Tag-Archiv für 'buchvorstellung'

zelle Nr. 18. eine geschichte von mut und freundschaft.

Mittwoch | 25. Juni 2014 | 19:30 Uhr | Institut für Anatomie | Große Steinstraße 52 | Halle (Saale)

Zelle Nr. 18. Eine Geschichte von Mut und Freundschaft

Buchvorstellung

Im Spätsommer 1943 warten in der Zelle 18 der Haftanstalt Berlin-Moabit die drei Polinnen Krystyna Wituska (23), Maria Kacprzyk (21) und Lena Dobrzycka (21) auf die Vollstreckung ihrer Strafe. Vom Reichskriegsgericht wegen Spionage verurteilt, droht ihnen der Abtransport in ein Straflager oder die Hinrichtung. Mit Hilfe ihrer Mutter, die zwangsverpflichtet in Moabit als Wärterin arbeitet, beginnt die 16-jährige Hedwig Grimpe einen heimlichen sehr persönlichen Briefkontakt zu den drei jungen Frauen. Simone Trieder (Journalistin) und Lars Skowronski (Historiker, Gedenkstätte ROTER OCHSE Halle) haben anhand der Briefe, die Helga im »Kleeblattalbum« durch die Bombennächte rettete, und aufgrund von Gesprächen mit der überlebenden Maria Kacprzyk die Schicksale der vier Frauen rekonstruiert.

Krystyna Wituska wurde am 26. Juni 1944 im ROTEN OCHSEN hingerichtet, ihre Leiche wurde an das Institut für Anatomie der Martin-Luther-Universität übergeben und anonym auf einem Gräberfeld bestattet.

peter o. chotjewitz und die erinnerung als einspruch.

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Do | 19. Juni | 20:00 | Cineding | Leipzig

Peter O. Chotjewitz und die Erinnerung als Einspruch

Einführung in Werk und Person anhand des Romans „Mein Freund Klaus“ mit dem Verleger Jörg Sundermeier

Der Brisanz des Materials entspricht die Radikalität der literarischen Mittel. In diesem Roman liegen die Fakten auf dem Tisch. Stilsicher, kühn im Aufbau und dramaturgisch modern schreibt Chotjewitz über seinen Freund Klaus Croissant. Klaus Croissant wurde als Strafverteidiger schikaniert, als angeblicher Drahtzieher des internationalen Terrorismus verfolgt und nach der Annexion der DDR durch die Bundesrepublik 1990 wegen staatsfeindlicher Agententätigkeit abermals verurteilt. Penibel recherchiert, detailgetreu und in kühler Sprache erzählt, steht der Roman in einer Linie mit Chotjewitz’ skandalumwitterten Romanfragment über die RAF aus dem Jahr 1978 („Die Herren des Morgengrauens“). Von 1931 bis 2002 reicht der beklemmende Bilderbogen dieser deutschen Unrechtsgeschichte. Jeder Rechtsspruch ein Rechtsbruch.

2014 erschien eine Neuausgabe des Buches mit einem Nachwort von Dietmar Dath.

Am 14.Juni 2014 wäre Peter O. Chotjewitz 80 Jahre alt geworden.

Peter O. Chotjewitz wurde am 14. 6. 1934 in Berlin geboren. Nach dem Krieg Übersiedlung nach Nordhessen; dort Realgymnasium, dann Malerlehre bei seinem Vater. Später Jurastudium in Frankfurt/Main und München, Publizistik, Philosophie und neue Geschichte an der FU Westberlin. Zweite juristische Staatsprüfung 1965, seitdem als freiberuflicher Schriftsteller, Übersetzer und Jurist tätig. Chotjewitz starb am 15.12.2010 in Stuttgart.
Zahlreiche Veröffentlichungen, u.a.: »Hommage à Frantek«, Roman (1965), »Die Insel«, Roman (1968), »Der dreißigjährige Friede«, Roman (1977); »Die Herren des Morgengrauens«, Roman (1978); »Das Wespennest«, Roman (1999), »Der Fall Hypathia«, Sachbuch (2002); »Machiavellis letzter Brief«, Roman (2003); »Alles über Leonardo« (2005).
Außerdem zahlreiche Übersetzungen aus dem Italienischen, u.a. Bücher von Dario Fo, Nani Ballestrini und Giuseppe Fava.
Im Verbrecher Verlag erschienen die Bände: »Saumlos«, Roman; »Urlaub auf dem Land«, Erzählung; »Mein Freund Klaus«, Roman, die vierbändige Reihe »Fast letzte Erzählungen« und posthum der Gedichtband »Tief ausatmen«.

[http://drift-books.de/]

kein zutritt für hinterwäldler.

So | 30. März | 21:00 | Café Wagner | Wagnergasse 26 | Jena

massigluftnachoben präsentiert: Lesung: Jonnie Schulz liest aus „Kein Zutritt für Hinterwäldler“

Hamburg im Jahre 2000. Vier Visionäre, von der Punkszene gelangweilt, schließen sich zur einzigen Country- und Western-Band von St. Pauli, Tennessee zusammen: die Butch Meier Band. Die linke Szene ist entsetzt: Schnurrbärte, Amerika-Verherrlichung, Mackertum! Doch die Band von Jonnie Schulz, Ted Memphis, Digger Barnes und Butch Meier lässt sich nicht ins Bockshorn jagen und macht alles, um die Entfaltung – den ultimativen Live-und-Kumpel-Kick – herbeizuführen: “Wir beschäftigten uns mit Musik, die niemand von uns zuvor gespielt hatte, zogen uns Klamotten an, die in unserem privaten Umfeld geächtet waren, und suchten Orte auf, an denen wir Angst hatten, zusammengeschlagen zu werden.”

“Kein Zutritt für Hinterwäldler” hält sich zu 73 % pedantisch an die Fakten, der Rest ist Countryfiction, ein Stahlbad in Wurst & Fleisch inklusive der ultimativen Senfkanone und die Bestandsaufnahme einfach jeder Mikroszene der Nullerjahre, die sich dem Trash verschrieben hat.

„Damals war uns noch nicht bewusst, dass wir in diesem Moment die Countryfication erfanden, eine Musik, mit der sich biedere Scheißbands wie The BossHoss und Texas Lightning wenige Jahre später dumm und dämlich verdienen sollten.“ Jonnie Schulz

„Vegetarisch hatten wir durchaus auch Erfolg.“ Jonnie Schulz

„Schulz gelingt das Kunststück, den hanseatischen Zungenschlag ohne Reibungsverluste in Schriftsprache umzumünzen.“ TAZ

„Ist Jonnie Schulz E.T.?“ TAZ

„Ein großes, ein wichtiges Buch.“ Jungle World

http://jonnieschulz.wordpress.com/

vom sterben vor und nach der revolution.

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Freitag | 14. März | 20:00 | Cineding Leipzig | Karl-Heine-Str. 83 | Leipzig

Vom Sterben vor und nach der Revolution

„Ein Totes im Seebolo“ beschäftigt die grundverschluffte Hauptfigur Precious, der_die in der endlich angebrochenen befreiten Gesellschaft eigentlich bloß das gesellschaftlich notwendige Maß an Müllfahrten erledigen und ansonsten der Zwei-Geschlechter-Ordnung ein Schnippchen schlagen will. Aber die Alters-WG der Kämpen aus den wilden Tagen des Kriegs gegen den Kapitalismus geben einfach keine Ruhe, bis der Krimi in Gange kommt …
Die Novelle des Leipziger Autors Gecko Neumcke ist der neuste Titel des jungen Berliner Verlags das Beben, der sich die Pflege der „Elektronovelle“, also der klassischen Form der „unerhörten Begebenheit“ im E-Book-Gewand auf die Fahnen geschrieben hat.
In Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Drift präsentieren die Bebner dazu noch Eva Strasser mit „Mary“, einer bösen Satire auf Hauptstadtallüren und Künstlergewese, in der ebenfalls ein Tod für Wirbel sorgt — diesmal jedoch in der schlechten alten Gesellschaft zwischen Bohème und Gentrifizierung.

Weitere Informationen unter http://verlagdasbeben.de/

sprache. macht. rassismus.

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Donnerstag | 13. März 2014 | 20:00 Uhr | Conne Island | Leipzig

Buchvorstellung: „Sprache-Macht-Rassismus“

Die in dem Band versammelten Beiträge fragen danach, welche Perspektiven und Ansätze die aktuelle Rassismus- und Kritische Weißseinsforschung für rassismuskritische Lehr- und Lebensräume bieten kann. Zugleich werden grundlegende Begrifflichkeiten sowie aktuelle Tendenzen der Rassismusforschung vorgestellt.
Der Band ist eine Zusammenfassung von Beiträgen der Tagung „Sprache-Macht-Rassismus“, die im Mai 2013 in Fulda stattfand.

Die Referentin Magdalena Marsovszky (Kulturwissenschaftlerin, Ungarn/ Deutschland) wird Grundzüge der Publikation vorstellen und den Fokus auf die Antiziganismusforschung legen.

[cee ieh]

buchpräsentation. das versprechen der kunst. adornos ästhetische theorie.

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Freitag | 7. März | 20 Uhr | Galerie für Zeitgenössische Kunst | Karl-Tauchnitz-Str. 9-11 | Leipzig

BOOK LAUNCH ::: Nr. 2 – LEIPZIG

TRANSZENDIERUNG – KUNST, KRITIK, UTOPIE

Gespräch mit Christoph Türcke (Hochschule für Grafik & Buchkunst, Leipzig) und Anna Danilina (Universität Leipzig)

anschließend Getränke + Musik mit N.AKIN (Aequalis / Institut für Zukunft, Leipzig) im KUNSTRAUM ORTLOFF | Jahnallee 73

Anlässlich der Veröffentlichung des Sammelbandes „Das Versprechen der Kunst. Aktuelle Zugänge zu Adornos ästhetischer Theorie“ veranstaltet die AG Ästhetische Theorie (Engagierte Wissenschaft e.V.) im Februar, März und April drei Buchpräsentationen in Berlin, Leipzig und Wien. Zu Gesprächen und Diskussionen mit unterschiedlichen thematischem Fokus sind jeweils zwei Gäste, Autorinnen und Autoren des Bandes, eingeladen um mit den Herausgebern exemplarisch über die Aktualität von Adornos ästhetischer Theorie zu diskutieren.

Danach darf die Veröffentlichung gefeiert werden, mit Getränken und Musik.

http://www.engagiertewissenschaft.de/de/inhalt/AG_Aesthetische_Theorie
http://www.turia.at/titel/adorno_kunst.html
http://www.ortloff.org/
http://www.gfzk.de/

gedenken abschaffen.

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Donnerstag | 6. Februar 2014 | 19:30 Uhr | Conne Island | Leipzig

Lesung aus „Gedenken abschaffen!“ zum Diskurs um den 13. Februar

„Gedenken abschaffen!“ fordert das Dresdner Autor_innenkollektiv Dissonanz und beschäftigt sich dabei mit einem Thema, das in Dresden nicht nur am 13. Februar umstritten ist: der Bombardierung der Stadt im Jahr 1945 und dem umstrittenen Diskurs zu Gedenken und Gedenkpolitik. Im Buch werden Mythen hinterfragt, Fakten erforscht und die nationalsozialistische Geschichte Dresdens benannt. Die Texte geben einen Überblick über Inhalte und Entwicklungen des Dresdner Gedenkens und liefern eine grundlegende Kritik an aktueller deutscher Gedenkpolitik.

Gedenken abschaffen! Kritik am Diskurs zur Bombardierung Dresdens 1945

[Antifa Klein Paris]

siehe auch: verbrecherverlag.de/buch/698

lesung aus semiya simseks “schmerzliche heimat. deutschland und der mord an meinem vater“

Samstag | 1. Februar | 16 Uhr | Meuterei (Zollschuppenstraße 1) | Leipzig

Lesung aus Semiya Simseks “Schmerzliche Heimat. Deutschland und der Mord an meinem Vater“

Am 9. September 2000 brach für Semiya Simsek eine Welt zusammen: ihr Vater, Enver Simsek, wurde erschossen. Zu diesem Zeitpunkt war sie vierzehn Jahre alt. Über eine lange Zeit wurden sie und ihre Familie von den Ermittlungsbehörden verdächtigt, bedrängt und ausspioniert. «Elf Jahre durften wir nicht einmal reinen Gewissens Opfer sein», sagt Semiya Simsek. Sie erzählt ihre bewegende Geschichte: die einer jungen Frau und ihrer Familie, deren Leben durch einen Terrorakt zerstört, durch Vorurteile weiter zerrüttet wurde und die dennoch stark blieb. In dem Buch schildert sie die Hintergründe des Verbrechens, der Ermittlungspannen und -irrwege. Eine Darstellung über einen der größten politischen Skandale der letzten Jahrzehnte und das aufwühlende Schicksal einer Familie.
Da Semiya Simsek in der Türkei lebt, werden wir selbst aus dem Buch vorlesen.

hunderte solcher helden. der aufstand jüdischer gefangener im ns-vernichtungslager sobibór.

Freitag | 31. Januar 2014 | 19:00 h | Meuterei | Zollschuppenstr. 1 | Leipzig

Hunderte solcher Helden – Der Aufstand jüdischer Gefangener im NS-Vernichtungslager Sobibór

Buchvorstellung und Diskussion

In Sobibór wurden zwischen 1942 und 1943 etwa 170.000 Menschen ermordet, in der überwältigenden Mehrheit europäische Juden, vorallem aus Polen, Holland, Belarus, Russland, der Ukraine und der Slowakei. Sobibór war ein reines Vernichtungslager, die Menschen wurden nach ihrer Ankunft direkt in die Gaskammer geführt. Lediglich 550-600 Juden wurden für Arbeiten im Lager und rund um den Vernichtungsvorgang selektiert. Die Berliner Historikerin Franziska Bruder geht in ihrem Buch der Frage nach, wer die Akteure des Aufstandes waren und dokumentiert Überlebensberichte von Beteiligten. An diesem Abend wird aus den Berichten zentraler Akteure des Aufstands gelesen und Interviewsequenzen von Claude Lanzmann mit Jehuda Lerner, vom dem ebenfalls ein Bericht im Buch ist, gezeigt. Dabei spielt neben dem Organisieren des Aufstands ihre Geschichte vor und auch nach dem Krieg eine Rolle, beispielsweise ihre Aussagen in Kriegsverbrecherprozessen in der Sowjetunion und der Bundesrepublik Deutschland.

verschenkte gelegenheiten.

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Freitag | 17. Januar 2014 | 19:00 Uhr | Universität Jena | Hörsaal 7 (CZ 3)

Verschenkte Gelegenheiten

Buchvorstellung und Diskussion mit Magnus Klaue

In einer Welt, in der kritische Theorie nicht nur, wie von Beginn an, mit gesellschaftlicher Ohnmacht geschlagen ist, sondern zum objektiven Anachronismus, zur nur noch lästigen Erinnerung an Unabgegoltenes wurde, ist sie zur Parodie ihrer selbst heruntergekommen: Sei es, daß man sie durch mehr oder minder redliche akademische Pflege als immer noch bessere Alternative im Angebot der Denkstile konserviert; sei es, daß man sie als Statthalterin einer obskuren intellektuellen Radikalität und Militanz mißversteht, die in Wahrheit nur als Obsession ihrer Verfechter existiert; sei es, daß man sie als Kampfplatz um die jeweils neuesten geistigen Bekenntnisse und Distinktionen in den Dienst nimmt. Nur mehr von marginalen Splittergruppen und aggressiv oder tiefsinnig herumräsonierenden Lesekreisen ernst genommen, verliert sie gerade dadurch ihren Ernst und droht objektiv kryptisch, zu einer besonders elaborierten Form von Obskurantismus zu werden, so daß man, wie Clemens Nachtmann jüngst bemerkte, versucht ist, von der Lektüre Adornos abzuraten, weil Einfalt gegenüber dem Gegenstand offener ist als solches falsche Verstehen. Durch ihre Popularisierung oder vermeintliche Aktualisierung ist dem so wenig abzuhelfen wie durch die immer beliebtere sprachliche Übung, die eigene Sprache durch Nachstellung des “sich” und frankophone Einsprengsel gerade dann bedeutungsschwer zu adornisieren, wenn man dem Gehalt von Adornos und Horkheimers Denken längst abgeschworen hat. Demgegenüber sollte daran erinnert werden, wie kritische Theorie ihren Anfang nahm: weder als sogenannte kritische Gesellschaftstheorie (die vielmehr ihre Schrumpfform ist) noch als Anweisung auf irgendeine Praxis, sondern als freie, das heißt der Sache nicht nur verpflichtete, sondern sich ihr vorbehaltlos hingebende Reflexion der Erfahrung von Wirklichkeit: in Horkheimers “Dämmerung”, Adornos “Minima Moralia”, Benjamins “Einbahnstraße” und “Berliner Kindheit um 1900″ und den Feuilletons Siegfried Kracauers, mit sogenannten unsystematischen, gerade darin aber auf Verbindlichkeit zielenden, in ihrer Subjektivität das bloß Subjektive überschreitenden Texten also, denen die Untrennbarkeit von Sprach- und Denkform stets gegenwärtig blieb.
Magnus Klaues Vortrag und sein in Kürze erscheinendes Buch “Verschenkte Gelegenheiten” (ça ira Verlag) versuchen diesen Zusammenhang zu vergegenwärtigen und auf den Einzelnen zurückzuwenden. Denn nur im Einzelnen und nicht in Gruppen, die durch Bekenntnisse und gegenseitige Verachtung zusammengehalten werden, bleibt die Hoffnung bewahrt, dass der Erkenntnisgehalt kritischer Theorie irgendwann doch begriffen wird.

Magnus Klaue ist freier Autor und schreibt u.a. für Bahamas und Jungle World.

[Association Pomme de Terre]