Tag-Archiv für 'ideologie'

Mit »Israelkritik« gegen Antizionismus.

Mittwoch, 3. März 2010, 19:30 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz, Halle (Saale)

Vortrag und Diskussion mit Tjark Kunstreich (Berlin).

Was seit dem Bestehen der Bundesrepublik zur offiziellen Politik des guten Gewissens gehörte — die Freundschaft zu Israel, die allerdings immer schon mit der »berechtigten Kritik« und dem Brechen vermeintlicher Tabus verbunden war —, ist heute nicht mehr nur ein diplomatischer Kniff oder bloßer Bestandteil einer politischen Taktik, sondern gesellschaftlicher Konsens: Man sei — neben dem Erteilen von gut gemeinten Ratschlägen — auch dazu verpflichtet, den Feinden der »einzigen Demokratie im Nahen Osten« entschlossen entgegenzutreten. Dass das Verhältnis der Deutschen zu Israel sich darin als das des Fürsten zum Schutzjuden auf globaler Ebene darbietet, wird von vielen Kritikern des Antizionismus nicht erkannt.

Die antiisraelische, sich israelfreundlich gebende Politik Deutschlands gründet aber nicht im persönlichen Antisemitismus einiger weniger Politiker und auch nicht in der mangelnden Informationslage über die Gefahren, die von einer iranischen Atombombe ausgehen, sondern in der antisemitischen Verfasstheit der postnazistischen Demokratie bzw. der Welt.

Der Antisemitismus ist unauflösbar mit der falschen Gesellschaft verknüpft, seine Kritik hat deshalb stets aufs Ganze zu gehen: Während der Israelfreund stets positives über Israel zu berichten weiß, aber sich zugleich rühmt, den »Rassismus in Israel« oder »die Frauenverachtung der Ultraorthodoxen« aus eigener Anschauung zu kennen, richtet der Kritiker den Blick auf all jene, die Israel vernichten wollen. Ob Israel schöne Strände, ein gutes Sozialversicherungssystem oder eine Schwulenszene vorzuweisen hat, ist ihm zwar nicht egal, er würde es aber niemals zum Argument für die Existenz Israels erheben. Solidarität mit Israel ist entweder bedingungslos oder sie ist keine.

Schon längst ist der jüdische Staat postzionistisch in dem Sinne, dass sein Zweck nicht mehr die Verwirklichung des zionistischen Traums von einer Sache ist, sondern einzig er Verteidigung jüdischen Lebens auf diesem Planeten dient. Die Ghettoisierung, die als Selbst-Ghettoisierung durch Mauerbau und Abschottung erscheint und die in einer, von angeblichen jüdischen Rassisten wie Avigdor Lieberman propagierten Ausweisung der arabisch-israelischen Bevölkerung gipfeln könnte, widert auch eingefleischte Freunde Israels an. Sie erliegen dem immer wieder folgenschweren Irrtum, der Jude, sei es als einzelner, als Gruppe oder als Staat, könne auch nur einen Jota am Ziel des Antisemitismus ändern; am Ende wird lediglich stehen, dass die Juden selbst schuld an ihrem Schicksal sind oder nicht alles getan hätten, um ihm zu entrinnen. Die Alternativlosigkeit der Abschottung aber beweist nicht etwa den Rassismus israelischer Regierungsangehöriger, sondern den Stand der antisemitischen Dinge. Der Vortrag wird deshalb noch einmal bei A wie Antisemitismus anfangen und unter Rekurs auf Sartre erläutern, warum der Antisemitismus nichts mit den Juden, sondern einzig mit der Wahnwelt der Antisemiten zu tun hat und welche Forderungen sich für die politische Praxis daraus ergeben.

Tjark Kunstreich (Berlin) ist Autor und Publizist und schreibt u. a.
für Bahamas und Jungle World.

Eine Veranstaltung der AG Antifa.

Was ist „deutsche Ideologie“?

Wochenendseminar am 11. und 12. Dezember 2009 mit Philipp Lenhard in Halle

In den gegenwärtigen Debatten, die in den einschlägigen Zeitschriften, Büchern und auf politischen Veranstaltungen geführt werden, ist der Ausdruck „deutsche Ideologie“ allgegenwärtig. Doch was dieser Terminus genau bezeichnet, wird selten expliziert. Er ist zum Schlagwort geworden, das immer dann eingesetzt wird, wenn es (ganz richtig) darum geht, Ideologiekritik von einem gegen Deutschland gewendeten Antiimperialismus abzugrenzen. Doch Ideologiekritik muss stets auf ihre eigenen Begrifflichkeiten reflektieren, um einer jargonhaften Verselbständigung der Sprache vorzubeugen. Deshalb wollen wir uns in dem Seminar mit dem für eine kritische Theorie der Gesellschaft weiterhin zentralen Begriff der „deutschen Ideologie“ auseinandersetzen. Infrage steht dabei nicht nur, was der Inhalt dieser Ideologie ist, sondern auch, was an dieser Ideologie spezifisch deutsch ist. Zudem muss thematisiert werden, ob das, was deutsch ist, tatsächlich als „Ideologie“ zu charakterisieren ist oder ob andere Kategorien – insbesondere solche der Psychoanalyse – nicht treffender sind.
Um Antworten auf diese Fragen zu finden, soll in einem ersten Schritt der Begriff „Ideologie“ expliziert werden und mit anderen Termini (Weltanschauung, Wahn, Fetischismus, Bewußtsein etc.) konfrontiert werden. Danach soll der Geschichte des Begriffs „deutsche Ideologie“ anhand von Primärtexten (sowohl „deutsche Ideologen“ als auch deren Kritiker kommen zu Wort) nachgegangen werden. In einem dritten Schritt sollen klassisch gewordene „antideutsche“ Texte zum Verhältnis von Besonderem und Allgemeinem diskutiert werden. Als vierter und letzter Schritt wird zu erörtern sein, ob gegenwärtige Phänomene wie der radikale Islam und seine postmodernen Apologeten mit dem Begriff „deutsche Ideologie“ adäquat zu fassen sind oder ob – wie von Kritikern behauptet – die von antideutscher Seite postulierte Kontinuitätslinie vom „wahren Sozialismus“ über den National- bis zum islamischen „Ummasozialismus“ nichts weiter als ein theoretisches Konstrukt ist.

Philipp Lenhard lebt in Köln und schreibt unter anderem für die Zeitschriften „Prodomo“ und „Bahamas“.

Anmeldung erforderlich (per Mail agantifa[at]googlemail.com). Reader wird rechtzeitig ausgegeben.

veranstaltet von der ag antifa.

20 Jahre Antifa: Still not loving Reality

20 Jahre Antifa: Still not loving Reality – eine Kritik am Aufruf der Demonstration „Still not lovin’ Germany“, die am 10.10.2009 in Leipzig als Flugblatt verteilt wurde.

Podiumsdiskussion mit dem AK 2009 und der Berliner Gruppe Theorie, Organisation und Praxis (TOP)

Dienstag 06/10 19.30 Uhr Conne Island, Koburger Straße 3

Diskussionsverantaltung mit VertreterInnen der Gruppen TOP, AFBL, INEX und LeA

Im Jahr 2009 feiert sich die deutsche Nation: 60 Jahre Bundesrepublik und 20 Jahre „friedliche“ Revolution werden begangen.
In diesen Feierlichkeiten vergewissert sich die deutsche Nation ihrer selbst, präsentiert sich als Nation der Moderne und bietet der Bevölkerung einen entspannten Nationalismus an. In der Veranstaltung wollen wir die deutschen Mythen der Nation dekonstrukieren und erklären, warum es sich bei der deutschen Geschichte nach 1945 nicht um eine Entwicklung von Freiheit, Demokratie und Wohlstand handelt. Wir wollen fragen, was Deutschland 2009 heißt, ob es sich hierbei um eine besondere Nation handelt oder um eine weitestgehend normalisierte Nation in der internationalisierten Standortkonkurenz. Und wir wollen darlegen, warum auch 2009 weder Deutschland speziell noch Nationen im Allgemeinen für positive Bezugnahmen oder ein entspanntes Zurücklehnen geeignet sind.

Eine Veranstaltung im Rahmen von „still not lovin‘ Germany“.

Bonjour Tristesse Nr.8

Download [pdf]: bonjour tristesse #8

(via bonjour tristesse. Antworten aus der Provinz: Texte für Halle und Umgebung)

Vom Besen und der eigenen Haustür

urban legends und das Verhältnis zwischen Wirklichkeit und Einbildung

Seit längerem beglückt die „bonjour tristesse“ aus „Trotz und Optimismus“1 ihre Umwelt in Halle und Umgebung mit Texten zu den verschiedensten Themen. Isabella Garcia Fernändez hat sich einen davon näher angeschaut und kommt zu längst vermuteten Ergebnissen.

Halle, Juni 2009

Kritik – ja bitte!

Kritik zu üben ist legitim und wichtig. Im allgemeinen wird dabei zwischen positiver Kritik, negativer Kritik, konstruktiver Kritik, destruktiver Kritik und Selbstkritik unterschieden. Im Journalismus versteht man unter einer Kritik eine Darstellungsform, die Information und Meinung verbindet. Die geeignetste Form einer kritischen Auseinandersetzung ist laut Adorno der Essay, denn beim Schreiben eines Essays können wissenschaftliche und künstlerische Qualitätskriterien außer Acht gelassen werden. Jeder kann alles auf seine Weise tun, denn die möglichen Formen sind vielfältig, und da der Essay weder wissenschaftlich etwas leisten, noch künstlerisch etwas schaffen muss, muss er weder am Anfang beginnen, sondern mit dem, worüber er reden will, noch da aufhören, wo alles geklärt ist, sondern dort, wo der Autor selbst mit seinen Gedanken am Ende ist. Durch diese Abweichung von der Norm hat der Essay die Möglichkeit, das Ideologische sprachlich und stilistisch aufzubrechen.2 Nach Robert Musil bildet der Essay deshalb „ […] das Experimentierfeld des Menschen ohne normatives Weltbild, des sich selbst perspektivisch erforschenden Subjekts […].“3 Er ist somit auch das Experimentierfeld in Bezug auf das Thema und die Ebene der Selbsthinterfragung bezüglich der Arbeit des Autors. Dieser muss sich der eigenen Fehlbarkeit bewusst sein und in jedem Augenblick auf sich selbst und sein Verhältnis zum etablierten Denken reflektieren.4 „Essayistisch schreibt, wer experimentierend verfasst, wer also seinen Gegenstand hin und her wälzt, befragt, betastet, prüft, durchreflektiert, wer von verschiedenen Seiten auf ihn losgeht und in seinem Geistesblick sammelt, was er sieht, und verwortet, was der Gegenstand unter den im Schreiben geschaffenen Bedingungen sehen lässt.“5 So fügt sich, trotz möglicher Widersprüche im Text, die Gesamtheit seiner Sätze logisch und stimmig zusammen. Den Autor treibt hierbei zum Einen der Wille Fjbersicht zu schaffen, zum Anderen die Notwendigkeit Probleme lösen oder wenigstens artikulieren zu wollen.6 Durch die Skepsis, durch die Selbstreflexion und Selbsthinterfragung, die Formen-, Regel-und Ideologiefreiheit und das Bekenntnis zur eigenen Subjektivität, kann die von Adorno geforderte Neutralität und Unabhängigkeit verwirklicht werden, womit der Essay die adäquate „[…] Form eines antiideologischen Schreibens, das jeglichem Zugriff, sei es dem des politischen Totalitarismus oder den Vereinnahmungstendenzen des Kulturbetriebes zuwiderläuft“7, ist.

Kehrseite und Reaktion

Betrachtet man sich die gegenwärtige Publizistik, scheint jeder Text Essay genannt zu werden, der sowohl künstlerische als auch wissenschaftliche Qualitätskriterien außer Acht lässt und dabei in fließenden Gedankenreihen etwas allgemein Verständliches rasch behandelt. Diese Form von Essay, die sich schlicht durch freie Textgestaltung auszeichnet, bezeichnet Adorno als „schlechten Essay“.8 Um ein Beispiel eines solchen schlechten Essays, den Text „rainin‘ in paradise“, veröffentlicht in der „bonjour tristesse“ Nr.7 (1/2009), soll es nun gehen. Gemeint als destruktive, also auf die Vernichtung des Gegenstandes abzielende, Kritik, lässt der Text der Autorin Melanie Hübner leider jedwede Form von Selbsthinterfragung vermissen. Der Gegenstand, die „Reilstraße 78“, unter bürgerlichem Namen auch als „KubultubuRebell e.V.“ bekannt, wird weder befragt, betastet, geprüft noch hin und her gewälzt und auch eine Betrachtung von verschiedenen Seiten sucht man vergebens. Stattdessen zeichnet sich der Text vor allem durch einseitige Darstellungen, Pauschalisierungen und persönliche Angriffe aus, die eher an Artikel aus der Boulevardpresse erinnern als an ernsthaften Journalismus und erst recht nicht an gut recherchierte und begründete Kritik. Selbst den Ansprüchen der angeführten journalistischen Kritik wird der Text nicht gerecht, da er zwar einerseits die Meinung der Autorin wiedergibt, welche aber andererseits allzu oft mit Halb- und Unwahrheiten unterfüttert wird, während Informationen, die das Umfeld und die Hintergründe des behandelten Themas beleuchten könnten, schlichtweg fehlen. Nun soll hier nicht der Autorin die Arbeit abgenommen werden, einen vernünftigen Text zu produzieren, weshalb auf eine ausführliche Darstellung des gewählten Gegenstandes verzichtet wird, da diese auch ansatzweise bereits in Form des Heftes „7 Jahre Reil 78 – und immer noch mehr als nur Party /2001 – 2008/ eine Selbstreflektion“9 existiert. Vielmehr geht es darum, auch die unterschlagene andere Seite darzustellen, damit sich der geneigte Leser beim hin- und herblättern in den verschiedenen Texten seine eigene kritische Meinung bilden kann und nicht auf eine Schrift mit Sagencharakter angewiesen ist.

Die eigene Nase und die Verortung im Falschen

Sehr schön wurden in „rainin‘ in paradise“ die Anfänge des Projektes „Reil78“ und die damals entstandenen Probleme aufgrund der Unerfahrenheit der meisten in Bezug auf die Größe und die Entscheidungsstrukturen des Projektes dargestellt. Angefangen von der Herausbildung hierarchischer Strukturen, der Herauskristallisierung bestimmter Denkweisen, der Bildung eines festeren Kerns von regelmäßig Aktiven bis hin zum, nicht gerade von gegenseitiger Achtung zeugenden, Verhalten untereinander. Ein schwerwiegendes Manko an dem Text ist jedoch, dass er sich mit der Analyse dieser Anfangszeit erschöpft und auf die nach-folgende Zeit bezogen nichts Neues oder gar Aktuelles liefert. Während die Autorin offensichtlich recht gut über die Anfangszeit bescheid weiß, scheint sie später alle Informationen von im Haus aushängenden Zetteln oder von den Gesichtern des Tresenpersonals abgelesen zu haben.10 Das hier die Quellenlage etwas dünn aussieht und die Autorin auf einem Stand verblieben ist, der nicht zwingend aktuell ist, liegt auf der Hand. Und schaut man sich an mit welchen Emotionen die Gruppe „no tears for krauts“ verteidigt wird, ist ein Schelm wer glaubt, dass es sich dabei um die Abrechnung einer ehemaligen Mitstreiterin handelt, die aus der überlegenen Entfernung über eine Zeit spricht, in der heutige Mitarbeiter von „bonjour tristesse“ und der Gruppe „no tears for krauts“ noch selbst „vergammelten Blumenkohl aus Supermarktmülltonnen““ sammelten um diesen für die vegetarische Volksküche aufzubereiten, nachdem sie im „obligatorischen schwarzen Zwirn“12 „von Berlin bis Barcelona“13 gegen die Globalisierung gekämpft hatten. Uber eine Zeit also, in der „no tears for krauts“ noch selbst mit so vielen Personen wie möglich beim Plenum auftauchte, wenn es um die eigenen Belange ging, um die Diskussion und die Entscheidung zu dominieren, während sie die Plena mieden, auf denen die organisatorischen, zum Erhalt des Projektes notwendigen Dinge, besprochen wurden. Für Uneingeweihte mag das alles klingen wie die Neuauflage einer Schlammschlacht oder die Aufarbeitung privater Konflikte oder Traumata. Sollten diese Zeilen Einzelpersonen dazu dienen, so mögen sie sich keinen Zwang antun. Intension war hierbei jedoch einzig und allein aufzuzeigen, dass die Autorin Melanie Hübner zwar einerseits ihren „Kollegen“ bei „bonjour tristesse“ und „no tears for krauts“ eine Aufarbeitung vergangener Zeiten und eine Weiterentwicklung zuerkennt, während sie andererseits entweder unterstellt, dass alle, die im Projekt „Reil78“ verblieben oder dazugekommen sind14, auf dem damaligen Stand verharren oder annimmt, dass ihr Wissen um die Zustände vor Jahren ausreicht, um das heutige Projekt zu beurteilen. Beides ist falsch. Pauschalisierend spricht sie in ihrem Text von „kollektivem Gerede“‘5 und „kollektivem Gedächtnis“16. Fakt ist jedoch, dass die „Reil78“ von Beginn an bis heute kein homogenes Gebilde, keine „im Gestus und Habitus gleichgeschaltete Herde“17 war und ist, sondern aus unabhängig denkenden Individuen besteht, die sehr wohl unterschiedliche Ansichten und Meinungsverschiedenheiten haben. Der Teil von Personen, auf die die Beschreibungen der Autorin zumindest ansatzweise zutreffen würden, hat längst sein Glück „im autarken Leben in einer Waldhütte“18 oder in der bürgerlichen Einsamkeit gefunden. Und spätestens nach dem Zitieren des Heftes „7 Jahre Reil 78 — und immer noch mehr als nur Party /2001 – 2008/ eine Selbstreflektion“ hätte der Autorin auffallen müssen, dass ihre These von der „Unfähigkeit zur Selbstreflexion“19 der „Reil78“ obsolet ist. Dass eine Selbstreflexion, die jede Menge Selbstkritik enthält, nicht sonderlich positiv und euphorisch klingt, sollte klar sein. Bei einer aufmerksamen Lektüre dieses Heftes hätte Melanie Hübner auch auffallen müssen, dass im Gegensatz zu ihrer Behauptung sehr wohl im Projekt „Reil78“ jedem bewusst ist, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt20, wie Adorno so schön geschrieben hat, und dass man „selbst genauso „im System“ steckt wie jeder andere auch“21. Doch selbst nach dieser Erkenntnis gibt es keinen Grund, in Passivität zu verfallen, sich zurückzulehnen und der eigenen Ohnmacht zu ergeben, da ja demnach sowieso alles ist wie es ist und es keine Aussicht auf Verbesserung gibt. Denn man muss sich nicht grundsätzlich zwischen dieser Erkenntnis, also der Theorie, und der Praxis entscheiden, sondern kann dies auch von Fall zu Fall tun. Und so hat die Praxis doch einiges positives bewirken können, was diverse verhinderte Naziaufmärsche beweisen, die trotz der Erkenntnis, dass sich die Gesellschaft im Ganzen dadurch auch nicht ändert, die Welt dennoch immer wieder ein wenig besser aussehen lassen. Und es gibt keinen Grund, aufgrund eines nahezu lückenlosen Systems, das kaum Rückzugsräume zulässt, das eigene Wissen um das Richtige aufzugeben, bzw. sich die Entwicklung dahin vorzuenthalten. Denn auch mit dem Wissen darum, dass das Ideal unerreichbar ist22, hört das Verlangen danach noch lange nicht auf. Und auch wenn man weiß, dass es kein richtiges Leben im Falschen gibt, so gibt es eben doch ein richtigeres, wie Peter Brückner gesagt hat. Denn das nahezu lückenlose bürgerliche System schafft mittels des Privatbesitzes Räume, die zwar vom System durchdrungen sind, aber dennoch in Grenzen die Möglichkeit der individuellen Gestaltung offen lassen. Und in diesen Grenzen, im Kiemen, Privaten, kann eben doch das richtigere Leben gelebt werden, vorausgesetzt man ist sich bewusst, dass dies nur eingeschränkt möglich ist und im Groben einig, wie das denn aussehen sollte. Die Abgrenzung zur „bösen Welt da draußen“23 nimmt das System demzufolge selbst, durch den rechtlichen Schutz des Privatbesitzes, vor. Und die Grenze wird recht häufig, und so auch auf der Reilstraße 78, – siehe da — durch einen Gartenzaun manifestiert24, der diesen Raum schon recht oft vor den Auswüchsen des Systems, z.B. in Form der Polizei oder des Vorsitzenden einer extrem rechtskonservativen Partei mit Sitz in Hamburg, bewahrt hat. Dass auch ab und zu an diesen Zaun gekotzt wird25, ist schade, aber wohl nicht zu vermeiden. Und dass „lästige Wesen, die sich nicht benehmen können“26, Gewalt ausüben, randalieren, rassistische, sexistische oder antisemitische Statements von sich geben oder anderweitig stressen, in diesem Raum nicht gern gesehen sind und so weit das geht auch von diesem ferngehalten werden, wird nicht als kritikwürdig empfunden, sondern gehört zum Konzept.

Aufforderung zum Lächeln

Zum Konzept der Reil78 gehört auch das unkommerzielle Arbeiten, von Melanie Hübner als D.I.Y, bezeichnet und in der bürgerlichen Gesellschaft auch als ehrenamtliche Tätigkeit bekannt, das es möglichst allen ermöglichen soll, die Veranstaltungen in der Reil78 zu besuchen und das unabhängig von der sozialen Herkunft oder dem Status in der Gesellschaft. Dass D.I.Y. Nichts mit „Entsagungsideologie“, und „Selbstausbeutung“27 zu tun hat, da ehrenamtliche Tätigkeit immer auf Freiwilligkeit beruht, sollte klar sein. Klar ist wohl in der Reil78 ebenfalls jedem, dass zu einer organisierten Veranstaltung auch Gäste gehören, die diese Veranstaltung konsumieren, wofür sie Eintrittsgeld bezahlen; wobei natürlich auch immer Gäste willkommen sind, „die aus Zeitgründen, […] oder sonstigen Motiven“28 nicht direkt am Projekt mitwirken und nur aus Spaß an der Freude dort auftauchen. Gäste, die durch ihr Verhalten, sei es aus „Desinteresse“ oder nicht, dem Projekt schaden, sind dies dagegen nicht. Dass bei der ehrenamtlichen Tätigkeit, wie auch überall sonst, persönliche oder durch Erlebnisse im „kapitalistischen Normalwahnsinn“30 hervorgerufene Frustrationen zu tage treten können, ist normal und gehört heute zum Leben. Ein Vorteil des Ehrenamtes besteht aber darin, dass man an der Bar eben nicht, wie es die Autorin fordert und wie in der Dienstleistungsgesellschaft üblich, für jeden „ein freundliches Lächeln“31 bereit halten muss, nur weil man Geld dafür bekommt, auch wenn man schlecht gelaunt ist oder diejenige Person nicht leiden kann. Für einen Teil des Tresenpersonals scheint dies bei Melanie Hübner der Fall zu sein. Und dass das freundliche Lächeln und die „reine Bespaßung“32 im Club „Chaiselounge“, sowie der Club an sich, in dieser Form überhaupt nicht existent wären, ohne die betriebene „Selbstausbeutung“ der Leute im Vorderhaus, ist mehr als offensichtlich. Denn ein Lächeln und reine Bespaßung reichen zur Aufrechterhaltung eines Projektes, zu dem die Chaiselounge gehört, leider nicht aus. Passend dazu schreibt Adorno: „Welch einen Zustand muß das herrschende Bewußtsein erreicht haben, daß die dezidierte Proklamation von Verschwendungssucht und Champagnerfröhlichkeit, wie sie früher den Attaches in ungarischen Operetten vorbehalten war, mit tierischem Ernst zur Maxime richtigen Lebens erhoben wird. Das verordnete Glück sieht denn auch danach aus; um es teilen zu können, muß der beglückte Neurotiker auch noch das letzte bißchen an Vernunft preisgeben, das ihm Verdrängung und Regression übrig ließen […]. Wie die Leute durchweg zu wenige Hemmungen haben und nicht zu viele, ohne doch darum um ein Gran gesünder zu sein, so müßte eine kathartische Methode, die nicht an der gelungenen Anpassung und dem ökonomischen Erfolg ihr Maß findet, darauf ausgehen, die Menschen zum Bewußtsein des Unglücks, des allgemeinen und des davon unablösbaren eigenen, zu bringen und ihnen die Scheinbefriedigung zu nehmen, kraft derer in ihnen die abscheuliche Ordnung nochmals am Leben sich erhält, wie wenn sie sie nicht von außen bereits fest genug in der Gewalt hätte. Erst in dem Überdruß am falschen Genuß, dem Widerwillen gegens Angebot, der Ahnung von der Unzulänglichkeit des Glücks, selbst wo es noch eines ist, geschweige denn dort, wo man es durch die Aufgabe des vermeintlich krankhaften Widerstands gegen sein positives Surrogat erkauft, würde der Gedanke von dem aufgehen, was man erfahren könnte. Die Ermahnung zur happiness, in der der wissenschaftlich lebemännische Sanatoriumsdirektor mit den nervösen Propagandachefs der Vergnügungsindustrie übereinstimmt, trägt Züge des wütenden Vaters, der die Kinder anbrüllt, weil sie nicht jubelnd die Treppe hinunterstürzen, wenn er mißlaunisch aus dem Geschäft nach Hause kommt. Es gehört zum Mechanismus der Herrschaft, die Erkenntnis des Leidens, das sie produziert, zu verbieten […]. Das ist das Schema der ungestörten Genußfähigkeit.“33 Und genauso wie man die Aufforderung zum Lächeln als Neid auf die Unangepasstheit des Tresenpersonals auffassen kann, ist wohl die Verunglimpfung des „Werkelzwanges“ in der Reil78 dem Neid auf die fehlende eigene Kreativität der Autorin geschuldet, die diese immer wieder in die Arme der Dienstleister im „kapitalistischen Normalwahnsinn“34 treibt.

Reiner Wein

All dies zeugt von der Intention der Autorin, eine vernichtende Kritik mit allen Mitteln anzuwenden, wobei sie sich nicht zu schade ist, durch Anspielungen persönlich anzugreifen und zu beleidigen, zu verallgemeinern, zu übertreiben und zu lügen. Wer die Reil78 mit dem „typischen Sumpf der bundesdeutschen Hausbesetzerszene“35 gleichsetzt, scheint wohl nie in derartigen Örtlichkeiten verkehrt zu haben. Auch das besetzte Haus in Erfurt hat in bezug auf die Aufarbeitung der Geschichte des besetzten Geländes, also des Ortes, an dem die Öfen für die Vernichtungslager der Nationalsozialisten produziert wurden, eine politische Arbeit geleistet, (Achtung Kritik:) von der die Reil78 bisher nur geträumt hat. Und auch wenn es einen Mangel an politischen Veranstaltungen gibt, heißt das nicht, dass „sich von politischer Bildung oder – noch schlimmer – Kritik gänzlich“36 ferngehalten wird. „Eine infame Behauptung“37, die auf die Unwissenheit und den Vernichtungswahn der Autorin hinweist und „sich im kollektiven Gedächtnis von“ „bonjour tristesse“ und „no tears for krauts“ ,jedoch soweit verankert hat, dass niemand mehr den Wahrheitsgehalt angezweifelt“.38 Denn politische Bildung funktioniert eben nicht nur im Kollektiv, sondern auch individuell. Genauso individuell, wie der Geschmack Einzelner ist, wobei einer der Vorteile der bürgerlichen Gesellschaft ist, dass dieser Geschmack fast ohne Einschränkung ausgelebt werden kann. Dies betrifft sowohl Musik und Kleidung als auch Wohnkultur und Essgewohnheiten. Wer mit abfälligen Bemerkungen und Lügen in der Öffentlichkeit zeigt, dass er mit unterschiedlichen Geschmäckern und Lebensentwürfen nicht zu Rande kommt und die Freiheit diese auszuleben in Frage stellt, ist, um es deutlich auszusprechen, ein arrogantes, intolerantes und dogmatisches Arschloch, das sich nur sehr wenig vom durchschnittlichen Spießbürger unterscheidet, der am Stammtisch gegen alles was anders als er ist, wettert und pöbelt.39 Und wer, wie im Beitrag „Die bunte Landeshauptstadt“40 von „den barbarischen Trommelklängen von Afrikanern“41 spricht, hat die Grenze zum Rassismus schon weit überschritten. Dabei verdecken auch gestelzte Worte nicht, welcher Geist sich hinter ihnen verbirgt. Das Ergebnis ist deutlich. Gruppen und Zusammenhänge wie „bonjour tristesse“ und „no tears for krauts“ befinden sich in der von ihnen gewünschten Isolation und sind deshalb allzu oft nicht handlungsfähig, was in derselben Ausgabe der „bonjour tristesse“ der Artikel „Der ignorierte Naziaufmarsch“42 beweist. Anstatt jedoch zu jammern, dass man alleine dasteht, hätte man seine Zeit lieber mit ein bisschen Selbstreflexion zubringen können, um zu erkennen, dass die Situation durchaus auch hätte anders aussehen können. Denn könnte es nicht vorstellbar sein, dass, wenn sie selbst erst kurzfristig von diesem Aufmarsch erfahren haben, andere Leute in einer ähnlich schlechten Informationslage waren? Und hätte dies nicht durch ein wenig Kommunikation geändert werden können? Doch mit dem „Feind“, also mit Veganern, Bauwagenbewohnern, Punks, Trommelgruppen, dem Projekt „Reilstraße 78“, der „Berufsantifa“ vom „Miteinander e.V.“43 und anderen, wird nicht kommuniziert und nicht zusammengearbeitet. Stattdessen wird diesen im Nachhinein unterstellt, sie wären mit arabischen Antisemiten solidarisch.
Ignoranz und Überheblichkeit aufgrund eines angenommenen Vorsprungs beim Erkenntnisgewinn sind so nicht mehr zu übersehen. Adorno schreibt dazu: „Für den, der nicht mitmacht, besteht die Gefahr, daß er sich für besser hält als die andern und seine Kritik der Gesellschaft missbraucht als Ideologie für sein privates Interesse. […] Der Distanzierte bleibt so verstrickt wie der Betriebsame; vor diesem hat er nichts voraus als die Einsicht in seine Verstricktheit und das Glück der winzigen Freiheit, die im Erkennen als solchem liegt. Die eigene Distanz vom Betrieb ist ein Luxus, den einzig der Betrieb abwirft. Darum trägt jede Regung des sich Entziehens Züge des Negierten. Die Kälte, die sich entwickeln muß, ist von der bürgerlichen nicht zu unterscheiden. Auch wo es protestiert, versteckt sich im monadologischen Prinzip das herrschende Allgemeine. […] Die Unterwerfung des Lebens unter den Produktionsprozeß zwingt erniedrigend einem jeglichen etwas von der Isolierung und Einsamkeit auf, die wir für die Sache unserer überlegenen Wahl zu halten versucht sind. Es ist ein so altes Bestandstück der bürgerlichen Ideologie, daß jeder Einzelne in seinem partikularen Interesse sich besser dünkt als alle anderen […]. Seitdem die alte Bürgerklasse abgedankt hat, führt beides sein Nachleben im Geist der Intellektuellen, die die letzten Feinde der Bürger sind und die letzten Bürger zugleich. Indem sie überhaupt noch Denken gegenüber der nackten Reproduktion des Daseins sich gestatten, verhalten sie sich als Privilegierte; indem sie es beim Denken belassen, deklarieren sie die Nichtigkeit ihres Privilegs.“44

Letzte Worte

Da die von Melanie Hübner und einigen anderen Autoren der „bonjour tristesse“ praktizierten Methoden weder etwas mit Journalismus, geschweige denn mit sachlicher Kritik gemein haben, sollte das Blatt, in dem durchaus auch qualitativ bessere Artikel zu finden sind, aufpassen, dass es sich nicht schlicht zu einer BILD-Zeitung für sogenannte „Antideutsche“ entwickelt.45 Der teilweise durchaus berechtigten Kritik würde es keinen Abbruch tun, wenn darin in Zukunft auf Pauschalisierung, Übertreibung und Lüge verzichtet würde. Im Moment jedoch macht die Zeitung leider ihrem Namen alle Ehre.
Der Autorin bleibt am Ende nur noch zu wünschen, dass sie der, selbst als unangenehm empfundenen, Nestwärme bei der „bonjour tristesse“ entrinnen möge, in deren magischen Bann sie wohl nur durch die „suchtartige Verfallenheit an die Gruppe“46 geraten ist. Spätestens nachdem sie dann eine Anstellung bei einer Illustrierten der Boulevardpresse erhalten hat, wo ihre Fähigkeiten sicher geschätzt werden, wird auch endlich die Selbstausbeutung, hervorgerufen durch das D.I.Y.-Prinzip bei der „bonjour tristesse“, aufhören, womit sie endlich wieder nur von der Ausbeutung im kapitalistischen Normalwahnsinn betroffen sein wird. Ihr dabei viel Glück und Erfolg zu wünschen, wäre sicherlich verlogen.

Isabella Garcia Fernández

1 Siehe Bonjour tristesse Nr.l.
2 Siehe Adorno, Theodor W.: Der Essay als Form. In: Tiedemann, Rolf: Theodor W. Adorno – Gesammelte Schriften II, Band 11 : Noten zur Literatur, 3. Auflage, Frankfurt am Main 1990.
Siehe Schärf, Christian: Geschichte des Essays: von Montaigne bis Adorno, Göttingen 1999.
3 Schärf 1999, S.10.
4 Siehe Adorno, Theodor W. 1990, ebd..
5 Max Bense in seiner Schrift „Über den Essay und seine Prosa“, zitiert in Adorno 1990, ebd..
6 Siehe Schärf 1999.
7 Schärf 1999, S.274.
8 Siehe Adorno, Theodor W. 1990, Band 11. Siehe Schärf 1999.
9 Erhältlich im Infoladen der „Reilstraße78“ und einsehbar unter www.reil78.de.
10 Alles ganz nach dem Motto: Ein Freund von mir hat eine Tante und deren Sohn hat ihr erzählt, dass er dabei war als…
11 Hübner, Melanie: Rainin‘ in paradise. Bonjour tristesse Nr. 7.
12 Hübner, Melanie: ebd.
13 Hübner, Melanie: ebd.
14 Ja, auch das gab es.
15 Hübner, Melanie: ebd.
16 Hübner, Melanie: ebd.
Dabei hat das Ganze weniger mit „kollektivem Gedächtnis“ zu tun als mit verallgemeinernder Rhetorik. Wer in einem Text zu einem Vortrag (siehe Manfred Beier / Andreas Halberstädter: Ich ess‘ Blumen, Teil 1 und 2. In: bonjour tristesse Nr.l und 2.) Hitler und Göring als Tierrechtler vorstellt und zur zeitgenössischen Lage pauschalisierende Sätze schreibt wie „Der Mensch, den Marx befreit wissen wollte, ist bei Tierrechtlern also nicht länger Maß aller Dinge, d.h. Mittelpunkt des Strebens nach einer Gesellschaft, die sich durch die Assoziation freier Individuen auszeichnet.“ oder „Die Tierrechtsbewegung beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Gleichsetzung von Mensch und Tier […]“ oder „Der Veganismus ist wiederum die notwendige Konsequenz der antispeziesistischen Ideologie […]“ oder „Die Idee der Veganer, Tierrechtler und Erdenretter, sich im Geiste mit allerlei Kreaturen dieser Erde gemein zu machen, gar mit ihnen gemeinsam den Kampf gegen die Dekadenz der Waren produzierenden
Gesellschaft aufzunehmen, ist, wie jeder antizivilisatorischen Ideologie, der Impuls zum Pogrom immanent.“, muss sich nicht wundern, dass die Mehrheit seine Aussagen für bare Münze nimmt. Durch solche Verallgemeinerungen wird die Existenz von Tierrechtlern und Veganern, die nicht der Annahme folgen, dass Mensch und Tier gleich seien und die nicht den Holocaust durch einen Vergleich mit Legebatterien relativieren, schlichtweg geleugnet, womit alle Veganer und Tierrechtler im Licht der faschistischen Tierrechtstradition erscheinen, die letztendlich zum Pogrom führt. Was auch so in der Selbstreflexion der Reil78 formuliert wurde. Die Aussage von Melanie Hübner, dass in jenem Heft der Reil78 die Behauptung aufgestellt worden wäre, dass in einem von „no tears for krauts“ organisierten Vortrag alle Punks als Antisemiten bezeichnet wurden, ist schlichtweg falsch und zeugt von der Bereitschaft der Autorin zur Falschinformation. Hier von einem freudschen Versprecher auszugehen, würde wohl zu weit gehen.
17 Hübner, Melanie: ebd.
18 Hübner, Melanie: ebd.
19 Hübner, Melanie: ebd.
20 Siehe Adorno, Theodor W. : Minima Moralia. Frankfurt/ Main, 2003.
21 Hübner, Melanie: ebd.
22 Wie unterschiedlich dieses auch immer aussieht.
23 Hübner, Melanie: ebd.
24 Man beachte die Polemik zum Gartenzaun, in: Hübner, Melanie: ebd.
25 Siehe Hübner, Melanie: ebd.
26 Hübner, Melanie: ebd.
27 Hübner, Melanie: ebd.
28 Hübner, Melanie: ebd.
29 Hübner, Melanie: ebd.
30 Hübner, Melanie: ebd.
31 Hübner, Melanie: ebd.
32 Hübner, Melanie: ebd.
33 Adorno, Theodor W.: Aufforderung zum Tanz. In: Minima Moralia. Frankfurt/Main, 2003.
34 Hübner, Melanie: ebd.
35 Hübner, Melanie: ebd.
36 Hübner, Melanie: ebd.
37 Hübner, Melanie: ebd.
38 Hübner, Melanie: ebd. Grammatik im Original.
Dieser Satz wurde nur geschrieben, um den Wahnsinn beim Zusammenspiel von Lüge, Übertreibung und Verallgemeinerung, die als Technik immer wieder Eingang in Texte der erwähnten Gruppen finden, aufzuzeigen.
39 Hier noch ein weiteres Beispiel für Lügengebäude, die ersonnen werden, damit sich auch wirklich alles und jeder in das Konzept der Kritikerin einfügt: Jeder, der sich im Winter schon einmal in einem durchschnittlich isolierten und beheizten Bauwagen aufgehalten hat, weiß, dass dieser aufgrund des kleinen Raumvolumens eher einer Sauna gleicht und ganz und gar nicht zum Frieren anregt, wie die Autorin annimmt. Genauso hat eine Umfrage unter den Bauwagennutzern in der Reil78 ergeben, dass man das Nutzen eines Bauwagens weder als Gesellschaftskritik versteht, noch als „radical chic“ empfindet, wie von Melanie Hübner behauptet. Und so chic sind die Bauwagen ehrlich gesagt ja nun auch nicht. Vielmehr wurde dieser Weg entweder aus einem bestimmten Lebensgefühl oder aus der Not heraus eingeschlagen.
40 Siehe Bonjour tristesse Nr. 7.
41 Die bunte Landeshauptstadt. Bonjour tristesse Nr. 7.
42 Siehe Bonjour tristesse Nr. 7.
43 Ebd.
44 Adorno, Theodor W.: Antithese. In: Minima Moralia. Frankfurt/ Main, 2003.
45 Denn mit dialektischer Kritik hat dieser Artikel soviel zu tun wie Essig mit französischem Champagner.
46 Pohrt, Wolfgang, zitiert in: Hübner, Melanie: Rainin‘ in paradise. Bonjour tristesse Nr. 7.

„Es ist ein so altes Bestandstück der bürgerlichen Ideologie, daß jeder Einzelne in seinem partikularen Interesse sich besser dünkt als alle anderen …“

Theodor W. Adorno

Vortrag: Der doppelte Tod und die Wiederauferstehung der Ideologiekritik

Ein einführender Problemaufriss

Axel Rüdiger

Ideologie und Ideologiekritik sind in den letzten 20 Jahren von einer doppelten Aufhebung betroffen gewesen. Einerseits ist das Ende des Kalten Kriegs und der Zusammenbruch des Staatssozialismus sowjetischen Typs als das Ende der Ideologie in der Politik gedeutet worden, so dass sowohl der Gegenstand als auch die Methode vom vermeintlichen „Kampf der Kulturen“ und der „Wiederkehr des Religiösen“ verdrängt wurden und in vergessenheit gerieten. Andererseits ist der Ideologiebegriff von der Postmoderne so erfolgreich verallgemeinert worden, weshalb er jegliche normativ-kritische Dimension eingebüßt hat und letztlich zugunsten eines aufgeklärten Zynismus abgedankt hat. Trotzdem erlebt die Ideologiekritik vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise eine Wiederauferstehung in einer breiteren Öffentlichkeit. Der Referent skizziert aus diesem aktuellen Problemhorizont heraus die wichtigsten Strukturmerkmale der Ideologiekritik auf einer historischen Folie, die von der Aufklärung über die Theorie des Warenfetischismus von karl Marx bis hin zur psychoanalytischen Subjekttheorie führt.

Donnerstag, 14.05.2009
18.30, Melanchthonianum
Universitätsplatz

Arbeitskreis Alternatives Vorlesungsverzeichnis des Studierendenrates der MLU in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt




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