Tag-Archiv für 'linke'

von der zerstörung der vernunft ereilt. zum scheitern antideutscher kritik.

Von der Zerstörung der Vernunft ereilt. Zum Scheitern antideutscher Kritik.

Eines erstaunlichen Erlebnisses konnte teilhaftig werden, wer sich zu Clemens Nachtmanns Vortrag „Vergangenheitsbewältigung als Eingriffsermächtigung – Über Israelfreundschaft als deutsche Staatsräson“ am 15. Juli 2014 in Halle begab. Es waren nicht viele.
Es wurde hier eine weitgehende Revision dessen, was bisher als antideutsche Kritik bekannt war, bekanntgegeben. Im Jahre 2009 wurde zunächst, anlässlich einer Konferenz der Zeitschrift Bahamas, offiziell die Bezeichnung antideutsch entsorgt, nun wurden grundlegende Vorstellungen des einst damit verbundenen Konzeptes verabschiedet, dafür soll aber die Bezeichnung antideutsch als Identitätsemblem in veränderter Form wieder oder weiterhin, das wird nicht so recht klar, von kritischer Gültigkeit sein. Den Ausgangspunkt stellte die These dar, dass sich die deutsche Ideologie nunmehr zu einer Europaideologie bzw. zu einer Ideologie des Supranationalen verallgemeinert hätte. Dies sei geschehen durch eine ideologischen Kulturalisierung, auf Grundlage einer Selbstverleugnung der bürgerlichen Gesellschaft als ihrer Basisideologie. Als zu kritisierende Thesen wurden sodann die These der Singularität des Holocaust sowie die These vom deutschen Sonderweg präsentiert. Die Singularitätsthese verfiel der Kritik dadurch, dass aus ihr politisches Kapital und moralischer Mehrwert geschlagen werde. Die Aufarbeitung der Vergangenheit diente demnach vor allem dazu Deutschland zu rehabilitieren und einen moralischen Gewinn zu erzielen, der als Lehre aus der Geschichte zu moralischem Größenwahn und letztlich einem moralischen Antisemitismus führte, so dass die Massenvernichtung der europäischen Juden schließlich als Titel für ein Eingriffsrecht dienen solle. Der Ursprung der Singularitätsthese wurde bei Habermas verortet. Die Massenvernichtung der europäischen Juden wäre nun in ihrer Singularität und als universale Tatsache zugleich aufzufassen. Die Begriffe Postfaschismus bzw. Postnazismus seien auf die internationale Konstellation zu beziehen. Ihnen wesentlich sei die ideologische Bearbeitung der Kontinuität in der Diskontinuität. Die Sonderwegsthese würde sich als kritikwürdig dadurch erweisen, dass hier die Kategorien des Besonderen und des Allgemeinen auf unheilvolle Art politisiert würden. Deutschland würde dabei als Sonderfall bürgerlicher Vergesellschaftung, als Abweichung von der bürgerlich-kapitalistischen Norm, betrachtet. Dies müsse als ein politisierender Antiimperialismus gegen Deutschland gesehen werden. Das Label Antideutsch werde zum Identitätsausweis, der darin zum Ausdruck käme, dass an Deutschland unbedingt etwas gefunden werden müsse, was die deutsche Besonderheit untermauert. Die Annahme einer deutschen Wertvergesellschaftung als singulär, die sich in allen ihren Äußerungen identisch durchhält, würde zu einer affirmativen Theorie, dessen was deutsch ist, als einer Identitätsfindung, gerinnen. Materialistische Kritik hätte dagegen die Frage: „Was deutsch ist?“ schon in ihren Grundlagen zu destruieren. Am Ende stand dann aber im Gegensatz zu dem vorher gesagten doch wieder eine neue Bestimmung dessen, was nunmehr als deutsch zu verstehen sei: die freiwillige Selbstopferung, das sich widerstrebend in etwas Unvermeidliches schicken. So lange Staat und Kapital nicht abgeschafft seien, bliebe antideutsche Kritik daher aktuell.
Es kann sich des Eindruckes nicht ganz erwehrt werden, dass sich hier eine Unzulänglichkeit antideutscher Kritik offenbart, die von Anfang an in ihr selbst angelegt war. Diese Unzulänglichkeit, die nun auf Georg Lukacs zurückgeführt wird, indem er mit »Die Zerstörung der Vernunft« als Urheber der These des deutschen Sonderwegs dargestellt wurde, scheint tatsächlich vielmehr in einer Verwirrung hinsichtlich der Kategorien des Besonderen und des Allgemeinen in der antideutschen Kritik selbst zu liegen. Einige Grundkenntnisse dialektischer Philosophie, z.B. derjenigen Hegels, Marx‘ oder Adornos, hätten darauf hinweisen können, dass das Allgemeine immer nur in Gestalt des Besonderen erscheint und nur als Konkretion der Abstraktion vom Besonderen überhaupt zugänglich ist. Es liegt hier ein exemplarisches Beispiel dafür vor, was unter Dialektik zu verstehen wäre: die gegensätzlichen Kategorien des Besonderen und des Allgemeinen sind derart konstitutiv aufeinander bezogen, dass sie jeweils als Sinnesimplikat im anderen enthalten sind. Der historische Materialismus, den Marx in kritischem Anschluss an Hegel und Feuerbach begründete, geht daher davon aus, dass die jeweils spezifischen historischen Bedingungen betrachtet werden müssen, damit bestimmte politische Erscheinungen begriffen werden können. Da das Allgemeine also nur im jeweils Besonderen aufgefunden werden kann, stellt insofern jede wie auch immer räumlich begrenzte Entwicklung einen Sonderweg dar. Es war daher schon immer richtig und zugleich irreführend und ideologisch, von einem deutschen Sonderweg auszugehen, da für jeden Nationalstaat oder jede Region ein spezifischer Sonderweg festgestellt werden kann, auf dem sich die jeweils besondere Gestalt des Allgemeinen durchsetzt. Die Spezifik der deutschen Entwicklung ist, wie jede andere, historisch-materialistisch zu erklären, nicht durch metaphysische Wesensbestimmungen. Sie ist damit nicht gleich jeder anderen besonderen Entwicklung, sondern in ihrer besonderen Ausprägung des Allgemeinen, die damit überhaupt nicht in Abrede gestellt wird, erst zu erfassen. Der Versuch der kritischen Anwendung identitärer Vorstellungen, wie sie nationale und kulturelle nun einmal sind, war von vornherein ideologisch und dem Gegenstand nicht angemessen. Dieses theoretische Defizit zeigt sich unter anderem darin, dass immer wieder unklar wird, was das spezifisch deutsche Besondere nun eigentlich sein soll und was dagegen das bürgerlich-kapitalistische Allgemeine oder Normale sein soll, d.h. welche Identität gerade zu verteidigen und welche gerade abzulehnen ist. Solcherart identitäre Vorstellungen müssen in Folge dessen immer wieder aktualisiert und den sich verändernden politischen Verhältnissen angepasst werden. Die antideutsche Kritik saß damit von vornherein negativ ideologischen, metaphysischen Wesensbestimmungen auf, wie nun durch die Revision grundlegender Vorstellungen implizit eingestanden wird.
Diese ganze Entwicklung ist auch deswegen äußerst seltsam, weil die polemische Verwendung der Bezeichnung deutsch, die es ja durchaus gab, u.a. bei Marx und Adorno, anscheinend nicht als solche verstanden wurde, sondern sie als substanzieller Begriff für etwas verwendet wurde, was keine Substanz hat, sondern Ideologie ist.
Die Anhänger antideutscher Kritik schienen zunächst etwas verwirrt und stellten dann zögernd und scheinbar mit etwas ungläubigem Staunen einige Nachfragen, um sich dessen zu versichern, was sie da gehört hatten. Die erste Nachfrage ging denn auch dahin, wie es denn dazu kommen konnte, dass sich die deutsche Ideologie nun verallgemeinert habe und wie denn in anderen Ländern die Lehre aus der Geschichte ebenfalls derart gezogen werden könne, wie es von Nachtmann für Deutschland beschrieben wurde. Eine Anmerkung zielte darauf ab, die Sonderwegsthese zumindest für die 1990er und 2000er Jahre insofern als berechtigt zu verteidigen, dass damit dem Hang entgegen getreten wurde, die deutsche Entwicklung der allgemeinen kapitalistischen Sauerei unterzuordnen. Die dritte Nachfrage bezog sich darauf, ob nicht ein Widerspruch in der These des Kulturalismus zu sehen sei, insofern darin einerseits von einer Auflösung von Kultur in einen Karneval der Kulturen die Rede ist, andererseits zugleich aber von einer Überlegenheit der europäischen im Gegensatz etwa zur amerikanischen Kultur. Die Antwort auf letzteres beinhaltete, dass hierin die Unlogik des Postmodernismus zum Ausdruck käme.
Diese ganze seltsame Entwicklung zeigt sehr deutlich, dass, wenn es darum geht, gesellschaftliche Entwicklungen zu begreifen und zu kritisieren, nichts darum herum führt, die jeweiligen historischen gesellschaftlichen Bedingungen und ihre ideologische Verarbeitung zu betrachten, d.h. zu betrachten, wie sich jeweils das Allgemeine in seiner besonderen Gestalt darstellt. Das abstrakte gesellschaftliche Allgemeine ist in bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaften die Ware Arbeitskraft oder, da diese die Substanz des Wertes ist, der Wert. Dieses allgemeine Verhältnis setzt sich in verschiedenen gesellschaftlichen Konstellationen auf je besondere Weise durch und wird immer nur in dieser jeweils besonderen Ausprägung sichtbar. Das Allgemeine, was sich durch die besonderen Erscheinungen durchsetzt, kann nur sichtbar gemacht werden indem dadurch vom Besonderen abstrahiert wird, dass es auf Begriffe gebracht wird, und diese Begriffe in eine solche Anordnung zueinander gebracht werden, dass das Allgemeine als ein Konkretes dargestellt werden kann. Da das konkrete gesellschaftliche Allgemeine der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft verschiedene Widersprüche in sich enthält, die in diesem Verhältnis nicht zu lösen sind, u.a. den Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital und den damit verschränkten Widerspruch zwischen Natur und Kapital, entstehen notwendig immer wieder krisenhafte ökonomische Einbrüche, die soziale Folgen hervorrufen, von denen Menschen betroffen werden. Die von krisenhaften Zuständen betroffenen Menschen verarbeiten diese Situationen häufig auf eine mehr oder weniger ideologische Weise. Die Ausprägung der ideologischen Verarbeitungsweise krisenhafter gesellschaftlicher Prozesse hängt von verschiedenen räumlichen, politischen, gesellschaftlichen, kulturellen, historischen Bedingungen ab, die in ihrer jeweiligen Konstellation betrachtet werden müssen, um sie in ihrer jeweiligen Spezifik begreifen zu können. Erst unter dieser Voraussetzung wird es überhaupt möglich sein, diesen Ideologiebildungen kritisch entgegenwirken zu können.
Es ist dazu tatsächlich eine historisch-materialistische Kritik notwendig. Durch metaphysische Wesensbestimmungen, die sich als wesentliches Merkmal antideutscher Kritik zeigen, werden ideologische Vorstellungen im wesentlichen negativ reproduziert. Antideutsche Kritik erweist sich damit nicht als Ideologiekritik, wie sie es gerne möchte, sondern selbst als ideologisch, als Agentin von Ideologie als Gegenideologie. Sie ist damit selbst ebenso als Produkt der ideologischen Verarbeitung krisenhafter gesellschaftlicher Zustände anzusehen, wie die bevorzugten Gegenstände ihrer Kritik, etwa islamistische Gruppierungen oder orthodoxe und antiimperialistische Linke.

the failure of reason. adorno and the non-identical.

Claussen makes the point straight away that Adorno’s criticism of the New Left and the parting of ways between Adorno and Marcuse over the latter’s support for it was not exceptional but consistent with Adorno’s lifelong history of remaining true to the Left by criticizing it.

[http://platypus1917.org/2009/10/10/book-review-detlev-claussen-theodor-w-adorno-one-last-genius/]

links ist da, wo kein antisemitismus ist?

Di | 13. Mai 2014 | 19:00 Uhr | Melanchthonianum | Universitätsplatz | Halle

Links ist da, wo kein Antisemitismus ist?
Vortrag und Diskussion mit Sören Pünjer (Berlin)

Wer sich schon einmal daran versucht hat, am ideologischen Weltbild eines standhaften Linken zu rütteln, der wird um die Erfahrung nicht herumgekommen sein, dass das faktenbezogene Argumentieren meist nur an einer einzigen Stelle den linken Selbstzweifel nähren kann: Den Vergleich mit der NPD bemühen zu müssen, entspringt der Hoffnung, wenigstens am antifaschistischen Gewissen jener rühren zu können, die im Angesicht ihrer persönlichen Nähe zu den Nazis noch vor sich selber erschrecken können.

Verweist man auf die nicht aus der Welt zu schaffende Deckungsgleichheit bzw. die riesige Schnittmenge, die zwischen der NPD-Programmatik und der linken Welterklärung insbesondere beim Thema Globalisierung besteht, dann zeigt sich, dass hier etwas schon rein logisch nicht stimmen kann. Jeder besser geschulte Linke weiß selbstverständlich, dass das Weltbild der braunen Kameraden eindeutig antisemitisch ist. Was aber hält die roten Genossen dazu an, gerade an den entscheidenden Punkten wie der Einordnung der Rolle Israels und der USA ihren Erzfeinden gar nicht widersprechen zu können?

Die richtige Antwort auf diese Frage setzt die Erkenntnis voraus, dass der Antisemitismus auch eine Form von Rassismus sein kann, dies aber keineswegs sein Wesen ausmacht, dass er nicht als eine falsche Kritik am Judentum verharmlost werden darf und dass Rassismus und Antirassismus spätestens seit dem Erfolg von Franz Fanon und Edward Said sich ohnehin immer ähnlicher werden.

Warum unter solchen Vorzeichen schon die bloße Frage nach linken Wegen jenseits von Herrschaft und Ausbeutung verdächtig sein muss und die Einladung eines Friedensforschers nach Halle, der über den Westen und den Iran referiert, das Protestieren gegen seine Einladung notwendig macht, darum soll es im Vortrag gehen.

Sören Pünjer ist Redakteur der Zeitschrift „Bahamas“.

[ag antifa | Wahn und Verschwörung – Die antisemitische Internationale Antifaschistische Hochschultage im Sommersemester 2014]

kri­tik der mar­xis­tisch-le­ni­nis­ti­schen or­ga­ni­sie­rung.

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Diens­tag | 7. Januar | 18:30 Uhr | linxx­net | Bor­nai­scher Stra­ße 3d | Leip­zig

Kri­tik der mar­xis­tisch-le­ni­nis­ti­schen Or­ga­ni­sie­rung

Re­fe­rent: Harry Wai­b­el, ver­an­stal­tet von der Links­ju­gend Leip­zig im Rahmen von Rosa & Karl

Die Suche nach einer ra­di­ka­len und pro­gres­si­ven lin­ken Pra­xis muss auch die Kri­tik lin­ker Ge­schich­te mit­den­ken und eine Aus­ein­an­der­set­zung mit Or­ga­ni­sie­rungs­kon­zep­ten der his­to­ri­scher Be­we­gun­gen er­mög­li­chen. Der Vor­trag soll eine Ein­füh­rung in die his­to­risch be­grün­de­te Kri­tik der mar­xis­tisch-le­ni­nis­ti­schen Ideo­lo­gie lie­fern und deren Aus­wir­kun­gen auf das Mo­dell einer Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei un­ter­su­chen, wie es von Lenin und Trotz­ki ent­wi­ckelt und durch­ge­setzt wurde. Er be­trach­tet die Er­eig­nis­se im Nach­gang der Ok­to­ber­re­vo­lu­ti­on, unter An­de­rem die Zer­schla­gung des Kron­städ­ter Auf­stands sowie die ver­schie­de­nen „Säu­be­run­gen“ – und stellt dem die Kri­tik Rosa Lu­xem­burgs am ‚dik­ta­to­ri­schen So­zia­lis­mus‘ Le­n­ins ent­ge­gen.

die gesellschaft des spektakels.

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Freitag | 6. Dezember | 18:00 Uhr bis Sonntag | 8. Dezember | 20:00 Uhr | translib | Lütznerstraße 30 | Leipzig

Kritischer Lektürekurs: „Die Gesellschaft des Spektakels“ und die situationistische kritische Theorie (Kapitel 8 + 9): Kunstaufhebung, Detournement und Plagiat. Communistische Kommunikation gegen akademische und „revolutionäre“ Ideologie.

Mit diesem Lektürekurs findet eine kritische Aneignung der Spektakeltheorie ihren vorläufigen Abschluss. Betrieben wurde sie seit 2010 wechselweise in Leipzig, Weimar und Frankfurt am Main entlang den Kapiteln von Guy Debord’s
Spektakelbuch. Ein Vorteil und Gebrauchswert, wie er sich aus der Konstruktion dieses Buches ergibt, liegt darin, dass die übergreifende Idee vom Spektakulären „als ein Moment im Entwicklungsprozess der Warenproduktion“ — so der Autor – „sich in allen anderen bespiegelt“, und „gerade das halten wir für das Kennzeichen eines dialektischen Buches.“ So dass jedes einzelne Kapitel einen neuen Zugang oder auch „Einstieg“ in die Spektakelkritik ermöglicht.
Diesmal ist es die situationistische Theorie von der Verwirklichung der Kunst und Kultur vermittels ihrer Aufhebung, was zur Entwicklung der modernen und situationistischen Stil-Techniken des subversiven „Detournement“ (Entwendung / Zweckentfremdung) und des erklärten und offenen Plagiats führt.
Im letzten Teil des Buches ist der Zugang zur Spektakelkritik das Terrain der Theorie selbst: als totale materialistische Kritik der Ideologie, vor allem auch der „revolutionären“; als kritische Theorie gegen die universitären Wissenschaften und ihre Anhängsel in den „revolutionären Trümmerhaufen“ der Linken könne und müsse das moderne Proletariat sich zur „Klasse des historischen Bewusstseins“, zum „bewaffneten Dialog“, zur selbständigen Theorie der Praxis organisieren.

Eine Anmeldung sollte bitte per E-Mail an translib ät gmx.de erfolgen, als Textgrundlage dienen die Thesen 180 – 221 im frz. Original sowie deren dt. Übersetzungsvarianten (werden bei Anmeldung als Reader per E-Mail verschickt).

Weitere Infos zum Projekt der translib und Hinweise auf kommende Veranstaltungen findet ihr unter:
http://translibleipzig.wordpress.com

never ending story. das israelpseudos der pseudolinken.

Michael Landmann Das Israelpseudos der Pseudolinken

Dienstag | 19. November 2013 | 19 Uhr | Veranstaltungsraum Radio Corax | Unterberg 11 | Halle (Saale)

„Never ending story – Das Israelpseudos der Pseudolinken“

Vortrag und Buchvorstellung mit Anja Worm und Jan Gerber

In den Jahren 1969 und 1970 wurden die Bundesrepublik Deutschland und Westberlin von einer beispiellosen antizionistischen Krawall- und Terrorwelle überrollt. Die Täter kamen aus dem Umfeld der Neuen Linken, die ihren zurückhaltenden Proisraelismus nach dem Sechstagekrieg gegen einen vehementen Antizionismus eingetauscht hatte. Vor diesem Hintergrund erschien mit Michael Landmanns Buch „Das Israelpseudos der Pseudolinken“ eine der ersten kritischen Auseinandersetzungen mit der Israelfeindschaft der Neuen Linken. Mit ihrer antizionistischen Wende, so Landmann, verwandle sich die Protestbewegung von einer „echten“ in eine „Pseudolinke“.

Inzwischen ist die Neue Linke, auf die sich Landmann bezog, zwar verdientermaßen marginalisiert. Sie hat ihre Aufgabe – die Konservierung des Irrsinns von Volk, Ursprünglichkeit und Unmittelbarkeit in einer Zeit, in der kein großer Bedarf danach bestand – jedoch erfüllt. So findet sich der Antizionismus längst nicht mehr nur in linken Klein- und Großsekten wie die der Linkspartei, dem Freiburger „Café Palestine“ oder der antiimperialistischen Schlägertruppe, die vor einigen Jahren in Hamburg die Aufführung von Claude Lanzmanns Film „Pourquoi Israël“ verhinderte. Sondern der antiisraelische Furor ist im politischen Mainstream angekommen, in dem die Unterscheidung zwischen „links“ und „rechts“ ohnehin kaum noch getroffen werden kann. Um die einschlägigen Stereotypen zu hören, muss kein Vortrag eines autonomen oder marxistisch-leninistischen Selbstfindungszirkels mehr besucht werden, sondern es genügt, die „Süddeutsche Zeitung“ aufzuschlagen oder den Bericht über Israel auf „3Sat“ zu schauen.

Aus diesem Grund soll mit Michael Landmann nicht nur einer der ersten linken Kritiker des neulinken Antizionismus gewürdigt werden. Vielmehr soll unter Rekurs auf Landmanns Ausführungen von den Hintergründen des neuen Antisemitismus den Transformationen, die der Israelhass in den letzten vierzig Jahren durchgemacht hat, und der Aktualität der Kritik gesprochen werden.

Es sprechen Anja Worm und Jan Gerber („Materialien zur Aufklärung und Kritik“). Sie sind Herausgeber der Neuauflage von Michael Landmanns „Das Israelpseudos der Pseudolinken“ (Freiburg: ça ira Verlag 2013) und Curt Geyer u.a.: „Fight for Freedom!“ Die Legende vom „anderen Deutschland“, Freiburg (ça ira Verlag) 2009.

Eine Veranstaltung der AG Antifa im Stura der Uni Halle

linke buchtage berlin 2013.

linke buchtage 2013

Die 11. Linken Buchtage Berlin finden am Wochenende vom 14. bis 16. Juni 2013 statt.

Am Wochenende vom 14. bis zum 16. Juni finden im Mehringhof in Kreuzberg die 11. Linken Buchtage Berlin statt. Wie in den vergangenen Jahren suchen linke AutorInnen und VerlegerInnen den Kontakt zum politisch interessierten Publikum und gestalten mit Euch und uns drei Tage mit Lesungen, Diskussionen und Informationsveranstaltungen. Das Programm der Linken Buchtage möchte das breite Ideenspektrum linker Debatten der letzten (und kommenden) Zeit abbilden, und wir hoffen hiermit, den Rahmen für kontroverse, intensive und konstruktive Debatten bereitzustellen.

Zahlreiche linke und unabhängige Verlage werden auch dieses Jahr wieder mit Ihrem aktuellen Programm vor Ort sein. Der Eintritt ist frei.

Freitag: 17–22 Uhr
Samstag: 11–22 Uhr
Sonntag: 11–17 Uhr

Außer den Auftaktveranstaltungen finden alle Veranstaltungen in den Räumen des Mehringhofs statt:

Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin, U6 / U7 Haltestelle Mehringdamm.

www.linkebuchtage.de

linke buchtage berlin.

linke buchtage berlin

Die 10. Linken Buchtage Berlin finden am Wochenende vom 15. bis 17. Juni 2012 statt.

Freitag: 17–22 Uhr
Samstag: 11–22 Uhr
Sonntag: 11–17 Uhr

Programm

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei!

Außer den Auftaktveranstaltungen finden alle Veranstaltungen in den Räumen des Mehringhofs statt:

Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin, U6 / U7 Haltestelle Mehringdamm.

Nothing Left to Lose. Die Linke nach 9/11.

Donnerstag, 10. November, 19:00 Uhr, Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue und Jan-Georg Gerber

Nach dem 11. September 2001 kam es innerhalb der Linken zu eigenartigen Koalitionen: War es von den traditionellen Freun­den des antiimperialistischen Befreiungskampfes nicht anders zu erwarten, dass sie die Anschläge von New York begrüßten, verwunderte es auf den ersten Blick schon, dass auch poststrukturalistische Feministinnen, Queer- und Gender-Aktivisten plötzlich besonderes Verständnis für den Islam zeigten. Immerhin waren im Kontext der Attentate auch die repressiven Züge des Islam, der Verschleierungszwang, die Herrschaft der Scharia, Ehrenmorde usw. in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Freun­de Israels und des amerikanischen Engagements in Afghanistan und im Irak erhielten bei ihren Versuchen, die große antiamerikanische und israelfeindliche Einheitsfront – von Kanzler Schröder über die deutschen Anhänger Judith Butlers bis zur NPD – zu stören, die sich in dieser Zeit Geltung verschaffte, plötzlich Unterstützung von Bewegungslinken, die wenige Monate zuvor noch Neonaziaufmärsche verhindert und zu den Antiglobalisierungsprotesten nach Prag, Genua oder Kopenhagen mobilisiert hatten. Während die antideutschen Antifagruppen, die im Nachgang von 9/11 und im Zuge des Irakkrieges entstanden, inzwischen schon wieder Geschichte sind, ist sowohl der antiisraelische Furor der Mehrheitslinken als auch die Faszination, die der Islam auf poststrukturalistische Genderaktivisten ausübt, noch immer ungebrochen. Die Referenten werden einerseits ausführen, warum gerade Judith Butler und Co. eine solche Begeisterung für den Islam entfalten. Andererseits soll der Frage nach den Ursachen des schnellen Aufstiegs und des ebenso schnellen Verschwindens »antideutscher Bewegungspolitik« nachgegangen werden.

Eine Veranstaltung der AG Antifa im Stura der Uni Halle.

Kritik und Ressentiment

Zum Stand der Debatte um den Islam

01.12.2010, 19:00 Uhr, Conne Island

Eine Veranstaltung der Phase 2 mit dem Antifaschistischen Frauenblock Leipzig (AFBL) und dem Antisexismusbündnis Berlin (ASBB)

„Auf ins Minenfeld“, forderte die Phase 2 2008 in einem Debattenbeitrag zur Antifa-Konferenz des Anti-Islamisierungskongresses in Köln. Damit war gemeint, sich den Schwierigkeiten eines Diskurses, der sowohl eine fortschrittliche politische Kritik des Islam als auch ressentimentgeladene Auslassungen gegen das Fremde und Andere in sich vereint, nicht auszuweichen, sondern sich ihnen offensiv zu stellen. Eine zentraler Rolle in der Debatte – sowohl in einer bürgerlichen Öffentlichkeit als auch in der Linken – spielte die Kritik des islamischen Geschlechterverhältnisses, also der Unterdrückung von Frauen und einer regressiven Sexualmoral. Eine feministische Positionierung zum Islam lag demnach nahe. Wie das allerdings genau zu geschehen hätte, war keinesfalls klar. Die Kritik des Islam, so das ASBB in einem Debattenbeitrag in der Phase 2 birgt die Gefahr der rassistischen Stereotypisierung und die Vernachlässigung der Verhältnisse vor der eigenen Haustür. Für den AFBL hingegen erwächst die Islamkritik gerade aus einem dezidiert feministischen und antisexistischen Selbstverständnis. Um die Begriffe des Rassismus und der feministischen Positionierung gegenüber dem Islam sowie ihr Verhältnis zu präzisieren, lädt die Phase 2 zu einer Diskussionsveranstaltung um den aktuellen Stand der linken Debatte um den Islam ein.