Tag-Archiv für 'geschlechterverhältnis'

„be like others“. zur zwangsheterosexualität im iran.

Mi | 23. Juli | 20 Uhr | B12 | Braustraße 20 | Leipzig

„be like others“ – Zur Zwangsheterosexualität im Iran

Filmabend und Diskussionsveranstaltung

In dem Dokumentarfilm Be like others (2008) von Tanaz Eshaghian werden Menschen im Iran begleitet, die eine Geschlechtsumwandlung vornehmen lassen. Diese seit 1983 durch eine Fatwa Ajatollah Khomeinis erlaubte Praxis wird im Westen häufig als exotische Abweichung von der rigiden iranischen Sexualmoral gehandelt. Bei genauerer Betrachtung jedoch wird deutlich, dass es sich für die meisten Betroffenen mitnichten um eine Geschlechtsbestätigung, also eine äußere Angleichung an das Geschlecht dem sie sich zugehörig fühlen, sondern um eine brutale Form von Zwangsheterosexualität handelt. Die Mehrheit der Betroffenen sind Homosexuelle, die sich operieren lassen, um mit ihrem Partner unbehelligt zusammenleben zu können. Sie sehen sich somit gezwungen eine Geschlechtsidentität anzunehmen, der sie sich nicht zugehörig fühlen. Im Iran werden homosexuelle Handlungen mit der Todesstrafe verfolgt. Seit der Islamischen Revolution 1979 wurden mehrere Tausend Männer, oftmals öffentlich, hingerichtet. Dies gilt jedoch nicht nur für Männer, so werden ebenfalls sexuelle Handlungen zwischen Frauen mit dem Tode bestraft, jedoch “erst” bei der vierten Wiederholung.

Eine Veranstaltung im Rahmen der bundesweiten antifaschistischen Kampagne „Schall & Wahn. Den Kampftag der antisemitischen Internationale verunmöglichen.

[http://emanzipationundantifa.wordpress.com/]

atari geburtstag #6.

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Sa | 3. Mai | 15:00 | Atari | Kippenbergstraße 20 | Leipzig

ab 15 Uhr:
Lesungen, Musik & Performance im Garten (u.a. mit Marcel Raabe)
+ Kaffee & Kuchen

17 – 18 Uhr
Coco Lowres (karl marx land)
Zone Funk, Synthie Fou & Quietschemelodien

18 Uhr Vortrag:
Von der Menschwerdung der Frau – Zur Entwicklung des Frauenbildes und der Frauenbewegung

Re­fe­ren­tin: Sab­ri­na Za­cha­nassi­an

Ein Groß­teil der Be­völ­ke­rung hält den Eman­zi­pa­ti­ons­pro­zess der Frau­en in der west­li­chen Welt im Gro­ßen und Gan­zen für ab­ge­schlos­sen.Ge­ra­de die 68er-​Be­we­gung wird hier­für häu­fig als Stein des An­sto­ßes ver­stan­den. Es ist je­doch frag­lich, ob die 68er-​Frau­en tat­säch­lich stär­ker bei­spiels­wei­se an den po­li­ti­schen Ak­tio­nen teil­hat­ten und ob das Kon­zept der frei­en Liebe sich nicht eher am In­ter­es­se der männ­li­chen „Re­vo­lu­tio­nä­re“ ori­en­tier­te. Slo­gans wie: „Wer zwei­mal mit der Sel­ben pennt, ge­hört schon zum Es­ta­blish­ment“ stim­men doch da sehr nach­denk­lich. Neben der Be­trach­tung die­ser fe­mi­nis­ti­schen Geh­ver­su­che, die zur zwei­ten Frau­en­be­we­gung führ­ten soll un­ter­sucht wer­den, wie sich der weib­li­che Eman­zi­pa­ti­ons­pro­zess und das Frau­en­bild über die Jahr­hun­der­te hin­weg ge­wan­delt hat – von vor­christ­li­chen Zei­ten bis hin zu der mo­der­nen, eman­zi­pier­ten aber auch vier­fach be­las­te­ten Frau, die so­wohl die weib­lich kon­no­tier­ten wie die männ­li­chen Auf­ga­ben in sich ver­eint. Diese ver­schie­de­nen Iden­ti­tä­ten, die be­son­ders die Frau­en ver­in­ner­licht haben wer­den durch den ge­gen­wär­ti­gen Fe­mi­nis­mus und der Queer-​Be­we­gung oft als viele, ne­ben­ein­an­der­ste­hen­de Dif­fe­ren­zen po­si­ti­viert. Ist diese Be­wer­tung aber nicht le­dig­lich ein Zu­ge­ständ­nis an die An­for­de­run­gen der ge­gen­wär­ti­gen ge­sell­schafts-​öko­no­mi­schen Ver­hält­nis­se? Haben sich die Frau­en wirk­lich be­freit? Oder folg­ten sie nur immer wie­der ge­hor­sam den ge­sell­schaft­li­chen Not­wen­dig­kei­ten? Sind die Frau­en am Ende gar die mo­der­nen Män­ner?

Weitere Infos zu:
Meine Frauengruppe: http://meinefrauengruppe.blogsport.de/
Inhalt des Vortrags: http://meinefrauengruppe.blogsport.de/2012/08/11/von-der-menschwerdung-der-frau/

ab 20 Uhr:
Afterlife Kids (Emo violence)
http://afterlifekidsmosh.bandcamp.com/
Koeter (Punk)
http://kkoeter.bandcamp.com/
Minus Apes (Hc/Punk)
Portree (Indie/Post-Punk)
http://portree.bandcamp.com/
Smutecní Slavnost (Atmospheric Black Metal)
http://smutecnislavnost.bandcamp.com/

danach punkrock-disco mit flash gÜnther, eleanor abernathy, dj leno, volker hörtdiesignale, dj schwartenkracher, roy busch van ille

ab 1 Uhr:
(minimal/techno), vakum (dark techno), lxc (dnb) massive beschwerden (techno)

“nelkenrevolution”. 40 jahre precärer aufbruch in portugal.

Mi | 30. April | 18 Uhr | translib | communistisches labor | Lütznerstraße 30 | Leipzig

Eröffnungsveranstaltung: “Nelkenrevolution” – 40 Jahre PRECärer Aufbruch in Portugal.

„Processo Revolutionario Em Curso“ = „anhaltender revolutionärer Prozess“, abgekürzt PREC, wird heute die „Nelkenrevolution“ und was sie bewegt hat in Portugal genannt.

Wir wollen diese „vergessene Revolution“ am Rande Europas ins Zentrum der Gegenwart, unserer Wahrnehmung bringen – in eine heute noch weiter verschärft krisenhafte Aktualität, deren Alltag ähnlich prekär ist für lohnabhängige Menschen überall, wie sie es bei dem Aufbruch in Portugal vor 40 Jahren war. Und diese – wie jede – Revolution war selbst äusserst brüchig, ja gebrochen, eben prekär: so in ihrer Klassenzusammensetzung, ihren widerspruchsvollen sozialen Interessen-Triebkräften, was in ihrem politischen Durchbruch, Aufbruch und Abbruch als Tumult und „Chaotisierung“, als „Ordnung“ und „Demokratisierung“ erschien. So im Geschlechterverhältnis, im Aufbruch der Frauen aus dem klerikal-faschistischen und unterentwickelt-kapitalistischen Muff patriarchalischer Ausbeutung … Und auch der feministische Emanzipationsanlauf brach sich zunächst noch während jener Revolution an dem Machismo und Sexismus, der in Portugal – natürlich nicht nur dort — bis heute fast ungebrochen dominant geblieben ist.

Aus Anlass der Gründung der portugiesischen Frauenselbstbefreiungsorganisation MLM (Movimento de Libertaçâo das Mulheres) am 30.April 1974 — wenige Tage nach dem Miltärputsch der antifaschistischen Offiziere & Hauptmänner und am Vorabend des 1.Mai, an dem „die Arbeiterklasse und das Volk“ in Portugals Zentren massenhaft als revolutionäres Subjekt, aber auch als bloße Repräsentation auf die Bildfläche trat – in dieser „Walpurgisnacht“ ist die translib ein Ort der Zugänge und des Zusammentreffens: von Bildern und Dokus, Analysen und Stimmen aus jenen Tagen sowie kritischen Blicken der Jetztzeit … Eine Fete ohne Folklore und Tanz in den Mai. Ein Büffet mit Portwein soll es aber geben.

Diese Veranstaltung ist der Beginn einer längeren Reihe zur sogenannten Nelkenrevolution, die vom 30.April – 26. Juni 2014 stattfindet. Im Rahmen der Reihe veranstalten wir Seminare, Filmabende und Diskussionen zu Ereignisgeschichte und dem Verlauf des letzten sozialrevolutionären Anlaufs in Europa.

[translib]

faschismus und sexualität in film und popkultur.

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So | 13 April | 8pm | UT Connewitz | Leipzig

Lecture and film: 8/6 (red.)

Faschismus und Sexualität in Film und Popkultur

Lecture von Marcus Stiglegger

Prostitution und Perversion, Dominanz und sexuelle Hörigkeit gehören zum Kernbestand der reißerisch-sexualisierenden und auf maximale Sensationsbefriedigung zielenden Themen und Motive, die das Medium Film für die Darstellung faschistischer Gesellschaften heranzieht. Ausgehend von dieser Verquickung von Sexualität, Grausamkeit und Politik wird Film- und Kulturwissenschaftler Marcus Stiglegger ans Mainstream- und Autorenkino anknüpfen. Beginnen wird er mit den siebziger Jahren und höchst ambitionierten, politisch und philosophisch aus ihrer Zeit heraus inspirierten Produktionen, zu denen etwa Pasolinis „Salò – Die 120 Tage von Sodom“ oder Viscontis „Götterdämmerung“ zählen; um dann den Unterschied zu sensationsbetonten Nachziehern zu treffen, die das vermeintliche Erfolgsrezept der prominenten Vorgängerfilme in einen softpornografischen Kontext überführen.

Anhand von Filmbeispielen führt Stiglegger ebenso zu maßgeblichen Vertretern des exploitativen und nicht-trivialen Kinos, indem er nach Funktion und Resonanz mal subtiler, mal plakativer Zitate faschistischer Symbolik in der Popkultur fragt. Welche Verwendung finden Kult- und Fetischformen des Faschismus in den Rock’n’Roll-Posen eines Marilyn Manson und der kritischen Überaffirmation der Band Laibach?

Im Anschluss: Salon Kitty (IT 1976, R: Tinto Brass, D: Helmut Berger, Ingrid Thulin, Teresa Ann Savoy, 102’, dF, 35mm)

SS-Offizier Wallenberg funktioniert das Edelbordell „Salon Kitty“ zur Abhöreinrichtung um. Ausländischen Diplomaten und hochrangigen Nazi-Funktionären werden von ebenso willigen wie parteitreuen Damen Geheimnisse entlockt. Desertationspläne werden öffentlich, eine Exekution folgt. Die Prostituierte Margharete und Puffmutter Kitty wollen dem Recht wieder zur Geltung verhelfen und beginnen, Wallenberg zu sabotieren. Neben der exzellenten Regiearbeit von Tinto Brass besticht das außergewöhnliche Setdesign von Ken Adam, der schon an Kubricks „Barry Lyndon“ mitarbeitete.

geschlecht und arbeit. vorbereitungstreffen für einen lesekurs zur kritik des geschlechterverhältnisses.

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Mi | 2. April 2014 | 19:00 Uhr | translib | Lütznerstraße 30 | Leipzig

Geschlecht und Arbeit. Vorbereitungstreffen für einen Lesekurs zur Kritik des Geschlechterverhältnis.

Eine Kritik des Geschlechterverhältnisses ist ihrem Gegenstand entsprechend eine Kritik aller Lebensbereiche. Der längerfristig angelegte Lesekurs zur Kritik des Geschlechterverhältnisses möchte sich zunächst zwei Komplexen widmen: der Erarbeitung der Genese der modernen Geschlechter- und Arbeitsverhältnisse und der Kritik der feministischen Ökonomiekritik.

In der Geschichte hat sich das Verhältnis der Geschlechter zueinander bisher als Formwechsel der Magdschaft vollzogen, als jeweils historisch spezifische Formen der Herrschaft der Männer über die Arbeitskraft der Frauen und Kinder. Um die gegenwärtigen Veränderungen der Arbeits-, Geschlechter- und Familienverhältnisse historisch materialistisch zu kritisieren, müssen wir die historische Genese dieser Verhältnisse von der Herausbildung der kapitalistischen Produktionsweise bis heute nachvollziehen. Dabei müssen wir uns klar machen, was es heißt, methodisch historisch materialistisch vorzugehen.

Auch wenn der Kapitalismus die Möglichkeit der Gleichheit aller – als gleiche Anwendungsmöglichkeit der Arbeitskraftbehälter durch das Kapital – hervorgebracht hat, ist die gesellschaftliche Arbeitsteilung immer noch entlang der Geschlechterhierarchie organisiert. Da die meiste unbezahlte reproduktive Arbeit von Frauen verrichtet wird, wurde von manchen Strömungen der feministischen Theorie infrage gestellt, dass das Kapital tendenziell alle Menschen zu doppelt freien Lohnarbeiter_innen mache. Die Rezeption der Akkumulationstheorie von Rosa Luxemburg spielte dabei für den Feminismus eine große Rolle. Gezeigt werden sollte, dass die kapitalistische Verwertung des Werts notwendig auf nicht direkt über den Markt vermittelte Arbeit angewiesen bleibe, die kapitalistische, warenproduzierende Produktionsweise also von unbezahlter Haus- und Pflegearbeit von Frauen abhängig sei.
Die feministische Theorie, die in den letzten Jahren unter dem Titel „feministische Ökonomiekritik“ aufgetreten ist, schließt an diese Rezeptionslinie an, größtenteils ohne sich der Kritik, die an Luxemburgs Akkumulationstheorie und deren feministische Rezeption geübt wurde, zu vergegenwärtigen oder in ihr Denken einzuarbeiten.

Bei einem ersten Treffen in der translib werden wir überlegen, wie wir vorgehen wollen.

[http://translibleipzig.wordpress.com/]

aileen. life and death of a serial killer.

Die | 11. März 2014 | 20:00 Uhr | Wohn- und Kulturprojekt B12 | Braustraße 20 | Leipzig

Film und Abendküche in der B12 | Abendküche ab 20 Uhr. | Film ab 21 Uhr. | Eintritt frei.

Aileen – Life and Death of a Serial Killer

89 MIN // 2004 // USA // FSK: AB 16

Aileen Wuornos, Amerikas erste verurteile Serienmörderin, nach einem Jahrzehnt in der Todeszelle. Seinerzeit eine Sexarbeiterin, erschoss sie 7 Männer ihrer Aussage nach in Notwehr – ihre Geschichte wurde von Hollywood unter dem Titel Monster verfilmt. Einerseits will Aileen nun endlich sterben, und erzählt deshalb laut, dass sie eine kaltblütige Mörderin sei und es keineswegs Notwehr war. Andererseits erträgt sie nicht, dass dadurch ihre Vergewaltiger in einem guten Licht erscheinen und immer wieder bricht die Wut aus ihr heraus. Und schließlich haben viele objektive Ungereimtheiten und Polizeiskandale um den Prozeß sie nach einem Jahrzehnt in der Todeszelle paranoid werden lassen – sie glaubt, die Polizei versuche, mit Funkwellen ihre Gedanken zu manipulieren. Zwischen diesen Polen oszillieren die Gespräche des Dokumentarfilmers Nick Broomfield mit Aileen, und zurück bleibt das Bild einer Frau, vor der man keine Angst haben muß.

who cares? feministische ökonomiekritik in zeiten der krise.

Mo | 10. März 2014 | 19:00 Uhr | 2eK | Zweinaundorfer Straße 22 | Anger-Crottendorf | Leipzig

Who Cares? Feministische Ökonomiekritik in Zeiten der Krise.

Referentin: Anna Dohm, Berlin

In Zeiten einer massiven globalen Krise macht sich ein Wiederaufblühen feministischer Kapitalismuskritik bemerkbar. Kämpfe beispielsweise gegen Zwangsräumungen in Spanien, der Aufbau von selbstverwalteten Gesundheitszentren in Griechenland oder den Besetzungen von Theatern und Kinos in Italien verweisen darauf, dass sich die sozialen Kämpfe der letzten Krisenjahre neben den zahlreichen Generalstreiks und Streikbewegungen nicht allein um die Lohnarbeit drehen. Deutlich drehen sich die Kämpfe und das Fragen nach Emanzipation, um Belange jenseits entlohnter Arbeitsverhältnisse – in Bereichen der sozialen Reproduktion.

Damit aktualisiert sich ein altes feministisches Aufbegehren: die Frage nach dem tendenziell gesellschaftlich Unsichtbarem. Oder nach den vielen notwendigken ‘Kleinigkeiten’ des Alltags, die sich als Versorge-, Vorsorge-, Fürsorge-, Entsorge-, Besorge- und Umsorge-Arbeiten beschreiben lassen. Nicht zuletzt sind es die realen Fakten die unter Anderem darauf verweisen, dass mit zunehmenden Privatisierungsprozessen, wie beispielsweise in Griechenland durch die Krisenmaßnahmen der Troika, der Anteil an unentlohnten Pflege- und Sorgearbeiten in den Familien massiv ansteigt.

Wer macht all diese vielleicht banal erscheinenden aber so gesellschaftlich wichtigen Arbeiten? Und unter welchen Bedingungen werden sie verrichtet? Hat die Krise ein Geschlecht? Diesen Fragen wollen wir uns am 10. März gemeinsam widmen nicht zuletzt um zu fragen: Was hat das mit unserem eigenen Leben und unserem politischen Aktivismus zu tun?

jenny & eleanor marx.

sa | 15. februar 14 | 20:30 uhr | frauenkultur | windscheidstr. 51 | leipzig

Jenny & Eleanor Marx. Zwei Frauen im Schatten eines Genies
-LITERARISCH-MUSIKALISCHES PROGRAMM-

Ein fiktives Gespräch zwischen Mutter und Tochter – musikalisch kommentiert
- anlässlich des 200. Geburtstages von Jenny Marx am 12. 2. 2014

BEATRICE BERGNER, Schauspielerin
GISELA GULU, Journalistin
PETRA PATZER, Gitarristin

Eleanor: „Liebste Mama, warum nur hast du diesen Mann geheiratet, der dir so viel Kummer gebracht hat? Als Ballkönigin von Trier hättest Du doch eine gute Partie machen können…“ Jenny: „Ach Kind, ich habe ihn geliebt, solange ich denken kann. Und so schwer unser Leben auch war, in Herz und Geist war es doch reich. Außerdem: Wir wollten beide, dass Not und Armut für immer verschwinden.“

Dieses Gespräch ist nie geführt worden. Im Hause Marx sprach man nicht über so intime Dinge und versuchte tunlichst, die bittere Armut nach außen hin zu kaschieren. Wie die verwöhnte Jenny von Westphalen dieses Leben ertragen hat, ist bewundernswert. Immer im Exil: Paris, Brüssel, dann 30 Jahre London, viele davon im Elendsviertel Soho, wo vier der sieben Kinder starben. Immer ist diese Frau standhafte und starke Gefährtin eines Mannes gewesen, der für das Glück der Menschheit kämpfte. Die eigene Familie gehörte eher nicht dazu. Erst als die jüngste Tochter, Eleanor – genannt Tussy – geboren wurde, ging es langsam bergauf – auch dank der ständigen, oft lebensrettenden Unterstützung durch Friedrich Engels. Und doch ließen sich weder Jenny noch Eleanor beirren in ihrer Leidenschaft für die Sache, der Karl Marx sein Leben geweiht hat.
Ohne diese beiden Frauen und ihre unermüdliche Mitarbeit hätte Karl Marx niemals der sein können, der er war. Ihre eigenen Leistungen sind darüber fast in Vergessenheit geraten: Jenny z.B. als Korrespondentin der „Frankfurter Zeitung“, Eleanor als mutige Streiterin für Frauenrechte, die sich mit 43 Jahren als unglücklich Liebende das Leben nahm.

wer sind ‚wir‘ kritiker_innen des subjekts – und was können ‚wir‘ wollen?

Donnerstag | 30. Januar 2014 | 19 Uhr | Audimax | Hörsaal XXII | Universität Halle

Wer sind ‚wir‘ Kritiker_innen des Subjekts – und was können ‚wir‘ wollen?

Hanna Meißner (ZIFG, Berlin)

Das autonome, vernunftbegabte, selbst-identische Subjekt, das als Garant von Erkenntnis fungiert und selbstbestimmt über sein Handeln verfügt, befindet sich in einer anhaltenden Krise. Nicht zuletzt von feministischer (und) poststrukturalistischer Seite wurde dieser emphatische Subjektbegriff in Frage gestellt und als euro- und ethnozentrisches Phantasma kritisiert.
Was bedeutet aber eine solche Subjektkritik? Zielt sie darauf, dass es ein autonomes Subjekt nie gegeben hat? War es ein Irrtum oder eine ideologische Verblendung? Oder geht es darum, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse derart verändert haben, dass es nun (in der ‚Postmoderne’) kein autonomes Subjekt mehr gibt?
Und welche Konsequenzen hat die fundamentale Infragestellung des autonomen Subjekts für (queere) Politik?
Wie lassen sich Kritik- und Handlungsfähigkeit, wie lässt sich Verantwortung denken, ohne dass ein vorgängiges, intentionales Subjekt vorausgesetzt wird? Wer kritisiert dieses Subjekt eigentlich überhaupt – und von welcher Position aus?
Um diese Fragenkomplexe anzugehen, erscheint es sinnvoll, Judith Butlers Hinweis aufzunehmen, dass etwas (fundamental) in Frage zu stellen nicht heißen muss es als Irrtum oder als unwirklich zu verwerfen: Das (autonome) Subjekt ist zugleich phantasmatische Gestalt und wirkmächtige Realität.
Anhand der Arbeiten von Butler, Foucault und Marx werden zunächst die Bedingungen einer historischen Konstellation skizziert und in der Autonomie (als Verleugnung fundamentaler Abhängigkeiten) eine Bedingung subjektiver Handlungsfähigkeit dargestellt. Anschließend soll darauf eingegangen werden, inwiefern eine Kritik, die an der Gewaltsamkeit dieser Verleugnung ansetzt, eine immanente Kritik ist; eine Kritik, die konstitutiv in die Bedingungen verhaftet ist, gegen die sie sich richtet.
Gayatri Spivak und Donna Haraway aufgreifend ließe sich sagen, dass die Figur des Subjekts etwas ist, was ‚wir’ nicht begehren können – und dennoch kritisieren müssen.

Hanna Meißner ist derzeit wissenschaftliche Mitarbeiter_in am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG) an der TU Berlin. Sie hat an der FU Berlin Soziologie, Politikwissenschaften, Psychologie und Niederlandistik studiert und wurde an der HU Berlin promoviert.

Meißner, Hanna (2012): Jenseits des autonomen Subjekts. Zur gesellschaftlichen Konstitution von Handlungsfähigkeit im Anschluss an Butler, Foucault und Marx. Bielefeld: transcript

Meißner, Hanna (2012): Butler: Grundwissen Philosophie. Stuttgart: Reclam

Bath, Corinna/Meißner, Hanna/Trinkaus, Stephan und Völker, Susanne (2013): Geschlechter Interferenzen: Wissensformen – Subjektivierungsweisen – Materialisierungen. Münster: LIT

[queer einsteigen]

der postmoderne körper – „ort der gelebten möglichkeiten“? eine feministische analyse des umgangs mit körperlichkeit und weiblichkeit in der postmoderne.

Donnerstag | 16. Januar | 19:00 | Hörsaalgebäude der Universität Leipzig HS 1

Der postmoderne Körper – „Ort der gelebten Möglichkeiten“? Eine feministische Analyse des Umgangs mit Körperlichkeit und Weiblichkeit in der Postmoderne

Referentin: Korinna Linkerhand

Die Entwicklung des bürgerlichen Subjekts war notwendig verbunden mit der Spaltung des Menschen in Geist und Körper. Die Herrschaft des sich autonom dünkenden Geistes über den Körper bedeutet seitdem, stets einen Teil der körperlichen Bedürfnisse zu verleugnen. Der gegenwärtige Trend zeichnet sich jedoch eher durch eine weitreichende Sorge um den Körper aus. Er ist zu einem Ort der unendlichen Gestaltung avanciert, in dem sich Bilder von
Ästhetik, Fitness und Selbstkompetenz vereinen sollen. Dies scheint jedoch weniger ein Zeichen von Autonomie als vielmehr der Gewalt gesellschaftlicher Zwänge geschuldet zu sein, von denen vor allem Frauen betroffen sind. Diese Zwänge äußern sich nicht zuletzt darin, dass der Körper zum bevorzugten Austragungsort innerer Konflikte geworden ist.
Spiegelt der destruktive Umgang mit dem Körper einerseits die leidvollen Konflikte des Subjekts mit der Gesellschaft wider, so bleibt ebenso zu fragen, welches emanzipatorische Potential sich im Körperkult ausdrückt. Steckt im Bedürfnis nach der Umgestaltung des eigenen Körpers womöglich ebenso die Anklage gegen das schlechte Bestehende wie der verborgene Wunsch nach individueller Emanzipation?

Eine Veranstaltung von expedition_feminismus.