Tag-Archiv für 'rassismus'

ödland.

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Do | 3. Juli 2014 | 19:00 Uhr | Zazie | Kleine Ulrichstr. 22 | Halle

Ausgegrenzt – Innen- und Außenansichten des europäischen Migrationsregimes

Eine Filmreihe von no lager Halle

Immer wiederkehrende Fernsehbilder von überfüllten Booten, irgendwo im Mittelmeer, auf dem Weg nach Europa, Berichte über Kämpfe und Hungerstreiks von Flüchtlingen, rassistische „Bürgerinitiativen“, die gegen neu ankommende Asylsuchende hetzen… Die Themen Migration, Flucht und Asyl sind in der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion derzeit so präsent wie seit den frühen 1990er Jahren nicht mehr. Aber wird die mediale Mainstreamberichterstattung den Menschen, die immer hinter den Berichten und Geschichten stehen, tatsächlich gerecht? Soll sie das überhaupt? Wir wollen euch dazu einladen,
im kommenden Sommersemester einen anderen Blick auf das komplexe europäische Grenz- und Migrationsregime zu werfen. In der Reihe „ausgegrenzt“ werden wir vier Dokumentarfilme zeigen, die jeweils einen konkreten Teilaspekt der Flüchtlingspolitik Europas bzw. Deutschlands beleuchten und unterschiedliche Einblicke in die direkten Auswirkungen für die Betroffenen ermöglichen. Im Anschluss an die Filme besteht die Möglichkeit für Fragerunden und Diskussion, z. T. in Anwesenheit der FilmemacherInnen. Aktuelle Informationen zu den Terminen und Gästen werden rechtzeitig auf unserer Website veröffentlicht.

Die Filmreihe findet in Kooperation mit dem Alternativen Vorlesungsverzeichnis ALV der Uni Halle statt.

ÖDLAND – Damit keiner das so mitbemerkt (DIE ZONE # Filmproduktion | 2013 | 79 Minuten | Dt, Arab, Kurd mit UT)

„Es sind Sommerferien. Inmitten von Wäldern und ein paar Schafweiden steht ein Wohnblock auf ehemaligem Kasernengelände der sowjetischen Armee. Umringt von verfallenen Baracken, verrotteten Soldatenfresken, einem verwilderten Fußballplatz und einem nagelneuen Maschendrahtzaun. Hier wachsen Aya, Momo und Mustafa auf. Sie verbringen die Ferien zu Hause im Asylbewerberheim. In Deutschland aufgewachsen, verstehen sie das mit dem ‚Asyl‘ nicht so richtig und wollen eigentlich ganz normal sein. Sie vertreiben sich die Langeweile mit Fußball, machen einen Ausflug zum nahe gelegenen See und versuchen sich im Kupferschrotthandel. Eine Geschichte von Kindheit, Heimat und der Suche nach Identität.“

Der Film spielt im ehemaligen Lager Möhlau (Landkreis Wittenberg), das Anfang der 90er Jahre eingerichtet wurde. Bis Ende 2012 wurden Flüchtlinge dort zum Teil über viele Jahre hinweg völlig isoliert in einem maroden Plattenblock untergebracht. Ab 2009 organisierten sie sich in einer Initiative, um gegen die Unterbringung im Lager zu kämpfen. Nach der Schließung Möhlaus Anfang 2013 wurde ein neues Lager in Vockerode eingerichtet. Die Gruppe no lager halle besucht und unterstützt Flüchtlinge im Landkreis Wittenberg seit Jahren in ihren Kämpfen.

ein augenblick freiheit.

Mittwoch | 18. Juni | 21:00 | Café Wagner | Wagnergasse 26 | Jena

Zum „Weltflüchtlingstag“ (20. Juni) zeigt „refugio thüringen“, das psycho-soziale Zentrum für Flüchtlnge in Thüringen, wieder einen Film zum Thema Flucht in der Kinoreihe im Café Wagner.

“Ein Augenblick Freiheit” (AUT/F, 2008, 114 min, Regie: Arash T. Riahi).

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=4SvYmoytVPI

“Ein Augenblick Freiheit” schafft das Kunststück auf hochspannende und zugleich unterhaltsame Weise ein Flüchtlingsdrama zu erzählen. Dabei spielen bei aller Ernsthaftigkeit auch Humor und Komik eine tragende Rolle und ermöglichen so den Zugang zu einem sehr komplexen Thema, das schließlich auch ganz grundsätzliche Fragen zum menschlichen Zusammenleben und dem Umgang miteinander aufwirft. (FBW-Pressetext)

„Drei Flüchtlingsgruppen aus dem Iran, darunter zwei Kurden, flüchten mit Hilfe von Schleppern und Lotsen, teils zu Fuß, teils mit Pferden, teils mit dem Auto, über das iranisch-türkische Grenzgebirge in die Türkei. In einem heruntergekommenen Hotel kreuzen sich deren Wege erstmals, der Film erzählt in der Folge von deren unterschiedlichen Fluchtmotiven, Auswanderungszielen, Vorstellungen von der Zukunft und den vielfältigen Hindernissen, die der weiteren Emigration nach Deutschland oder Österreich im Wege stehen.“ (Wikipedia)

magyarische mobilisierung. antisemitismus und völkische krisenbewältigung in ungarn.

Dienstag | 27. Mai 2014 | 19:00 Uhr | Melanchthonianum | Universitätsplatz | Halle

Magyarische Mobilisierung – Antisemitismus und völkische Krisenbewältigung in Ungarn
Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat (Wien)

Ungarn scheint auf den Titel „Antisemitischstes Land in Europa“ versessen zu sein: Regelmäßig demonstrieren Nazis in Budapest, mehr als ein Drittel der Ungarn glaubt an eine jüdische Weltverschwörung und die Regierung betont die guten Beziehungen zum Iran – der Staat, der Israel auslöschen will. Auch in vergleichenden Länderstudien zur Verbreitung von Fremdenfeindlichkeit und klassischem Antisemitismus erreicht die ungarische Bevölkerung regelmäßig Spitzenwerte. Der „Ungarische Bürgerbund“ Fidesz, die Schwesterpartei der deutschen Unionsparteien, hat in den letzten vier Jahren mit seiner Zwei-Drittel-Mehrheit in einem atemberaubenden Tempo eine autoritäre und auf völkische Mythen rekurrierende Umgestaltung der ungarischen Gesellschaft betrieben. Ministerpräsident Orbán agiert im scheinbar vorauseilenden Gehorsam gegenüber der offen antisemitischen und rassistischen Jobbik, in Wirklichkeit aber im gar nicht sonderlich heimlichen Einverständnis mit dieser. Der Vortrag will nicht nur auf die politische Situation in Ungarn eingehen, sondern auch auf die zentralen Entwicklungen in der ungarischen Gesellschaft eingehen, die eine antisemitische Mobilisierung möglich gemacht haben.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Uni Wien, Herausgeber von „Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert“ und Mitherausgeber von „Iran im Weltsystem. Bündnisses des Regimes und Perspektiven der Freiheitsbewegung“. Ein ausführlicher Beitrag von ihm zum Thema ist im Heft 2 der Zeitschrift „sans phrase“ erschienen.

[Wahn und Verschwörung – Die antisemitische Internationale – Antifaschistische Hochschultage im Sommersemester 2014 der ag antifa im Studierendenrat der MLU Halle]

refugees welcome.

Refugees Welcome!

Dritter Definitivartikel zum ewigen Frieden

»Das Weltbürgerrecht soll auf Bedingungen der allgemeinen Hospitalität eingeschränkt sein.«

Es ist hier, wie in den vorigen Artikeln, nicht von Philanthropie, sondern vom Recht die Rede, und da bedeutet Hospitalität (Wirtbarkeit) das Recht eines Fremdlings, seiner Ankunft auf dem Boden eines andern wegen, von diesem nicht feindselig behandelt zu werden. Dieser kann ihn abweisen, wenn es ohne seinen Untergang geschehen kann; so lange er aber auf seinem Platz sich friedlich verhält, ihm nicht feindlich begegnen. Es ist kein Gastrecht, worauf dieser Anspruch machen kann (wozu ein besonderer wohltätiger Vertrag erfordert werden würde, ihn auf eine gewisse Zeit zum Hausgenossen zu machen), sondern ein Besuchsrecht, welches allen Menschen zusteht, sich zur Gesellschaft anzubieten, vermöge des Rechts des gemeinschaftlichen Besitzes der Oberfläche der Erde, auf der, als Kugelfläche, sie sich nicht ins Unendliche zerstreuen können, sondern endlich sich doch neben einander dulden zu müssen, ursprünglich aber niemand an einem Orte der Erde zu sein mehr Recht hat, als der andere. – Unbewohnbare Teile dieser Oberfläche, das Meer und die Sandwüsten, trennen diese Gemeinschaft, doch so, daß das Schiff, oder das Kamel (das Schiff der Wüste) es möglich machen, über diese herrenlose Gegenden sich einander zu nähern, und das Recht der Oberfläche, welches der Menschengattung gemeinschaftlich zukommt, zu einem möglichen Verkehr zu benutzen. Die Unwirtbarkeit der Seeküsten (z.B. der Barbaresken), Schiffe in nahen Meeren zu rauben, oder gestrandete Schiffsleute zu Sklaven zu machen, oder die der Sandwüsten (der arabischen Beduinen), die Annäherung zu den nomadischen Stämmen als ein Recht anzusehen, sie zu plündern ist also dem Naturrecht zuwider, welches Hospitalitätsrecht aber, d.i. die Befugnis der fremden Ankömmlinge, sich nicht weiter erstreckt, als auf die Bedingungen der Möglichkeit, einen Verkehr mit den alten Einwohnern zu versuchen. – Auf diese Art können entfernte Weltteile mit einander friedlich in Verhältnisse kommen, die zuletzt öffentlich gesetzlich werden, und so das menschliche Geschlecht endlich einer weltbürgerlichen Verfassung immer näher bringen können.

Vergleicht man hiemit das inhospitale Betragen der gesitteten, vornehmlich handeltreibenden Staaten unseres Weltteils, so geht die Ungerechtigkeit, die sie in dem Besuche fremder Länder und Völker (welches ihnen mit dem Erobern derselben für einerlei gilt) beweisen, bis zum Erschrecken weit. Amerika, die Negerländer, die Gewürzinseln, das Kap etc. waren, bei ihrer Entdeckung, für sie Länder, die keinem angehörten; denn die Einwohner rechneten sie für nichts. In Ostindien (Hindustan) brachten sie, unter dem Vorwande bloß beabsichtigter Handelsniederlagen, fremde Kriegesvölker hinein, mit ihnen aber Unterdrückung der Eingebornen, Aufwiegelung der verschiedenen Staaten desselben zu weit ausgebreiteten Kriegen, Hungersnot, Aufruhr, Treulosigkeit, und wie die Litanei aller Übel, die das menschliche Geschlecht drücken, weiter lauten mag.

China und Japan (Nippon), die den Versuch mit solchen Gästen gemacht hatten, haben daher weislich, jenes zwar den Zugang, aber nicht den Eingang, dieses auch den ersteren nur einem einzigen europäischen Volk, den Holländern, erlaubt, die sie aber doch dabei, wie Gefangene, von der Gemeinschaft mit den Eingebornen ausschließen. Das Ärgste hiebei (oder, aus dem Standpunkte eines moralischen Richters betrachtet, das Beste) ist, daß sie dieser Gewalttätigkeit nicht einmal froh werden, daß alle diese Handlungsgesellschaften auf dem Punkte des nahen Umsturzes stehen, daß die Zuckerinseln, dieser Sitz der allergrausamsten und ausgedachtesten Sklaverei, keinen wahren Ertrag abwerfen, sondern nur mittelbar, und zwar zu einer nicht sehr löblichen Absicht, nämlich zu Bildung der Matrosen für Kriegsflotten, und also wieder zu Führung der Kriege in Europa dienen, und dieses möchten, die von der Frömmigkeit viel Werks machen, und, indem sie Unrecht wie Wasser trinken, sich in der Rechtgläubigkeit für Auserwählte gehalten wissen wollen.

Da es nun mit der unter den Völkern der Erde einmal durchgängig überhand genommenen (engeren oder weiteren) Gemeinschaft so weit gekommen ist, daß die Rechtsverletzung an einem Platz der Erde an allen gefühlt wird: so ist die Idee eines Weltbürgerrechts keine phantastische und überspannte Vorstellungsart des Rechts, sondern eine notwendige Ergänzung des ungeschriebenen Kodex, sowohl des Staats-als Völkerrechts zum öffentlichen Menschenrechte überhaupt, und so zum ewigen Frieden, zu dem man sich in der kontinuierlichen Annäherung zu befinden nur unter dieser Bedingung schmeicheln darf.

[Immanuel Kant (1795): Zum ewigen Frieden. Werke in zwölf Bänden. Herausgegeben von Wilhelm Weischedel. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1977. Band 11, S. 213 ff.]

du weist schon, wie in rostock.

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Fr | 23. Mai | 19:30 | Thalia Theater | Kardinal-Albrecht-Straße 6 | Halle

Miteinander e.V. lädt ein zum Release der Dokumentation

„‚Du weißt schon, wie in Rostock‘ – Ein Beitrag gegen das Vergessen rechter und rassistischer Gewalt im Sachsen-Anhalt der 1990er Jahre“ (2013, 23 min, Ein Film von Kathrin Lemcke und Miteinander e.V.)

Filmvorführung & Expert_innengespräch

Die rechte Gewalt zu Beginn der 1990er Jahre wird zumeist auf die Ereignisse in Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda reduziert. Doch rassistisch motivierte Angriffe auf Flüchtlinge sowie Gewalt gegen alternative Jugendliche gehörten bundesweit zum Alltag. Die Täter_innen konnten sich infolge der rassistisch geführten Asyldebatte und der nationalistischen Welle nach der Wiedervereinigung insbesondere in den neuen Bundesländern als Teil einer zustimmenden Mehrheit fühlen. Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, gab es auch in Sachsen-Anhalt zahlreiche Angriffe.
Dieser Film schildert die Erfahrungen von vier Menschen, die Anfang der 1990er Jahre in Sachsen-Anhalt von rassistischer und nationalistischer Gewalt
betroffen waren.

online ab dem 24.Mai online unter
http://vimeo.com/miteinanderev/duweisstschon

Miteinander e.V. cordially invites you to join the release of the documentary

„You know how it was in Rostock – Remembering so as not to forget the right-wing and racist violence in Saxony-Anhalt in the 1990s“ (2013, 23 min, A film by miteinander e.V. and Kathrin Lemcke)

Screening of the Movie and talk with experts

Right-wing violence at the beginning of the 1990ies is usually reduced to the events in Rostock-Lichtenhagen and Hoyerswerda. But attacks on
refugees motivated by racism and violence against alternative youth were part of everyday life in the country. Following the racist debate on asylum and the nationalist sentiments after the reunification especially in the newly formed German states, the perpetrators could easily feel like parts of a consenting majority. Vastly ignored by the public there
were plenty of attacks in Saxony-Anhalt. The movie gives voice to four people who talk about their experiences. In the early 1990ies they were victims of racist and nationalist violence in Saxony-Anhalt.

online from May 24th onwards
http://vimeo.com/miteinanderev/duweisstschon

links ist da, wo kein antisemitismus ist?

Di | 13. Mai 2014 | 19:00 Uhr | Melanchthonianum | Universitätsplatz | Halle

Links ist da, wo kein Antisemitismus ist?
Vortrag und Diskussion mit Sören Pünjer (Berlin)

Wer sich schon einmal daran versucht hat, am ideologischen Weltbild eines standhaften Linken zu rütteln, der wird um die Erfahrung nicht herumgekommen sein, dass das faktenbezogene Argumentieren meist nur an einer einzigen Stelle den linken Selbstzweifel nähren kann: Den Vergleich mit der NPD bemühen zu müssen, entspringt der Hoffnung, wenigstens am antifaschistischen Gewissen jener rühren zu können, die im Angesicht ihrer persönlichen Nähe zu den Nazis noch vor sich selber erschrecken können.

Verweist man auf die nicht aus der Welt zu schaffende Deckungsgleichheit bzw. die riesige Schnittmenge, die zwischen der NPD-Programmatik und der linken Welterklärung insbesondere beim Thema Globalisierung besteht, dann zeigt sich, dass hier etwas schon rein logisch nicht stimmen kann. Jeder besser geschulte Linke weiß selbstverständlich, dass das Weltbild der braunen Kameraden eindeutig antisemitisch ist. Was aber hält die roten Genossen dazu an, gerade an den entscheidenden Punkten wie der Einordnung der Rolle Israels und der USA ihren Erzfeinden gar nicht widersprechen zu können?

Die richtige Antwort auf diese Frage setzt die Erkenntnis voraus, dass der Antisemitismus auch eine Form von Rassismus sein kann, dies aber keineswegs sein Wesen ausmacht, dass er nicht als eine falsche Kritik am Judentum verharmlost werden darf und dass Rassismus und Antirassismus spätestens seit dem Erfolg von Franz Fanon und Edward Said sich ohnehin immer ähnlicher werden.

Warum unter solchen Vorzeichen schon die bloße Frage nach linken Wegen jenseits von Herrschaft und Ausbeutung verdächtig sein muss und die Einladung eines Friedensforschers nach Halle, der über den Westen und den Iran referiert, das Protestieren gegen seine Einladung notwendig macht, darum soll es im Vortrag gehen.

Sören Pünjer ist Redakteur der Zeitschrift „Bahamas“.

[ag antifa | Wahn und Verschwörung – Die antisemitische Internationale Antifaschistische Hochschultage im Sommersemester 2014]

lagerkomplex.

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Do | 1. Mai 2014 | 19 Uhr | Infoladen | Ludwigstraße 37 | Halle

Filmreihe „AUSGEGRENZT“ von no lager halle:

„LAGERKOMPLEX“ (kinoki now! | 2006 | 104 Minuten | Dt, Kurd, Türk, Russ, Frz mit dt UT=

Immer wiederkehrende Fernsehbilder von überfüllten Booten, irgendwo im Mittelmeer, auf dem Weg nach Europa, Berichte über Kämpfe und Hungerstreiks von Flüchtlingen, rassistische „Bürgerinitiativen“, die gegen neu ankommende Asylsuchende hetzen, … . Die Themen Migration, Flucht und Asyl sind in der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion derzeit so präsent wie seit den frühen 1990er Jahren nicht mehr. Aber wird die mediale Mainstreamberichterstattung den Menschen, die immer hinter den Berichten und Geschichten stehen, tatsächlich gerecht? Soll sie das überhaupt? Wir wollen euch dazu einladen, im kommenden Sommersemester einen anderen Blick auf das komplexe europäische Grenz- und Migrationsregime zu werfen. In der Reihe „AUSGEGRENZT“ werden wir vier Dokumentarfilme zeigen, die jeweils einen konkreten Teilaspekt der Flüchtlingspolitik Europas bzw. Deutschlands beleuchten und unterschiedliche Einblicke in die direkten Auswirkungen für die Betroffenen ermöglichen.

Der Film „LAGERKOMPLEX“ zeigt eine innere Grenze: das Lager. In der scheinbar ländlichen Idylle des Osnabrücker Landes befindet sich im Ort Bramsche-Hesepe Deutschlands größtes Abschiebelager mit dem Schwerpunkt der sogenannten Freiwilligen Ausreise.

Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit für Fragerunden und Diskussion, z. T. in Anwesenheit der FilmemacherInnen. Aktuelle Informationen zu den Terminen und Gästen werden rechtzeitig auf unserer Website veröffentlicht.

Eine Veranstaltung von no lager halle im Rahmen des Alternativen Vorlesungsverzeichnis (ALV).

europas radikale rechte.

Mittwoch | 9. April 2014 | 19:00 Uhr | Franckesche Stiftungen | Englischer Saal | Haus 26 | Halle

Wieviel Gefahr droht Europa von rechts?

Vortrag mit Andreas Speit

In Griechenland mehren sich die Übergriffe auf MitgrantInnen, in Rumänien soll ein Ultranationalist und Antisemit zum Verfassungsrichter ernannt werden und der rechte Front National unter Marine Le Pen liegt in den Meinungsumfragen weit vor der Regierung unter François Hollande. Derzeit erstarken extreme rechte Parteien in Europa – mit möglicherweise drastischen Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Europäischen Parlaments nach der Europawahl. Die Recherche von Andreas Speit (u.a. taz, Netz gegen Nazis) und Martin Langebach gibt einen Überblick über die wichtigsten Netzwerke, AkteurInnen und Subkulturen in Europa.

Im Anschluss an den Vortrag von Andreas Speit thematisieren wir die Folgen des Erstarkens rechter Kräfte auf das politische System in Europa und fragen wie dem – auf politischer und gesellschaftlicher Ebene – begegnet werden kann.

griechenland hinter den kulissen.

Freitag | 28.3. | 16 Uhr | Uni Jena | Carl-Zeiss-Str. 3 | Hörsaal 9 | Jena
Samstag | 29.3. | 16 Uhr | L50 | Lasallestr. 50 | Erfurt

Griechenland hinter den Kulissen.

Ein Vortrag mit Leuten aus dem Umfeld der neuen antifaschistischen Zeitschrift „0151“ zur gegenwärtigen Situation in Griechenland und ihren historischen Wurzeln.

Bei den letzten Wahlen in Griechenland, welche im Mai und Juni 2013 stattfanden, bekam die Neo-Nazi-Partei „Goldene Morgenröte“ eine halben Million Stimmen und damit 7% aller abgegebenen. Schlimmer noch, in den Meinungsumfragen der letzten Monate bekannten 15-17% der Griechen, die Neo-Nazi-Partei zu unterstützen und bekundeten ihre Sympathie gegenüber den Aktivitäten der „Goldenen Morgenröte“. Zugleich sind Angriffe auf Migranten in Athen und anderen Städten Griechenlands in den letzten Jahren zur Normalität geworden.

Jedoch sind Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus, Homophobie und Faschismus auch schon während der letzten Jahrzehnte, sowie während aller vorhergehenden Epochen der nationalen Geschichte, dauerhafte Bestandteile der griechischen Gesellschaft gewesen.

Die griechische Gesellschaft weiß, wie mit Fremden umzugehen ist, und zeigt sich gastfreundlich.
Von den geschäftigen Stadtvierteln Athens bis zu den Feldern des griechischen Hinterlandes gab es in den vergangenen Jahrzehnten Erschießungen, Vergewaltigungen, Morde und Staatliche Gefangennahmen von GastarbeiterInnen, Geflüchteten und Roma. Diese Übergriffe wurden von der griechischen Mehrheitsgesellschaft unterstützt oder beschwiegen. Doch auch Andere, die von den Normen der nationalen Mehrheit abweichen (LGBTQ, FeministInnen, politische Radikale usw.), sehen sich Feindseligkeit und gesellschaftlicher Ächtung ausgesetzt.

( „0151“ versucht sich an einer Dokumentation, Untersuchung und Zurückdrängung des Antisemitismus, des Rassismus, des Faschismus, der Homophobie und des Sexismus der griechischen Gesellschaft und ihrer Avantgarden.)

Der Vortrag wird auf English gehalten und übersetzt.

deutsche dörfer. comeback der 90er? antirassismus im zeichen der nazi- und bürgerproteste gegen flüchtlingsheime.

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Samstag | 15. März 2014 | 19:30 Uhr | Conne Island | Leipzig

Deutsche Dörfer: Comeback der 90er? Antirassismus im Zeichen der Nazi- und Bürgerproteste gegen Flüchtlingsheime

Podiumsdiskussion

Die Zahl rechtsextremer Angriffe auf Flüchtlingsheime hat sich 2013 im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Bürger protestieren gemeinsam mit Nazis gegen die Unterbringung von Asylsuchenden. Das erinnert an die neunziger Jahre. Gleichzeitig haben Flüchtlinge den Widerstand gegen das Migrationsregime mehr und mehr selbst in die Hand genommen und die Flüchtlingsabwehr hat sich an die europäischen Außengrenzen verlagert.
Wie geht die Linke mit dieser Situation um? Muss sich antirassistische Arbeit zuerst gegen den gesellschaftlichen Rassismus wenden oder gegen die staatliche Flüchtlingspolitik? Ist wieder klassische Antifa-Arbeit gefragt? Oder geht es jetzt darum, vor allem Flüchtlinge bei ihrem Kampf zu unterstützen?

Die Wochenzeitung „Jungle World“ diskutiert dies mit Jan-Georg Gerber, Felix Fiedler, Jennifer Stange und Daniel Steinmaier (Pro Asyl). Moderation: Ivo Bozic