Tag-Archiv für 'marx'

debüt eines lesekurses. hegels grundlinien der philosophie des rechts.

Di | 6. Mai 2014 | 19:00 Uhr | translib | Lütznerstraße 30/Götzstraße 7 | Leipzig

Debüt eines Lesekurses. Hegels Grundlinien der Philosophie des Rechts

Einführungs- und Vorbereitungstreffen

Hegels Grundlinien der Philosophie des Rechts verdanken ihre Prominenz weniger ihrer Lektüre, sondern vielmehr ihrer Kritik durch Karl Marx. Dieser, so will es die Überlieferung, habe Hegels Idealismus in materialistischer Absicht ‚vom Kopf auf die Füße gestellt’. Ob dieses Postulat, das sich landläufig mit der Denunziation Hegels als Apologeten des preußischen Obrigkeitsstaates verbindet, einer eingehenden Prüfung standhält, wird nur eine erschöpfende Untersuchung der hegelschen Rechtsphilosophie erweisen können.

Die Grundlinien erarbeiten den Begriff der modernen Welt ausgehend von Arbeit und Eigentum über die kapitalistische (Re-)Produktion bis zum geschichtlichen Wirken der Staatenkonkurrenz. Das Ziel dieses Unternehmens ist nicht allein empiristische oder subjektivistische Beobachtung, sondern das über derart beschränkte Hinsichten hinausgehende Wissen über das Wesen der Selbst-, Sozial- und Weltverhältnisse der modernen Welt.
Hegels Rechtsphilosophie erschließt den Zusammenhang der Institute der Welt (Arbeit und Eigentum, Moral, Familie, bürgerliche Gesellschaft, Souveränität, Weltgeschichte); sie ist eine bürgerliche Leistung, die Marx in kommunistischer Absicht fortbilden wollte, wie sein – später umgeformtes – Systemprogramm belegt: „Die ganze Scheiße soll zerfallen in 6 Bücher: 1.Vom Kapital. 2.Grundeigentum. 3.Lohnarbeit. 4.Staat. 5.Internationaler Handel. 6.Weltmarkt.“

Die Grundlinien sind jedoch weniger von kommunistischem Interesse, weil sie zur Vertiefung des Verständnisses der Marxschen Theorie beitragen. Sie sind vor allem von Interesse, weil sie um die sehr praktische Frage kreisen, die die Französische Revolution aufgeworfen hat: Wie die Ergebnisse der Emanzipation sichern und vervollkommnen?

Arbeitsaufwand/-weise:

Für die Teilnahme am Kurs sind keine besonderen Vorkenntnisse erforderlich, wohl aber einige Zeit und Muße und Ausdauer, sich den Text lesend, fragend und diskutierend zu erarbeiten.

Es ist schwer vorauszusagen, wie viele Sitzungen nötig sein werden, um Hegels Rechtsphilosophie und ihre Kritik durch Marx angemessen zu behandeln. Als Minimum darf man mit 25 Terminen à 2 Stunden rechnen; ein ähnlich hoher Zeitaufwand sollte für die vorbereitende Lektüre eingeplant werden.

Um den Zusammenhang und die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit festzuhalten, werden sämtliche Sitzungen protokolliert. Diese Aufgabe wird im Rotationsprinzip auf alle Teilnehmenden verteilt.

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kontroversen über gesellschaftstheorie.

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Do | 24. April 2014 | 18:30 Uhr | Conne Island | Koburger Str. 3 | Leipzig

Kontroversen über Gesellschaftstheorie
Diskussionsveranstaltung der Zeitschrift »PROKLA«

Am 24. April stellt die PROKLA zwei ihrer aktuellen Hefte vor. AutorInnen und Redakteure diskutieren gesellschaftstheoretische Kontroversen: Was bedeutet (kritische) Gesellschaftstheorie? Was sind zentrale Kontroversen und wo liegt ihre aktuelle Relevanz? Wie lässt sich der Zusammenhang verschiedener Herrschaftsverhältnisse gesellschaftstheoretisch denken – und welche Rolle spielen dabei gesellschaftstheoretische Überlegungen im Anschluss an Marx und den materialistischen Feminismus? Aktualitätsbezogen wird es dabei auch um die Frage gehen, welche Konsequenzen sich hieraus für das Verständnis der Krise, den Zusammenhang verschiedener Krisentendenzen zusammen und für politische Strategien ergeben.

Es diskutieren:

Julia Dück (Berlin)
Etienne Schneider (Wien)
Alex Demirovic (Frankfurt/Main)

Moderation: Christian Schmidt (Leipzig)

Die PROKLA publiziert seit 1971 zu Themen aus den Bereichen der Politischen Ökonomie, der Politik, Sozialgeschichte und Soziologie. Mehr Info zur PROKLA im Internet unter www.prokla.de

georg lukács‘ spätwerk. vorbereitungstreffen für einen lesekreis.

Do | 27. März 2014 | 19:00 Uhr | translib | Lütznerstraße 30 | Leipzig

Georg Lukács‘ Spätwerk

Vorbereitungstreffen für einen Lesekreis

Das bis heute wahrscheinlich bekannteste Werk von Georg Lukács (1885-1971) ist die 1923 erschienene Aufsatzsammlung „Geschichte und Klassenbewusstsein“, die zu Recht als „foundation text“ des westlichen Marxismus und verschiedener neomarxistischer Ableger bezeichnet wurde. Für Lukács selbst markierte dieses Werk nur eine frühe Etappe auf seinem „Weg zu Marx“, die er später hinter sich gelassen und für überwunden erklärt hat. Sein Verständnis der „marxistischen Dialektik“ war zu dieser Zeit noch vielfach von verschiedenen akademischen Theorien geprägt und überlagert, die seinen früheren intellektuellen Werdegang bestimmt haben, bevor er sich zu einem wissenschaftlich-kommunistischen Theoretiker entwickelte. Es gibt umfangreiche Arbeiten darüber, welchen Einfluss etwa die Soziologie Max Webers und Georg Simmels oder die Philosophie des Neukantianismus auf „Geschichte und Klassenbewusstsein“ hatten. In einem Vorwort von 1967 kritisierte Lukács ausführlich diese frühe Arbeit und bemängelte vor allem die Reduktion der Marxschen Theorie auf eine Gesellschaftslehre und die Ausklammerung der Natur, was zur schwerwiegenden Folge hatte, dass die Arbeit als Zentralkategorie des gesellschaftlichen Seins und Vermittlerin des Stoffwechsels zwischen Mensch und Natur unter den Tisch fiel. Zu erklären sind diese Mängel, die eine idealistische Schieflage nach sich ziehen, u.A. dadurch, dass in den 20er Jahren ein so wichtiger Text von Marx wie die Ökonomisch-Philosophischen Manuskripte von 1844 noch nicht vorlag. Diese Arbeit, und besonders die darin enthaltene Kritik der Philosophie Hegels, rezipierte Lukács erstmals 1930 als Mitarbeiter des Marx-Engels-Instituts in Moskau, was auf ihn, nach seinen eigenen Worten, einen “umwälzenden Eindruck“ machte und ihn in einen “begeisterten Rausch des Neuanfangens“ versetzte. Alle seine wichtigen Arbeiten, die danach erschienen, wie etwa „Der junge Hegel“ (1948), „Die Zerstörung der Vernunft“ (1954), „Die Eigenart des Ästhetischen“ (1963) oder „Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins“ (postum erstmals vollständig 1984 auf deutsch erschienen) sind von diesem Eindruck geprägt und auf ein „Zurück zu Marx“ und eine „Renaissance des Marxismus“ (bzw. des Marxschen Theorie-Typus) gerichtet, sowohl gegen seine entstellende Revision im Westen, als auch gegen den stalinistischen Dogmatismus im Osten. Im Verhältnis zu der Aufmerksamkeit, die auch heute noch sein frühes Werk genießt, werden seine späteren Arbeiten nur wenig beachtet und insbesondere „Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins“, der bisher vielleicht bedeutsamste Versuch, die philosophischen Grundlagen der Marxschen Theorie nachzuzeichnen und als Lukács’ eigentliches Hauptwerk zugleich die Summe seines ganzen Lebenswerks, kaum gewürdigt.

Auf dem Vorbereitungstreffen wollen wir klären, an welchen Texten von Lukács ein Interesse besteht, dass sie kollektiv gelesen und diskutiert werden, und wie die Lektüre aufgebaut sein und ablaufen soll.

ende der geschichte. überlegungen zur materialistischen geschichtsauffassung.

Donnerstag | 27. Februar | 20.00 Uhr | VL Ludwigstraße | Halle

Ende der Geschichte. – Überlegungen zur materialistischen Geschichtsauffassung

Gesprächsreihe Dominovorträge mit Benjamin Schilling

Die bürgerliche Gesellschaft stellt sich selbst als vergangenheits- und geschichtslose dar – als demokratisch-kapitalistisches “Ende der Geschichte”, als befriedete “beste aller denkmöglichen Welten”. Die Entstehungsgeschichte der bürgerlichen Gesellschaft muss hinter diesem Anspruch verschwinden, würde sich bei näherer historischer Betrachtung doch ergeben, dass “das Kapital von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, blut- und schmutztriefend” (K. Marx) zur Welt gekommen ist – und sich diese Gewalt der “ursprünglichen Akkumulation” bis zum heutigen Tag in der kapitalistischen Ausbeutung fortsetzt. So erscheint die bürgerliche Geschichtsvergessenheit auf der einen Seite als notwendige Konsequenz aus der Kapitalverwertung.

Die andere Seite stellt die notwendig nationale Konstitution der globalen Kapitalverwertung dar. In der nationalen Mythenbildung wird Geschichte zum Steinbruch, aus dem die dem nationalen Selbstbild entsprechenden Brocken herausgebrochen und verwertet werden. Die nationale Geschichts- und Gedenkkultur erscheint somit immer als Ritual, in dem die kollektive Zusammengehörigkeit gestärkt wird.

So stehen sich Geschichtsvergessenheit und ritualisierte Gedenkkultur in der kapitalistischen Gesellschaft als zwei Seiten der gleichen Medaille gegenüber – als Zusammenspiel von kapitalistischer Verwertungslogik und nationalem Konkurrenzkampf. Eine materialistische Geschichtsauffassung müsste demgegenüber die Geschichte als “eine einzige Katastrophe” sehen und hätte daraus den Anspruch abzuleiten, “das Werk der Befreiung im Namen von Generationen Geschlagener zu Ende [zu] führen” (W. Benjamin).

jenny & eleanor marx.

sa | 15. februar 14 | 20:30 uhr | frauenkultur | windscheidstr. 51 | leipzig

Jenny & Eleanor Marx. Zwei Frauen im Schatten eines Genies
-LITERARISCH-MUSIKALISCHES PROGRAMM-

Ein fiktives Gespräch zwischen Mutter und Tochter – musikalisch kommentiert
- anlässlich des 200. Geburtstages von Jenny Marx am 12. 2. 2014

BEATRICE BERGNER, Schauspielerin
GISELA GULU, Journalistin
PETRA PATZER, Gitarristin

Eleanor: „Liebste Mama, warum nur hast du diesen Mann geheiratet, der dir so viel Kummer gebracht hat? Als Ballkönigin von Trier hättest Du doch eine gute Partie machen können…“ Jenny: „Ach Kind, ich habe ihn geliebt, solange ich denken kann. Und so schwer unser Leben auch war, in Herz und Geist war es doch reich. Außerdem: Wir wollten beide, dass Not und Armut für immer verschwinden.“

Dieses Gespräch ist nie geführt worden. Im Hause Marx sprach man nicht über so intime Dinge und versuchte tunlichst, die bittere Armut nach außen hin zu kaschieren. Wie die verwöhnte Jenny von Westphalen dieses Leben ertragen hat, ist bewundernswert. Immer im Exil: Paris, Brüssel, dann 30 Jahre London, viele davon im Elendsviertel Soho, wo vier der sieben Kinder starben. Immer ist diese Frau standhafte und starke Gefährtin eines Mannes gewesen, der für das Glück der Menschheit kämpfte. Die eigene Familie gehörte eher nicht dazu. Erst als die jüngste Tochter, Eleanor – genannt Tussy – geboren wurde, ging es langsam bergauf – auch dank der ständigen, oft lebensrettenden Unterstützung durch Friedrich Engels. Und doch ließen sich weder Jenny noch Eleanor beirren in ihrer Leidenschaft für die Sache, der Karl Marx sein Leben geweiht hat.
Ohne diese beiden Frauen und ihre unermüdliche Mitarbeit hätte Karl Marx niemals der sein können, der er war. Ihre eigenen Leistungen sind darüber fast in Vergessenheit geraten: Jenny z.B. als Korrespondentin der „Frankfurter Zeitung“, Eleanor als mutige Streiterin für Frauenrechte, die sich mit 43 Jahren als unglücklich Liebende das Leben nahm.

öffentliche diskussion des koalitionspapiers der translib.

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Freitag | 14. Februar 2014 | 18:00 Uhr | translib | Götzstraße 7 | Leipzig

Öffentliche Diskussion des Koalitionspapiers der translib
Mit anschließender Kneipe

Die Versprengtheit der kommunistischen Elemente in der Gegenwart ließ bei einigen Individuen das Bedürfnis entstehen, einen Raum für eine kontinuierliche, offene und kollektive Kommunikation über alle drängenden Fragen der Gesellschaftskritik zu schaffen: die translib. Im Zuge des bisherigen Aufbaus dieses Ortes haben die bislang daran Beteiligten einen intensiven theoretischen Selbstverständigungsprozess begonnen, dessen erstes Resultat das anlässlich unserer Einweihungsfeier Ende Dezember veröffentlichte “Koalitionspapier” ist. Das Koalitionspapier soll eine transparente und allgemein-verbindliche Grundlage der Mitarbeit, sowie der verschiedenen Aktivitäten in der translib darstellen und seinerseits durch die Erkenntnisse und Erfordernisse, die sich im Zuge dieses Prozesses ergeben, modifziert und konkretisiert werden. Wir laden an diesem Abend alle Interessierten dazu ein, mit uns über das Koalitionspapier und die in ihm formulierten Thesen ins Gespräch zu kommen.

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lektüretreffen zu karl marx’ begriff der entfremdeten arbeit.

Sa | 14. und So 15. Dezember | 11.00 Uhr | translib | Lütznerstraße 30 | Leipzig

Lektüretreffen zu Karl Marx’ Begriff der entfremdeten Arbeit

„… dass die wichtigsten und echtesten Begriffe der Epoche gerade daran gemessen werden, dass die größte Konfusion und der schlimmste Widersinn mit ihnen durchgeführt werden – so z.B. mit Entfremdung, Dialektik oder Kommunismus. Die lebenswichtigen Begriffe werden gleichzeitig mit dem wahrsten und dem trügerischsten Sinn und mit einer Vielzahl von Zwischenstufen der Konfusion gebraucht, da der Kampf der kritischen Wirklichkeit mit dem apologetischen Spektakel zu einem Kampf um Worte führt, der mit um so größerer Heftigkeit ausgefochten wird, je wichtiger diese Worte sind. Nicht durch autoritäre Säuberung, sondern durch den kohärenten Gebrauch in der Theorie und im praktischen Leben haben wir die Wahrheit eines Begriffs an den Tag gebracht.“ – Situationistische Internationale

Als Beitrag zur Wiederaufnahme einer Kritik der Entfremdungen auf der Höhe der Zeit, sollen die sogenannten „Ökonomisch-philosophischen Manuskripte“ von Marx gelesen und diskutiert werden. Sogenannte “Ökonomisch-philosophische Manuskripte”, weil Marx diesem im Frühjahr 1844 in Paris – die “deutschen Zustände” hatten ihn ins Exil getrieben – geschriebenen, zur Veröffentlichung vorgesehenen, dann aber aus unbekannten Gründen nicht veröffentlichten Text, keinen Titel gab. Es waren Rjazanov und Landshut, die beiden Herausgeber der ersten Ausgabe von 1932, die den unvollständig erhaltenen und nicht für den Druck ausgearbeiteten Manuskripten nicht nur den Titel, unter dem sie heute bekannt sind (alternativ sind sie auch als „Pariser Manuskripte“ bezeichnet worden) gaben, sondern auch die Überschriften der einzelnen Kapitel einfügten. Im Zentrum der Kritik des Komplexes der Entfremdungen, aber auch des Streits um den Entfremdungsbegriff, steht das Kapitel „Die entfremdete Arbeit“. Es soll an diesem Wochenende gelesen werden. Dabei wird zu diskutieren sein, ob es einen „nicht-idealistischen“ Entfremdungsbegriff bei Marx gibt und wenn ja, wie er sich “historisch-materialistisch” begründen lässt. Zu diesem Zweck soll versucht werden, Grund- und Schlüsselbegriffe der “Manuskripte” wie Arbeit, Wesen, menschliches Wesen, Gattung, Entäußerung, Vergegenständlichung und Bildung, zu klären. Außerdem wollen wir der Frage nachgehen, welche Formen die Entfremdung unter den heutigen Bedingungen angenommen hat, etwa als Geschlechterverhältnis, aus dessen Charakter nach Marx hervorgeht, inwiefern eine Aufhebung der Entfremdung des Menschen vom Menschen gelungen ist.
Einer der bis heute wirkmächtigsten Vertreter der Behauptung, dass Marx den Entfremdungsbegriff später aufgegeben habe, ist Louis Althusser. Er behauptete, dass es sich beim Entfremdungsbegriff um „einen Rest Feuerbach“ handele, den der alte, „reife, wissenschaftliche Marx“ ab den „Thesen über Feuerbach“ und der „Deutschen Ideologie“ aufgegeben hätte. Ein aktueller Vertreter dieser immer wieder variierten Behauptung ist Michael Heinrich. Für Heinrich ist Marx’ Entfremdungskritik eine „essentialistische Kritik“, die die Annahme eines fixen menschlichen Wesens zur Voraussetzung habe. Nur an einer solchen gemessen könne etwa die kapitalistische Form der Arbeit als „entfremdet“ bezeichnet werden. Da diese Annahme aber unkritisch sei, der Mensch außer seiner sich wandelnden Form der Gesellschaftlichkeit kein „Wesen“ habe, was Marx in der 6. Feuerbachthese angeblich dann auch selbst erkannt habe, habe Marx ab diesem Zeitpunkt die Entfremdungstheorie fallen gelassen. Wenn er später, so etwa in den “Grundrissen” und im “Kapital” dennoch davon sprach, sei das nur eine Redeweise, jedenfalls aber nicht wörtlich gemeint gewesen. Ähnlich kritisierte Adorno die Frage nach dem Wesen des Menschen, die darauf hinauslaufen müsse, ihn auf seine Verfasstheit in der Vorgeschichte festzulegen. Andere Marx-Interpreten versuchten, vor allem in den Diskussionen der 1950er und 60er Jahre, den „jungen Marx“ der „Manuskripte“ gegen den zur offiziellen Staatsideologie verkommenen „Marxismus-Leninismus“ ins Feld zu führen. Es wiederholte sich damit die erstmals von Eduard Bernstein betriebene Aufspaltung des Marxschen Werkes auf neuer Stufe. Der „junge Marx“ war fortan „Humanist“ und „Philosoph“ und als solcher Gegenspieler des alten Marx, der mal Begründer der genannten Staatsideologie, mal „Ökonomist“ oder beides zugleich war. Ein Vertreter dieser Richtung war zum Beispiel Erich Fromm, für den „Jesus und der wirkliche Marx“, i.e. der Marx der Manuskripte, die „wichtigsten Ideengeber unserer Zeit“ waren. Zu den Theoretikern dieses sog. “humanistischen Marxismus” werden in der entsprechenden Literatur neben Fromm zuweilen auch Herbert Marcuse, Ernst Bloch, Raya Dunayevskaya (die 1941 als erste die “Manuskripte” ins Englische übersetzte und auf der Einheit des Marxschen Werkes gegen die Aufspaltungsversuche beharrte) oder die Vertreter der „Praxisphilosophie“ gerechnet. Wenn natürlich auf die gravierenden Differenzen in ihrem Denken hingewiesen werden muss, so eint doch alle das Festhalten am Begriff des „menschlichen Wesens“ und damit ihre Opposition zu Louis Althussers „antihumanistischen Marxismus“. Vielleicht ein „tertium datur“ in Sachen Entfremdungstheorie stellen die Arbeiten des alten Lukács, insbesondere das Kapitel „Die Entfremdung“ aus seinem letzten Werk „Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins“, sowie das Buch “Der Entfremdungsbegriff bei Marx” (1970) seines Schülers Istvan Mészáros, der 1956 zur Emigration aus Ungarn gezwungen wurde, dar. Ferner sei noch auf die Situationistischen Internationale und ihre Kritik des Spektakels als Versuch einer Wiederaufnahme der kritischen Arbeit am Begriff der Entfremdung gegen seine verschiedensten Verfälschungen und vor dem Hintergrund des modernen “consumer capitalism” im Westen hingewiesen.
Neben einigen Ausflügen zur Editions- und Wirkungsgeschichte, die zur Geschichte der Entfremdungen und des Kampfes gegen sie gehören, soll die Lektüre der Kapitel “Die entfremdete Arbeit” und “Privateigentum und Kommunismus” im Vordergrund stehen (siehe http://www.mlwerke.de/me/me40/index.htm). Eine Vorab-Lektüre der Kapitel seitens der Teilnehmer wäre sinnvoll.

Um eine Anmeldung unter translib@gmx.de wird gebeten

http://translibleipzig.wordpress.com/

kontroversen über gesellschaftstheorie.

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ACHTUNG: Fällt wegen Erkrankung zweier Referent_innen leider aus!

Donnerstag | 21. November | 18:30 Uhr | Conne Island | Koburger Str. 3 | Leipzig

»Kontroversen über Gesellschaftstheorie«

Diskussionsveranstaltung der Zeitschrift »PROKLA«

Am 21. November stellt die PROKLA – Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft im Conne Island ihr aktuelles Heft vor. AutorInnen und Redakteure diskutieren gesellschaftstheoretische Kontroversen im Anschluss an Marx. Vor allem geht es dabei um unterschiedliche aktualitätsbezogene Ansätze und Zeitdiagnosen: Welche Potentiale und Grenzen verspricht etwa der Begriff des »Fordismus« für eine kritische Gesellschaftsanalyse? In welchem Verhältnis stehen marxistische und intersektionale Ansätze zueinander? Und welche Perspektiven bieten solche Debatten für ein kapitalismuskritisches Verständnis der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise? Es diskutieren:

Dorothea Schmidt (Berlin)
Etienne Schneider (Wien)
Alex Demirovic (Frankfurt/Main)

Moderation: Christian Schmidt (Leipzig)

Die PROKLA publiziert seit 1971 zu Themen aus den Bereichen der Politischen Ökonomie, der Politik, Sozialgeschichte und Soziologie. Mehr Info zur PROKLA im Internet unter www.prokla.de

– Mit freundlicher Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V. -

tagesseminar zur linken bolschewismuskritik.

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Freitag | 12. Juli | 20:00 Uhr | Marienstraße 18 | Weimar

Tagesseminar zur linken Bolschewismuskritik

Im Seminar wollen wir die im Vortrag von Hendrik Wallat besprochenen Themen vertiefen. Zum einen wollen wir versuchen den histo­rischen Aufstieg des Bolschewismus nachzuvollziehen und zum anderen die rätekommunistische Kritik am Staatssozialismus zu re­konstruieren. Insbesondere wollen wir dabei auch in den Blick neh­men, wie der Bolschewismus weltweit ein Bild seiner selbst erzeugen
konnte, die einzig legitime Form revolutionärer Arbeiterbewegung
darzustellen. Anhand der Lektüre rätekommunistischer Texte soll dann gezeigt werden, welche revolutionären Alternativen zum Staats­sozialismus zumindest denkbar waren, aber auch, welche Widersprü­che darin zum Vorschein kommen.

Es sind keine Vorkenntnisse nötig ­ wir bitten um eine kurze Anmel­dung über biko[at]arranca.de.

http://dissideo.blogspot.de/

marx, der marxismus und die ökologische krise.

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Montag | 8. Juli | 19 Uhr | HS 8 | Universität Leipzig

Marx, der Marxismus und die ökologische Krise

Christoph Görg*

Marx hat als Zeitgenosse der Industrialisierung schon sehr früh auf problematische Konsequenzen einer schrankenlosen Ausbeutung der Natur aufmerksam gemacht. Allerdings stehen diese Bemerkungen nicht im Zentrum seiner theoretischen Arbeiten – und sie wurden von seinen Nachfolgern im Parteimarxismus kaum aufgegriffen. Es bedurfte ab den 1960er Jahren erst der umfangreichen Diskussionen zur Rekonstruktion der Marxschen Theorie, um den nicht-ontologischen Materialismus (A.Schmidt) der Marxschen Theorie wie den möglichen Beitrag dieser Theorie zur Thematisierung der Krise gesellschaftlicher Naturverhältnisse herauszuarbeiten.

* Christoph Görg leitet das Departement Umweltpolitik des Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

[marxexpedition]