Tag-Archiv für 'gesellschaftliche-naturverhältnisse'

wozu wissenschaft? die vielheit der zwecke und ihre philosophische polarisierung.

Mittwoch | 21. Mai 2014 | 19 Uhr | Uni Jena | Hörsaal 8 | Carl Zeiss Str. 3 | Jena

Wozu Wissenschaft? Die Vielheit der Zwecke und ihre philosophische Polarisierung

Joachim Schummer

Das Nachdenken über Zwecke der Wissenschaft ist heute in einer Polarisierung gefangen. Die einen meinen, es ginge ihr um zweckfreie Erkenntnis, die anderen sehen sie als Magd der Technik. Der Philosoph und Chemiker Joachim Schummer weist beides zurück und zeigt anschaulich, wie alle Wissenschaften schon immer neun verschiedene Zwecke verfolgt haben. Alle arbeiten auf ihre Weise an einer Verbesserung der Welt, an Methoden zur Schärfung des Denkens, Erklärungen und Aufklärung über die Welt, Formen des Umgangs mit der Zukunft, der Erzeugung von neuem und provokativem Wissen, der Befriedigung kultivierter Neugier, Orientierungen in der Welt, der fachlichen und allgemeinen Bildung sowie der Erfüllung in einer selbstbestimmten Lebensform. Nur wenn alle Zwecke beachtet werden, kann die Wissenschaft der Gesellschaft von Nutzen sein.

Die Polarisierung entstammt einem philosophischen Schulenstreit, zwischen Deutschem Idealismus und Dialektischem Materialismus, der bis heute unter verschiedenen Etiketten fortgetragen wird. Eine am gesellschaftlichen Nutzen der Wissenschaft orientierte Philosophie muss ihre historischen Erblasten überwinden, sich wieder auf die Vielheit der wissenschaftlichen Zwecke besinnen und sie mit den gesellschaftlichen Bedürfnissen harmonisieren.

Joachim Schummer ist Herausgeber der Zeitschrift “Hyle – International Journal for Philosophy of Chemistry” (http://www.hyle.org/). Er publizierte u.a. “Nanotechnologie: Spiele mit Grenzen” (Suhrkamp, 2009), “Das Gotteshandwerk: Die künstliche Herstellung von Leben im Labor” (Suhrkamp, 2011) sowie zuletzt “Wozu Wissenschaft? Neun Antworten auf alte Fragen” (Kadmos, 2013). Weitere Informationen unter: http://www.joachimschummer.net/

[Arbeitskreis Kritische Theorie der Naturwissenschaften]

der behemoth in den naturwissenschaften. über nationalsozialistische wissenschaftspolitik und -ideologie.

Mittwoch | 22. Januar | 19 Uhr | Uni Jena | Hörsaal 7 | Carl Zeiss Str. 3

Der Behemoth in den Naturwissenschaften. Über nationalsozialistische Wissenschaftspolitik und -ideologie

Malte Stoecken

Die Machtübernahme der NSDAP 1933 bedeutete eine Zäsur in der Organisation der naturwissenschaftlichen Forschung. In den ersten Jahren des Nationalsozialismus war die Wissenschaftspolitik eng mit der Person Johannes Stark verbunden, der als einer der Initiatoren und Hauptvertreter der sog. „Deutschen Physik“ gilt. Das wissenschaftspolitische Programm der Deutschen Physik forderte eine auf Fleiß, Geduldsamkeit und praktischen Experimenten aufbauende Wissenschaft und richtete sich explizit gegen die sich neu etablierende theoretische Physik im Zuge der Erkenntnisse Einsteins und Heisenbergs seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts.

Der Feldzug der Vertreter der Deutschen Physik gegen neue wissenschaftliche Denkstile wie der Relativitätstheorie und der Quantenmechanik speiste sich aus einer antisemitischen Weltanschauung und bediente sich derer Sujets und Ressentiments. So wurden die theoretische Physik als kosmopolitische Wissenschaft abgelehnt, ihre Methoden als unverständliche Gedankenexperimente bemängelt und deren Erkenntnisse als unsicher, abstrakt und unbestimmt klassifiziert – das was in der antisemtischen Weltanschauung als „jüdisch“ galt, wurde auf die moderne Wissenschaft transportiert.

Wie in dem Vortrag gezeigt werden soll, stand diese nach vermeintlich rassischen Kategorien organsierte Wissenschaft im Zuge der Deutschen Physik diametral zu den zeitgleich entstandenen Wissenschaftskonzepten im angloamerikanischen Raum, die unter den Postulaten „Universalismus“ und „Kommunitarismus“ eine internationale Wissenschaft unabhängig von Ethnie, Nationalität, Religion, sozialem Stand und persönlicher Eigenschaften entworfen wurden. Da die Deutsche Wissenschaft dagegen ihr Programm nicht Anhand von Argumenten und wissenschaftlichem Austausch, sondern mit Angriffen auf Vertreter anderer Denkstile durchsetzte, soll diskutiert werden, ob sich das deutsche Wissenschaftssystem zu einem im Neumannschen Sinne „Behemoth“ transformierte, in eine „Herrschaft der Gesetzlosigkeit und Anarchie, welche die Rechte wie die Würde des Menschen ‚verschlungen‘ hat und dabei ist, die Welt durch die Obergewalt über riesige Landmassen in ein Chaos zu verwandeln“.

[Arbeitskreis Kritische Theorie der Naturwissenschaften. Studentische Initiative an der FSU und FH Jena]

marxistische akzente in der wissenschaftsgeschichtsschreibung der ddr. boris hessen, john d. bernal und die folgen.

Mittwoch | 15. Januar 2014 | 19 Uhr | Uni Jena | Hörsaal 7 | Carl Zeiss Str. 3

Marxistische Akzente in der Wissenschaftsgeschichtsschreibung der DDR – Boris Hessen, John D. Bernal und die Folgen.

Hubert Laitko

Der Auftritt der von N. Bucharin geleiteten sowjetischen Delegation auf dem II. Internationalen Kongress für Wissenschaftsgeschichte in London 1931, insbesondere der Vortrag des Physikers und Physikhistorikers B. Hessen über die sozialen und ökonomischen Wurzeln der Principia Mathematica Isaac Newtons, fand unter britischen Wissenschaftlern ein ungewöhnlich starkes Echo. Während sowohl Hessen als auch Bucharin schon wenige Jahre später dem stalinistischen Terror zum Opfer fielen, entwickelte sich im Umkreis der linksorientierten Social Relations of Science Movement im England der 1930er Jahre (Bernal, Crowther, Haldane, Needham u. a.) ein von der marxistischen Geschichtsauffassung inspiriertes Bild von der Wissenschaft und ihrer Evolution als Moment der Gesellschaftsgeschichte. Dieses Bild fand seinen programmatischen Ausdruck in den Büchern The social function of science (1939) und Science in history (1954) aus der Feder des Kristallographen und Wissenschaftshistorikers J. D. Bernal. Die 1961 in Berlin erschienene musterhafte deutsche Übersetzung des letztgenannten Werkes war jenes Medium, das das dem marxistischen Denken immanente Anregungspotenzial für die wissenschaftshistorische Lehre und Forschung in der DDR am kompaktesten erschloss. Es bildete eine Art Leitfaden für die Marxismus-Rezeption auf diesem Arbeitsgebiet, die natürlich auch auf zahlreiche weitere Quellen zurückgriff. Der Vortrag skizziert direkte und indirekte Folgen, stellt einige herausragende Vertreter der frühen Wissenschaftsgeschichtsforschung in der DDR (Gerhard Harig, Alexander Mette, Friedrich Herneck, Hans Wußing, Ilse Jahn, Conrad Grau, Gisela Buchheim, Rolf Sonnemann u. a.) vor und gibt eine kurze Übersicht über die institutionelle Situation des Fachgebiets bis 1990.

Eine Veranstaltung des Arbeitskreises Kritische Theorie der Naturwissenschaften Jena.

der begriff der natur in der epoche des liberalismus.

Mittwoch | 11. Dezember | 19 Uhr | Uni Jena | Carl Zeiss Str. 3 | Hörsaal 9

Der Begriff der Natur in der Epoche des Liberalismus

Prof. Dr. Gerhard Stapelfeldt

Der Vortrag untersucht den Begriff – die Begriffe – der Natur in der Epoche des Liberalismus (um 1765-1870), der bürgerlichen Aufklärung, der bürgerlichen Revolutionen.
‚Natur’ scheint ein ganz einfacher Begriff, der einen selbstverständlichen Gegenstand bestimmt. Man denkt an Gesteine, an Pflanzen, an Tiere, an die körperlicher Natur des Menschen, an Naturgesetze, an Naturwissenschaften, an Naturschutz. Aber dann wird es doch schwierig: Gibt es eine ‚Natur der Sache’, eine Natur des Menschen, eine Natur der Gesellschaft? Was ist ‚natürlich’? Schon der antike Naturbegriff ist heute kaum nachvollziehbar: Natur als göttliche, subjektive, mit moralischen Qualitäten ausgestattete Natur. In der Neuzeit hat Galilei, nach seinem Selbstverständnis, im „Buch der Natur“ gelesen. Im Liberalismus wird es mit dem Begriff – den Begriffen – der Natur in der Philosophie, der Sozial- und Naturwissenschaft ganz kompliziert: Vico unterscheidet die „Welt der Natur“ von der „gesellschaftlichen Welt“; Kant spricht von einer „sinnlichen“ und von einer unbewußten „übersinnlichen (zweiten) Natur“, Smith von der „Natur des Reichtums der Nationen“, Darwin von einer Naturgeschichte; Comte stellt der Wissenschaft der Biologie die Wissenschaft von der Gesellschaft (Soziologie) zur Seite und bezeichnet beide als „Physik“ – als Naturwissenschaften. Diese Begriffe, ihr Zusammenhang, ihre gesellschaftsgeschichtliche Grundlage sind zu klären.

[Arbeitskreis Kritische Theorie der Naturwissenschaften]

subjektive und objektive momente physikalischer erkenntnis.

Donnerstag | 28. November | 19 Uhr | Uni Jena | Hörsaal 9 (Carl Zeiss Str. 3)

Subjektive und objektive Momente physikalischer Erkenntnis

Vortrag und Diskussion mit Jörg Huber

Ihre naturwissenschaftliche Grundlagenforschung stellen Wissenschaftler gerne als Selbstzweck dar, den sie aus reiner Neugierde verfolgen würden. Sie möchten Gesetze finden, denen die Natur folgt, und damit zur Akkumulation menschlichen Wissens beitragen. Ihr gemeinsames höchstes Ziel ist die lückenlose Erklärung der ganzen Welt durch solche Gesetze. Die Gesellschaft soll die Mittel für diese Forschung bereitstellen, die Wissenschaftler fühlen sich aber im Zweifelsfall nicht dafür verantwortlich, wie ihre Erkenntnisse genutzt werden. Die Gesellschaft soll also auch die Verantwortung für den Gebrauch ihrer Resultate übernehmen. Wie aber können dann diese Resultate ganz unabhängig von der Gesellschaft sein und die Natur einfach so erklären, wie sie an sich ist? Der naive Glaube an die absolute Objektivität der Naturwissenschaften liefert eine bequeme Rechtfertigung für wissenschaftliche Verantwortungslosigkeit, die scientific community erteilt ihrem insgesamt blinden Treiben damit selbst die Absolution. Demgegenüber skeptische Positionen erschöpfen sich häufig darin, inhumane technische Anwendungen naturwissenschaftlichen Wissens auf ethische Mängel zurückzuführen.

Der eigentümliche Status des Wissens, das die naturwissenschaftliche Grundlagenforschung liefert, lässt sich aber nur ernsthaft kritisieren, wenn der unüberbrückbare epistemologische Spalt zwischen der Natur und unserer Vorstellungen von ihr nicht unterschlagen wird. Die Naturwissenschaften können gar keine völlig objektive Beschreibung der Natur liefern, da ihre Erkenntnisformen historischen Ursprungs sind. Naturwissenschaftliche Theorien als Funktionsweise oder gar als Schöpfungscode der Natur auszugeben, erweist sich als ideologischer Abdruck gesellschaftlicher Verhältnisse. Um dieser Erscheinung von Ideologie auf die Spur zu kommen, wird sich der Vortrag anhand bekannter Beispiele erkenntniskritisch mit dem Verhältnis naturwissenschaftlicher Theorie zu ihrem spezifischen Gegenstand befassen. Die theoretische Entwicklung der Himmelsmechanik zeigt die enormen Wandlungen auf dem Weg zur ersten allgemeingültigen physikalischen Theorie, deren Gegenstand, die Ordnung der Himmelskörper, dabei gegenüber irdischen Maßstäben starr geblieben ist. Aus der Himmelsmechanik entstand dann die heutige theoretische Mechanik, die noch mehrfach reformuliert wurde, obwohl keine grundsätzlichen Probleme bei ihren bekannten mechanischen Experimenten aufgetreten waren. Daher liegt die Frage nahe, inwieweit solche Reformulierungen von gesellschaftlichen Veränderungen abhängen. Der enorme Erfolg der Relativitätstheorie degradierte die klassische Mechanik dann zum wichtigsten Spezialfall allgemeingültigerer Gesetze. Und die Kantische Vorstellung, dass Raum und Zeit bloße Formen unserer Anschauung seien, geriet ins Wanken.

[Arbeitskreis Kritische Theorie der Naturwissenschaften]

zum begriff der natur und der wissenschaft bei marx.

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Mittwoch | 13. November | 19:00 Uhr | Hörsaal 9 | Carl Zeiss Str. 3 | Uni Jena

Zum Begriff der Natur und der Wissenschaft bei Marx

(In Memoriam Alfred Schmidt)

Vortrag und Diskussion mit Martin Blumentritt

Die Überlegungen der Frankfurter Kritischen Theorie in den frühen 60er Jahren kreisten um einen Materialismus der „zweiten Natur”. Alfred Schmidts Dissertation über die Lehre der Natur bei Karl Marx suchte nicht bloß interpretierend, die Kritische Theorie weiterzuführen. Durch den erneuten Rekurs auf Marx konkretisierte er die Kritik an der auf Engels zurückgehenden Variante der Marx-Interpretation, die zu einer Trennung von historischem und dialektischem Materialismus und der Vorordnung eines naturalistisch-ontologischen Materialismus vor dem historischen führte. Die alten Materialisten hätten in der Sache, nicht in der Form, recht gehabt, die die Stärke des Idealismus war:

„Es gibt in der idealistischen Philosophie Fragestellungen, die mit der idealistischen Form, in der sie vorgetragen werden, nicht abgetan sind. Der deutsche Idealismus von Kant bis Hegel, an den Marx bewußt angeknüpft hat, zeigt, daß die uns umgebende Welt keine bloß an sich seiende, sondern ebensosehr eine für und durch uns seiende Realität ist. Freilich hat der Idealismus diese Abhängigkeit des Objektiven vom Subjektiven, indem er sie aussprach zugleich mystifiziert, und zwar deshalb, weil er die subjektive Konstitution dessen, was wir Erfahrungs- und Dingwelt nennen radikal entstofflichte und dadurch die Sache verdunkelte.”[1]

Mit dem Begriff der „gegenständlichen Tätigkeit” hielt Schmidt die Vermitteltheit des unmittelbar Vorfindlichen gegen die idealistischen Formen fest und arbeitete eine Alternative zu Engels ontologischer Naturdialektik heraus, wodurch der erkenntnistheoretischen Abhängigkeit der Objektwelt und ontologischen Unabhängigkeit gleichermaßen Rechnung getragen wird. Aus der Perspektive von Kants negativer Metaphysik und Hegels Produktionslogik diskutierte Schmidt das Verhältnis erster und zweiter Natur mittels der Interpretation der marxschen Texte in Hinsicht auf ihr Naturverhältnis.

[1] Alfred Schmidt, in: Die „Frankfurter Schule” im Lichte des Marxismus, Frankfurt a. M. 1970, S 135

Eine Veranstaltung in der Veranstaltungsreihe „Momente einer kritischen Theorie der Naturwissenschaften“ des Arbeitskreises Kritische Theorie der Naturwissenschaften Jena.

marx, der marxismus und die ökologische krise.

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Montag | 8. Juli | 19 Uhr | HS 8 | Universität Leipzig

Marx, der Marxismus und die ökologische Krise

Christoph Görg*

Marx hat als Zeitgenosse der Industrialisierung schon sehr früh auf problematische Konsequenzen einer schrankenlosen Ausbeutung der Natur aufmerksam gemacht. Allerdings stehen diese Bemerkungen nicht im Zentrum seiner theoretischen Arbeiten – und sie wurden von seinen Nachfolgern im Parteimarxismus kaum aufgegriffen. Es bedurfte ab den 1960er Jahren erst der umfangreichen Diskussionen zur Rekonstruktion der Marxschen Theorie, um den nicht-ontologischen Materialismus (A.Schmidt) der Marxschen Theorie wie den möglichen Beitrag dieser Theorie zur Thematisierung der Krise gesellschaftlicher Naturverhältnisse herauszuarbeiten.

* Christoph Görg leitet das Departement Umweltpolitik des Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

[marxexpedition]

natur und arbeit. über die rolle der praxis bei karl marx.

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Di | 25. Juni | 19 Uhr | Hörsaalgebäude | HS 7 | Universität Leipzig

Natur und Arbeit: Über die Rolle der Praxis bei Karl Marx

Christian Schmidt*

Das aufgelöste Rätsel der Geschichte, schreibt der junge Marx, sei „als vollendeter Naturalismus Humanismus, als vollendeter Humanismus Naturalismus“. Die rätselhafte Formulierung führt direkt ins marxsche Denken des Verhältnisses von Mensch und Natur, in dem der Mensch einerseits selbst Teil der Natur ist, andererseits dieser aber auch schaffend gegegübersteht, die Natur und sich selbst als einen Teil von ihr überformt und sich aneignet. Doch eine Spannung bleibt trotzdem bestehen. Noch in der Kritik des Gothaer Programms weist Marx die Sozialdemokraten zurecht, die die Arbeit zur einzigen Quelle des Reichtums erklärten: Auch die Natur ist Reichtum.

*Christian Schmidt lehrt am Institut für Philosophie der Universität Leipzig.

Siebter Vortrag der Reihe MarxExpedition 2013.

exkursion: kulturlandschaft als zoo-natur.

exkursion saaletal

Tagesexkursion im Rahmen des Werkleitz Festival ZOO

Datum: Sonntag, 5. Juni, von 10 bis 17 Uhr
Start: Begrüßung und Einführung 10 Uhr in der Ökoschule Halle-Franzigmark
Ziel: Dobis bei Wettin

Wilde Tiere – Lamas, Straußen und Frischli-Milchkühe – ursprüngliche Natur – Trockenrasenweiden, Rapswiesen, malerische Robinienhaine und Dorfeichen, dies sind die Bilder einer idyllischen Heimattour entlang der Saale.
Birkenbewachsene Steinbrüche, archetypisch Kolonistendörfer, die Bergmannshügel von Johannashall und Teutschenthal, Windmühlenparks am Horizont und Fichten umstandene Jägerhüttenromantik erweitern den Erlebnisbereich der Route.
Besuchen sie mit uns eine Landschaft, die seit Jahrhunderten handgemacht und mit Leidenschaft gehegt ist, entdecken Sie die sommerlichen Fisch- und Badegründe an hellem Strande.
Die Exkursion startet mit einer kurzen Einführung in der Ökoschule Halle-Franzigmark. Ziel ist Dobis bei Wettin, dort wird ab 15 Uhr an der ehemaligen Schmiede ein Imbiss angeboten.
Für diejenigen, die nicht selbst mit dem Rad zurückfahren wollen, kann auf Anfrage ein Bus mit Fahrradmitnahme nach Halle organisiert werden (Kosten: etwa 6 Euro). In Domnitz (Saalkreis), 7 km von Dobis entfernt, erreichen Sie die Regionalbahn HEX in Richtung Halle (Saale). Abfahrtzeiten, 17:20 und 19:19 Uhr (ohne Gewähr).

Die Fahrrad-Exkursion durch das Untere Saaletal findet im Rahmen des Werkleitz Festivals ZOO statt. Die im Titel behauptete Analogie zwischen Kulturlandschaft und einer Natur, wie wir sie aus dem Zoo kennen, wirft Fragen auf: Wie hat sich die Kulturlandschaft in unserer Umgebung entwickelt, welche Erwartungen knüpfen wir an ihre Erhaltung und welches Bild wollen wir in ihr wiedererkennen?
Für die Exkursion wird eine kartierte Route mit exemplarischen Stationen entlang der Strecke vorbereitet.

Heizer, mehr Kohlen! Volle Kraft voraus!

Ökologischer Raubbau und alternative Energie

08.12.2010, 19:00 Uhr, Leipzig, B12, Braustr. 20

Ende 2009 hat die Staatengemeinschaft sich bei der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen dazu aufgerafft, eine Erklärung „zur Kenntnis zu nehmen“, in der das Ziel ausgegeben wird, die Erwärmung des Klimas auf 2 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Diese Erklärung ist nicht bindend. Sie wird also, soviel ist sicher, das Papier nicht wert sein, auf dem sie gedruckt ist. Grundsätzlich bietet sich natürlich auch noch eine andere Möglichkeit: eine Strategie zu entwickeln, mit den sich verändernden Klimabedingungen zurecht zu kommen. Die Industrie- und Schwellenländer jedenfalls tragen ihre wirtschaftliche Entwicklung auf dem Rücken der weniger entwickelten Länder aus, indem sie ungerührt fossile Energieträger verheizen und mit dem CO2-Ausstoß den Klimawandel weiter befördern. Eine Wende scheint nicht in Sicht. Oder doch? Wie sieht es mit dem Ausbau erneuerbarer Energien aus, den ja gerade Kanzlerin Merkel immer propagiert und als wichtigen Eckpunkt der Energiepolitik festgelegt hat? Dank des noch unter rot-grün beschlossenen Enrneuerbare-Energien-Gesetzes lässt sich inzwischen mit regenerativen Energien prächtig Geld verdienen. Kann deren Ausbau also schnell genug voran kommen, um die Erwärmung des Weltklimas zu begrenzen? Unterstützt die Politik noch zu stark die konservative Energiegewinnung? Im Bereich der Kernkraft erleben wir ja gerade einen Rollback zurück zu konservativer Energiegewinnung. Aber ist der in diesem Bereich nicht vielleicht sogar notwendig, um den Schritt vom „Kohlenstoffverbrennungszeitalter“ hin zu einer ökologischeren Form zu schaffen? Als „Brückentechnologie“, wie Angela Merkel es nennt? Ist der Protest gegen den Castor-Transport somit vielleicht nur Ausdruck einer zynischen Haltung, die die Lebensgrundlage von Millionen von Menschen, die unmittelbar Opfer des Klimawandels werden, gegen die eigene gemütliche Nachtruhe einzutauschen bereit ist? Wie wirkt sich der Ausbau regenerativer Energien sozialpolitisch aus? Sind die vier großen Energiekonzerne wirklich nur Verhinderer oder vielleicht auch Förderer einer energiepolitischen Wende? Diese und andere Fragen werden im Vortrag mit anschließender Diskussion behandelt.