Tag-Archiv für 'natur'

wozu wissenschaft? die vielheit der zwecke und ihre philosophische polarisierung.

Mittwoch | 21. Mai 2014 | 19 Uhr | Uni Jena | Hörsaal 8 | Carl Zeiss Str. 3 | Jena

Wozu Wissenschaft? Die Vielheit der Zwecke und ihre philosophische Polarisierung

Joachim Schummer

Das Nachdenken über Zwecke der Wissenschaft ist heute in einer Polarisierung gefangen. Die einen meinen, es ginge ihr um zweckfreie Erkenntnis, die anderen sehen sie als Magd der Technik. Der Philosoph und Chemiker Joachim Schummer weist beides zurück und zeigt anschaulich, wie alle Wissenschaften schon immer neun verschiedene Zwecke verfolgt haben. Alle arbeiten auf ihre Weise an einer Verbesserung der Welt, an Methoden zur Schärfung des Denkens, Erklärungen und Aufklärung über die Welt, Formen des Umgangs mit der Zukunft, der Erzeugung von neuem und provokativem Wissen, der Befriedigung kultivierter Neugier, Orientierungen in der Welt, der fachlichen und allgemeinen Bildung sowie der Erfüllung in einer selbstbestimmten Lebensform. Nur wenn alle Zwecke beachtet werden, kann die Wissenschaft der Gesellschaft von Nutzen sein.

Die Polarisierung entstammt einem philosophischen Schulenstreit, zwischen Deutschem Idealismus und Dialektischem Materialismus, der bis heute unter verschiedenen Etiketten fortgetragen wird. Eine am gesellschaftlichen Nutzen der Wissenschaft orientierte Philosophie muss ihre historischen Erblasten überwinden, sich wieder auf die Vielheit der wissenschaftlichen Zwecke besinnen und sie mit den gesellschaftlichen Bedürfnissen harmonisieren.

Joachim Schummer ist Herausgeber der Zeitschrift “Hyle – International Journal for Philosophy of Chemistry” (http://www.hyle.org/). Er publizierte u.a. “Nanotechnologie: Spiele mit Grenzen” (Suhrkamp, 2009), “Das Gotteshandwerk: Die künstliche Herstellung von Leben im Labor” (Suhrkamp, 2011) sowie zuletzt “Wozu Wissenschaft? Neun Antworten auf alte Fragen” (Kadmos, 2013). Weitere Informationen unter: http://www.joachimschummer.net/

[Arbeitskreis Kritische Theorie der Naturwissenschaften]

widerstand gegen sich selbst. konsumkritik als subversive praxis oder kapitalistische selbstoptimierung?

Donnerstag | 17. April 2014 | 19:30 Uhr | Conne Island | Leipzig

„Widerstand gegen sich selbst“ Konsumkritik als subversive Praxis oder kapitalistische Selbstoptimierung?

Der Rote Salon im Gespräch mit Thomas Ebermann (Ex-Die Grünen, konkret, Hamburg)

Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft, vegetarische und vegane Kost, fair gehandelte Produkte, sauberer Strom, Tauschbörsen und Aufrufe zum Shoppingverzicht – der Trend geht zum kritischen Konsumbewusstsein. Längst hat Konsumkritik dabei die Nischen des politischen Aktionismus und der Subkultur verlassen – der Staat steuert und subventioniert, wie es sich manche Grüne vor 20 Jahren nicht hätten träumen lassen. Doch wie ernst kann genommen werden, was sich nicht zuvorderst gegen die Scheinheiligkeit der Politik, gegen deren Befangenheit in der globalen Standortkonkurrenz und schon gar nicht gegen das Wesen der kapitalistischen Produktionsweise an sich richtet? Weshalb geriert sich der allgegenwärtige Aufruf zum Verzicht gegenwärtig in erster Linie als eine Aufforderung an das Individuum? Und wie wirklichkeitsfremd sind alternative Selbstoptimierer, die die kapitalistische Ökonomie mittels Foodsharing-Projekten, Urban Gardening- und Biokooperativen in die Knie zwingen wollen? Diese und andere Fragen diskutiert der Rote Salon in einem moderierten Gespräch mit dem Gründungsmitglied der Grünen und konkret-Autor Thomas Ebermann (Hamburg).

Nachhaltigkeit als Leitwert

Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft, vegetarische und vegane Kost, fair gehandelte Produkte, sauberer Strom, Tauschbörsen und Aufrufe zum Shoppingverzicht – der Trend geht schon lange zum kritischen Konsumbewusstsein. Längst hat Konsumkritik die Nischen des politischen Aktionismus und der Subkultur verlassen. Bio- und Fair-Trade-Produkte stehen in den Regalen großer Supermarktketten und spätestens mit steigendem Einkommen und dem Eintritt ins Familienleben fangen die Meisten an über gesundes Essen nachzudenken. Auch die Politik gibt sich aktionistisch: Ob Energiewende, Ökostrom, E-Mobilität und Bio-Sprit, der Staat steuert und subventioniert, wie es sich manche Grüne vor 20 Jahren nicht hätten träumen lassen. Das beruhigt die Mehrheit der Deutschen nicht. Nach Umfragen befürchten 75 Prozent, dass sich ohne weitere politische Maßnahmen die Umweltverhältnisse stark verschlechtern und insbesondere ihre Kinder und Enkel von dieser Entwicklung betroffen sein werden. Nach jeder Wetterkapriole geben Schlagzeilen Auskunft über die kollektive Angst vor der Klimaerwärmung. Nicht zuletzt deshalb ist nachhaltige Lebensweise heute ein in der Öffentlichkeit unwidersprochener Leitwert. Die Regierungen von Bund und Ländern, egal ob daran politische Berufs-Ökos beteiligt sind oder nicht, nehmen auf diese Stimmungslage Rücksicht. Bei allen etablierten Parteien stehen umweltpolitische Themen auf der Agenda.
Nicht am Willen der Politik, wohl aber am Effekt staatlicher Umweltpolitik sind Zweifel angebracht. Die „Umweltprämie“ von 2009 ist nur ein Beispiel: Für das Abwracken eines funktionstüchtigen Gebrauchtfahrzeugs und den Kauf eines Neuwagens schenkte der Staat damals 2500 Euro. 2 Millionen energieaufwendig produzierte Autos gingen bei den Händlern über den Ladentisch; nicht selten ein größeres Modell als der bisherige Zweitwagen mit Mehrverbrauch. Die Umweltbilanz stimmte nicht, wie selbst das zuständige Ministerium im Nachhinein zugeben musste. Doch war der Standort vorerst gerettet. Diese Rechnung ist beispielgebend. Eine ganze Reihe von Maßnahmen – Umweltsteuer, Energiewende, E10, Förderung von Elektroautos usw. – ließe sich von berufener Stelle als ökologischer Etikettenschwindel entlarven, der nur eins nicht darf: der Wirtschaft schaden.

„Widerstand gegen sich selbst“

Doch die ökologisch bewusste Gesellschaftskritik von heute richtet sich nicht zuerst gegen die Scheinheiligkeit der Politik, noch weniger gegen deren Befangenheit in der globalen Standortkonkurrenz und schon gar nicht gegen das Wesen der kapitalistischen Produktionsweise selbst. Natürlich wird die „Wachstumskultur“ abgelehnt, die angeblich außer Rand und Band geratene Weltwirtschaft soll durch ein „gesundes Schrumpfen“ nachhaltig transformiert werden. Doch den Weg zu einer Ökonomie im Einklang mit der Natur sehen Wortführerinnen und Aktivisten der Nachhaltigkeitsbewegung nicht durch Staat und Kapital, sondern durch eine falsche Lebenspraxis der Einzelnen verstellt. Ob nun persönliche Ernährung, Kleidungskauf, Mobilität oder der Umgang mit Verpackungsmüll – die alltägliche Lebenswelt wird als individueller Möglichkeitsraum präsentiert, in dem Veränderungen beginnen müssten. Bestseller des Genres wie Jonathan Safran Foers „Tiere Essen“ oder Karen Struves „Anständig Essen“ sind als Selbstversuch angelegt. Der Sozialpsychologe Harald Welzer, prominenter Kritiker der Wachstumskultur, ruft mit seiner jüngsten Buchveröffentlichung („Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand“) zum „Widerstand gegen sich selbst“ auf. Die persönlichen Handlungsoptionen sollen erkannt und genutzt, Grenzen der Gewohnheit und die suggestive Beeinflussung durch Werbung überwunden werden.
Der Lohn für dieses anstrengende Unterfangen lockt im Hier und Jetzt. Allerdings gibt es abweichende Vorstellungen darüber, wofür das Engagement gut sein soll: Die einen wollen Biobrot statt Billigbrötchen. Der authentische, oft nur eingebildete höhere Genuss wird zum Kompass im Meer der konsumtiven Uferlosigkeit. Andere empfinden Gutes, schickt die NGO den Spendennachweis mit einem Foto glücklicher Kleinbauern in Südamerika oder glänzt das Fair-Trade-Siegel im Einkaufskorb. Für manche steigt das Selbstbewusstsein, wenn sie sich den einen oder anderen Konsumwunsch versagen. Nicht Totalverweigerung, sondern gesundes Maßhalten ist dann die Devise, die als Lustgewinn erlebt wird. Wieder andere sehen der Wegwerfindustrie eins ausgewischt, wenn sich Gebrauchtes erstehen lässt. All das bietet Orientierung in einer nicht eben übersichtlichen Warenwelt. Es beruhigt zudem das schlechte Gewissen, das sich einstellen kann, wenn Medien über Umweltschmutz, Klimaerwärmung und hungernde Kinder in Afrika berichten, das gequälte Selbst aber feststellen muss, dass es ihm mit Job, Eigentumswohnung, Privatwagen, Sommer- und Winter-Urlaubsreise eigentlich gut geht. Ein weiterer Idealtypus schließlich sucht nach einem Rückgewinn an Kreativität und bestätigt sich mit der Autosuggestion einer unabhängigeren Arbeits-und Freizeitgestaltung. Ein Irrglaube, mit der sich Formen urbaner Subsistenzwirtschaft und prekäre Lebensweisen verklären lassen – selbst dann noch, wenn sich aus ihnen erfolgreiche Unternehmen der New Economy entwickelt haben.
Noch verlockender als all das ist ein anderes Versprechen des konsumkritischen Bewusstseins: Wer sich an die Maßgaben von Ökologie und Nachhaltigkeit hält, lebt gesünder und länger, hat schönere Haut und glücklichere Kinder. Konsumkritik reproduziert auf diese Weise die Vorstellung von Selbstverantwortung und Entscheidungsfreiheit, die sich im gesellschaftlichen Zusammenhang als überhaupt nicht freie Optimierungsstrategie der Konkurrenzsubjekte erweist. Vor allem das Gebot des überlegten Einkaufs von Nahrungsmitteln arrangiert sich sehr gut mit dem smarten Zwang von Gesundheitsprämien und amtlich attestierter Vorsorge. Der Bio-Konsument und sein weibliches Pendant sind die notwendige Entsprechung zur staatlichen Durchsetzung verlängerter Lebensarbeitszeit. Er und Sie sind willfährige Produkte desselben marktgerechten Auftrags, der zum lebenslangen Lernen, zu sportlicher Aktivität, Schönheit und Fitness ermahnt. Die Distanz der Formulierung suggeriert, dem ließe sich leicht entkommen. Doch wer wollte schon von sich behaupten, sein Verhalten frei von der Aussicht zu gestalten, durch bewusstes Maßhalten, Aktivität und sorgfältiges Einkaufen länger leistungsfähig und gesund zu bleiben?

Konsumkritik von links

Obwohl seit einigen Jahren die Kritik am Neoliberalismus gerade auch an der Zurichtung der Subjekte auf die Anforderungen des Kapitals festgemacht wurde, fällt die konsequente Zurückweisung des biopolitischen Anpassungsdrucks gerade in der Linken schwer. Die Anprangerung kapitalistischer Naturzerstörung hatte hier schon immer eine offene Seite für Lebensreformbestrebungen mit all ihren Schwächen von politischer Nutzlosigkeit über Selbstkasteiung und Verzicht bis hin zu biologistischen Einstellungen. Der starke Rückhalt, den konsumkritische Praxen im linksalternativen Milieu haben, erklärt sich jedoch nicht nur als Fortleben von Ideologiegeschichte, sondern ebenso als wiederkehrender Antrieb, Gesellschaft im Konkreten zu verändern, und wo dies nicht gelingt, ihren Zwängen entfliehen zu wollen. Insofern verwundert es nicht, wenn Linke der Konsumkritik vielfach nur schwer entsagen können und stattdessen ihr Mittun mit visionären Zielen aufwerten. In Transitionsgruppen, Foodsharingprojekten, Urban Gardening- und Biokooperativen geht es um mehr, als sich nur wohlzufühlen. Lokale Räume sollen von globalen Warenströmen, der grenzüberschreitenden Energieversorgung und der Geldwirtschaft abgekoppelt werden, um im Fall einer Versorgungskrise überlebensfähig zu sein. Das Vorleben von nachhaltigen Alternativen ist ohnehin nur der Anfang. Über massenhafte Nachahmung und davon ausgehende Marktanreize soll die kapitalistische Ökonomie zum Umsteuern und letztlich in die Knie gezwungen werden.
Diese Vorstellung einer grundsätzlichen Transformierbarkeit der Gesellschaft, die mit der Konsumentscheidung des Einzelnen beginnt und über kollektive Organisation alternativer Praxis zum Sargnagel des Systems wird, lässt sich unter anderem beim selbsternannten Gastrosophen Harald Lemke nachlesen. In seinem Text zur „Kritischen Theorie der Esskultur“, der mit Namen und Zitaten linker Theoriebildung überwürzt ist, erklärt er die Kaufentscheidung konsumkritischer Menschen zum Dreh- und Angelpunkt revolutionärer Politik gegen die herrschenden Zustände. Jeder Einkauf müsse als „zutiefst philosophischer Akt“ verstanden werden, mit denen sich die Menschen „auf eine ethisch relevante Weise politisch verhalten“. Weil diese Kaufentscheidungen mit den ökonomischen Weltverhältnissen in Verbindung stehen, könnten sie, würden sie denn in der richtigen Art und Weise getroffen, neue gesellschaftliche Realitäten schaffen.

Kritische Konsumkritik

Nicht nur gegenüber einer solchen effektheischenden Aufmotzung, sondern auch mit Blick auf weniger aufgeblasene Aufwertungen der praktischen Konsumkritik zur Befreiungsperspektive ist Skepsis angebracht. Doch worauf läuft sie hinaus? Gegenüber Verzichtsideologien und Subsistenzphantasien ist die Forderung von „Luxus für alle“ zwar der richtige emanzipatorische Affekt. Allerdings lässt sich diese Parole nicht in „SUVs für alle“ übersetzen. Nur zusammen mit der Hoffnung auf vernünftige Auffassungen über das gute Leben, die sich arrangieren lassen und deren Verwirklichung die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen nicht aufs Spiel setzt, macht sie Sinn. Dem Unbehagen an den negativen Folgen der kapitalistischen Warenwelt für den Menschen und dem Wunsch, nachhaltig zu leben, lässt sich angesichts der Produktion von Giftmüll und minderwertigen Lebensmitteln und im Wissen um den Raubbau an Naturressourcen nicht jegliches kritische Potential absprechen. Statt eines trotzigen Lobs des Konsumismus müsste es also eher darum gehen, den Gehalt der Konsumkritik zu beleuchten und ihre Übergänge in affirmative Denk- und Verhaltensweisen aufzuzeigen.
Zu diesem Zweck wäre zunächst eine Reihe von Fragen zu stellen. Beispielsweise, ob sich die Politik der Verweigerung und kleinen Schritte lohnt und für wen? Ob die Konsumkritik also mit den gewünschten und versprochenen positiven Effekten wie steigender Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Veränderung einhergeht oder auf eine als Kritik getarnte Identifikation mit der warenvermittelten Wirklichkeit hinausläuft. Zu fragen wäre, auf welcher Analyse des kapitalistischen Systems Forderungen von Bewusstseinswandel und Verhaltensänderung beruhen, oder ob besagte Appelle an das Selbst nicht nur zum Preis einer systematischen Auslassung von Kapitalismuskritik zu haben sind. Schließlich müsste auch das Verhältnis der offiziellen Ökologiepolitik zu alternativen Strategien „von unten“ mit Blick auf staatliche Standortsicherung und die historische Entwicklung von Verbraucherbewusstsein bestimmt werden.

Der Rote Salon im Conne Island lädt dazu ein, sich in einer Veranstaltung mit diesen Fragen und darüber hinaus mit dem gegenwärtig zu beobachtendem Boom der Konsumkritik auseinanderzusetzen. Als Gast eines moderierten Gesprächs mit anschließender Diskussion ist Thomas Ebermann aus Hamburg eingeladen. Heute als „langjähriger konkret-Autor, Satiriker und ungekrönter Columbo der Politik“ (wikipedia) wie auch als Theaterregisseur bekannt, repräsentiert Ebermann als ehemaliges Mitglied des ökosozialistischen Flügels der Grünen gleichermaßen die steigende Bedeutung der ökologischen Frage für die Linke als auch das realpolitische Scheitern der programmatischen Verbindung von Ökologie und kommunistischer Kapitalismuskritik.

Roter Salon im Conne Island, April 2014

[roter salon]

[cee ieh]

der behemoth in den naturwissenschaften. über nationalsozialistische wissenschaftspolitik und -ideologie.

Mittwoch | 22. Januar | 19 Uhr | Uni Jena | Hörsaal 7 | Carl Zeiss Str. 3

Der Behemoth in den Naturwissenschaften. Über nationalsozialistische Wissenschaftspolitik und -ideologie

Malte Stoecken

Die Machtübernahme der NSDAP 1933 bedeutete eine Zäsur in der Organisation der naturwissenschaftlichen Forschung. In den ersten Jahren des Nationalsozialismus war die Wissenschaftspolitik eng mit der Person Johannes Stark verbunden, der als einer der Initiatoren und Hauptvertreter der sog. „Deutschen Physik“ gilt. Das wissenschaftspolitische Programm der Deutschen Physik forderte eine auf Fleiß, Geduldsamkeit und praktischen Experimenten aufbauende Wissenschaft und richtete sich explizit gegen die sich neu etablierende theoretische Physik im Zuge der Erkenntnisse Einsteins und Heisenbergs seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts.

Der Feldzug der Vertreter der Deutschen Physik gegen neue wissenschaftliche Denkstile wie der Relativitätstheorie und der Quantenmechanik speiste sich aus einer antisemitischen Weltanschauung und bediente sich derer Sujets und Ressentiments. So wurden die theoretische Physik als kosmopolitische Wissenschaft abgelehnt, ihre Methoden als unverständliche Gedankenexperimente bemängelt und deren Erkenntnisse als unsicher, abstrakt und unbestimmt klassifiziert – das was in der antisemtischen Weltanschauung als „jüdisch“ galt, wurde auf die moderne Wissenschaft transportiert.

Wie in dem Vortrag gezeigt werden soll, stand diese nach vermeintlich rassischen Kategorien organsierte Wissenschaft im Zuge der Deutschen Physik diametral zu den zeitgleich entstandenen Wissenschaftskonzepten im angloamerikanischen Raum, die unter den Postulaten „Universalismus“ und „Kommunitarismus“ eine internationale Wissenschaft unabhängig von Ethnie, Nationalität, Religion, sozialem Stand und persönlicher Eigenschaften entworfen wurden. Da die Deutsche Wissenschaft dagegen ihr Programm nicht Anhand von Argumenten und wissenschaftlichem Austausch, sondern mit Angriffen auf Vertreter anderer Denkstile durchsetzte, soll diskutiert werden, ob sich das deutsche Wissenschaftssystem zu einem im Neumannschen Sinne „Behemoth“ transformierte, in eine „Herrschaft der Gesetzlosigkeit und Anarchie, welche die Rechte wie die Würde des Menschen ‚verschlungen‘ hat und dabei ist, die Welt durch die Obergewalt über riesige Landmassen in ein Chaos zu verwandeln“.

[Arbeitskreis Kritische Theorie der Naturwissenschaften. Studentische Initiative an der FSU und FH Jena]

marxistische akzente in der wissenschaftsgeschichtsschreibung der ddr. boris hessen, john d. bernal und die folgen.

Mittwoch | 15. Januar 2014 | 19 Uhr | Uni Jena | Hörsaal 7 | Carl Zeiss Str. 3

Marxistische Akzente in der Wissenschaftsgeschichtsschreibung der DDR – Boris Hessen, John D. Bernal und die Folgen.

Hubert Laitko

Der Auftritt der von N. Bucharin geleiteten sowjetischen Delegation auf dem II. Internationalen Kongress für Wissenschaftsgeschichte in London 1931, insbesondere der Vortrag des Physikers und Physikhistorikers B. Hessen über die sozialen und ökonomischen Wurzeln der Principia Mathematica Isaac Newtons, fand unter britischen Wissenschaftlern ein ungewöhnlich starkes Echo. Während sowohl Hessen als auch Bucharin schon wenige Jahre später dem stalinistischen Terror zum Opfer fielen, entwickelte sich im Umkreis der linksorientierten Social Relations of Science Movement im England der 1930er Jahre (Bernal, Crowther, Haldane, Needham u. a.) ein von der marxistischen Geschichtsauffassung inspiriertes Bild von der Wissenschaft und ihrer Evolution als Moment der Gesellschaftsgeschichte. Dieses Bild fand seinen programmatischen Ausdruck in den Büchern The social function of science (1939) und Science in history (1954) aus der Feder des Kristallographen und Wissenschaftshistorikers J. D. Bernal. Die 1961 in Berlin erschienene musterhafte deutsche Übersetzung des letztgenannten Werkes war jenes Medium, das das dem marxistischen Denken immanente Anregungspotenzial für die wissenschaftshistorische Lehre und Forschung in der DDR am kompaktesten erschloss. Es bildete eine Art Leitfaden für die Marxismus-Rezeption auf diesem Arbeitsgebiet, die natürlich auch auf zahlreiche weitere Quellen zurückgriff. Der Vortrag skizziert direkte und indirekte Folgen, stellt einige herausragende Vertreter der frühen Wissenschaftsgeschichtsforschung in der DDR (Gerhard Harig, Alexander Mette, Friedrich Herneck, Hans Wußing, Ilse Jahn, Conrad Grau, Gisela Buchheim, Rolf Sonnemann u. a.) vor und gibt eine kurze Übersicht über die institutionelle Situation des Fachgebiets bis 1990.

Eine Veranstaltung des Arbeitskreises Kritische Theorie der Naturwissenschaften Jena.

der begriff der natur in der epoche des liberalismus.

Mittwoch | 11. Dezember | 19 Uhr | Uni Jena | Carl Zeiss Str. 3 | Hörsaal 9

Der Begriff der Natur in der Epoche des Liberalismus

Prof. Dr. Gerhard Stapelfeldt

Der Vortrag untersucht den Begriff – die Begriffe – der Natur in der Epoche des Liberalismus (um 1765-1870), der bürgerlichen Aufklärung, der bürgerlichen Revolutionen.
‚Natur’ scheint ein ganz einfacher Begriff, der einen selbstverständlichen Gegenstand bestimmt. Man denkt an Gesteine, an Pflanzen, an Tiere, an die körperlicher Natur des Menschen, an Naturgesetze, an Naturwissenschaften, an Naturschutz. Aber dann wird es doch schwierig: Gibt es eine ‚Natur der Sache’, eine Natur des Menschen, eine Natur der Gesellschaft? Was ist ‚natürlich’? Schon der antike Naturbegriff ist heute kaum nachvollziehbar: Natur als göttliche, subjektive, mit moralischen Qualitäten ausgestattete Natur. In der Neuzeit hat Galilei, nach seinem Selbstverständnis, im „Buch der Natur“ gelesen. Im Liberalismus wird es mit dem Begriff – den Begriffen – der Natur in der Philosophie, der Sozial- und Naturwissenschaft ganz kompliziert: Vico unterscheidet die „Welt der Natur“ von der „gesellschaftlichen Welt“; Kant spricht von einer „sinnlichen“ und von einer unbewußten „übersinnlichen (zweiten) Natur“, Smith von der „Natur des Reichtums der Nationen“, Darwin von einer Naturgeschichte; Comte stellt der Wissenschaft der Biologie die Wissenschaft von der Gesellschaft (Soziologie) zur Seite und bezeichnet beide als „Physik“ – als Naturwissenschaften. Diese Begriffe, ihr Zusammenhang, ihre gesellschaftsgeschichtliche Grundlage sind zu klären.

[Arbeitskreis Kritische Theorie der Naturwissenschaften]

subjektive und objektive momente physikalischer erkenntnis.

Donnerstag | 28. November | 19 Uhr | Uni Jena | Hörsaal 9 (Carl Zeiss Str. 3)

Subjektive und objektive Momente physikalischer Erkenntnis

Vortrag und Diskussion mit Jörg Huber

Ihre naturwissenschaftliche Grundlagenforschung stellen Wissenschaftler gerne als Selbstzweck dar, den sie aus reiner Neugierde verfolgen würden. Sie möchten Gesetze finden, denen die Natur folgt, und damit zur Akkumulation menschlichen Wissens beitragen. Ihr gemeinsames höchstes Ziel ist die lückenlose Erklärung der ganzen Welt durch solche Gesetze. Die Gesellschaft soll die Mittel für diese Forschung bereitstellen, die Wissenschaftler fühlen sich aber im Zweifelsfall nicht dafür verantwortlich, wie ihre Erkenntnisse genutzt werden. Die Gesellschaft soll also auch die Verantwortung für den Gebrauch ihrer Resultate übernehmen. Wie aber können dann diese Resultate ganz unabhängig von der Gesellschaft sein und die Natur einfach so erklären, wie sie an sich ist? Der naive Glaube an die absolute Objektivität der Naturwissenschaften liefert eine bequeme Rechtfertigung für wissenschaftliche Verantwortungslosigkeit, die scientific community erteilt ihrem insgesamt blinden Treiben damit selbst die Absolution. Demgegenüber skeptische Positionen erschöpfen sich häufig darin, inhumane technische Anwendungen naturwissenschaftlichen Wissens auf ethische Mängel zurückzuführen.

Der eigentümliche Status des Wissens, das die naturwissenschaftliche Grundlagenforschung liefert, lässt sich aber nur ernsthaft kritisieren, wenn der unüberbrückbare epistemologische Spalt zwischen der Natur und unserer Vorstellungen von ihr nicht unterschlagen wird. Die Naturwissenschaften können gar keine völlig objektive Beschreibung der Natur liefern, da ihre Erkenntnisformen historischen Ursprungs sind. Naturwissenschaftliche Theorien als Funktionsweise oder gar als Schöpfungscode der Natur auszugeben, erweist sich als ideologischer Abdruck gesellschaftlicher Verhältnisse. Um dieser Erscheinung von Ideologie auf die Spur zu kommen, wird sich der Vortrag anhand bekannter Beispiele erkenntniskritisch mit dem Verhältnis naturwissenschaftlicher Theorie zu ihrem spezifischen Gegenstand befassen. Die theoretische Entwicklung der Himmelsmechanik zeigt die enormen Wandlungen auf dem Weg zur ersten allgemeingültigen physikalischen Theorie, deren Gegenstand, die Ordnung der Himmelskörper, dabei gegenüber irdischen Maßstäben starr geblieben ist. Aus der Himmelsmechanik entstand dann die heutige theoretische Mechanik, die noch mehrfach reformuliert wurde, obwohl keine grundsätzlichen Probleme bei ihren bekannten mechanischen Experimenten aufgetreten waren. Daher liegt die Frage nahe, inwieweit solche Reformulierungen von gesellschaftlichen Veränderungen abhängen. Der enorme Erfolg der Relativitätstheorie degradierte die klassische Mechanik dann zum wichtigsten Spezialfall allgemeingültigerer Gesetze. Und die Kantische Vorstellung, dass Raum und Zeit bloße Formen unserer Anschauung seien, geriet ins Wanken.

[Arbeitskreis Kritische Theorie der Naturwissenschaften]

zum begriff der natur und der wissenschaft bei marx.

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Mittwoch | 13. November | 19:00 Uhr | Hörsaal 9 | Carl Zeiss Str. 3 | Uni Jena

Zum Begriff der Natur und der Wissenschaft bei Marx

(In Memoriam Alfred Schmidt)

Vortrag und Diskussion mit Martin Blumentritt

Die Überlegungen der Frankfurter Kritischen Theorie in den frühen 60er Jahren kreisten um einen Materialismus der „zweiten Natur”. Alfred Schmidts Dissertation über die Lehre der Natur bei Karl Marx suchte nicht bloß interpretierend, die Kritische Theorie weiterzuführen. Durch den erneuten Rekurs auf Marx konkretisierte er die Kritik an der auf Engels zurückgehenden Variante der Marx-Interpretation, die zu einer Trennung von historischem und dialektischem Materialismus und der Vorordnung eines naturalistisch-ontologischen Materialismus vor dem historischen führte. Die alten Materialisten hätten in der Sache, nicht in der Form, recht gehabt, die die Stärke des Idealismus war:

„Es gibt in der idealistischen Philosophie Fragestellungen, die mit der idealistischen Form, in der sie vorgetragen werden, nicht abgetan sind. Der deutsche Idealismus von Kant bis Hegel, an den Marx bewußt angeknüpft hat, zeigt, daß die uns umgebende Welt keine bloß an sich seiende, sondern ebensosehr eine für und durch uns seiende Realität ist. Freilich hat der Idealismus diese Abhängigkeit des Objektiven vom Subjektiven, indem er sie aussprach zugleich mystifiziert, und zwar deshalb, weil er die subjektive Konstitution dessen, was wir Erfahrungs- und Dingwelt nennen radikal entstofflichte und dadurch die Sache verdunkelte.”[1]

Mit dem Begriff der „gegenständlichen Tätigkeit” hielt Schmidt die Vermitteltheit des unmittelbar Vorfindlichen gegen die idealistischen Formen fest und arbeitete eine Alternative zu Engels ontologischer Naturdialektik heraus, wodurch der erkenntnistheoretischen Abhängigkeit der Objektwelt und ontologischen Unabhängigkeit gleichermaßen Rechnung getragen wird. Aus der Perspektive von Kants negativer Metaphysik und Hegels Produktionslogik diskutierte Schmidt das Verhältnis erster und zweiter Natur mittels der Interpretation der marxschen Texte in Hinsicht auf ihr Naturverhältnis.

[1] Alfred Schmidt, in: Die „Frankfurter Schule” im Lichte des Marxismus, Frankfurt a. M. 1970, S 135

Eine Veranstaltung in der Veranstaltungsreihe „Momente einer kritischen Theorie der Naturwissenschaften“ des Arbeitskreises Kritische Theorie der Naturwissenschaften Jena.

blackbird raum. the gembrokers. sangre de muerdago.

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Freitag | 9. August | 20:00 | Zwille | Wolfgang-Heinze-Strasse 13 | Leipzig

sickmangettingsick.records present:
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„We´re so proud to bring you this kind of pure folk music from the real alternative way from the other side of the world. Please keep in touch with this music. Its a special one.“

Blackbird Raum (Santa Cruz, USA)

Blackbird Raum formed out of the nucleus of a squatter community living in abandoned buildings and greenbelt treehouses in Santa Cruz, CA, in the early 2000′s. Finding themselves living without electricity, they began to learn to play folk instruments from each other and other members of the traveling punk/folk culture. They all grew up playing in anarcho-punk, indie and ska bands and then, knowing next to nothing about traditional music, slowly gathered together the skills to create a new genre of music, based somewhere right in the middle of punk and folk.
Refusing the retro cliches of many of their contemporaries, they write entirely original music (in both senses of the word) that is reflective of the world they live in: a realm of abusive police, ecological devastation, creeping ambiguity and vague fear, but also a strong sense of community and a deep love of a natural world constantly on the verge of collapse. They jump back and forth between extremely fast metal-influenced jug band dance numbers and quasi-medieval chant-and-drone while doing herky-jerky hardcore-influenced time signature gymnastics. They toured the country in a tiny truck, playing mainstream folk festivals, punk houses, squats and all ages clubs. When they aren’t touring, they play various American and European traditional music, hang out in the woods, raise children and read a lot of library books.

::: http://blackbirdraum.wordpress.com/
::: https://www.facebook.com/BlackbirdRaum
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The Gembrokers ( Redwood Forest, USA)

Three ladies hailing from the forest of Santa Cruz, California. Earth-shattering harmonies, slide guitar, autoharp, acoustic guitar and fiddle. The sound of this music is a spirtual way back to the nature and a tribute to a anticapitalism way of life. For fans of pale robin, blackbird raum, matador, vradiezei, gillian welch. Let them catch you and check the song DEADWOOD.

::: http://thegembrokers.com/
::: http://gembrokers.bandcamp.com/
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Sangre de Muerdago (Galizia, Spain)

Sangre de muerdago is pure raw energy……. music and words inspired by passionate living roaming out of society and civilization…… destroying taboos, destroying fears, into the depths of nature, welcome the unknown, welcome those with a pure heart…… on the road and on the trail, lost in the woods, into the wild, in the endless paths of the soul, just a blanket in the backpack, filled in the way with magic, laughs, moments, tears, hearts….. the wisdom of the old one, the child that doesn‘t grow…… seek the mysteries, throw the stone, run blindly with no goal, run through the woods, jump the gap, get wet, hug the wolf, howl at the moon, swim the seven seas…… fearless and innocent, criminal and free……

::: https://www.facebook.com/thecrowcallstheravenblack
::: http://sangredemuerdago.bandcamp.com/
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infos:

::: www.sickmangettingsickrecords.de
::: https://www.facebook.com/pages/Zwille/679622925398205?fref=ts

natur und arbeit. über die rolle der praxis bei karl marx.

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Di | 25. Juni | 19 Uhr | Hörsaalgebäude | HS 7 | Universität Leipzig

Natur und Arbeit: Über die Rolle der Praxis bei Karl Marx

Christian Schmidt*

Das aufgelöste Rätsel der Geschichte, schreibt der junge Marx, sei „als vollendeter Naturalismus Humanismus, als vollendeter Humanismus Naturalismus“. Die rätselhafte Formulierung führt direkt ins marxsche Denken des Verhältnisses von Mensch und Natur, in dem der Mensch einerseits selbst Teil der Natur ist, andererseits dieser aber auch schaffend gegegübersteht, die Natur und sich selbst als einen Teil von ihr überformt und sich aneignet. Doch eine Spannung bleibt trotzdem bestehen. Noch in der Kritik des Gothaer Programms weist Marx die Sozialdemokraten zurecht, die die Arbeit zur einzigen Quelle des Reichtums erklärten: Auch die Natur ist Reichtum.

*Christian Schmidt lehrt am Institut für Philosophie der Universität Leipzig.

Siebter Vortrag der Reihe MarxExpedition 2013.

dem sinnlichen eine sprache. performance, tanztheater und die dialektik des leibes.

Dienstag | 7. Mai | 19.00 Uhr | Melanchthonianum | Universitätsplatz | Halle

Dem Sinnlichen eine Sprache. Performance, Tanztheater und die Dialektik des Leibes

Vortrag & Diskussion mit Michael Gutjahr

Gilt der Körper im Alltagsverständnis als zu beherrschendes Residuum des Naturmoments, so bestimmt der geisteswissenschaftliche Mainstream den Körper als Produkt einer von Macht oder Herrschaftsverhältnissen geformten diskursiven Praxis. Daher auch erklärt postmoderne „Kritik“ Dekonstruktion und Resignifikation zu Möglichkeiten, mit denen u.a. am Ort des geschlechtlichen Körpers Herrschaftsverhältnisse abgeschüttelt werden könnten. Geradezu in Gegensätzlichkeit zur Verdinglichung soll der postmoderne Körper eine lebbare Praxis der Inszenierung seiner Vielfältigkeit sein. Alles, was der Resignifikation, also sprachlichen bzw. performativen Modifikationen entgeht, soll infolgedessen als Ontologie, Naturalismus oder Essentialismus ausgetrieben werden.
Im Gegensatz zu diesem beinahe wittgensteinschen Paradigma, nämlich von dem zu schweigen, was man nicht sagen könne, hielt Adorno u.a. mit dem Begriff des Leibes am „Paradox der Erkenntnis“ – mit dem Begriff doch zu sagen, was diesem entgeht – als entscheidendes Moment der Kritik fest. Hierin konvergiert die Kunst, indem sie im „Moment des Flüchtigen, des nicht ganz zu Greifenden […] ihr Lebenselement hat“ (Adorno). Kunst sagt, was nicht sagbar ist, gerade mit dem Leiblichen als Ort ihrer sinnlichen Erfahrung.
Diesen Problemstellungen soll sich anhand einer Auseinandersetzung mit dem Tanztheater bzw. der Performancekunst genähert werden. In beiden Kunstformen steht nicht nur der Körper im Mittelpunkt, sondern zugleich scheinen Naturmoment und performative Praxis in Spannung gehalten. Über deren Dichotomie hinaus ließe sich, so die Kernthese des Vortrags, in beiden Kunstformen eine „Ahnung“ (Pina Bausch) des Nichtidentischen ausmachen, dessen, was sich eben nicht einfach auf den Begriff bringen lässt. Im Sinne einer Versöhnung von Natur und Gesellschaft sowie Leib und Körper hätte dies Relevanz für eine dialektische Gesellschaftskritik.

Michael Gutjahr (AK Kritische Intervention) hat Soziologie und Ethnologie studiert und beschäftigt sich vor allem mit der (älteren) kritischen Theorie sowie den Themen Leib, Körper, Nichtidentität, Sprache und materialistische Gesellschaftskritik.

Eine Veranstaltung der Reihe „Kunst und Gesellschaftskritik in Zeiten der Kulturindustrie.“ des AK Kritische Intervention.