Tag-Archiv für 'gesellschaftskritik'

„be like others“. zur zwangsheterosexualität im iran.

Mi | 23. Juli | 20 Uhr | B12 | Braustraße 20 | Leipzig

„be like others“ – Zur Zwangsheterosexualität im Iran

Filmabend und Diskussionsveranstaltung

In dem Dokumentarfilm Be like others (2008) von Tanaz Eshaghian werden Menschen im Iran begleitet, die eine Geschlechtsumwandlung vornehmen lassen. Diese seit 1983 durch eine Fatwa Ajatollah Khomeinis erlaubte Praxis wird im Westen häufig als exotische Abweichung von der rigiden iranischen Sexualmoral gehandelt. Bei genauerer Betrachtung jedoch wird deutlich, dass es sich für die meisten Betroffenen mitnichten um eine Geschlechtsbestätigung, also eine äußere Angleichung an das Geschlecht dem sie sich zugehörig fühlen, sondern um eine brutale Form von Zwangsheterosexualität handelt. Die Mehrheit der Betroffenen sind Homosexuelle, die sich operieren lassen, um mit ihrem Partner unbehelligt zusammenleben zu können. Sie sehen sich somit gezwungen eine Geschlechtsidentität anzunehmen, der sie sich nicht zugehörig fühlen. Im Iran werden homosexuelle Handlungen mit der Todesstrafe verfolgt. Seit der Islamischen Revolution 1979 wurden mehrere Tausend Männer, oftmals öffentlich, hingerichtet. Dies gilt jedoch nicht nur für Männer, so werden ebenfalls sexuelle Handlungen zwischen Frauen mit dem Tode bestraft, jedoch “erst” bei der vierten Wiederholung.

Eine Veranstaltung im Rahmen der bundesweiten antifaschistischen Kampagne „Schall & Wahn. Den Kampftag der antisemitischen Internationale verunmöglichen.

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von der zerstörung der vernunft ereilt. zum scheitern antideutscher kritik.

Von der Zerstörung der Vernunft ereilt. Zum Scheitern antideutscher Kritik.

Eines erstaunlichen Erlebnisses konnte teilhaftig werden, wer sich zu Clemens Nachtmanns Vortrag „Vergangenheitsbewältigung als Eingriffsermächtigung – Über Israelfreundschaft als deutsche Staatsräson“ am 15. Juli 2014 in Halle begab. Es waren nicht viele.
Es wurde hier eine weitgehende Revision dessen, was bisher als antideutsche Kritik bekannt war, bekanntgegeben. Im Jahre 2009 wurde zunächst, anlässlich einer Konferenz der Zeitschrift Bahamas, offiziell die Bezeichnung antideutsch entsorgt, nun wurden grundlegende Vorstellungen des einst damit verbundenen Konzeptes verabschiedet, dafür soll aber die Bezeichnung antideutsch als Identitätsemblem in veränderter Form wieder oder weiterhin, das wird nicht so recht klar, von kritischer Gültigkeit sein. Den Ausgangspunkt stellte die These dar, dass sich die deutsche Ideologie nunmehr zu einer Europaideologie bzw. zu einer Ideologie des Supranationalen verallgemeinert hätte. Dies sei geschehen durch eine ideologischen Kulturalisierung, auf Grundlage einer Selbstverleugnung der bürgerlichen Gesellschaft als ihrer Basisideologie. Als zu kritisierende Thesen wurden sodann die These der Singularität des Holocaust sowie die These vom deutschen Sonderweg präsentiert. Die Singularitätsthese verfiel der Kritik dadurch, dass aus ihr politisches Kapital und moralischer Mehrwert geschlagen werde. Die Aufarbeitung der Vergangenheit diente demnach vor allem dazu Deutschland zu rehabilitieren und einen moralischen Gewinn zu erzielen, der als Lehre aus der Geschichte zu moralischem Größenwahn und letztlich einem moralischen Antisemitismus führte, so dass die Massenvernichtung der europäischen Juden schließlich als Titel für ein Eingriffsrecht dienen solle. Der Ursprung der Singularitätsthese wurde bei Habermas verortet. Die Massenvernichtung der europäischen Juden wäre nun in ihrer Singularität und als universale Tatsache zugleich aufzufassen. Die Begriffe Postfaschismus bzw. Postnazismus seien auf die internationale Konstellation zu beziehen. Ihnen wesentlich sei die ideologische Bearbeitung der Kontinuität in der Diskontinuität. Die Sonderwegsthese würde sich als kritikwürdig dadurch erweisen, dass hier die Kategorien des Besonderen und des Allgemeinen auf unheilvolle Art politisiert würden. Deutschland würde dabei als Sonderfall bürgerlicher Vergesellschaftung, als Abweichung von der bürgerlich-kapitalistischen Norm, betrachtet. Dies müsse als ein politisierender Antiimperialismus gegen Deutschland gesehen werden. Das Label Antideutsch werde zum Identitätsausweis, der darin zum Ausdruck käme, dass an Deutschland unbedingt etwas gefunden werden müsse, was die deutsche Besonderheit untermauert. Die Annahme einer deutschen Wertvergesellschaftung als singulär, die sich in allen ihren Äußerungen identisch durchhält, würde zu einer affirmativen Theorie, dessen was deutsch ist, als einer Identitätsfindung, gerinnen. Materialistische Kritik hätte dagegen die Frage: „Was deutsch ist?“ schon in ihren Grundlagen zu destruieren. Am Ende stand dann aber im Gegensatz zu dem vorher gesagten doch wieder eine neue Bestimmung dessen, was nunmehr als deutsch zu verstehen sei: die freiwillige Selbstopferung, das sich widerstrebend in etwas Unvermeidliches schicken. So lange Staat und Kapital nicht abgeschafft seien, bliebe antideutsche Kritik daher aktuell.
Es kann sich des Eindruckes nicht ganz erwehrt werden, dass sich hier eine Unzulänglichkeit antideutscher Kritik offenbart, die von Anfang an in ihr selbst angelegt war. Diese Unzulänglichkeit, die nun auf Georg Lukacs zurückgeführt wird, indem er mit »Die Zerstörung der Vernunft« als Urheber der These des deutschen Sonderwegs dargestellt wurde, scheint tatsächlich vielmehr in einer Verwirrung hinsichtlich der Kategorien des Besonderen und des Allgemeinen in der antideutschen Kritik selbst zu liegen. Einige Grundkenntnisse dialektischer Philosophie, z.B. derjenigen Hegels, Marx‘ oder Adornos, hätten darauf hinweisen können, dass das Allgemeine immer nur in Gestalt des Besonderen erscheint und nur als Konkretion der Abstraktion vom Besonderen überhaupt zugänglich ist. Es liegt hier ein exemplarisches Beispiel dafür vor, was unter Dialektik zu verstehen wäre: die gegensätzlichen Kategorien des Besonderen und des Allgemeinen sind derart konstitutiv aufeinander bezogen, dass sie jeweils als Sinnesimplikat im anderen enthalten sind. Der historische Materialismus, den Marx in kritischem Anschluss an Hegel und Feuerbach begründete, geht daher davon aus, dass die jeweils spezifischen historischen Bedingungen betrachtet werden müssen, damit bestimmte politische Erscheinungen begriffen werden können. Da das Allgemeine also nur im jeweils Besonderen aufgefunden werden kann, stellt insofern jede wie auch immer räumlich begrenzte Entwicklung einen Sonderweg dar. Es war daher schon immer richtig und zugleich irreführend und ideologisch, von einem deutschen Sonderweg auszugehen, da für jeden Nationalstaat oder jede Region ein spezifischer Sonderweg festgestellt werden kann, auf dem sich die jeweils besondere Gestalt des Allgemeinen durchsetzt. Die Spezifik der deutschen Entwicklung ist, wie jede andere, historisch-materialistisch zu erklären, nicht durch metaphysische Wesensbestimmungen. Sie ist damit nicht gleich jeder anderen besonderen Entwicklung, sondern in ihrer besonderen Ausprägung des Allgemeinen, die damit überhaupt nicht in Abrede gestellt wird, erst zu erfassen. Der Versuch der kritischen Anwendung identitärer Vorstellungen, wie sie nationale und kulturelle nun einmal sind, war von vornherein ideologisch und dem Gegenstand nicht angemessen. Dieses theoretische Defizit zeigt sich unter anderem darin, dass immer wieder unklar wird, was das spezifisch deutsche Besondere nun eigentlich sein soll und was dagegen das bürgerlich-kapitalistische Allgemeine oder Normale sein soll, d.h. welche Identität gerade zu verteidigen und welche gerade abzulehnen ist. Solcherart identitäre Vorstellungen müssen in Folge dessen immer wieder aktualisiert und den sich verändernden politischen Verhältnissen angepasst werden. Die antideutsche Kritik saß damit von vornherein negativ ideologischen, metaphysischen Wesensbestimmungen auf, wie nun durch die Revision grundlegender Vorstellungen implizit eingestanden wird.
Diese ganze Entwicklung ist auch deswegen äußerst seltsam, weil die polemische Verwendung der Bezeichnung deutsch, die es ja durchaus gab, u.a. bei Marx und Adorno, anscheinend nicht als solche verstanden wurde, sondern sie als substanzieller Begriff für etwas verwendet wurde, was keine Substanz hat, sondern Ideologie ist.
Die Anhänger antideutscher Kritik schienen zunächst etwas verwirrt und stellten dann zögernd und scheinbar mit etwas ungläubigem Staunen einige Nachfragen, um sich dessen zu versichern, was sie da gehört hatten. Die erste Nachfrage ging denn auch dahin, wie es denn dazu kommen konnte, dass sich die deutsche Ideologie nun verallgemeinert habe und wie denn in anderen Ländern die Lehre aus der Geschichte ebenfalls derart gezogen werden könne, wie es von Nachtmann für Deutschland beschrieben wurde. Eine Anmerkung zielte darauf ab, die Sonderwegsthese zumindest für die 1990er und 2000er Jahre insofern als berechtigt zu verteidigen, dass damit dem Hang entgegen getreten wurde, die deutsche Entwicklung der allgemeinen kapitalistischen Sauerei unterzuordnen. Die dritte Nachfrage bezog sich darauf, ob nicht ein Widerspruch in der These des Kulturalismus zu sehen sei, insofern darin einerseits von einer Auflösung von Kultur in einen Karneval der Kulturen die Rede ist, andererseits zugleich aber von einer Überlegenheit der europäischen im Gegensatz etwa zur amerikanischen Kultur. Die Antwort auf letzteres beinhaltete, dass hierin die Unlogik des Postmodernismus zum Ausdruck käme.
Diese ganze seltsame Entwicklung zeigt sehr deutlich, dass, wenn es darum geht, gesellschaftliche Entwicklungen zu begreifen und zu kritisieren, nichts darum herum führt, die jeweiligen historischen gesellschaftlichen Bedingungen und ihre ideologische Verarbeitung zu betrachten, d.h. zu betrachten, wie sich jeweils das Allgemeine in seiner besonderen Gestalt darstellt. Das abstrakte gesellschaftliche Allgemeine ist in bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaften die Ware Arbeitskraft oder, da diese die Substanz des Wertes ist, der Wert. Dieses allgemeine Verhältnis setzt sich in verschiedenen gesellschaftlichen Konstellationen auf je besondere Weise durch und wird immer nur in dieser jeweils besonderen Ausprägung sichtbar. Das Allgemeine, was sich durch die besonderen Erscheinungen durchsetzt, kann nur sichtbar gemacht werden indem dadurch vom Besonderen abstrahiert wird, dass es auf Begriffe gebracht wird, und diese Begriffe in eine solche Anordnung zueinander gebracht werden, dass das Allgemeine als ein Konkretes dargestellt werden kann. Da das konkrete gesellschaftliche Allgemeine der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft verschiedene Widersprüche in sich enthält, die in diesem Verhältnis nicht zu lösen sind, u.a. den Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital und den damit verschränkten Widerspruch zwischen Natur und Kapital, entstehen notwendig immer wieder krisenhafte ökonomische Einbrüche, die soziale Folgen hervorrufen, von denen Menschen betroffen werden. Die von krisenhaften Zuständen betroffenen Menschen verarbeiten diese Situationen häufig auf eine mehr oder weniger ideologische Weise. Die Ausprägung der ideologischen Verarbeitungsweise krisenhafter gesellschaftlicher Prozesse hängt von verschiedenen räumlichen, politischen, gesellschaftlichen, kulturellen, historischen Bedingungen ab, die in ihrer jeweiligen Konstellation betrachtet werden müssen, um sie in ihrer jeweiligen Spezifik begreifen zu können. Erst unter dieser Voraussetzung wird es überhaupt möglich sein, diesen Ideologiebildungen kritisch entgegenwirken zu können.
Es ist dazu tatsächlich eine historisch-materialistische Kritik notwendig. Durch metaphysische Wesensbestimmungen, die sich als wesentliches Merkmal antideutscher Kritik zeigen, werden ideologische Vorstellungen im wesentlichen negativ reproduziert. Antideutsche Kritik erweist sich damit nicht als Ideologiekritik, wie sie es gerne möchte, sondern selbst als ideologisch, als Agentin von Ideologie als Gegenideologie. Sie ist damit selbst ebenso als Produkt der ideologischen Verarbeitung krisenhafter gesellschaftlicher Zustände anzusehen, wie die bevorzugten Gegenstände ihrer Kritik, etwa islamistische Gruppierungen oder orthodoxe und antiimperialistische Linke.

zur kritik des modernen antisemitismus und islamismus im nahen osten.

Mi | 16. Juli 2014 | 19:00 | Radio Corax | Unterberg 11 | Halle

Zur Kritik des modernen Antisemitismus und Islamismus im Nahen Osten

Vortrag und Diskussion mit Hannes Bode

Viel ist in den Medien, aber auch in linken Debatten die Rede von Islamismus und Antisemitismus. Doch nur in den seltensten Fällen wird die Genese des modernen Antisemitismus und des Islamismus im Nahen Osten in den Blick genommen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verorten ist. Ebenso selten wird differenziert, etwa zwischen der Ideologie der Muslimbrüder der 1930er Jahre, derjenigen (postkolonialen) Sayid Qutbs und derjenigen heutiger Jihadisten. Auch wird kaum gesehen, dass der Antisemitismus des iranischen Regimes, der sich in die Tradition der Schia stellt, wiederum gänzlich anders zu bewerten wäre. Was sind nun aber die Gemeinsamkeiten im Denken der verschiedenen Akteure und was zentrale Unterschiede? In welcher gesellschaftlichen Situation setzten sich antisemitische Bilder, Zuschreibungen und Denkformen durch? Haben islamistische Ideologie und Antisemitismus im Nahen Osten vielleicht mehr mit kapitalistischer Moderne als mit religiöser Tradition zu tun? Da eine (historische) Analyse notwendige Voraussetzung von (Ideologie-) Kritik ist, haben wir den Islamwissenschaftler und Historiker Hannes Bode gebeten, im Vortrag auf diese und ähnliche Fragen einzugehen.

[offenes antifaplenum halle]

schall & wahn. zur antisemitischen internationale und dem nicht-verhalten einer radikalen linken.

Mi | 16. Juli 2014 | 19:00 Uhr | Conne Island | Koburger Straße 3 | Leipzig

Schall & Wahn. Zur antisemitischen Internationale und dem Nicht-Verhalten einer radikalen Linken

Der al-Quds-Tag, 1979 nach der islamistischen Revolution im Iran etabliert, markiert jährlich die wohl größte Manifestation von sowohl offenem als auch verschleiertem Antisemitismus weltweit. So demonstrieren seit mittlerweile 35 Jahren im Iran, Deutschland, den USA, Großbritannien und anderen Regionen Millionen von Menschen für Zerstörung Israels. Wenn auch das verbindende Element aller Akteure an diesem Tag ihr unverhohlener bzw. verschleierter Antisemitismus ist, so steht der Al-Quds-Tag darüber hinaus ebenso für die Anerkennung heteronormativer, patriarchaler Gesellschaftsstrukturen und Geschlechterrollen. Er ist somit einer der bedeutendsten und integrativsten Momente für die Äußerung reaktionär-regressiver Weltanschauungen von religiösen Fundamentalist_innen und neonazistischen Gruppierungen, verschwörungstheoretischen Sekten und Zusammenhängen, anti-imperialistischen Linken und anderen deutschen Antisemit_Innen. Weltweit ist dieser Tag mitnichten als simpler Feiertag, sondern vielmehr als politischer Kampftag zu verstehen. Doch warum verhält sich eine radikale Linke (nicht) zu einem Aufmarsch von mehr als 1000 Antisemit_innen? Ist es doch ihre Aufgabe, sofern es sie überhaupt gibt, sich dieser nicht einmal neuen gesellschaftlichen Transformation antisemitischer Artikulationen bewusst werden, wenn ihre Losung des kategorischen Imperativs nach Auschwitz nicht zur bloßen Phrase verkommen soll. “Denken und Handeln so einzurichten, daß Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts ähnliches geschehe”, erfordert über eine theoretische Reflexion hinaus vor allem praktische Konsequenzen im Handeln der Subjekte.

Eine Veranstaltung im Rahmen der bundesweiten antifaschistischen Kampagne „Schall & Wahn. Den Kampftag der antisemitischen Internationale verunmöglichen.“

[emanzipation und antifa]

von der verwalteten zur mobilisierten welt. über das outsourcing des staates.

Mo | 14. Juli | 18 Uhr | Universität Leipzig (HSG) | Hörsaal 8

Von der verwalteten zur mobilisierten Welt. Über das Outsourcing des Staates.

Vortrag und Diskussion mit Clemens Nachtmann

In dem Maße, in dem die durch das Zusammenwirken von Staat und Sozialpartnern scheinbar prästabilisierte Einheit von Massenproduktion und Massenkonsum und damit der scheinbar immerwährend prosperierende deutsche „Volkskapitalismus“ in die Krise gerät, zerfällt die Gesellschaft und mit ihr der sie absichernde staatliche Souverän. Statt als Objekte der Versorgung durch das volksstaatlich gezähmte Kapital bzw. den bürokratischen Volkstaat werden die Individuen nun wie in einer schlechten Karikatur auf den Liberalismus von einst als Subjekte ins Visier genommen, die ihren Objektstatus ganz selbstbestimmt und eigenverantwortlich verwalten dürfen. Auf diese Weise kehrt die allgemeine Mobilmachung von einst wieder als „freie“, auf je eigene Faust und in Konkurrenz zueinander betriebene Mobilisierung jedes Einzelnen an sich und mit sich selbst. Die „verwaltete Welt“ (Adorno/Horkheimer) als die sistierte Mobilmachung geht aus eigener Logik in die „mobilisierte Welt“ über, das demokratisierte völkische Generalracket zerfällt in seine Unterabteilungen, die in sich und untereinander erbittert darum konkurrieren, als „outgesourcte“ und fortan auf eigene Rechnung agierende Cliquen und Rackets als Partikel von Herrschaft, als Momente des in die Gesellschaft diffundierenden Staates anerkannt zu werden.

Clemens Nachtmann ist Komponist, Redakteur der Zeitschrift Bahamas und Autor u. a. von „Die demokratisierte Volksgemeinschaft als Karneval der Kulturen“, erschienen in: Stephan Grigat (Hg.): „Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert“ (ça ira 2012).

Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe Ideologie der Verwaltung. Zur Kritik der Rationalisierung des Irrationalen.

[http://akgesellschaftskritik.wordpress.com/]

trommeln in der nacht.

Sa | 12. Juli 2014 | 20:00 | Theater Mandroschke | Rudolf-Ernst-Weise-Str. 4/6, | Halle

Trommeln in der Nacht

Kragler kommt aus Afrika am Ende des I. Weltkriegs nach Hause zurück. Die Welt, in die er kommt, ist nicht mehr die seine. Im Berlin des Jahres 1919 kommt es zu Unruhen in den Zeitungsvierteln, dem sogenannten “Spartakusaufstand”. Kragler soll sich dafür engagieren, doch er will sich nicht mehr instrumentalisieren lassen, will nur noch für seine Braut leben. Seine Sehnsucht nach dem “großen, weißen, breiten Bett”, wie es im zweiten Stück Brechts heißt, steht als Sinnbild der Humanität.

Eine Inszenierung des Leipziger Ensemble Theater des täglichen Bedarfs.

zur kritik des modernen antisemitismus und islamismus im nahen osten.

Fr | 11.07. | 19 Uhr | Raum S 102 | Zweigstelle Orientwissenschaften | Schillerstraße 6 | Leipzig

Zur Kritik des modernen Antisemitismus und Islamismus im Nahen Osten

Vortrag und Diskussion mit Hannes Bode

Viel ist in den Medien, aber auch in linken Debatten die Rede von Islamismus und Antisemitismus. Doch nur in den seltensten Fällen wird die Genese des modernen Antisemitismus und des Islamismus im Nahen Osten in den Blick genommen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verorten ist. Ebenso selten wird differenziert, etwa zwischen der Ideologie der Muslimbrüder der 1930er Jahre, derjenigen (postkolonialen) Sayid Qutbs und derjenigen heutiger Jihadisten. Auch wird kaum gesehen, dass der Antisemitismus des iranischen Regimes, dass sich in die Tradition der Schia stellt, wiederum gänzlich anders zu bewerten wäre. Was sind nun aber die Gemeinsamkeiten im Denken der verschiedenen Akteure, und was zentrale Unterschiede? In welcher gesellschaftlichen Situation setzten sich antisemitische Bilder, Zuschreibungen und Denkformen durch? Haben islamistische Ideologie und Antisemitismus im Nahen Osten vielleicht mehr mit kapitalistischer Moderne als mit religiöser Tradition zu tun? Da (historische) Analyse notwendige Voraussetzung von (Ideologie-)Kritik ist, haben wir den Islamwissenschaftler und Historiker Hannes Bode gebeten, im Vortrag auf diese und ähnliche Fragen einzugehen.

Eine Veranstaltung des StuRa Antira-Referats (Universität Leipzig) im Rahmen der bundesweiten antifaschistischen Kampagne „Schall & Wahn. Den Kampftag der antisemitischen Internationale verunmöglichen.“

[http://emanzipationundantifa.wordpress.com/]

selbstbetrug als „lebenskompetenz“. über die neuesten anschläge auf das glück.

Fr | 11. Juli | 19 Uhr | Universität Leipzig (HSG) | Hörsaal 8

Selbstbetrug als „Lebenskompetenz“. Über die neuesten Anschläge auf das Glück.

Vortrag und Diskussion mit Knut Germar

Deutschland scheint ein Land von Glückssuchern zu sein. Enquete-Kommissionen diskutieren nach dem Vorbild des bhutanischen „Bruttonationalglücks“ über neue Messzahlen für Wachstum und Fortschritt. Öffentlich-rechtliche Fernsehanstalten senden ganze Themenwochen zum Glück und stoßen auf erhebliche Begeisterung. Sogenannte „Glücksforscher“ werden durch die Talkshows gereicht, und das Angebot der entsprechenden Ratgeber- und Lebenshilfeschriften auf dem deutschsprachigen Büchermarkt ist längst unüberschaubar geworden. An der Spitze des Glückshypes, der die gesamte Gesellschaft erfasst zu haben scheint, stehen Therapeuten, Erzieher und andere Unmenschen, die ihre Konzepte an den Mann bringen wollen. Ganz gleich ob Psychologie, Pädagogik oder Beratungsbranche, einig ist man sich in der Vorstellung, Glück sei etwas, das man erlernen könne, wenn man nur fleißig und ernsthaft an sich selbst arbeitet und das Leben so hinnimmt, wie es nun einmal ist. Egal ob Schulfach Glück, Positive Psychologie, positivistische Glücksforschung oder esoterische Lebensberatung, sie alle propagieren nur eines: die blinde und bedingungslose Anpassung an die bestehenden Verhältnisse. Dass sie damit vor allem das zementieren, wovon sie auffällig laut schweigen, soll der Vortrag thematisieren. Es wird davon zu reden sein, worin die Gründe für den gegenwärtigen Glücksboom zu suchen sind, was es mit der Formel vom Glück als „Lebens- und Lernkompetenz“ auf sich hat und warum das notwendige Scheitern von autoritären Beglückungskonzepten nur wenig Anlass zur Hoffnung gibt, dass die Menschen eines Tages vielleicht doch noch ihr Glück in die eigene Hand nehmen könnten.

Knut Germar lebt in Halle. Er ist Redakteur der hallischen Zeitschrift Bonjour Tristesse und Autor der Zeitschrift Bahamas.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe Ideologie der Verwaltung. Zur Kritik der Rationalisierung des Irrationalen. des Arbeitskreises Gesellschaftskritik.

dantons tod.

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Dantons Tod

von Georg Büchner

Es gab Revolutionen, die in totalitäre Systeme mündeten, die die vorhergehenden Schrecken noch übertrafen. Es gab Umbrüche, wie vor fast 25 Jahren, als die Ostdeutschen eine friedliche Revolution erlebten, aber kann man in diesem Fall überhaupt von einer Revolution sprechen? Und was geschieht gerade in der arabischen Welt? Kann eine derartige Umwälzung überhaupt ohne Blutvergießen vonstatten gehen?

Es ist unheimlich, wie viel Wissen über die zerstörerischen Kräfte der Revolution in einem Stück von einem gerade einmal 21-Jährigen steckt. Büchners Drama »Dantons Tod«, das einen mehrtägigen Ausschnitt aus der Spätphase der Französischen Revolution zeigt, hat bis auf den heutigen Tag nichts an seiner Aktualität eingebüßt. Bei Büchner (1813-37) entfernen sich die Überzeugungen und Aktionen des tugendhaften Robespierre vom sinnlichen Hedonisten Danton immer mehr voneinander. Die Initiatoren des Umbruchs stehen sich unversöhnlich gegenüber, der Eine lässt den Anderen hinrichten! Bruderbund wird zu Brudermord: »Ich weiß wohl – die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder.«

»Dantons Tod« macht deutlich, dass es nichts bringt, vor den blutigen Kosten und mörderischen Umwegen der Revolutionen die Augen zu verschließen. Aber wann hat die Gewalt ein Ende? Wann ist eine Revolution am Ziel?

Nächste Vorstellungen

10.07.2014 21:00

15.07.2014 21:00

16.07.2014 21:00

17.07.2014 21:00

18.07.2014 21:00

19.07.2014 21:00

[buehnen-halle.de/produktionen/dantons-tod]

wenn der wahnsinn epidemisch wird. die neuen montagsdemonstrationen.

Donnerstag | 10. Juli 2014 | 19:00 Uhr | Veranstaltungsraum Radio Corax | Unterberg 11 | Halle

Wenn der Wahnsinn epidemisch wird. Die neuen Montagsdemonstrationen.

Vortrag und Diskussion mit Jan-Georg Gerber

Die Demonstranten, die sich seit März jeden Montag in mehr als sechzig Städten der Bundesrepublik zusammenfinden, um gegen einen möglichen Krieg in der Ukraine zu protestieren, sind sich einig: Für die Auseinandersetzungen auf dem Kiewer Majdan, die Kämpfe in Donezk und alle anderen Übel der Welt sind der Westen und Amerika verantwortlich. Auch die Parole von der Schuld der Juden macht allenthalben die Runde: Die regelmäßig zu hörende Rede über „die Fed“, die US-Notenbank, hat das Lamento über die „amerikanische Ostküste“ abgelöst. Sie ist zur beliebtesten Chiffre für die die vermeintlich jüdisch kontrollierte Finanzwelt geworden. Daneben haben einige Demonstranten auch noch andere Theorien im Repertoire: Einige glauben, dass den Kondensstreifen von Düsenflugzeugen Chemikalien beigemengt sind, die den Menschen ihre politische Widerstandskraft rauben, andere sind davon überzeugt, Bürger des 1945 untergegangenen Deutschen Reichs zu sein. All diese Vorstellungen bewegen sich unter dem Niveau von Kritik. Zumindest die Vordenker der Proteste scheinen aufgrund ihrer offenkundigen Verrücktheiten weniger ein Gegenstand von Ideologiekritik als ein Fall für den Psychologen zu sein. Das Tragische ist, dass den Protesten wohl auch auf der Therapeutencouch oder im Patientenstuhl nicht wirklich beizukommen ist. Um dem Phänomen der neuen Montagsdemonstrationen auf den Grund gehen zu können, muss vielmehr die Gesellschaft in den Blick genommen werden, die den Wahnsinn immer wieder aus sich selbst heraus erzeugt. Aus diesem Grund wird im Rahmen der Veranstaltung sowohl von der deutschen Spezifik der Proteste als auch vom System der Wertvergesellschaftung zu sprechen sein.

Jan-Georg Gerber ist freier Journalist und schreibt u.a. für „Bahamas“ und „Jungle World“.

Eine Veranstaltung der AG Antifa Halle und der Materialien zur Aufklärung und Kritik.