Tag-Archiv für 'faschismus'

faschismus und sexualität in film und popkultur.

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So | 13 April | 8pm | UT Connewitz | Leipzig

Lecture and film: 8/6 (red.)

Faschismus und Sexualität in Film und Popkultur

Lecture von Marcus Stiglegger

Prostitution und Perversion, Dominanz und sexuelle Hörigkeit gehören zum Kernbestand der reißerisch-sexualisierenden und auf maximale Sensationsbefriedigung zielenden Themen und Motive, die das Medium Film für die Darstellung faschistischer Gesellschaften heranzieht. Ausgehend von dieser Verquickung von Sexualität, Grausamkeit und Politik wird Film- und Kulturwissenschaftler Marcus Stiglegger ans Mainstream- und Autorenkino anknüpfen. Beginnen wird er mit den siebziger Jahren und höchst ambitionierten, politisch und philosophisch aus ihrer Zeit heraus inspirierten Produktionen, zu denen etwa Pasolinis „Salò – Die 120 Tage von Sodom“ oder Viscontis „Götterdämmerung“ zählen; um dann den Unterschied zu sensationsbetonten Nachziehern zu treffen, die das vermeintliche Erfolgsrezept der prominenten Vorgängerfilme in einen softpornografischen Kontext überführen.

Anhand von Filmbeispielen führt Stiglegger ebenso zu maßgeblichen Vertretern des exploitativen und nicht-trivialen Kinos, indem er nach Funktion und Resonanz mal subtiler, mal plakativer Zitate faschistischer Symbolik in der Popkultur fragt. Welche Verwendung finden Kult- und Fetischformen des Faschismus in den Rock’n’Roll-Posen eines Marilyn Manson und der kritischen Überaffirmation der Band Laibach?

Im Anschluss: Salon Kitty (IT 1976, R: Tinto Brass, D: Helmut Berger, Ingrid Thulin, Teresa Ann Savoy, 102’, dF, 35mm)

SS-Offizier Wallenberg funktioniert das Edelbordell „Salon Kitty“ zur Abhöreinrichtung um. Ausländischen Diplomaten und hochrangigen Nazi-Funktionären werden von ebenso willigen wie parteitreuen Damen Geheimnisse entlockt. Desertationspläne werden öffentlich, eine Exekution folgt. Die Prostituierte Margharete und Puffmutter Kitty wollen dem Recht wieder zur Geltung verhelfen und beginnen, Wallenberg zu sabotieren. Neben der exzellenten Regiearbeit von Tinto Brass besticht das außergewöhnliche Setdesign von Ken Adam, der schon an Kubricks „Barry Lyndon“ mitarbeitete.

europas radikale rechte.

Mittwoch | 9. April 2014 | 19:00 Uhr | Franckesche Stiftungen | Englischer Saal | Haus 26 | Halle

Wieviel Gefahr droht Europa von rechts?

Vortrag mit Andreas Speit

In Griechenland mehren sich die Übergriffe auf MitgrantInnen, in Rumänien soll ein Ultranationalist und Antisemit zum Verfassungsrichter ernannt werden und der rechte Front National unter Marine Le Pen liegt in den Meinungsumfragen weit vor der Regierung unter François Hollande. Derzeit erstarken extreme rechte Parteien in Europa – mit möglicherweise drastischen Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Europäischen Parlaments nach der Europawahl. Die Recherche von Andreas Speit (u.a. taz, Netz gegen Nazis) und Martin Langebach gibt einen Überblick über die wichtigsten Netzwerke, AkteurInnen und Subkulturen in Europa.

Im Anschluss an den Vortrag von Andreas Speit thematisieren wir die Folgen des Erstarkens rechter Kräfte auf das politische System in Europa und fragen wie dem – auf politischer und gesellschaftlicher Ebene – begegnet werden kann.

griechenland hinter den kulissen.

Freitag | 28.3. | 16 Uhr | Uni Jena | Carl-Zeiss-Str. 3 | Hörsaal 9 | Jena
Samstag | 29.3. | 16 Uhr | L50 | Lasallestr. 50 | Erfurt

Griechenland hinter den Kulissen.

Ein Vortrag mit Leuten aus dem Umfeld der neuen antifaschistischen Zeitschrift „0151“ zur gegenwärtigen Situation in Griechenland und ihren historischen Wurzeln.

Bei den letzten Wahlen in Griechenland, welche im Mai und Juni 2013 stattfanden, bekam die Neo-Nazi-Partei „Goldene Morgenröte“ eine halben Million Stimmen und damit 7% aller abgegebenen. Schlimmer noch, in den Meinungsumfragen der letzten Monate bekannten 15-17% der Griechen, die Neo-Nazi-Partei zu unterstützen und bekundeten ihre Sympathie gegenüber den Aktivitäten der „Goldenen Morgenröte“. Zugleich sind Angriffe auf Migranten in Athen und anderen Städten Griechenlands in den letzten Jahren zur Normalität geworden.

Jedoch sind Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus, Homophobie und Faschismus auch schon während der letzten Jahrzehnte, sowie während aller vorhergehenden Epochen der nationalen Geschichte, dauerhafte Bestandteile der griechischen Gesellschaft gewesen.

Die griechische Gesellschaft weiß, wie mit Fremden umzugehen ist, und zeigt sich gastfreundlich.
Von den geschäftigen Stadtvierteln Athens bis zu den Feldern des griechischen Hinterlandes gab es in den vergangenen Jahrzehnten Erschießungen, Vergewaltigungen, Morde und Staatliche Gefangennahmen von GastarbeiterInnen, Geflüchteten und Roma. Diese Übergriffe wurden von der griechischen Mehrheitsgesellschaft unterstützt oder beschwiegen. Doch auch Andere, die von den Normen der nationalen Mehrheit abweichen (LGBTQ, FeministInnen, politische Radikale usw.), sehen sich Feindseligkeit und gesellschaftlicher Ächtung ausgesetzt.

( „0151“ versucht sich an einer Dokumentation, Untersuchung und Zurückdrängung des Antisemitismus, des Rassismus, des Faschismus, der Homophobie und des Sexismus der griechischen Gesellschaft und ihrer Avantgarden.)

Der Vortrag wird auf English gehalten und übersetzt.

todesbejahung und schwarz in der ästhetik des faschismus.

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Do | 13.​ März ​2014 | 20:00 Uhr | ACC Ga­le­rie | Wei­mar

Todesbejahung und Schwarz in der Äs­the­tik des Fa­schis­mus

Vor­trag von Car­men Deh­nert und Lars Quad­fa­sel

Es kann bei einer Ver­an­stal­tung zur Farbe Schwarz im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus nicht al­lein um na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Kunst­po­li­tik gehen: Denn der Na­tio­nal­so­zia­lis­mus sel­ber war, als »Äs­the­ti­sie­rung der Po­li­tik« (Wal­ter Ben­ja­min), eine to­ta­le In­sze­nie­rung, die alle Wirk­lich­keit in sich hin­ein­sog, nichts außen vor las­sen konn­te. Lü­cken konn­te er um kei­nen Preis dul­den – und damit auch nicht die Schwär­ze als Aus­druck von Man­gel, von Trau­er, von Ne­ga­ti­vi­tät.

Weil aber der Kult des un­ver­stüm­mel­ten, wi­der­spruchs­lo­sen Le­bens alles das still­stel­len muss, wo­durch Leben erst le­ben­dig wird, kehrt auch die Farbe Schwarz auf hö­he­rer, näm­lich Eli­ten­ebe­ne wider: als Form herr­schaft­li­cher Iden­ti­fi­ka­ti­on mit genau dem, woran im Bilde nichts er­in­nern darf. Nicht um­sonst lieb­te die SS Namen wie »Schwar­zes Korps«. Im Ver­hält­nis zur Farbe Schwarz re­flek­tiert sich das Ver­hält­nis der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten zum Tod: Was sie als Aus­druck von Ver­gäng­lich­keit, von un­be­herrsch­ba­rer Kon­tin­genz per­hor­res­zie­ren, ver­klä­ren sie zu­gleich, in alter ge­gen­auf­klä­re­ri­scher Tra­di­ti­on, als Sinn­bild un­wi­der­sprech­ba­rer Macht.

Car­men Deh­nert und Lars Quad­fa­sel sind as­so­zi­iert in der Ham­bur­ger Stu­di­en­bi­blio­thek und der Grup­pe Les Ma­de­lei­nes, deren »The­sen zu Tod und Ma­te­ria­lis­mus« im Ex­tra­blatt Nr. 8 er­schie­nen sind.

[Kunst. Spektakel. Revolution.]

game over.

game over

»Voller Entsetzen aber nicht verzweifelt«

mihail sebastian

Conne Island, Samstag, 18.09.2010, Einlass: 19:30 Uhr

»Voller Entsetzen aber nicht verzweifelt«

Robert Stadlober und Thomas Ebermann spielen und lesen Mihail Sebastians Tagebücher 1935-44

Beginn: 20:00 Uhr

- Präsentiert von Jungle World und dem Stura der Universität Leipzig -

Die erst vor wenigen Jahren veröffentlichten Tagebücher von Mihail Sebastian erhielten begeisterte Kritiken u.a. von Philip Roth, Arthur Miller und Claude Lanzmann. Robert Stadlober, Thomas Ebermann und Berthold Brunner haben eine szenische Lesung aus den Tagebüchern erstellt. Sebastian schildert eindrucksvoll die politischen Verhältnisse der 30er und 40er Jahre in Rumänien. Als Literaturkritiker, Autor und Übersetzer in der KünstlerInnenszene von Bukarest erlebt er die Zuspitzung der antisemitischen Propaganda und den Terror der faschistischen »Eisernen Garde«. Einige seiner engen FreundInnen werden zu überzeugten AnhängerInnen des Faschismus.
Mihail Sebastian beschreibt die sich steigernden antisemitischen Maßnahmen der Regierung des Marschalls Antonescu minutiös, von der Erhöhung der Mieten für Jüdinnen und Juden und der Beschlagnahme seiner geliebten Ski und des Radiogeräts, bis zu den Razzien und Deportationen. Die Tagebücher bieten einen Blick in den Alltag aus Diskriminierung und Furcht, aber auch in Momente der Hoffnung und literarischer Leidenschaft.
»Mihail Sebastian war ein junger Mann im Aufstieg, ein 28-jähriger rumänischer Jude, dessen Talent ihm von der Provinz in die besten Künstlerkreise Bukarests getragen hatte. Er schrieb Romane und Essays. Er schriebt Stücke. Er trank Champagner in Cafés und kostete jeden fiebernden Moment seiner Liebesaffairen voll aus. Er füllte umfangreiche Tagebücher mit ungestümen Urteilen und genauen Beobachtungen. (…). Er ist beides, idealistisch und ehrgeizig. Er versucht manchmal den Zyniker zu spielen, doch seine intellektuellen Skrupel hindern ihn daran. Die besten Tagebücher verbergen nicht die Risse und Abbrüche in unseren Leben. Sie verstecken nicht unsere Beteiligung an dem, das nach dem Urteil der Geschichte Engstirnigkeit und Egoismus genannt wird. Sebastian macht sich Sorgen: Was ist mit meiner Karriere? Meiner abflauenden Liebesaffaire? Ist es richtig, das Schicksals meines Theaterstücks zu betrauern, während Europa beinahe zusammenbricht?
Sebastian zeigt uns, wie das Unbedeutende und das Gewichtige sich mischen. Die Politik kappt nicht so schnell die alten Verbindungen. Der Krieg löscht den Egoismus nicht aus. Seine Ehrlichkeit gehört zu den stärksten Aspekten, die am meisten berühren. Wieder und wieder weigert er sich, seine Reaktionen vereinfacht abzubilden: So edle Motive vorzuschieben, wo er ehrgeizig ist, oder edlen Zorn, wo er sicher ist, all dem Verrat und den entsetzlichen Behandlungen wirklich entgegentreten zu können.«
(New York Times)

Stimmen zu den Tagebüchern von Mihail Sebastian:

»Wie in allen großen Werken der Literatur erzeugt Sebastians Tagebuch eine eigene Aktualität. Es heute, mehr als ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung, zu entdecken und zu lesen, ist ein erschütterndes und überwältigendes Erlebnis.« Claude Lanzmann

»Dieses Tagebuch verdient es, neben das von Anne Frank gestellt zu werden und genauso viele Leser zu finden.« Philip Roth

»Dieses Buch lebt, es zeugt von einer Seele voller Menschlichkeit, aber auch von der wachsenden Brutalität des letzten Jahrhunderts, die sich vor Sebastians Augen entfaltete.« Arthur Miller

[aus dem CEE IEH #179]

Der Faschismus in Ungarn – heute und damals

Mittwoch, 25.11.2009, 19 Uhr
Melanchthonianum, Universitaetsplatz, Halle (Saale)

Carsta Langner, Politikwissenschaftlerin (M.A.) und Christian Dietrich, Soziologe (M.A.)

Jobbik, die rechtextreme Partei Ungarns, konnte bei der Europawahl 14,8% der Stimmen und drei von 22 Mandaten gewinnen. Die rechtspopulistische Partei Fidesz, die seit Ende der 1990er Jahre versucht auch die Extremrechte zu integrieren, erhielt sogar 56,4% der Stimmen. Dieses, nicht unerwartete Ergebnis, ist der höchste Sieg der Rechten seit der Wende in Ungarn. Untermalt wird dieses Szenario von regelmäßigen Hiobsbotschaften aus dem einst liberal wirkenden Staat. Das Straßenbild Ungarns erhielt 2006 eine neue Facette: Die Ungarische Garde („Magyar Gárda“). Diese paramilitärische Organisation marschiert im Gleichschritt mit schwarzen Uniformen, Schirmmützen, Springerstiefel und Halstücher in den rot-weiß gestreiften Farben, die zuletzt die magyarischen Faschisten der Nazizeit trugen. Sie erinnert nicht nur in ihrer äußeren Erscheinung an die NS-Zeit. Seit ihrer Gründung werden in der Presse auch wieder Pogrome an Roma gemeldet. So starben im letzten November vier Roma durch Handgranaten und Gewehrschüsse. Ob sie im direkten Zusammenhang mit der Ungarischen Garde stehen, ist zwar nicht bewiesen, aber antiziganistische und antisemitische Parolen stehen bei der Magyar Gárda auf der Tagesordnung und werden auf der Straße laut verkündet. Beängstigend ist das Wirken dieser Ideologien bis tief in die ungarische Gesellschaft, die bis dato noch nicht mit Protestaktionen auf sich aufmerksam gemacht hat. Anlässlich des Friedensvertrags von Trianon (1920) konnten in diesem Jahr hunderte Rechtsextremisten vor den Botschaften der Slowakei, Serbiens und Rumäniens ungestört für die Wiederherstellung „Großungarns“ demonstrieren. Verstärkt durch die Auswirkungen der Finanzkrise ist anzunehmen, dass der starke Nationalismus und Rechtsextremismus über alle Gesellschaftsschichten hinweg, die rechten Parteien bei den Parlamentswahlen im nächsten Jahr an die Macht bringen werden.
Wir möchten in einem Vortrag über das Anwachsen nationalistischer, antiziganistischer und antisemitischer Ideologien im postsozialistischen Ungarn informieren und diese in einen historischen Zusammenhang mit der faschistischen Bewegung bis 1945 stellen.

Eine Veranstaltung der Reihe „Kritische Intervention“ des Arbeitskreises „Alternatives Vorlesungsverzeichnis“ des Studierendenrates der Vereinigten Universitaet Halle-Wittenberg in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt.

(via critique aujourd‘hui)