Tag-Archiv für 'hegemonie'

„Hegemonie, gepanzert mit Zwang“.

Mi, 22.06.11 ** 18.30 ** Melanchthonianum, Uniplatz

Einführung in die staatstheoretischen Überlegungen von Gramsci, Althusser und Poulantzas

Vortrag von Moritz Zeiler (Bremen)

Im Kontrast zum Sowjetmarxismus – quasi dem ‚östlichen Marxismus‘ – verstanden Theoretiker des Westlichen Marxismus wie Antonio Gramsci, Louis Althusser und Nicos Poulantzas den Staat nicht nur als Repressionsinstrument zur kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrückung der arbeitenden Klasse. Mit Begriffen wie Hegemonie, Konsens und Zivilgesellschaft versuchte Gramsci in den 1920ern zu analysieren, wie sich staatliche Herrschaftslegitimation gestaltete und reproduzierte. Jahrzehnte später griffen Althusser mit seinen Begriffen repressive und ideologische Staatsapparate und Poulantzas mit seiner Interpretation des Staates als „materielle Verdichtung von Kräfteverhältnissen“ diese hegemonietheoretischen Überlegungen wieder auf und entwickelten sie weiter. Die Veranstaltung möchte in die zentralen Thesen und Begriffe von Gramsci, Althusser und Poulantzas einführen. Dabei soll diskutiert werden, was die Potentiale aber auch Defizite einer hegemonietheoretischen Interpretation des Staates sind. Denn Gramscis Überlegungen um Hegemonie und Gegenhegemonie wurden und werden nicht nur in linken Kreisen diskutiert, welche materialistische Staatskritik als einen Beitrag zu einer gesellschaftlichen Emanzipation von Zwangsverhältnissen verstehen. Sondern sie faszinieren ebenso die Neue Rechte, deren Streben nach kultureller Hegemonie und national befreiten Zonen unter anderem auch Resultat einer reaktionären Gramscilektüre ist.

Nächster Vortrag in der Reihe mit Alex Gruber (Wien) am 05.07.2011:
Die Differenz als Souverän. Über die Unmöglichkeit poststrukturalistischer Staatskritik.

Eine Veranstaltung des AK Kritische Intervention im Alternativen Vorlesungsverzeichnis des Stura der Universität Halle.