Tag-Archiv für 'revolution'

dantons tod.

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Dantons Tod

von Georg Büchner

Es gab Revolutionen, die in totalitäre Systeme mündeten, die die vorhergehenden Schrecken noch übertrafen. Es gab Umbrüche, wie vor fast 25 Jahren, als die Ostdeutschen eine friedliche Revolution erlebten, aber kann man in diesem Fall überhaupt von einer Revolution sprechen? Und was geschieht gerade in der arabischen Welt? Kann eine derartige Umwälzung überhaupt ohne Blutvergießen vonstatten gehen?

Es ist unheimlich, wie viel Wissen über die zerstörerischen Kräfte der Revolution in einem Stück von einem gerade einmal 21-Jährigen steckt. Büchners Drama »Dantons Tod«, das einen mehrtägigen Ausschnitt aus der Spätphase der Französischen Revolution zeigt, hat bis auf den heutigen Tag nichts an seiner Aktualität eingebüßt. Bei Büchner (1813-37) entfernen sich die Überzeugungen und Aktionen des tugendhaften Robespierre vom sinnlichen Hedonisten Danton immer mehr voneinander. Die Initiatoren des Umbruchs stehen sich unversöhnlich gegenüber, der Eine lässt den Anderen hinrichten! Bruderbund wird zu Brudermord: »Ich weiß wohl – die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder.«

»Dantons Tod« macht deutlich, dass es nichts bringt, vor den blutigen Kosten und mörderischen Umwegen der Revolutionen die Augen zu verschließen. Aber wann hat die Gewalt ein Ende? Wann ist eine Revolution am Ziel?

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kritik der kunst. ästhetik & gesellschaftskritik.

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Donnerstag | 3. Juli | 20:00 | ACC Galerie Weimar | Burgplatz 1-2 | Weimar

BOOK LAUNCH ::: Nr. 5 – WEIMAR

KRITIK DER KUNST – ÄSTHETIK & GESELLSCHAFTSKRITIK

Was verbindet das philosophische Nachdenken über Kunst mit einer Kritik der Gesellschaft – und kann eine kritische Ästhetik noch heute ein „Instrumentarium“ bereit stellen, um die Gegenwart von Kunst und Gesellschaft zu fassen?

LUKAS HOLFELD (Mitglied des Bildungskollektivs, Kunst Spektakel Revolution) diskutiert mit dem Herausgeber MARCUS QUENT (Engagierte Wissenschaft e.V.)

Die 1970 veröffentlichte Ästhetische Theorie ist ein Fragment gebliebenes Textgefüge, in dem Theodor W. Adorno wesentliche Gedanken in einer Verflechtung von Kunst, Philosophie und Gesellschaft entfaltet. In dem neu erschienen Buch „Das Versprechen der Kunst“ (Turia + Kant, 2014) fragen Autorinnen und Autoren aus den Bereichen Philosophie, Politischer Theorie sowie der Kunst-, Literatur- und Musikwissenschaft nach der Aktualität von Adornos ästhetischer Theorie.

Anlässlich der Veröffentlichung des Sammelbandes veranstaltet die AG Ästhetische Theorie (Engagierte Wissenschaft e.V.) im Juni und Juli zwei weitere Buchpräsentationen in München und Weimar. Zu Gesprächen und Diskussionen sind Autorinnen und Autoren des Bandes, eingeladen um mit den Herausgebern exemplarisch über die Aktualität von Adornos ästhetischer Theorie zu diskutieren.

http://www.engagiertewissenschaft.de/de/inhalt/AG_Aesthetische_Theorie
http://www.turia.at/titel/adorno_kunst.html
http://www.acc-weimar.de/

die landbesetzung von torre bela.

Do | 26. Juni 2014 | 20:00 Uhr | translib | Lütznerstraße 30 | Leipzig

Die Landbesetzung von Torre Bela

Dokumentation und Vortrag zur Landnahme, Kooperative sowie den Grenzen und Möglichkeiten von Dokumentarfilmen

Torre Bela. Ein Landgut. Ein Olivenhain. Ausgetrocknet. Eine Landkommune. Der Revolutionsrat. Die Frau mit den Oliven.
Der Dokumentarfilm von Thomas Harlan zeigt die Besetzung des Landguts Torre Bela in Portugal 1975. Die Arbeiter_innen bilden eine Kooperative, die Kamera ist immer dabei, ohne Erklärungen zu liefern. Der Film geht dabei Fragen nach der kollektiven Organisation von Arbeit nach, zeigt gleichzeitig die Stimmung während der sogenannten „Nelkenrevolution“ in Portugal, sowie das sich wandelnde Verhältnis zu den Soldaten. Der Vortrag will außerdem genauer auf die Machart des Filmes eingehen und nach den Grenzen zwischen Fiktion und Dokumentation fragen.
Thomas Harlan, Filmemacher und Schriftsteller, ist leider vor allem als Sohn Veit Harlans, dem „Jud Süß“– Regisseur bekannt. Das Verhältnis zu seinem Vater und das Verbrechen der Shoa prägten sein Schaffen sowohl in seinen Romanen „Heldenfriedhof“ und „Rosa“, als auch im Film „Wundkanal“. Er arbeitete in den 60er Jahren eng mit dem Staatsanwalt Fritz Bauer und der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg zusammen. Postkoloniale und linke Kämpfe außerhalb Deutschlands lagen jedoch ebenso in seinem Interesse, wie die Filme „Torre Bela“ und der in Haiti gedrehte „Souvenance“ zeigen.

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die abrechnung steht noch aus. 40 jahre klassenkämpfe in portugal.

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Fr | 20. Juni 2014 | 19:00 Uhr | translib | Lütznerstraße 30 | Leipzig

Die Abrechnung steht noch aus – 40 Jahre Klassenkämpfe in Portugal.

Diskussionsveranstaltung zur „Nelkenrevolution“ mit Charles Reeve und Ricardo Noronha.

Es gibt Orte und Jahreszahlen, die in linken Ohren sofort vertraut klingen und bei Vielen eine Flut von Assoziationen, Bildern und Namen hervorrufen. St. Petersburg 1917, Barcelona 1936 oder Paris 1968 sind längst zu mythischen Chiffren für die Siege und Niederlagen der sozialen Revolution geworden. „Lissabon 1974“ bringt dagegen nichts zum Klingen, ruft keine Namen, Bilder und Parolen hervor. Lissabon 1974 steht in keiner lebendigen Beziehung mehr zu uns, und das wofür die Chiffre einsteht, ist nahezu völlig aus dem historischen Bewusstsein einer sich revolutionär verstehenden Linken gelöscht. Und das obwohl – oder vielleicht: gerade weil – das, was am 25. April 1974 in Lissabon mit einem linken Militärputsch in Gang kam, sich rasant zu der radikalsten und umfassendsten sozialen Revolution ausweitete, die Westeuropa nach dem 2. Weltkrieg erschüttert hat. Denn auf die Absetzung eines faschistischen und kolonialistischen Regimes folgte in Portugal eine riesige Bewegung der Besetzungen, die sich innerhalb weniger Monate zehntausende Wohnhäuser, Betriebe und Landgüter aneignete und sie unter die räteförmige Selbstverwaltung der ausgebeuteten Klassen stellte. Seither gab es wohl keinen praktischen Angriff auf die bestehenden Eigentumsverhältnisse mehr, der den herrschenden Klassen so gefährlich geworden wäre!

Wir möchten an diesem Abend über jene Ereignisse diskutieren. Dafür konnten wir mit Charles Reeve und Ricardo Noronha zwei ganz besondere internationale Gäste gewinnen.

Charles Reeve (*1945) desertierte 1967 aus der portugiesischen Kolonialarmee und lebt seitdem im Pariser Exil. Er war in den Jahren 1974/75 aktiver Teilnehmer des revolutionären Prozesses in Portugal. Bereits im Frühjahr 1976 legte er eine kritische Analyse des Scheiterns der „Nelkenrevolution“ in seiner Broschüre „Die portugiesische Erfahrung“ vor. Die hierin enthaltenen Einsichten sind bis heute maßgebend und wurden von Reeve in mehreren über die letzten 40 Jahre verfassten Artikeln und Essays zum Thema kontinuierlich vertieft, zuletzt in seinem neusten Text „Das Unvorhersehbare – unser Territorium“. Reeve schreibt unter anderem für die Zeitschrift „Wildcat“ und berichtet seit den 1970ern aus verschiedenen Kontinenten über die Kämpfe und Lebensbedingungen eines in permanenter Umwälzung begriffenen Weltproletariats. Zuletzt erschien 2001 von ihm „Die Hölle auf Erden. Bürokratie, Zwangsarbeit und Business in China“ in deutscher Übersetzung bei Edition Nautilus.

Ricardo Noronha arbeitet als Sozial- und Wirtschaftshistoriker am Institut für Zeitgeschichte der Universität Lissabon. Er forscht vor allem zur Einbindung des semi-peripheren Portugal in die europäische und weltkapitalistische Ökonomie und zur Nationalisierung des Bankwesens im Rahmen der „Nelkenrevolution“ (siehe seinen Aufsatz „Die Banken im Dienste des Volkes“ in dem Buch „Portugal 25. April 1974 – Die Nelkenrevolution“ vom Laika-Verlag). Unlängst veröffentlichte er unter dem Titel „Never has a winter been so long“ ein Thesenpapier auf der Homepage der Gruppe Affect (New York), in dem er seine Einschätzung der komplizierten Konflikte und Alternativen 1974-75 prägnant verdichtet. In der Vergangenheit hat Noronha sich auch mit dem Spanischen Bürgerkrieg 1936-39, dem italienischen Operaismus und der Situationistischen Internationale auseinandergesetzt.

Gemeinsam wollen wir danach fragen, wie und warum die damals durch die Aktion der Ausgebeuteten kurzfristig eroberten ungeheuren Möglichkeiten zur Emanzipation wieder zerschlagen werden konnten? Welche Rolle spielten Staat und Kapital, aber auch die linken Organisationen, also Sozialdemokraten und Gewerkschaften, Parteikommunisten und linksradikale Grüppchen in dieser Auseinandersetzung? Worin bestanden die entscheidenden Schwächen der Bewegung, die eine teils gewaltsame, teils „samtene“ Konterrevolution möglich machten? Und nicht zuletzt: wo stehen Portugal und die portugiesische Bewegung heute, nach 40 Jahren bürgerlicher Konterrevolution und 5 Jahren Schuldenkrise?

translib hat „Never has a winter been so long“ von R. Noronha & „Imprévisible“ (Das Unvorhersehbare) von C. Reeve ins Deutsche übersetzt.

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ein bürgerkrieg in deutschland. zu theorie und praxis des antiautoritären kommunismus 1914-1923.

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Donnerstag | 19. Juni | 20:00 | Lasallestraße 50 | Erfurt

Ein Bürgerkrieg in Deutschland – Zu Theorie und Praxis des antiautoritären Kommunismus 1914-1923

Vortrag von Seb Bronsky

»Andere mögen ihr: ›Nur nicht zu viel! Nur nicht zu früh!‹ plärren. Wir werden bei unserem: ›Nur nicht zu wenig! Nur nicht zu spät!‹ beharren.« [Karl Liebknecht]

Die russische Oktober-Revolution, die Bolschewiki, allen voran Lenin wurden von den deutschen Kommunisten bewundert, begeistert waren auch die antiautoritären Kommunisten von dem Maximalismus, der nicht nur den 1. Weltkrieg beenden, sondern ihn in einen Bürgerkrieg umwandeln wollte; es schien, mit der sozialistischen Weltrevolution würde endlich ernst gemacht. Zwei, spätestens drei Jahre später war von dieser Bewunderung nicht mehr viel übrig, Bolschewiki und deutsch-holländischer Rätekommunismus waren auseinandergegangen. Lenin warf den Antiautoritären unter den Kommunisten vor, sie wären eine utopistische Kinderkrankheit des Kommunismus, die Antiautoritären sahen in Sowjetrußland nicht die Diktatur des Proletariats, sondern die staatskapitalistische Despotie der bolschewistischen Partei.

Der Vortrag möchte auf drei Ebenen vorgehen: Erstens soll an die wirkliche Bewegung in Deutschland erinnert werden, das heißt nicht nur an die proletarischen Kämpfe gegen den Weltkrieg und die November-Revolution, sondern mehr noch an den heute weitgehend vergessenen, anschließenden Bürgerkrieg. Zweitens an die revolutionären Organisationen: vom Spartakusbund und den Internationalen Kommunisten Deutschlands zur Kommunisten Partei und deren erster Spaltung; von der Kommunistischen Arbeiter-Partei und der Allgemeinen Arbeiter Union, die erst nach tausenden zählten und von denen 1923 nur noch heillos zerstrittene Grüppchen übrig waren. Drittens soll die aus diesen Kämpfen und Auseinandersetzungen hervorgegangene Gesellschaftskritik, das was man heute Links- oder Rätekommunismus nennt, vorgestellt werden, ihre historischen Verdienste wie auch ihre Schwächen und Fehler.

[dissidenten der arbeiterbewegung]

anarchie & kunst.

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Die | 17. Juni | 20:00 | Der Laden | Trierer Straße 5 | Weimar

Anarchie & Kunst

Allan Ant­liff – An­ar­chist, Kunst­his­to­ri­ker, -kri­ti­ker und Pro­fes­sor für Mo­der­ne und Zeit­ge­nös­si­sche Kunst in Ka­na­dav – und Katja Cro­nau­er – Über­set­ze­rin – tra­fen sich vor Kur­zem zum ers­ten Mal in Per­so­na und be­schlos­sen spon­tan eine Le­se­r­ei­se zu star­ten.

Allan Ant­liff stellt sein bei Edi­ti­on AV er­schie­ne­nes Buch An­ar­chie und Kunst – Von der Pa­ri­ser Kom­mu­ne bis zum Fall der Ber­li­ner Mauer vor. Es be­ginnt mit Cour­bet, Proud­hon und der Pa­ri­ser Kom­mu­ne und han­delt von an­ar­chis­ti­scher Kunst seit dem 19. Jahr­hun­dert und ihrer Wech­sel­wir­kung auf ge­sell­schaft­li­chen Wan­del an­hand be­deu­ten­der ge­schicht­li­cher Er­eig­nis­se, vor allem in Eu­ro­pa, Russ­land und den USA. Unter Be­zug­nah­me auf die phi­lo­so­phi­schen und po­li­ti­schen Dis­kur­se der je­wei­li­gen Epo­che, wird un­ter­sucht, wie sich an­ar­chis­ti­sche Künst­ler*innen (Maler*innen, Dich­ter*innen, Gra­fi­ker*innen, Mu­si­ker*innen, Kunst­his­to­ri­ker*innen, u.a.) mit einer Reihe von The­men wie Äs­the­tik, Mi­li­ta­ris­mus, der öko­lo­gi­schen Krise, Staats­au­to­ri­ta­ris­mus, Armut, An­ti­im­pe­ria­lis­mus und Fe­mi­nis­mus be­schäf­tigt haben. Der Vor­trag wird auf Eng­lisch und Deutsch ge­hal­ten.

http://www.edition-av.de/buecher/antliff-anarchie_und_kunst.html

avantgarde oder arrièregarde? die linken organisationen portugals im „andauernden revolutionären prozess”.

Do | 29. Mai 2014 | 11:00 Uhr | translib | Lütznerstraße 30 | Leipzig

Avantgarde oder Arrièregarde? Die linken Organisationen Portugals im „andauernden revolutionären Prozess” (PREC)
Ein Workshop im Rahmen der Reihe „Der Maulwurf und die Nelken“

Die Resultate der „Nelkenrevolution“ haben als letzte sozialistisch orientierte Revolutionsbewegung der Arbeiter_innen und Landarmut im alten Europa ebenso begeisternd wie ernüchternd gezeigt: Die moderne Arbeiter_innenklasse kann sich nur selbst befreien und aufheben, wenn das Ziel ihrer Befreiung die Aufhebung jeder Klassenherrschaft ist und damit die Befähigung aller Individuen zur selbstbewussten Kontrolle ihrer Gesellschaft. Die Klasse als Subjekt ihrer Emanzipation – als kämpfende Klasse – steht deshalb immer in einem problematischen Verhältnis zu den Organisationen, die ihre historische Mission vertreten oder gar führen wollen und ideologisch als ihre ökonomische und politische Repräsentation, oft sogar als ihre Avantgarde auftreten.

Während des PREC gab es in Portugal auch links von der an der Sowjetunion ausgerichteten Kommunistischen Partei, deren blockierende Tätigkeit genauer zu untersuchen ist, eine Vielzahl solcher sich als revolutionär verstehenden Gruppierungen, die auch in den Basisorganisationen der Arbeiter_innen höchst aktiv, teilweise gut „verankert“ waren und sich mehr oder weniger nützlich machten. Wir wollen uns mit der Rolle dieser Gruppen im Bildungs- und Organisierungsprozess des Proletariats und ihrer befördernden oder hemmenden Wirkung auf dessen Autonomie beschäftigen.

Wir werden den Feiertagsblock intensiv, aber auch entspannt (mit Dokus, Videos etc.) für unser Laboratorium der Selbstaneignung nutzen, um das bis jetzt vorliegende Material zu sichten, unsere eigenständigen Einschätzungen zu diskutieren und Fragestellungen für die Diskussion mit den Gästen aus Portugal am 20. Juni zu erarbeiten.

[translib]

zur geschichte und vorgeschichte der revolution in portugal 1974-1975.

So | 11. Mai 2014 | 11:00 Uhr | translib | leipzig

Zur Geschichte und Vorgeschichte der Revolution in Portugal 1974-1975
Tagesseminar

Die historischen Bedingungen und Entwicklungsphasen dieser sozialen Revolution wollen wir uns in gemeinsamer Lektüre und Interpretation einiger aussagekräftiger Dokumente klarmachen. Wie kann die Frage eines linkscommunistischen Buchtitels beantwortet werden: “Portugal – Die unmögliche Revolution ?” und was ist von der gleichzeitigen Behauptung zu halten: “Die portugiesische Erfahrung ist modern in jeder Hinsicht, ebenso wie die portugiesische revolutionäre Bewegung” ? Auch in diesem Workshop steht uns zur Annäherung an die komplexe Geschichte verschiedenes Filmematerial zur Verfügung. Ein Reader (sowie Frühstücksbüffet) werden bereitgestellt.

das nelken-spektakel. die mythen knacken.

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Sa | 10. Mai 2014 | 19:30 Uhr | translib | Leipzig

Das Nelken-Spektakel. Die Mythen knacken

Vortrag mit Bilderpräsentation

Ansetzend an den offiziellen, staatstragenden Bildern und Klischees von der “friedlichen Transformation der Diktatur in die Demokratie” Portugals 1974-76 sowie an den Mythen der Linken soll eine kurze Einführung in die Ereignisgeschichte des “Andauernden Revolutionären Prozesses” (PREC) gegeben werden. Zwecks Strukturierung des turbulenten Geschehens werden einige Gegenthesen über jene “vergessene Revolution” herausgearbeitet. Dokumentarfilme werden im Anschluss an den ca 1-stündigen Vortrag angeboten.

nationale befreiung oder befreiung von der nation?

Do | 8. Mai | 20:00 | Reil78 | Halle

Nationale Befreiung oder Befreiung von der Nation?

Thorsten Mense

Wenn man die alltägliche Gewalt und die historischen Massengräber des Nationalismus betrachtet, verwundert es, dass es auch heute noch linke Bewegungen gibt, die im Nationalismus das Instrument zur Befreiung sehen. Tatsächlich stand – im bürgerlichen Sinne – hinter dem Konzept der Nation historisch aber auch eine emanzipatorische Idee: Es ging es darum, Untertan_innen unabhängig von Herkunft und Stand zu gleichen und freien Subjekten zu machen, die sich im freiwilligen Zusammenschluss eine rationale politische Ordnung geben. Bekanntermaßen ist daraus nichts geworden. Stattdessen wurde das revolutionäre Element des Nationalismus für die demokratische Transformation der Gesellschaft schon bald von kulturalistischen und rassistischen Grenzziehungen im Namen der Nation verdrängt. Nationalismus wurde zur ideologischen Grundlage für die Legitimation des Ausschlusses und der Gewalt gegenüber den „Anderen“. Als Zwangskollektiv lässt das Konstrukt der Nation dabei auch die „Eigenen“ nicht in Ruhe. Diese Entwicklung liegt in der Sache selbst begründet. Nationalismus stellt keine Kritik an den herrschenden Verhältnissen dar – sondern ist selber ein Teil von ihnen.

Zugleich hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg jede Revolution in nationalen Begriffen definiert. Auch bei der Befreiung vom Nationalsozialismus, die am 8. Mai gefeiert wird, wurde unter den Nationalfahnen der Alliierten gegen die nationalsozialistische „Fremdherrschaft“ gekämpft. Und selbst im globalisierten postkolonialen 21. Jahrhundert wird Befreiung weiterhin vorrangig national gedacht. Daraus ergeben sich viele Fragen: Wer soll heutzutage eigentlich von wem befreit werden? Wie kann es sein, dass baskische Kommunist_innen und deutsche Nazis beide ein „Europa der freien Völker“ fordern? Und wie kommt es, dass die Menschen bis heute massenhaft bereit sind, für diese „kümmerlichen Einbildungen der jüngeren Geschichte“ (Benedict Anderson) zu töten, zu sterben oder sich sonstwie aufzuopfern?

Thorsten Mense ist Soziologe und freier Autor (Jungle World, Konkret). In dem Vortrag wird es um Geschichte und Funktion des Nationalismus gehen, mit Fokus auf die (vermeintlich) linken Varianten und Nationalen Befreiungsbewegungen. Dabei soll seine Funktionalität in der widersprüchlichen Moderne aufgezeigt und dem Verhältnis von Befreiung und Regression im Nationalismus nachgegangen werden.