Tag-Archiv für 'kulturindustrie'

kritik der kunst. ästhetik & gesellschaftskritik.

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Donnerstag | 3. Juli | 20:00 | ACC Galerie Weimar | Burgplatz 1-2 | Weimar

BOOK LAUNCH ::: Nr. 5 – WEIMAR

KRITIK DER KUNST – ÄSTHETIK & GESELLSCHAFTSKRITIK

Was verbindet das philosophische Nachdenken über Kunst mit einer Kritik der Gesellschaft – und kann eine kritische Ästhetik noch heute ein „Instrumentarium“ bereit stellen, um die Gegenwart von Kunst und Gesellschaft zu fassen?

LUKAS HOLFELD (Mitglied des Bildungskollektivs, Kunst Spektakel Revolution) diskutiert mit dem Herausgeber MARCUS QUENT (Engagierte Wissenschaft e.V.)

Die 1970 veröffentlichte Ästhetische Theorie ist ein Fragment gebliebenes Textgefüge, in dem Theodor W. Adorno wesentliche Gedanken in einer Verflechtung von Kunst, Philosophie und Gesellschaft entfaltet. In dem neu erschienen Buch „Das Versprechen der Kunst“ (Turia + Kant, 2014) fragen Autorinnen und Autoren aus den Bereichen Philosophie, Politischer Theorie sowie der Kunst-, Literatur- und Musikwissenschaft nach der Aktualität von Adornos ästhetischer Theorie.

Anlässlich der Veröffentlichung des Sammelbandes veranstaltet die AG Ästhetische Theorie (Engagierte Wissenschaft e.V.) im Juni und Juli zwei weitere Buchpräsentationen in München und Weimar. Zu Gesprächen und Diskussionen sind Autorinnen und Autoren des Bandes, eingeladen um mit den Herausgebern exemplarisch über die Aktualität von Adornos ästhetischer Theorie zu diskutieren.

http://www.engagiertewissenschaft.de/de/inhalt/AG_Aesthetische_Theorie
http://www.turia.at/titel/adorno_kunst.html
http://www.acc-weimar.de/

todesbejahung und schwarz in der ästhetik des faschismus.

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Do | 13.​ März ​2014 | 20:00 Uhr | ACC Ga­le­rie | Wei­mar

Todesbejahung und Schwarz in der Äs­the­tik des Fa­schis­mus

Vor­trag von Car­men Deh­nert und Lars Quad­fa­sel

Es kann bei einer Ver­an­stal­tung zur Farbe Schwarz im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus nicht al­lein um na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Kunst­po­li­tik gehen: Denn der Na­tio­nal­so­zia­lis­mus sel­ber war, als »Äs­the­ti­sie­rung der Po­li­tik« (Wal­ter Ben­ja­min), eine to­ta­le In­sze­nie­rung, die alle Wirk­lich­keit in sich hin­ein­sog, nichts außen vor las­sen konn­te. Lü­cken konn­te er um kei­nen Preis dul­den – und damit auch nicht die Schwär­ze als Aus­druck von Man­gel, von Trau­er, von Ne­ga­ti­vi­tät.

Weil aber der Kult des un­ver­stüm­mel­ten, wi­der­spruchs­lo­sen Le­bens alles das still­stel­len muss, wo­durch Leben erst le­ben­dig wird, kehrt auch die Farbe Schwarz auf hö­he­rer, näm­lich Eli­ten­ebe­ne wider: als Form herr­schaft­li­cher Iden­ti­fi­ka­ti­on mit genau dem, woran im Bilde nichts er­in­nern darf. Nicht um­sonst lieb­te die SS Namen wie »Schwar­zes Korps«. Im Ver­hält­nis zur Farbe Schwarz re­flek­tiert sich das Ver­hält­nis der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten zum Tod: Was sie als Aus­druck von Ver­gäng­lich­keit, von un­be­herrsch­ba­rer Kon­tin­genz per­hor­res­zie­ren, ver­klä­ren sie zu­gleich, in alter ge­gen­auf­klä­re­ri­scher Tra­di­ti­on, als Sinn­bild un­wi­der­sprech­ba­rer Macht.

Car­men Deh­nert und Lars Quad­fa­sel sind as­so­zi­iert in der Ham­bur­ger Stu­di­en­bi­blio­thek und der Grup­pe Les Ma­de­lei­nes, deren »The­sen zu Tod und Ma­te­ria­lis­mus« im Ex­tra­blatt Nr. 8 er­schie­nen sind.

[Kunst. Spektakel. Revolution.]

buchpräsentation. das versprechen der kunst. adornos ästhetische theorie.

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Freitag | 7. März | 20 Uhr | Galerie für Zeitgenössische Kunst | Karl-Tauchnitz-Str. 9-11 | Leipzig

BOOK LAUNCH ::: Nr. 2 – LEIPZIG

TRANSZENDIERUNG – KUNST, KRITIK, UTOPIE

Gespräch mit Christoph Türcke (Hochschule für Grafik & Buchkunst, Leipzig) und Anna Danilina (Universität Leipzig)

anschließend Getränke + Musik mit N.AKIN (Aequalis / Institut für Zukunft, Leipzig) im KUNSTRAUM ORTLOFF | Jahnallee 73

Anlässlich der Veröffentlichung des Sammelbandes „Das Versprechen der Kunst. Aktuelle Zugänge zu Adornos ästhetischer Theorie“ veranstaltet die AG Ästhetische Theorie (Engagierte Wissenschaft e.V.) im Februar, März und April drei Buchpräsentationen in Berlin, Leipzig und Wien. Zu Gesprächen und Diskussionen mit unterschiedlichen thematischem Fokus sind jeweils zwei Gäste, Autorinnen und Autoren des Bandes, eingeladen um mit den Herausgebern exemplarisch über die Aktualität von Adornos ästhetischer Theorie zu diskutieren.

Danach darf die Veröffentlichung gefeiert werden, mit Getränken und Musik.

http://www.engagiertewissenschaft.de/de/inhalt/AG_Aesthetische_Theorie
http://www.turia.at/titel/adorno_kunst.html
http://www.ortloff.org/
http://www.gfzk.de/

einladung zur reise oder: das andere schwarz.

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Do | 20.​ Februar ​2014 | 20:00 Uhr | ACC | Weimar

Einladung zur Reise oder: das an­de­re Schwarz

Vor­trag von Alex­an­der Ema­nu­e­ly

Künst­le­rIn­nen und Schrift­stel­le­rIn­nen der Avant­gar­de, wie Carl Ein­stein, Mi­chel Lei­ris, Su­san­ne Wen­ger, Pier­re Sou­la­ges ent­deck­ten für sich die Wel­ten der Dogon, der Yo­ru­ba, der Zar und auch jene neue Ideen, so z.B. Lépold Sédar Seng­hors nicht un­um­strit­te­nes „Négritu­de“-​Kon­zept, wel­che aus dem mo­der­nen Afri­ka kamen. Dar­aus ent­wi­ckel­te sich zwi­schen In­tel­lek­tu­el­len, ab­seits von Ko­lo­nia­lis­mus, Be­frei­ungs­be­we­gun­gen und -​Krie­gen, über die Kon­ti­nen­te hin­weg, ein Aus­tausch von Ideen und Träu­men, die prä­gnan­te Spu­ren in Kunst und Li­te­ra­tur hin­ter­las­sen haben. Die­sen Spu­ren wird Alex­an­der Ema­nu­e­ly in sei­nem Vor­trag nach­ge­hen.

Alex­an­der Ema­nu­e­ly lebt in Wien und ist wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter der Theo­dor-​Kra­mer-​Ge­sell­schaft. Er ist Autor zahl­rei­cher Texte und be­schäf­tigt sich mit The­men wie Sur­rea­lis­mus und mo­der­ne Kunst, Psy­cho­ana­ly­se und Ideo­lo­gie­kri­tik sowie Er­fah­rung und Li­te­ra­tur des Exils. In der Reihe Kunst, Spek­ta­kel & Re­vo­lu­ti­on war er 2009 be­reits zum Thema »Sur­rea­lis­mus als Re­vo­lu­ti­on« zu Gast.

[ksr]

“mein pop, dein pop.” zur bedeutung der kritik der kulturindustrie für das verständnis von pop und politik.

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Sonnabend | 14. Dezember | 19:00 Uhr | M54 | AJZ Chemnitz | Chemnitztalstraße 54 | Chemnitz

Play with Fire II. Veranstaltungreihe zu Pop und Politik

Im Rahmen der Reihe „Play with Fire II. Reihe zu Pop und Politik“ steht die letzte Veranstaltung an. Mit der Diskussion zur Bedeutung der Kul­tur­in­dus­trie­the­sen und der bisher aufgeworfenen Themen (Ist amerikanischer Black Metal cool? Wie verkauft sich Religion? Sind wir alle Hipster? u.a.) hoffen wir, gegen den üblichen „Um­stand, Kul­tur ohne ihr Ver­hält­nis zur ge­sell­schaft­li­chen, ka­pi­ta­lis­ti­schen Rea­li­tät zu ver­han­deln“, ein paar Punkte zu machen.

“Mein Pop, Dein Pop.” zur Bedeutung der Kritik der Kulturindustrie für das Verständnis von Pop und Politik

Vortrag und Diskussion mit Sebastian Levin und Christian Kohn

Wenn nichts geht, eines geht immer: das Gespräch über Film, Musik, Theater, über bildende Kunst oder Mode als heiterer Austausch gewiss vorhandener Meinungen. Der Kulturkonservative bemängelt dann den Schund moderner Unterhaltungskultur – wer besuche heutzutage schon noch die Oper? Sein Gegenüber jedenfalls nicht, er dünkt sich kritisch und meint, dass der Rundfunk und der Tonträgerhandel von Schlechtigkeiten des »angloamerikanischen Kulturimperialismus« überschwemmt wird, der in Tokio Hotel und Scooter seine deutschen Abziehbilder fände. Und dann gibt es wieder welche, die sich mit kleinen Bands, kleinen Labels und kleinen Läden seit Jahrzehnten die »unkommerzielle«, bessere Gegenwelt zum sogenannten Mainstream basteln. Mit einer alternativen Kultur würde man unmittelbar den Hebel an die abschaffenswerte Gesellschaft legen – eine Position, die sich für Kultur als linker Praxis in den Ring begibt. Den Kulturkonservativen, wie den Poplinken – auch wenn sie sich in Wirklichkeit nicht immer klar scheiden lassen – eint meist der Umstand, Kultur ohne ihr Verhältnis zur gesellschaftlichen, kapitalistischen Realität zu verhandeln. Demgegenüber wäre an die Aktualität der Kulturindustriethesen von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno zu erinnern, was der Vortrag gerne tun möchte.

Sebastian Levin und Christian Kohn schreiben für das Beatpunk Webzine (www. beatpunk.org)

die enigmatische sprache der kunst. be­cketts roman der na­men­lo­se mit ador­no ge­le­sen.

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Do | 12.​ Dezember | 20:00 Uhr | ACC Galerie | Weimar | Bäckerei | Leipzig

Die enigmatische Sprache der Kunst. Be­cketts Roman Der Na­men­lo­se mit Ador­no ge­le­sen.

Vor­trag von Mar­tin Krem­pel

Die Weimarer Veranstaltungsreihe Kunst, Spektakel & Revolution wird in ihrer fünften Runde (diesmal mit dem Thema »Dunkelheit und Schwarz in der Kultur«) nicht mehr nur nach Hamburg sondern mit dem dritten Vortrag am 12.12 auch in Leipzig per Videoübertragung zu sehen und zu hören sein. Die Liveübertragung wird in den Räumlichkeiten des Casablanca („Die ganze Bäckerei“) in der Josephstraße 12 in Leipzig stattfinden.

Nach Theo­dor W. Ador­no trägt jedes ge­lun­ge­ne Kunst­werk Ge­heim­nis­se über den Zu­stand des mensch­li­chen Zu­sam­men­le­bens in sich ver­bor­gen, wel­che da­nach ver­lan­gen äs­the­tisch er­fah­ren und in­tel­lek­tu­ell ge­deu­tet zu wer­den. Durch ihren ei­gen­sin­ni­gen Sprach­cha­rak­ter kön­nen Kunst­wer­ke ver­schüt­te­te Er­fah­run­gen the­ma­ti­sie­ren, wäh­rend der glei­che Sprach­cha­rak­ter ver­hin­dert, dass diese Er­fah­run­gen vom Re­zi­pi­en­ten in Gänze ver­stan­den wer­den. Sie blei­ben Rät­sel, die die pa­ra­do­xe Auf­ga­be her­aus­for­dern, durch ihre un­mög­li­che Ent­schlüs­se­lung hin­durch, ent­schlüs­selt zu wer­den.

Im Vor­trag soll das schwie­ri­ge Un­ter­neh­men ver­sucht wer­den den Roman Der Na­men­lo­se von Sa­mu­el Be­ckett nicht nur äs­the­tisch zu be­schrei­ben, son­dern auch nach sei­nem ge­hei­men Kern theo­re­tisch zu be­fra­gen. Im Roman selbst fin­det man sich im Kopf des na­men­lo­sen Prot­ago­nis­ten wie­der und ist ge­zwun­gen des­sen psy­cho­ti­schen Dis­kurs über sich selbst, seine Sin­nes­wahr­neh­mun­gen, sei­nen Drang zum Nichts, dem end­gül­ti­gen Tod, und den an­de­ren Stim­men und Ge­stal­ten in of­fe­nen Räu­men nach­zu­ir­ren. Dabei ist man mit drei ver­schie­de­nen Se­quen­zen kon­fron­tiert: einer sich stän­dig wie­der­ho­len­den und sich ver­schie­ben­den Iden­ti­täts­su­che, dem Ent­wurf von schau­rig-​schö­nen Fa­beln, Bil­dern und Pan­to­mi­men, und einer immer wie­der ein­ge­scho­be­nen ne­gie­ren­den Selbst­re­fle­xi­on über das Ge­sche­hen. Alle drei Se­quen­zen sind dabei so tief in­ein­an­der ver­schlun­gen und durch­ge­formt, dass sie sich zu einer düs­te­ren aber immer schon ver­lo­ren ge­gan­ge­nen Welt zu­sam­men­zie­hen.

Im vor­sich­ti­gen Rück­griff auf die vie­len No­ti­zen die Ador­no über Be­cketts oeu­vre, z. B. in der Äs­the­ti­schen Theo­rie, in den Noten zur Li­te­ra­tur oder auch in sei­ner ei­ge­nen Aus­ga­be des Ro­mans Der Na­men­lo­se, nie­der­ge­schrie­ben hat, soll für diese trost­lo­se Welt­er­fah­run­gen eine In­ter­pre­ta­ti­on Stück für Stück ent­wi­ckelt wer­den. Ador­no selbst schrieb 1962 in einem Brief an Wer­ner Kraft über seine Be­ckett­lek­tü­re: »Üb­ri­gens glau­be ich, daß die Ro­ma­ne an Be­deu­tung über die Stü­cke noch hin­aus­ge­hen, vor allem L`In­nom­ma­ble, den ich jetzt mit wahr­haft fie­ber­haf­ter Teil­nah­me ge­le­sen habe. Eine In­ter­pre­ta­ti­on habe ich, noch wäh­rend der Lek­tü­re, skiz­ziert; viel­leicht finde ich neben mei­nen gro­ßen Pro­jek­ten Zeit, sie zu tex­tie­ren. Sie soll­ten aber die­sen Roman un­be­dingt lesen, ob­wohl gute Ner­ven da­zu­ge­hö­ren – damit ver­gli­chen ist Kaf­kas Straf­ko­lo­nie wie der Nach­som­mer.«

Der An­spruch des Vor­tra­ges lau­tet nichts­des­to­trotz, den Roman auf kei­nen Fall in Ador­nos Phi­lo­so­phie zu er­trän­ken oder auch nur des­sen po­ten­ti­el­le In­ter­pre­ta­ti­on nach­ho­len zu wol­len, son­dern ein­zel­ne äs­the­ti­sche Re­fle­xio­nen von Ador­no als Hil­fe­stel­lung zu be­nut­zen, um das Kunst­werk als Kunst­werk ei­gen­stän­dig deu­ten zu kön­nen. Be­cketts Werke schei­nen un­ter­schied­lichs­te phi­lo­so­phi­sche Aus­le­gun­gen über Ador­no hin­aus, wie z. B. die von Gün­ther An­ders, Gille De­leu­ze, Alain Ba­diou oder Simon Critch­ley, um nur ei­ni­ge we­ni­ge zu nen­nen, ma­gisch an­zu­zie­hen, viel­leicht auch weil Be­ckett der Phi­lo­so­phie, ohne vor-​phi­lo­so­phisch zu wer­den, so kom­pro­miss­los wie kein Zwei­ter das Ge­richt ge­macht hat.

In der an­ge­streb­ten In­ter­pre­ta­ti­on soll die These ver­tei­digt wer­den, dass im Na­men­lo­sen eine ex­tre­me Si­tua­ti­on der spät­mo­der­nen Welt­lo­sig­keit ihren künst­le­ri­schen Aus­druck fin­det. Und zwar indem die The­men Sub­jek­te ohne Sub­jek­ti­vi­tät, To­po­lo­gie des so­zia­len Todes und Ethos der Hoff­nungs­lo­sig­keit, un­nach­ahm­lich durch­ge­spielt wer­den. Jedes die­ser The­men ist nicht nur auf der in­halt­li­chen son­dern auch auf der for­ma­len Ebene, z. B. durch die Mit­tel der Sub­trak­ti­on, Dis­so­nanz, psy­cho­tisch ge­bro­che­ne Satz­struk­tur, in­ne­ren Span­nung, gleich­blei­ben­den Dich­te, Sym­bol­wir­kung star­ker Sub­stan­ti­ve, des Echos, Aus­drucks, Glan­zes und der Er­schüt­te­rung, auf­ge­ho­ben. Be­ckett hat in sei­nem Werk die klas­si­sche Struk­tur des Ro­mans, in wel­cher unter einer je spe­zi­fi­schen Dra­ma­tur­gie mit einem An­fang und einem Ende han­deln­de Sub­jek­te ihre Be­zie­hung zur Welt or­ga­ni­sie­ren, ge­kappt und in neuer, ne­ga­ti­ver Art und Weise fort­ge­führt. Das zen­trie­ren­de Mo­ment ist nun nicht mehr ein tra­gi­scher oder ko­mö­di­an­ti­scher Sinn­zu­sam­men­hang, son­dern die Fo­kus­sie­rung auf einen ima­gi­nä­ren Null­punkt, einer des Schwei­gens, der Ruhe und des letz­ten Frie­dens, um wel­chen herum die Hand­lung ver­zwei­felt auf der Stel­le tritt. Da­durch wird die fik­tio­na­le Be­schwö­rung einer an­de­ren Welt eben­so wie die rea­li­täts­ge­rech­te Be­schrei­bung ge­sell­schaft­li­cher To­ta­li­tät hin­ter sich ge­las­sen, um im Schau­rig­schö­nen der ge­stei­ger­ten Rea­li­täts­kon­fron­ta­ti­on fest­zu­hal­ten, dass das, was ist, nicht alles sein kann, wenn Lei­den das Leben zu er­drü­cken sucht. »Be­cketts Stü­cke oder der wahr­haft un­ge­heu­er­li­che Roman Der Na­men­lo­se üben eine Wir­kung aus, der ge­gen­über die of­fi­zi­ell en­ga­gier­ten Dich­tun­gen wie Kin­der­spiel sich aus­neh­men; sie er­re­gen die Angst, wel­che der Exis­ten­zia­lis­mus nur be­re­det.« (Ador­no)

Mar­tin Krem­pel lebt in Wei­mar und stu­diert Ge­sell­schafts­theo­rie in Jena.

[Kunst, Spektakel und Revolution]

leib ohne trieb. von der prostitution zur sexarbeit.

leib ohne trieb. von der prostitution zur sexarbeit.

picture by nasos karabelas, 2013

Mittwoch | 20. November | 19.00 Uhr | Melanchthonianum | Uniplatz | Halle

Leib ohne Trieb – Von der Prostitution zur Sexarbeit

Vortrag & Diskussion mit Theodora Becker und Magnus Klaue

In regelmäßigen Abständen, aber aus unterschiedlichen Gründen wird das Thema Prostitution groß debattiert und in allen gängigen Medien besprochen, so auch in diesen Wochen nach dem jüngsten Moralappell Alice Schwarzers. Oft ist die Debatte geprägt von Skandalisierung und Voyeurismus. Interessant ist in diesem Zusammenhang, welche Vorstellungen von Arbeit, Freiheit und Körper dadurch deutlich werden.
Theodora Becker von der autonomen Hurenorganisation Hydra e.V. in Berlin wird in ihrem Vortrag „Sehnsucht nach Unmittelbarkeit – Prostitution als illegitimes Kind der Kulturindustrie“ der Frage nachgehen, was an der Prostitution der bürgerlichen Ordnung so bedrohlich erscheint, von der sie doch zugleich ein unabdingbarer und institutionalisierter Bestandteil ist, dessen Kontrolle zwar für dringend notwendig erachtet, dessen tatsächliche Abschaffung aber doch selten versucht wurde. In der ambivalenten Stellung der käuflichen Lust zeigt sich ein ebenso problematisches gesellschaftliches Verhältnis zur Sexualität, das auch durch sogenannte sexuelle Revolutionen nicht aus der Welt geschafft wurde. Wie dieses Verhältnis heute aussieht, zeigt sich auch daran, wie sich die Ware Sexualität unter kulturindustriellen Vorzeichen darstellt und welche Bedürfnisse und Sehnsüchte sie bedient. Sie wird auch die Frage aufwerfen, warum in der üblichen, moralisch gefärbten Kritik an der Prostitution die Kommerzialisierung des Intimsten beklagt, jedoch das, was dieser Tauschhandel ermöglicht, meist nicht beachtet wird. Dass die von einigen Sexarbeiterinnen herausgestellte emanzipative Kraft der Sexarbeit – das „Recht auf Arbeit“ und das „Ausleben“ der eigenen Sexualität in der Prostitution – ein beängstigendes Maß an der Identifikation mit der Arbeit verraten, soll schließlich vor diesem Hintergrund diskutiert werden.
Anschließend kritisiert der Publizist Magnus Klaue in seinem Vortrag „Sexwork und Körperpolitik als postfeministische Sozialtechnologie“ die Verwandlung von Sexualität in „Arbeit“, wie sie sich exemplarisch an den Werken von Beatriz Preciado studieren lässt, die keinen Unterschied zwischen Sexualität und Prostitution kennen und das inkommensurable Moment des Triebs durch totale Technifizierung des Sexus zu tilgen suchen. Anhand von Preciado soll gezeigt werden, inwiefern die „postfeministische“ Körperpolitik Emanzipation nur noch als restlose Selbstzurichtung subjektloser Subjekte kennt, denen Unbewusstes, Trieb und Leib nichts anderes sind als Objekt und Resultat von Wahlentscheidungen und „Einschreibungen“, mithin Ausdruck totaler Vergesellschaftung.

von der grundfarbe schwarz. ne­ga­ti­ve äs­the­tik oder ver­hüll­te uto­pie in der kunst­theo­rie ador­nos.

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Do | 7.​ November | 20:00 Uhr | ACC | Weimar

Von der Grundfarbe Schwarz. Ne­ga­ti­ve Äs­the­tik oder ver­hüll­te Uto­pie in der Kunst­theo­rie Ador­nos

Vor­trag von Ber­sa­rin

Alle ge­lun­ge­ne Kunst der Nach­kriegs­mo­der­ne sei von der Grund­far­be schwarz, so for­mu­lier­te es Ador­no an einer Stel­le sei­ner »Äs­the­ti­schen Theo­rie«. Um über­haupt noch als Kunst, die Aus­druck ihrer Ver­hält­nis­se sein möch­te, be­ste­hen zu kön­nen, muss sich Kunst ver­schlie­ßen. Schär­fer und pa­ra­dig­ma­ti­scher als Ador­no es in die­sen Wor­ten vom Ideal des Schwar­zen fass­te, las­sen sich eine Äs­the­tik sowie die Kunst nach dem Zwei­ten Welt­krieg nicht auf den Punkt ihre Ne­ga­ti­vi­tät brin­gen. Diese Be­stim­mung von Kunst frei­lich ist nicht will­kür­lich ge­setzt oder ir­gend­ei­ner Ma­rot­te Ador­nos fürs Ne­ga­ti­ve ge­schul­det, son­dern eng ver­wo­ben mit sei­ner Ge­sell­schafts­theo­rie sowie der ge­schichts­phi­lo­so­phi­schen Sich­tung, die er in der »Dia­lek­tik der Auf­klä­rung« vor­nimmt. Im Zei­chen einer in der To­ta­len und bis ins De­tail hin­ein ver­wal­te­ten Welt, deren Sys­tem kaum noch zu ent­rin­nen ist, muss sich jede Kunst als Zu­spruch ver­kau­fen, die bloß de­ko­rie­rend sich ge­bär­det oder die immer noch im Sinne idea­lis­ti­scher Äs­the­tik als mo­ra­li­sche Lehr­an­stalt auf­tritt, als wäre nichts ge­we­sen, die sich als sinn­li­ches Schei­nen der Idee kon­zi­piert oder den schö­nen Schein lie­fert. Wäh­rend je­doch der Schein­cha­rak­ter von Kunst zu­gleich kon­sti­tu­tiv für das ge­lun­ge­ne Kunst­werk bleibt, weil darin ein Mo­ment von Wahr­heit in­mit­ten des Fal­schen über­lebt. Es hat diese fast schon nor­ma­tiv zu nen­nen­de Vor­ga­be Ador­nos für die Kunst zudem einen ma­te­ria­len Grund: näm­lich dem, was nach Dan Diner als der »Zi­vi­li­sa­ti­ons­bruch nach Ausch­witz« be­zeich­net wer­den kann:

»Um in­mit­ten des Äu­ßers­ten und Fins­ters­ten der Rea­li­tät zu be­ste­hen, müs­sen die Kunst­wer­ke, die nicht als Zu­spruch sich ver­kau­fen wol­len, jenem sich gleich­ma­chen. Ra­di­ka­le Kunst heute heißt so­viel wie fins­te­re, von der Grund­far­be schwarz.« (Th. W. Ador­no, Äs­the­ti­sche Theo­rie)

Zum einen scheint in die­sem Satz Ador­nos ein ra­di­kal mime­ti­sches Mo­ment von Kunst auf, zum an­de­ren kon­zi­piert sich darin eine Äs­the­tik des Ent­zugs. War für die Äs­the­tik – noch über die Klas­si­sche Mo­der­ne hin­aus – der Be­griff der Schön­heit und mit Ein­schrän­kun­gen bzw. Kon­junk­tu­ren un­ter­wor­fen der des Er­ha­be­nen zen­tral, so kehrt Ador­no die Vor­zei­chen nicht ein­fach um, indem nun einer »Äs­the­tik des Häß­li­chen« oder der blo­ßen Ne­ga­ti­vi­tät das Wort ge­re­det wird – denn dies wäre le­dig­lich eine abs­trak­te Ge­gen­be­stim­mung –, son­dern diese Dia­gno­se Ador­nos be­deu­tet eine um­fas­sen­de Neu­be­stim­mung von Kunst sowie der Kunst­theo­rie in­mit­ten einer ent­fes­sel­ten Ge­sell­schaft und in­mit­ten der Ka­ta­stro­phe. Es gibt nichts Harm­lo­ses mehr – dies zeig­ten be­reits Ador­nos »Mi­ni­ma Mo­ra­lia«, jene »Re­fle­xio­nen aus dem be­schä­dig­ten Leben« – und Schön­heit der Kunst als Selbst­zweck und Se­da­ti­vum wäre Be­trug. Gleich­zei­tig aber ist der Lust­cha­rak­ter im Sinne einer un­re­gle­men­tier­ten Er­fah­rung für Kunst kon­sti­tu­tiv – zu­min­dest in­so­fern Kunst sowie die sie be­glei­ten­de Äs­the­tik an einem ir­gend­wie ge­ar­te­ten Be­griff von Eman­zi­pa­ti­on fest­hal­ten wol­len. Ge­ra­de um der Ret­tung jenes letz­ten Rests von Uto­pie wil­len, be­wegt sich Kunst am Rande des Ver­stum­mens und ent­zieht sich den ein­fa­chen Funk­ti­ons­be­stim­mun­gen. Mit Sys­tem ver­schlie­ßen sich die Werke der mo­der­nen Kunst dem Be­trach­ter.

Ador­nos Äs­the­tik re­agiert auf diese Ten­den­zen der Kunst der 50er und 60er Jahre: sei dies nun die abs­trak­te Ma­le­rei, die Li­te­ra­tur Be­cketts oder die Lyrik Cel­ans und ins­be­son­de­re die neue Musik. Die­ser Ent­zug ter­mi­niert – etwa in­ner­halb der Ma­le­rei – in den schwar­zen Abs­trak­tio­nen eines Ad Rein­hardt. Das Ideal des Schwar­zen als Ent­zug und Form in einem ist, so Ador­no, einer der tiefs­ten Im­pul­se von Abs­trak­ti­on. Frei­lich han­delt es sich hier­bei um eine sol­che Abs­trak­ti­on, die nicht nur in der Ma­le­rei ihren Ort hat. Be­cketts Roman »Watt« oder auch sein »End­spiel«, eben­so die her­me­ti­schen, kaum noch in einen her­me­neu­ti­schen Ho­ri­zont des Ver­ste­hens zu brin­gen­den Ge­dich­te Paul Cel­ans bil­den den Raum einer avan­cier­ten Kunst, die die Farbe schwarz nicht mehr nur als Hin­ter­grund oder als eine un­bun­te Va­ri­an­te in­stal­liert, son­dern die Ver­düs­te­rung wird zum Mo­ment der äs­the­ti­schen Form selbst – einer Form, die zu­gleich se­di­men­tier­ter In­halt ist.

Die Her­me­tik von mo­der­ner Kunst, die An­stren­gun­gen, die sie ver­ur­sacht, sind ihr nicht bloß äu­ßer­lich ge­setzt, son­dern in der Sache ge­grün­det: einer Mo­der­ne, die ihr ei­ge­nes Ver­spre­chen, näm­lich das von Be­frei­ung und Eman­zi­pa­ti­on, nicht ein­zu­lö­sen ver­moch­te. Diese As­pek­te einer Kunst nach Ausch­witz, deren Ideal das des Schwar­zen ist, sowie die damit kor­re­spon­die­ren­den Mo­men­te einer Ge­sell­schafts­theo­rie bei Ador­no ver­su­che ich in mei­nem Vor­trag in eine Kon­stel­la­ti­on zu brin­gen: daß Kunst nicht mehr nur einem abs­trak­ten Ideal von Schön­heit hul­digt, daß aber ihre Schwär­ze als Ver­stum­men und Er­lö­schen von Kunst zu­gleich nicht das letz­te Wort sein kön­nen. Kunst und Phi­lo­so­phie sind Aus­druck von Lei­der­fah­rung. Dies gilt auch heute noch.

Ber­sa­rin, Jahr­gang 1964, stu­dier­te Phi­lo­so­phie, So­zio­lo­gie, Ger­ma­nis­tik und ne­ben­her Kunst­ge­schich­te. Er lebt und ar­bei­tet in Ber­lin, ist tätig im Ver­lags­we­sen und be­schäf­tigt sich mit der Phi­lo­so­phie und Äs­the­tik der Mo­der­ne sowie der Post­mo­der­ne. Ins­be­son­de­re die Phi­lo­so­phie Kants, He­gels, Ador­nos und Ben­ja­mins wie auch Po­si­tio­nen des Fran­zö­si­schen Post­struk­tu­ra­lis­mus ge­hö­ren zu sei­nem Ar­beits­feld. Er be­treibt den Blog »Ais­the­sis« (bersarin.​wordpress.​com) und macht Fotos, die er zu­wei­len hier zeigt: proteusphotographie.​wordpress.​com

Eine Veranstaltung der Reihe Kunst, Spektakel, Revolution 2013/14 »Dun­kel­heit und Schwarz in der Kul­tur«.

deafheaven. weekend.

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Die | 5. November | 21.00 | UT Connewitz | Wolgang-Heinze-Str. 12a | Leipzig

SWANSEA CONSTELLATION SHOW #018
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UT CONNEWITZ and SWANSEA CONSTELLATION present

DEAFHEAVEN (San Francisco, California, USA – Deathwish Inc.)

is an American post-black metal band that formed in 2010 with vocalist George Clarke and guitarist Kerry McCoy, who previously performed in a grindcore band together. Clarke isn‘t sure how he arrived on the name Deafheaven, though he is aware of its appearance in William Shakespeare’s Sonnet 29. The two words „deaf“ and „heaven“ were combined as an homage to Slowdive.

Their music is described as „A dizzying hybrid of shoegaze shimmer, hardcore punk passion, emo vulnerability, and black metal intensity.“ They have cited a wide range of musical influences, including, but not limited to, Morbid Angel, The Smiths, Godspeed You! Black Emperor, Orchid and My Bloody Valentine.

::: http://www.deafheaven.com/
::: http://deafheavens.bandcamp.com/
::: „There was a photo of their [deafheavens] drummer, he explained, wearing the shirt of a band called Hate Forest“
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WEEKEND (San Francisco, California, USA – Slumberland)

When they began, it sounded as though Weekend’s three main sources of musical inspirations were a Twizzler-twined mix of the shoegaze pop of My Bloody Valentine, the dystopian fuzz guitar of the Jesus & Mary Chain and a shower sing-along to Ian Curtis of Joy Division. But on their new album „Jinx“, they‘re beginning to shed their obvious resemblances to past heroes and take shape into their own style.

::: http://www.weekendtheband.us/
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last.FM:
::: http://www.last.fm/event/3663388

kunst, spektakel und revolution. dun­kel­heit und schwarz in der kul­tur.

Programm 2013/14: »Dun­kel­heit und Schwarz in der Kul­tur«

Von der Grund­far­be Schwarz
Ne­ga­ti­ve Äs­the­tik oder ver­hüll­te Uto­pie in der Kunst­theo­rie Ador­nos
Ni­ko­lai Ber­sa­rin • Do 07.​11.​2013 • 20:00 Uhr • ACC Weimar

Last Exit: De­pres­si­on?
Ein Ver­such über De­pres­si­on und ihre ge­sell­schaft­li­che Funk­ti­on zu spre­chen
Ka­tha­ri­na Zim­mer­hackl • Do 14.​11.​2013 • 20:00 Uhr • ACC Weimar

Die enig­ma­ti­sche Spra­che der Kunst

Be­cketts Roman ›Der Na­men­lo­se‹ mit Ador­no ge­le­sen
Mar­tin Krem­pel • Do 12.​12.​2013 • 20:00 Uhr • ACC Weimar

Schwar­zer Durch­blick
Über Seng­hor und Sou­la­ges
Alex­an­der Ema­nu­e­ly • Ter­min in Pla­nung • 20:00 Uhr • ACC Weimar

To­des­be­ja­hung und Schwarz

in der Äs­the­tik des Fa­schis­mus
Lars Quad­fa­sel • Ter­min in Pla­nung • 20:00 Uhr • ACC Weimar

Dun­kel­heit und Wahn
bei An­to­nin Ar­taud
Lukas Hol­feld • Ter­min in Pla­nung • 20:00 Uhr • ACC Weimar

[http://spektakel.blogsport.de]