Tag-Archiv für 'gender'

der postmoderne körper – „ort der gelebten möglichkeiten“? eine feministische analyse des umgangs mit körperlichkeit und weiblichkeit in der postmoderne.

Donnerstag | 16. Januar | 19:00 | Hörsaalgebäude der Universität Leipzig HS 1

Der postmoderne Körper – „Ort der gelebten Möglichkeiten“? Eine feministische Analyse des Umgangs mit Körperlichkeit und Weiblichkeit in der Postmoderne

Referentin: Korinna Linkerhand

Die Entwicklung des bürgerlichen Subjekts war notwendig verbunden mit der Spaltung des Menschen in Geist und Körper. Die Herrschaft des sich autonom dünkenden Geistes über den Körper bedeutet seitdem, stets einen Teil der körperlichen Bedürfnisse zu verleugnen. Der gegenwärtige Trend zeichnet sich jedoch eher durch eine weitreichende Sorge um den Körper aus. Er ist zu einem Ort der unendlichen Gestaltung avanciert, in dem sich Bilder von
Ästhetik, Fitness und Selbstkompetenz vereinen sollen. Dies scheint jedoch weniger ein Zeichen von Autonomie als vielmehr der Gewalt gesellschaftlicher Zwänge geschuldet zu sein, von denen vor allem Frauen betroffen sind. Diese Zwänge äußern sich nicht zuletzt darin, dass der Körper zum bevorzugten Austragungsort innerer Konflikte geworden ist.
Spiegelt der destruktive Umgang mit dem Körper einerseits die leidvollen Konflikte des Subjekts mit der Gesellschaft wider, so bleibt ebenso zu fragen, welches emanzipatorische Potential sich im Körperkult ausdrückt. Steckt im Bedürfnis nach der Umgestaltung des eigenen Körpers womöglich ebenso die Anklage gegen das schlechte Bestehende wie der verborgene Wunsch nach individueller Emanzipation?

Eine Veranstaltung von expedition_feminismus.

von der menschwerdung der frau. zur entwicklung des frauenbildes und der frauenbewegung.

Donnerstag | 5. Dezember | 19:00 Uhr | Hörsaalgebäude der Universität Leipzig | Hörsaal 1

Von der Menschwerdung der Frau – Zur Entwicklung des Frauenbildes und der Frauenbewegung

Sabrina Zachanassian

Ein Großteil der Bevölkerung hält den Emanzipationsprozess der Frauen in der westlichen Welt im Großen und Ganzen für abgeschlossen. Gerade die 68er-Bewegung wird hierfür häufig als Stein des Anstoßes verstanden. Es ist jedoch fraglich, ob die 68er-Frauen tatsächlich stärker beispielsweise an den politischen Aktionen teilhatten und ob das Konzept der freien Liebe sich nicht eher am Interesse der männlichen „Revolutionäre“ orientierte. Slogans wie: „Wer zweimal mit der Selben pennt, gehört schon zum Establishment“ stimmen doch da sehr nachdenklich. Neben der Betrachtung dieser feministischen Gehversuche, die zur zweiten Frauenbewegung führten soll untersucht werden, wie sich der weibliche Emanzipationsprozess und das Frauenbild über die Jahrhunderte hinweg gewandelt hat – von vorchristlichen Zeiten bis hin zu der modernen, emanzipierten aber auch vierfach belasteten Frau, die sowohl die weiblich konnotierten wie die männlichen Aufgaben in sich vereint. Diese verschiedenen Identitäten, die besonders die Frauen verinnerlicht haben werden durch den gegenwärtigen Feminismus und der Queer-Bewegung oft als viele, nebeneinanderstehende Differenzen positiviert. Ist diese Bewertung aber nicht lediglich ein Zugeständnis an die Anforderungen der gegenwärtigen gesellschafts-ökonomischen Verhältnisse? Haben sich die Frauen wirklich befreit? Oder folgten sie nur immer wieder gehorsam den gesellschaftlichen Notwendigkeiten? Sind die Frauen am Ende gar die modernen Männer?

das ist doch krank. psychopathologisierung als normalisierungsmechanismus.

Donnerstag | 5. Dezember | 19 Uhr | Melanchthonianum | Hörsaal XX

Das ist doch krank – Psychopathologisierung als Normalisierungsmechanismus

Corinna Schmechel (Gender Studies, Berlin)

Mit dem Erscheinen der neusten Auflage des DSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders), des international bedeutsamen psychiatrischen Diagnosehandbuches der American Psychiatric Association, ging ein kritischer Aufschrei durch die Medien, in dem die zunehmende Psychopathologisierung diverser Verhaltensweisen und Charakterzüge beklagt wird. Doch emanzipative Psychiatriekritik setzt nicht erst mit der jüngsten Definition von Schüchternheit als „sozialer Phobie“ an.

Psychiatrisches Wissen ist ein wesentliches Instrument gesellschaftlicher Normierung; psychiatrische Diagnosen definieren Verhalten und Charaktere als „(un)normal“ und_oder „krank“ und wirken dadurch stigmatisierend und bis zur Zwangsbehandlung hin gewaltvoll. Sie sind ein Werkzeug zur Etablierung und Stabilisierung sozialer Ordnung, und damit u.a. des heteronormativen Zweigeschlechtersystems. Psychopathologisierung – das Erklären von Phänomen als Symptom oder gar Kern eines psychischen Defekts – spielt eine große Rolle in der Geschichte der geschlechtlichen und sexuellen Devianz, wie feministische Analysen der Diagnose „Hysterie“, die Kämpfe um die Entpathologisierung von Homosexualität und aktuell um die von Trans*Menschen zeigen.

Im Vortrag soll ein Einblick in die Funktionsweise des psychiatrischen Systems (Diagnostizierung, Einweisungspraxen etc.) vermittelt und die Verwobenheit psychiatrischen Wissens mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen aufgezeigt werden. Davon ausgehend wird exemplarisch der Blick auf den Faktor Geschlecht im psychiatrischen Diskurs gelegt. Es wird argumentiert, wie psychiatrisches Wissen einerseits stets durch binäres heteronormatives Wissen vorgeformt ist, und aufgezeigt, wo sich dies in psychiatrischen Diagnosen – von „Hysterie“ bis zur „Geschlechtsidentitätsstörung“ – wiederfindet und durch die Pathologisierung von Nonkonformität reproduziert.

Zur Person:

Cor(inn)a Schmechel studiert Gender Studies in Berlin und ist seit Langem in queerfeministischen und z. T. antipsychiatrischen Zusammenhängen aktiv. Sie schrieb ihre BA-Arbeit an der Universität Potsdam zur Verknüpfung der Psychiatrie mit dem Zweigeschlechtersystem und führte hierzu ein Projekttutorium an der HU Berlin durch.

Ausgewählte Veröffentlichungen:

Schmechel, Corinna (2013): Don’t pathologize this. In: an.schläge – Das feministische Magazin, Mai 2013. Auch online verfügbar unter: http://anschlaege.at/feminismus/2013/04/dont-pathologize-this/

Schmechel, Corinna (2012): Psychiatrie und Geschlechtersystem – Geschlechtsidentität und Psychiatrie. In: Allex, Anne/Halmi, Alice C. (Hrsg.) (2012): Stop Trans*-Pathologisierung: Berliner Beiträge für eine internationale Kampagne. Neu-Ulm: AG SPAK Bücher, S. 29–35

Schmechel, Corinna (2011/12): Wahnsinn und Geschlecht. In: Phase 2 – Zeitschrift gegen die Realität, 41, Heft 2/Winter 2011/2012. Auch online verfügbar unter: http://phase-zwei.org/hefte/artikel/wahnsinn-und-geschlecht-37/

[queer einsteigen]

psychotherapie und heteronormativität. krankheits-, gesundheits- und genesungsvorstellungen von psychotherapeut_innen.

Donnerstag | 28. November | 19 Uhr | Audimax | Hörsaal XXII

Psychotherapie und Heteronormativität. Krankheits-, Gesundheits- und Genesungsvorstellungen von Psychotherapeut_innen

Sabine Flick (Soziologie, Frankfurt am Main)
Moderation: Pia Schmid (Erziehungswissenschaften, Halle)

Der aktuelle Gesundheitsreport der DAK (gesetzliche Krankenkasse) von 2013 berichtet, dass psychische Erkrankungen erstmals an Platz 2 aller Erkrankungen liegen. Immer mehr Menschen machen Psychotherapien und haben mit psychotherapeutischem Wissen in unterschiedlichen Kontexten Kontakt. Die Bedeutung von Psychotherapien als Subjektivierungsinstanz nimmt also zu und diese Entwicklung rückt Psychotherapeut_innen in den Fokus. Gender- sensibilität ist mittlerweile weitläufig Kanon der Psychotherapie-Schulen und ihrer Diskurse. Schwule, Lesben und Bisexuelle können seit einigen Jahren zur psychotherapeutischen Ausbildung zugelassen werden. Dies ist allerdings eine recht neue und nicht abgeschlossene Entwicklung. Bis in die 1990er Jahre versuchte man Homosexuelle von ihrem Leiden zu heilen, und Psychoanalyse tut sich auch heute noch schwer, queere Personen zur Psychotherapie- ausbildung zu zu lassen. Psychotherapie rückt überdies immer wieder in den Fokus (und in die Kritik) wenn es um die „Behandlung“ nonkonformer Ausdrucksweisen von Geschlecht als Geschlechtsidentitätsstörungen geht. Zugleich etablieren sich in Großstädten affirmative Therapien für LGBT Patient_innen. Psychotherapie kann also Normalisierung aber auch Ermächtigung für nonkonforme Lebens- und Liebensweisen bedeuten. Dies macht den Blick auf die Herstellungsweisen von ‘Normalität’ in psychotherapeutischer Praxis und ihre Verknüpfung mit Vorstellungen von Gesundheit und Gesellschaft der Psychotherapeut_innen selbst nötig. Wie wird in Psychotherapien Geschlecht und Begehren thematisch und welche normativen Orientierungen der Psychotherapeut_innen im Hinblick auf Gesundheit sind damit verknüpft? Welche heteronormativen Logiken sind mit psychotherapeutischen Konzepten verbunden? Welche sind relevant?

Sabine Flick, Dr. phil., hat Soziologie, Politikwissenschaften und Psychoanalyse an der Goethe-Universität Frankfurt am Main studiert und in Kassel und Frankfurt promoviert. Sie war in Forschungsprojekten sowie im Forschungsmanagement der Fachhochschule Frankfurt tätig. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mit- arbeiterin am Institut für Soziologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Soziologie der Psychotherapie, Gesundheitssoziologie, Soziologien des Selbst, Soziologie der Emotionen und Persönliche Beziehungen (insb. Freundschaft).
Ausgewählte Veröffentlichungen:
Sabine Flick (2013): Leben durcharbeiten. Selbstsorge in entgrenzten Arbeitsverhältnissen. Frankfurt/New York: Campus Verlag
Flick, Sabine (2012): Nichtangriffspakt. Paradoxien freundschaftlicher Beziehungen in entgrenzter Arbeit. In: WestEnd. Neue Zeitschrift für Sozialforschung, Freundschaft im Kapitalismus, Heft 1&2/2012
Flick, Sabine (2012): Selbstsorge als forschungsleitende Perspektive einer Untersuchung bei Beschäftigten in Banken und Versicherungen.Österreichische Zeitschrift für Soziologie, Heft 4/2012, Vol. 37, S. 337–384

[queer einsteigen]

sex ist nur ein konstrukt. eine kritik an der „überwindung“ von geschlecht, subjekt und geschichte im poststrukturalismus und gender studies.

Fr | 19. Juli | 19:00 Uhr | linXXnet | Bornaische Str. 3d | Leipzig

Sex ist nur ein Konstrukt. Eine Kritik an der „Überwindung“ von Geschlecht, Subjekt und Geschichte im Poststrukturalismus und Gender Studies

Martin Dornis

Dass Geschlecht und Sexualität „Konstrukte“ seien, die es aufzulösen gelte, ist in weiten Teilen der radikalen Linken heute ein Gemeinplatz. Zusammen mit der Sexualität gelten derartigem „Antisexismus“ Geschichte, Subjekt und Metaphysik als zu überwindende Gewaltherrschaften über die „Vielfalt der Lüste und Körper“. Der Vortrag will den Grundlagen derartigen Denkens nachspüren und dabei auch ihren (negativen) Wahrheitsgehalt aufzeigen. Dazu stellt er sich die Frage, welche gesellschaftlichen Verhältnisse dafür sorgen, dass die Rede von der Dekonstruktion des Subjekts und des Geschlechts heute den Nerv nicht nur vieler Linker, sondern den vieler Subjekte unter spätkapitalistischen und postnazistischen Zuständen trifft. Welches Subjekt soll da dekonstruiert werden und wer oder was soll an seine Stelle treten? Es wird dabei um nicht weniger als um die Bedeutung des Geschlechts in der kapitalistischen Vergesellschaftungsform gehen.

lassen sich gesellschaftliche verhältnisse dekonstruieren? feministische rückfragen an die queer-theorie.

Mittwoch | 3. Juli | 18:00 | Carl-Zeiß-Str.3 (Campus) | HS 4 | Jena

Lassen sich gesellschaftliche Verhältnisse dekonstruieren? Feministische Rückfragen an die queer-Theorie

Tove Soiland

Seit Beginn der 1990er Jahre existiert sowohl in der Geschlechtertheorie wie in unterschiedlichsten subkulturellen Lebenszusammenhängen die Vorstellung, dass der Veruneindeutigung der Geschlechtergrenzen resp. der Pluralisierung geschlechtlicher Identitäten ein subversives Potential innewohnt. Geschlechterverhältnisse lassen sich aber ebenso wenig „dekonstruieren“ wie Produktionsverhältnisse. Mit dieser These tritt der Vortrag einer Vorstellung von politischer Veränderbarkeit entgegen, wie sie sich im Umfeld der US-amerikanischen Cultural Studies entwickelt hat, in deren Tradition auch die Queer-Theorie steht.
Im Fokus queerer Kritik stehen sogenannte „Identitätsfestschreibungen“. Gesellschaftliche Verhältnisse erscheinen somit primär als durch „Bedeutung“ konstituiert. Es geht heute aber nicht länger um Bedeutungsfestschreibungen. Was uns auf ideologischer Ebene geschieht, muss vielmehr als De-thematisierung von Geschlecht bei einer gleichzeitig stillschweigenden Feminisierung der Lasten bezeichnet werden.

Tove Soiland ist Feministische Theoretikerin und Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten.

Eine Veranstaltung der Falken Jena in Kooperation mit dem Gleichstellungsreferat der Uni Jena und Falken Thüringen.

positive irritation.

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Mo | 17. Juni 2013

16 Uhr | Goldene Rose | Rannische Str. 19 | Workshop mit Sookee zu „Männlichkeitsbilder im Rap“

21 Uhr | Hühnermanhattan | Hordorfer Str. 4 | Sayes, Sookee und DJ Kai Kani

Wir alle konstruieren Welt. Wir alle assoziieren, haben Bilder und Rahmungen von verschiedenen Rollen im Kopf. Stell dir vor: Beim Spaziergang über die Peißnitz werden Menschen unterteilt in „die schwarze Frau da drüben“ oder „der weiße Junge dort“. Du kennst das vielleicht, wenn Du an „Mann“ denkst und Dir dann gleich ein ganzes Bündel an Zuschreibungen einfällt Vielleicht hast Du auch schon bemerkt, dass der Mensch Dir gegenüber irgendwie aus dem Bild „rausfällt“.
Es gibt verschiedene Ursachen, warum wir diese Bilder im Kopf tragen, aber eines steht fest: Sie sind gemacht und nicht „natürlich“.Also musst Du nicht diesen Bildern entsprechen und diese Einteilung in Welt muss so auch nicht bleiben. Wir können sie verändern. Die Vorstellung des „ewigen“ oder „natürlichen“ ist nichts anderes als sexistische und/oder rassistische Kackscheiße.
Wir wollen mit dir aus dem Rahmen fallen und Musik als ein Medium der Realitätskonstruktion näher betrachten und anhören. Deshalb wollen wir mit Sookee über „Männlichkeitsbilder im Rap“ diskutieren und am Abend gemeinsam mit Sayes, Sookee und DJ Kai Kani den Versuch wagen zu feiern und das so, dass jede*r sich wohl fühlt. Der Abend soll dabei Raum schaffen um gemeinsam zu zuhören, zu diskutieren und zu feiern.

Die Einnahmen des Abends werden für die antirassistische Arbeit der SJD–die Falken und No Lager verwendet.

marx(ismus) und geschlechterverhältnisse. gedanken zu arbeit und liebe.

Mo | 13. Mai | 18 Uhr | Hörsaalgebäude | HS 8 | Universität Leipzig | Augustusplatz 10 | Leipzig

Frigga Haug, „Marx(ismus) und Geschlechterverhältnisse. Gedanken zu Arbeit und Liebe.“

Zweiter Vortrag der Reihe MarxExpedition 2013

Wozu brauchen wir und was heißt eigentlich feministischer Marxismus?

An den beiden Themen Arbeit und Liebe entwickelt Frigga Haug die Geschichte des feministischen Einspruchs im Marxismus. Es geht um die Diskussion des Arbeitsbegriffs, aber auch um die Unterwerfung der Frauen durch die Liebe und den Protest dagegen. Am Ende steht die Skizzierung des Herrschaftsknotens, der den Kapitalismus hält und um Wege seiner Lösung.

*Frigga Haug ist Leiterin des Berliner Instituts für Kritische Theorie.

sookee. refpolk. pyro one. männlichkeitsentwürfe und (hetero-)seximus im deutschsprachigen rap.

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samstag | 20-04-13 | reil78 | halle

[19:00 vortrag]

‚Männlichkeitsentwürfe und (Hetero-)Sexismus im deutschsprachigen Rap‘ [sookee & refpolk/berlin]

Vor dem Konzert in der Reil78 hat que(e)r_einsteigen einen Vortrag von Sookee und Refpolk zum Thema „Männlichkeitsentwürfe und (Hetero-)Sexismus im deutschsprachigen Rap“ organisiert. Kommt zahlreich und holt euch Input vorm gemeinsamen Durchtanzen der Nacht! Der Eintritt zum Vortrag ist frei!


[20.00 live]

Sookee [queer|feminist|rap/berlin]

Refpolk & DJ KaiKani [schlagzeiln|rap/berlin]

Pyro One [zeckenrap|grime|dubstep/berlin]

Es gibt veganes Chilli zum selber schärfen und im Anschluss 90´er Trash-Disko.

MonoPoly: Monogamie-Norm und Polyamory auf dem Spielfeld der Besitzansprüche, der Aushandlungsprozesse und des Bekanntgehens.

01.12.2011, 19 Uhr, Hörsaal XXIII, Audimax, Uniplatz 1, Halle

Gesa Mayer/Robin Bauer

„Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende…“ Das selbstverständlich zu zweit und in aller Regel auch heterosexuell. Das Lebenskonzept der monogamen Zweierbeziehung ist weit verbreitet und wird nur selten infrage gestellt, obwohl man angesichts der hohen Zahl von sogenannten Seitensprüngen in angeblich monogamen Beziehungen von einer Doppelmoral sprechen muss. Doch nicht nur Heterosexuelle sehen in dieser Art des Zusammenlebens oftmals den einzig „richtigen“ Weg, glücklich zu werden. Auch viele lesbischwule Menschen reproduzieren die scheinbar selbstverständliche Idee der romantischen Zweierbeziehung, wie beispielsweise die Verlagerung des Schwerpunkts schwul-lesbischer Politik auf die Forderung der „Homo-Ehe“ in den 1990er Jahren verdeutlicht. Zwar ist die sogenannte offene Beziehung in Teilen der schwulen Subkultur eher die Norm als sexuelle Exklusivität, diese stellt jedoch die Vorstellung, es gebe den einen richtigen Partner, kaum infrage.

Auf der Grundlage ihrer empirischen Forschung stellen Gesa Mayer und Robin Bauer in ihren Vorträgen der Norm der Monogamie die Vielfalt der in unserer Gesellschaft tatsächlich gelebten Beziehungsformen entgegen. Sie zeigen, dass die Monogamie-Norm maßgeblich auf einer Logik des Mangels und der Konkurrenz basiert, und wie einige Bestandteile der Norm auch im Leben von Polyamorist_innen gleichzeitig wirkungsmächtig bleiben und unterwandert werden. So zeichnen sie ein realistisches Bild der Möglichkeiten und Grenzen alternativer Beziehungskonzepte jenseits der Logik von „Mangel-Erscheinungen“ und „heimlichen Affären“.

Gesa Mayer ist Diplom-Soziologin und promoviert an der Universität Hamburg mit einer empirischen Studie zu monogamen und nichtmonogamen Beziehungsformen.

Robin Bauer promoviert an der Universität Hamburg mit einer empirischen Studie zu queeren BDSM Praktiken. Er beschäftigt sich vor allem mit Themen aus den Bereichen BDSM, Transgenderism/Transsexualität und andere queere Geschlechter, nicht-monogame Lebensweisen, Sexarbeit und Queer Science Studies in Forschung, Lehre und Aktivismus.

Publikationen (Auswahl):

Bauer, Robin (2010): Non-monogamy in queer BDSM communities. Putting the sex back into alternative relationship practice and discourse. In: Barker, Meg/Langdridge, Darren (Hrsg.): Understanding non-monogamies, New York [u.a.]: 142-153

Pieper, Marianne/Bauer, Robin (2005): Polyamory und Mono-Normativität. Ergebnisse einer empirischen Studie über nicht-monogame Lebensformen. In: Laura Méritt, Traude Bührmann & Najda Boris Schefzig (Hrsg): Mehr als eine Liebe – Polyamouröse Beziehungen, Berlin: 59-69

Bauer, Robin (2005): When Gender Becomes Safe, Sane and Consensual: Gender Play as a Queer BDSM Practice. In: Haschemi Yekani, Elahe (Hrsg.): Quer durch die Geisteswissenschaften. Perspektiven der Queer Theory, Berlin: 73-86

Bauer, Robin (2007): Chemie. Das Geschlecht des Labors – Geschlechterverhältnisse und –vorstellungen in chemischen Verbindungen und Reaktionen. In: Ruth Becker, Beate Kortendiek (Hrsg.): Handbuch Frauen− und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie, Wiesbaden: 860-865

Mayer, Gesa (2005): Queere Freunde um Bernhard. In: Fähnders, Walter/Rohlf, Sabine (Hrsg.): Annemarie Schwarzenbach. Analysen und Erstdrucke, Bielefeld: 63-78

Mayer, Gesa (2006): Biologie und Konstruktion von Geschlecht. In: Bauer, Robin/Götschel, Helene (Hrsg.): Gender in Naturwissenschaften − Ein Curriculum an der Schnittstelle der Wissenschaftskulturen, Mössingen−Talheim.

eine Veranstaltung in der Reihe queereinsteigen.