bitten um eine kurze Anmel­dung über biko[at]arranca.de.

http://dissideo.blogspot.de/

rasse und individuum. plädoyer für eine vollendet künstliche amoral.

rasse und individuum

wochenendseminar zur staatskritik.

14.-16. Juni | Marienstraße 18 | Weimar

Wochenendseminar zur Staatskritik

Das Problem des politischen Subjekts in der bürgerlichen Gesellschaft besteht nach Marx in der Zerrissenheit der bürgerlichen Persönlichkeit: sie zerfällt in den bourgeois auf der einen Seite, der sich privat reproduzieren muss und egoistisch seinen privaten Geschäften folgt und in den citoyen auf der anderen Seite, der Staatsbürgersubjekt ist und sich mit anderen Staatsbürgern über die Belange der Allgemeinheit berät. Aus dieser Zerrissenheit entspringt ein Blumenstrauß von Ideologien – denn das Staatsbürgersubjekt, das sich immer als souverän Handelndes verstehen muss, muss daher seine privaten Voraussetzungen von sich abspalten. Freiheit und Gleichheit kann sich das bürgerliche Subjekt nur deswegen als real existent vorstellen, weil es die reale Unfreiheit und Ungleichheit im Privatleben verbirgt. Weil es andererseits nicht in der Lage ist, diese Ungleichheiten als gesellschaftlich hervorgerufen und bedingt zu begreifen – denn die Sphäre des Vertrags geht ja wirkmächtig von Freien und Gleichen aus –, muss es die Existenz des Staates als lebensnotwendig erachten. Weil es seine privaten Bedingungen und egoistischen Interessen nicht von selbst gesellschaftlich vermitteln kann, braucht es den Staat, der die gesellschaftliche Qualität alles Tuns und Werkelns institutionalisiert und darin von den einzelnen bourgeois verselbstständigt und entfremdet. Nicht staatlich miteinander vermittelte Einzelinteressen sind für den Bürger nur als Mord und Totschlag vorstellbar, während der Staat das Recht auf Gewaltanwendung monopolisiert. Dementsprechend forderte Marx in mehreren Schriften, dass der bourgeois den citoyen in sich zurücknehmen müsse – das heißt, dass die privaten Menschen sich ihrer gesellschaftlichen Qualitäten bewusst werden und ihre Vermittlung in die eigene Hand nehmen müssen. Während am Ende des 19. Jahrhunderts nach Marx die Pariser Kommune ein Beispiel dafür gegeben hat, wie die Gesellschaft die Staatsgewalt in sich zurücknehmen könne, hat sich das Verhältnis der Revolutionäre zum Staat im Laufe des 20. Jahrhunderts verschoben und verkompliziert: Die Verstaatlichung der Arbeiterbewegung, die Errichtung des Staatssozialismus im Osten, der Staat als autoritärer Krisenbewältiger im Westen, die Rücknahme des citoyen in den bourgeois in Form des Soldaten der Arbeit und die intendierte Aufhebung der Klassengegensätze im nationalsozialistischen Volksstaat – all dies sind Stichwörter, die deutlich machen, dass wir historisch und gegenwärtig auf verschiedensten Ebenen mit dem Problem des Staats konfrontiert sind und um eine umfassende Kritik jeder Form von Staatlichkeit nicht herumkommen. Im Seminar wollen wir zunächst einige Bestimmungen Marxens zum modernen Staat nachvollziehen, um diese in der gemeinsamen Lektüre mehrerer Texte (u.a. von Johannes Agnoli) zu konkretisieren. Dabei soll sich die Textlektüre nach den Bedürfnissen der TeilnehmerInnen richten und gegebenenfalls in kleineren Lektüregruppen gearbeitet werden. Ziel des Seminars ist weniger eine umfassende Abarbeitung am Problem des Staates, als eine Annäherung und gemeinsame Diskussion an/über Probleme, die den Organisatoren und TeilnehmerInnen wichtig erscheinen.

Das Seminar findet statt im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Dissidenten der Arbeiterbewegung“: http://dissideo.blogspot.de/ Es sind keine Vorkenntnisse nötig, eine Anmeldung zum Seminar ist erwünscht (biko[at]arranca.de).

das proletariat als prozess – revisited.

Fr. – 26. Oktober 2012 – 19.00 Uhr
Das Proletariat als Prozess – Revisited / Vortrag

Sa. – 27. Oktober 2012 – 11.00 bis ca. 14.00 Uhr
Das Proletariat als Prozess – Revisited / Seminar

Kapitaldruck am Roßplatz 11, Leipzig

Das Proletariat als Prozess – Revisited

Noch immer ist die Kategorie „Proletariat“ ein Tabu. Haftet ihm doch in doppelter und dreifacher Hinsicht die Aura der bisher größten historischen Niederlage an:

- das schreckenerregende Bild der einst angekündigten Revolution zur Verwirklichung einer klassenlosen Gesellschaft;

- das abstoßende Bild „des Proletariers“ von einst als Verkörperung sowohl des männlich-sexistischen „Arbeiters der Faust“ als auch des mitleidheischenden „armen und dummen Proleten“;

- d.h. in den deutschen Zuständen: die schreckenerregende Vorstellung vom revolutionären Proletariat ist in das Grauen angesichts der historischen Kollaboration der deutschen Arbeiter_innenklasse mit dem Nationalsozialismus übergegangen, ihre massenhafte Eingliederung in die Volksgemeinschaft – auch die der PostNS-Ära – steht vor Augen, womit auch das identitäre Bild vom Proleten schlechthin fixiert worden ist.

- das kompromittierende Bild einer parteilich-interessierten Ideologie des Staatsmonopols im Namen des Proletariats, welche in der nüchternen soziologischen Empirie der modernen, scheinbar „ent-ideologisierten“ universitären Wissenschaft schon längst nichts mehr zu suchen hat; bis hin zu dem Verdacht oder der These, dass die Vorstellung von „Klasse(nkampf)“ selber bloß ein „Fetisch“ sei.

Dieses überdeterminierte Tabu ist aber zugleich Ausdruck wie Besiegelung der historischen Niederlage, und beide sind nur aufzukündigen, indem wir sie erklären. Die Selbstaufklärung der Proletarisierten über ihre Niederlage, dass wir es noch immer und sogar zunehmend sind – nämlich existenziell abhängig vom Verkauf unserer Arbeitsvermögen als Ware auf dem Arbeitsmarkt –, sie wäre schon der erste und elementarste Schritt zur Bildung der Klasse an-und-für-sich und damit erst zur Selbstabschaffung als Klasse und der Klassengesellschaft überhaupt.

Dieser Prozess der Selbstbewusstmachung konnte niemals geradlinig-progressiv verlaufen, und mit dem historischen Versagen des Proletariats 1933 – 45 und danach ist er zutiefst gebrochen. Der Prozess scheint in seinen Momentaufnahmen als fixierten Bildern seit einem halben Jahrhundert zu Ende gekommen zu sein. Das Proletariat als Prozess der menschlich-gattungsmäßigen Emanzipation müsste jenseits seiner Bilder neu erfunden werden – „bei Strafe des Untergangs“ (Marx). Aber begreift der Begriff noch die historische Wahrheit dieser Kategorie?

Was schon Adorno in dieser Situation (nach „Auschwitz“) festhielt, war eine wissenschaftlich-kritische Antwort: Der Wahrheitsgehalt des Klassen-Begriffs „berichtigt sich ebenso an der fortschreitenden Erfahrung wie an der Theorie. Keine dieser Kategorien allein ist ein Universalschlüssel; die Momente sind ineinander und arbeiten kritisch aneinander sich ab. Irgendeines zu isolieren verblendet die Wissenschaft – selbst Teilstück des gesellschaftlichen Prozesses – mit dem Schein, den sie tilgen soll und tilgen kann bloß, wofern sie die dialektische Komplexität ihres Gegenstandes trifft durch die eigene.“ (Anmerkungen zum sozialen Konflikt heute. 1968)

In unserem Vortrag und im daran anschließenden Kurs soll nun versucht werden, einen neuen Anfang zu machen mit der Zusammenfassung der historischen und alltäglichen fortschreitenden Erfahrung der Proletarität seit Marx’ Ära einerseits, der progressiven und regressiven Theorie von ihr andererseits. Diese dialektische Komplexität möchten wir vereinfachend sichtbar machen entlang wenigen Momenten des Proletariatsprozesses, die analytisch zunächst zu isolieren sind:

- als Erfahrung des radikalen Enteignetseins von den gesellschaftlichen Produktions- und Lebensbedingungen – was sich ausdrückt in der politischen Ökonomie und ihrer radikalen Kritik;

- als Erfahrung der fortschreitenden Teilungen der gesellschaftlichen Arbeit und Sphären wie aber auch ihres erzwungenen Zusammenspiels – was sich ausdrückt in Entfremdungen der Proletarisierten von ihren individuellen Fähigkeiten und voneinander sowie von sich als „gesellschaftlicher Gesamtarbeiter_in“; in ihren Charaktermasken und „Rollen“, last but not least in ihren Geschlechtern als „gender“ wie als „sexes“ — sowie in der radikalen Kritik dieser Rollenteilungen und dieser Geschlechts-Performation, in der psychoanalytischen und queerfeministischen „Kritik der libidinösen Ökonomie“;

- als Erfahrung der Versklavung in der zunehmenden Freiheit: einhergehend mit der Vergesellschaftung in bürgerlich-kapitalistischer Form, in den Formen der Zwangsarbeit, der Staatlichkeit, der kinship-relations wie der traditionellen und neuen Familie und des social networking … — und all dies drückt sich aus in Theorien der Fremd- und Selbstregulierung der Subjekte einerseits und andererseits in communistischer Kritik an allem, was der materiell-zeitökonomisch disponiblen Entwicklungsmöglichkeit des total selbstbestimmten gesellschaftlichen Individuums heute immer noch im Wege steht.

Bei diesem Herausarbeiten der (in Wirklichkeit untrennbaren) Momente „Kritik der politischen Ökonomie“, „Kritik der libidinösen Ökonomie“ und „Kritik der Ideologie als Herrschaftskomplex der Klassengesellschaft“ werden entstellte und übergangene Ansätze kritischer Theorie des wissenschaftlichen Communismus vorgestellt und angerissen:

so die Marxsche Kritik des Patriarchats (Raya Dunayevskaya), der Religion und Manipulationsphilosophie (Georg Lukács) sowie der Staatlichkeit (G.I.C. und S.I.); endlich gilt es hinzuweisen auf die communistische Psychoanalyse des Fenichel-Kreises und auf die situationistische Spektakeltheorie: beide historisch bedeutenden Ansätze zur Analyse (und Therapeutik) des fixierten (Selbst-)Bildes vom Proletariat und seiner Verdrängung sind bis heute besonders verschüttet oder verzerrt. Beide haben vor allem begriffen, dass „die Selbstbefreiung der Arbeiterklasse“ von Lohnarbeit/Kapital/Staat nicht allein das Werk massenhafter Lektüre des „Kapital“ Band 1 bis 3 … sein kann.

Zur Einleitung werden zuerst die entscheidendsten Ursprünge des Proletariatsbegriffs vor Augen geführt und die Marxsche Wendung zu seiner Verwissenschaftlichung auf der Basis materialistischer Analyse der Arbeit und ihres Doppelcharakters, ihrer möglichen Fetischformen im historischen Prozess der Proletarisierung aufgezeigt. Mit der Zuspitzung auf die „Antisemitismusfrage“ – wie konnte diese „verkehrte Revolution“ im Proletariatsprozess entstehen und alles bisher Erkämpfte in den geschichtlichen Abgrund reiten – soll zum Schluss das Problembewusstsein auf die aktuelle Situation gerichtet werden.

Es spricht und sucht die Diskussion Christopher Zwi, u.a. Mitherausgeber der Bände “Situationistische Revolutionstheorie” (Schmetterling Verlag).

Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei.