Tag-Archiv für 'avantgarde'

künstlerische avantgarde. ende und anfang einer bewegung.

Do | 17. Juli | 20:00 Uhr | VL Ludwigstraße | Halle

Künstlerische Avantgarde: Ende und Anfang einer Bewegung

Gespräch mit Levin Gonsior

Die historische Avantgarde scheiterte an ihren eigenen Voraussetzungen. Seit der Romantik setzt nicht mehr die Gesellschaft die Maßstäbe für Kunst, sondern der Künstler selbst und damit der Kunstmarkt, auf den er zweifelsohne angewiesen ist. Entgegen landläufiger Meinung, war damit die Avantgarde jedoch gerade in ihrer Reflexion der autonomen Kunst, eben nicht selbstbewusst geworden oder gar zu sich selbst gekommen, sondern auf den Hund.

Zum Potential zukünftiger künstlerischer Avantgarde spricht Levin Gonsior

[domino-vorträge]

14 jahre radio corax.

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Freitag | 11. Juli | 20:00 | Peißnitzbühne | Halle

Euer unkommerzielles und unkonventionelles RADIO CORAX schallt nun schon 14 Jahre rund um die Uhr über den Äther. Das soll natürlich intensiv gefeiert werden!
Auf die große überdachte Bühne der Peißnitz sind also alle eingeladen: Die vielen Sendungsmachenden, noch mehr Stammhörer_innen und Neuhörer_innen und solche, die was davon werden wollen.
Euch erwarten diese wunderbaren Acts:

live:

Jolly Goods (Berlin)

Tanja Pippi und Angy Lord sind Schwestern und die Jolly Goods. Sie begannen im provinziellen Keller – inspiriert von Riot Grrrl, Punk und Folk –, spielten mittlerweile in Toronto und New York und wurden von den – man kann es nicht anders sagen – Legenden Moses Schneider, Tobias Levin, Hans Unstern und Dirk von Lowtzow ( Tocotronic ) produziert. Freitag spielen sie in Halle. Beim Corax-Fest.

http://www.jollygoods.net/

P.U.F.F. (Berlin)

P.U.F.F. spielen psychedelic punk mit klugen Texte. P.U.F.F spielen Musik, die Unwägbarkeiten beheimatet. P.U.F.F spielen Musik gegen die Banalisierung der subversiven Entdeckungen. P.U.F.F spielen Musik für Nicht-Integrierte, mit keinem Fuß auf deutschem Boden. P.U.F.F spielen für Gegner und Gegnerinnen der Funktionalität. P.U.F.F spielen Musik zum Hoffen und Verzweiflung teilen. P.U.F.F spielen am kommenden Freitag in Halle. P.U.F.F spielen beim Coraxgeburtstag.

http://slovenly.bandcamp.com/album/puff-identitatsverlust-ep

(206)bkm (Halle)

..wir können noch eine weitere Band vermelden, die DAS Fest bereichern und mit unzähligen Gern- & Nichttänzer_innen und Einfachnurdaseinwollenden unser Pubertieren zelebrieren wird: 2/3 der Gründungsmitglieder der wunderbaren 206 bkm (aus denen später 206 wurde) werden wir bestaunen können. Sie wissen selbst noch nicht genau, was das wird. Wir wissen aber; das wird sehr gut

dj:

Itty Minchesta (Berlin)

itty minchesta hatte eine punk electro band (broostkrew), ein hiphop projekt (2 wett) und unlängst beim label Sozialistischer Plattenbau ein mit walkman(!) komponiertes album veröffentlicht. tendenz: irgendwo zwischen hiphop, avangardistic punk, pop und ähnlichem schönen kram.

http://www.atombusentransporte.de/category/mixes/

DJ Marcelle / Another Nice Mess (NL / Klangbad)

Dj Marcelle van Hoof arbeitet sich strahlend und unbeirrbar durch aktuelle Musikströmungen. Die Amsterdamerin arbeitet mit drei Plattenspielern und ‘komponiert’ durch das simultane Auflegen von verschiedenen Musik- und Geräuschequellen. Schräger Techno geht da zum Beispiel einher mit Tiergeschrei oder Dubstep mit afrikanischem Gesang. Alter Punk & New Wave trifft auf schnelle elecktronische Breaks, Humpa folgt auf House und Hiphop auf old school Jungle.

https://soundcloud.com/marcelle/dj-marcelle-live-promo-2012-1
http://www.anothernicemess.com/

(zu freiem radio gehört zu so einem fest auch: freier eintritt. spenden sehr willkommen)

[http://959.radiocorax.de/]

○. urthsla.

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Fr | 27. Juni | 21.00 | Café Wagner | Wagnergasse 26 | Jena

(GOLDEN ANTENNA RECORDS)
http://o-music.bandcamp.com/

„O“ (Kreis) aus dem Drei-Länder-Eck Belgien/Niederlande/Deutschland kommen nach ihrem atemberaubenden Auftritt auf dem letztjährigen DEAF ROW FEST erneut nach JENA. Die Band nimmt Atmosphäre, Stimmung und Tonlage der Filmmusik der 70er Jahre auf. So erinnern manche Passagen ihres neuen Konzeptalbums an herausragende Alben von Tangerine Dream, Neu! oder Cluster, aber auch die Kompositionen von Ennio Morricone schimmern durch die sechs in sich geschlossenen Tracks der Platte mit dem programmatischen Titel „ When Plants Turn Into Stones“. Die Musik widmet sich in sechs Kapiteln dem Kreislauf des Lebens, dem immerwährenden Werden und Vergehen. „When Plants Turn Into Stones“ erscheint am 06. Juni als Digipack CD und als LP mit bedruckter Innenhülle und Download Code bei Golden Antenna Records.

URTHSLA
soundcloud.com/urthsla
driverufo.bandcamp.com

Artem, geboren in Moaskau, lebt in Berlin und ist seit 2008 (fast) musikalisch aktiv. Es gab diverse kleine Veröffentlichung unter verschhiedenen Namen, hauptsächlich Kassetten und CD-R´s auf Labels wie Bumtapes, Rotifer Cassettes, Gold Soundz, etc. Stilistisch festgefahren ist er definitiv nicht, so spielt er z.B. auch in Bands wie DIE SCHACHT, HIROSHIMA BIRD MARKET und TYRAN TYRAN, welche sich irgendwo zwischen Punk-, Indie- und Improvisationsklängen bewegen.
URTHSLA ist Gitarre, Delay, Verzerrung, Stimme, Schraube, Looper, Kassette! – (fast) Pop, (fast) Folk, (fast) Noise, in jedem Fall kein Singer-Songwriter…

schrein. alex drewchin.

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Fr | 13. Juni | 19:00 | Palmen _ Garten | Leipzig

HZE DZE H A N G O U T w/

SCHREIN [ berlin / d ]
http://shitschrein.tumblr.com/

ALEX DREWCHIN [ new york / us ]
https://soundcloud.com/alex-drewchin
https://soundcloud.com/king-conqubine
http://alexdrewchin.bandcamp.com/

“ Der Schrein gilt als Aufenthaltsort für göttliche Wesen, doch lauern halbnackt, frivol und krummbeinig die Kobolde Ruth-Maria Adam, Ronnie Oliveras und Bastian Hagedorn darin, um mit allerlei profanen Gegenständen gegen die verknöcherte Orthodoxie musikalisch-akademischer Avantgardetraditionen anzulärmen. Nichts ist ihnen heilig, und so blöken sie besoffen vom Messwein heilige Kühe an, stolpern über Klangschalen, zersingen den alteuropäischen Kanon und tragen auf diese Weise jedweden falschen Ernst improvisierter Musik zu Grabe. Aus dem Schrein kommt „Musik für alle“: hinterlistig-freundliche Klang-Experimente ohne höhere Weihen aus den niederen Regionen ihres kollektiven Bewusstseins. Schmutzig.

A shrine is considered to be a home to divine beings, and this Schrein is indeed a hideout for the outrageous trinity of Ruth-Maria Adam, Ronnie Oliveras and Bastian Hagedorn. They joined forces and collected all sorts of mundane objects, self-built and cheap instruments to make a joyful noise! The purpose is to revive neglected musical avant-garde traditions of times past for a bright future to come! In order to FREE THE MUSIC AND KEEP IT ALIVE nothing is sacred and everything’s possible! SCHREIN: a sonic utopia for the brave and young at heart!

- Holger Adam “

“ Under the pseudonym ‚Eartheater‘, Alexandra Drewchin is a multi-instrumentalist and vocalist based in Queens New York. Contextually exploring incendiary subjects like alternate realities strung in the vastness of infinity, the isometrisity of time and space, the ambiguity of words, moral surreality, the evolution of sexuality in a digital age, and the nature of the mother board.“

mgc mntn. cast. toni buletti. perm.

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Sa | 30. Mai | 23:55 | BUNGALOW | Endersstr. 2 | Leipzig

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HZE DZE plus & BUNGALOW present
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TONI BULETTI [ A M P / / R | LE ]
https://soundcloud.com/tonibuletti

MGC MMNT [ Slow Soundsystem | LE ]
http://www.mixcrate.com/magicmoment

PERM [ IfZ | LE ]
https://soundcloud.com/perm-3

CAST [ Kept Ltd | LE ]

avantgarde oder arrièregarde? die linken organisationen portugals im „andauernden revolutionären prozess”.

Do | 29. Mai 2014 | 11:00 Uhr | translib | Lütznerstraße 30 | Leipzig

Avantgarde oder Arrièregarde? Die linken Organisationen Portugals im „andauernden revolutionären Prozess” (PREC)
Ein Workshop im Rahmen der Reihe „Der Maulwurf und die Nelken“

Die Resultate der „Nelkenrevolution“ haben als letzte sozialistisch orientierte Revolutionsbewegung der Arbeiter_innen und Landarmut im alten Europa ebenso begeisternd wie ernüchternd gezeigt: Die moderne Arbeiter_innenklasse kann sich nur selbst befreien und aufheben, wenn das Ziel ihrer Befreiung die Aufhebung jeder Klassenherrschaft ist und damit die Befähigung aller Individuen zur selbstbewussten Kontrolle ihrer Gesellschaft. Die Klasse als Subjekt ihrer Emanzipation – als kämpfende Klasse – steht deshalb immer in einem problematischen Verhältnis zu den Organisationen, die ihre historische Mission vertreten oder gar führen wollen und ideologisch als ihre ökonomische und politische Repräsentation, oft sogar als ihre Avantgarde auftreten.

Während des PREC gab es in Portugal auch links von der an der Sowjetunion ausgerichteten Kommunistischen Partei, deren blockierende Tätigkeit genauer zu untersuchen ist, eine Vielzahl solcher sich als revolutionär verstehenden Gruppierungen, die auch in den Basisorganisationen der Arbeiter_innen höchst aktiv, teilweise gut „verankert“ waren und sich mehr oder weniger nützlich machten. Wir wollen uns mit der Rolle dieser Gruppen im Bildungs- und Organisierungsprozess des Proletariats und ihrer befördernden oder hemmenden Wirkung auf dessen Autonomie beschäftigen.

Wir werden den Feiertagsblock intensiv, aber auch entspannt (mit Dokus, Videos etc.) für unser Laboratorium der Selbstaneignung nutzen, um das bis jetzt vorliegende Material zu sichten, unsere eigenständigen Einschätzungen zu diskutieren und Fragestellungen für die Diskussion mit den Gästen aus Portugal am 20. Juni zu erarbeiten.

[translib]

alva noto. mxzehn.

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Fr | 23. Mai | 19.30 Uhr | Deutsches Nationaltheater | Weimar

alva noto | mxzehn

Die Videokunstgruppe MXZEHN, das Backup-Festival und das Deutsche Nationaltheater Weimar gaben heute einen Coup bekannt: Mit dem 1965 in Chemnitz geborenen Künstler und Musiker Carsten Nikolai holen sie einen Weltstar der neuen Avantgarde in die Klassikerstadt. Der Gründer des legendären Raster-Noton Labels wird am Freitag den 23. Mai als Alva Noto das multimediale Konzert univrs im großen Haus des Nationaltheaters zur Aufführung bringen.

Carsten Nicolai balanciert leichtfüssig wie kaum ein anderer zeitgenössischer Künstler auf dem schmalen Grat zwischen Bühne und Museum. Seine Performances werden weltweit bei den wichtigsten Festivals für Medienkunst gefeiert und in keinem seiner Werke entwickelt die Verschmelzung von Bühnenpräsenz, mächtigen Soundgewittern und kongenialer Visualisierung eine derart hypnotische Wucht wie bei dem 2011 entstandenen univrs Konzert, das in Weimar in der uniscope version zu erleben sein wird. Die Performance inszeniert virtuos die klangbasierte Manipulation software-generierter Videobilder die als riesige Projektion die Bühne beherrschen.

Unterstützt wird Alva Noto am 23. Mai von der Videokunst Gruppe MXZEHN, die zusammen mit den Musikern Marc Sauter und Philipp Hiemann ihr neues audio-visuelles Konzertprogramm ZEHN QUADRAT zeigt. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der im Juni 2013 uraufgeführten Performance ZEHN mal ZEHN. Virtuos spielt Vollblut VJ Bahadir Hamdemir dabei sein Lieblingsinstrument, den Panasonic WJ-MX10 während Stefan Kraus, Marc Sauter und Philipp Hiemann in Echtzeit einen digitalen Remix der analogen Videosignale herstellen der aus den rohen Pixelstürmen audiovisuelle Meisterwerke formt.

http://www.alvanoto.com
http://www.carstennicolai.de
http://www.rasternoton.net

http://www.nationaltheater-weimar.de/de/index/spielplan/stuecke_extras/stuecke_details.php?SID=1379

ben frost. circuit des yeux. sbktn.

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Mi | 21. Mai | 21:00 | UT Connewitz | Wolfgang-Heinze-Straße 12a | Leipzig

Ben Frost A U R O R A live | Circuit Des Yeux | sbktn (IFZ, vertigo)

Ende Mai erscheint Ben Frosts mit Spannung erwartetes, fünftes, Album »A U R O R A«. Fast vier Jahre ist es her, dass dessen Vorgänger »By the Throat« auf frenetisches Echo stieß. Nicht mehr so düster soll es sein, lässt der Künstler über sein Label verlauten. Die Platte erscheint als Kooperation von dem britischen Über-Indie Mute Records (Depeche Mode, Einstürzende Neubauten, Laibach) und dem von Ben Frosts mitgegründetem Bedroom Community. Kurz vor dem Release spielt Frost zwei ausgewählte Liveshows in Deutschland – eine davon im UT. Frost befreit sich von den charakteristischen Klangelementen seiner vorherigen Alben: weg sind die Gitarren, die langsamen Spannungsbögen, anhaltenden Klavieranschläge und Streicher-Arrangements.

Mit »A U R O R A« befreit sich Ben Frost von den charakteristischen Klangelementen der vorausgehenden Alben: verschwunden sind die Gitarren, die langsamen Spannungsbögen, die anhaltenden Klavieranschläge und Streicher-Arrangements. Vergangenheit sind auch die dunkel dräuende Naturromantik und die zuweilen schmerzhafte intime Naturalistik von Field-Recordings. Stattdessen gibt »A U R O R A« den Blick frei auf neue Horizonte einer aufgewühlten Landschaft voll kraftstrotzender Bewegung. Geradezu physisch spürt der Hörer die pulsenden Kontraktionen und massigen Kollisionen muskulöser synthetischer Formen, die knirschende Reibung metallischer Scharniere, die sich in einer Art athletisch-kinetischem Tanz ums Dasein befinden. »A U R O R A« klingt wie ein dreckiges, unzivilisiertes, schweißtriefendes und in ätzende Batteriesäure getauchtes Ringen um körperliches Überdauern, angetreiben vom Primitivismus purer Notwendigkeit.

»A U R O R A«, eingespielt mit Greg Fox (Ex-Liturgy, Man Forever, Guardian Alien), Shazad Ismaily (Laurie Anderson, John Zorn, Carla Bozulich) und Thor Harris (Swans, Shearwater, Bill Callahan), abgemischt in Reykjavík durch Bedroom-Community-Kopf Valgeir Sigurðsson und zum Großteil während eines Aufenthalts in der Demokratischen Republik Kongo geschrieben, ist alles andere als die Vision einer bereinigten und aufgeklärten digitalen Musik. Vielmehr zeichnet das Album eine zerrüttete Zukunft, in der Signalfeuersterne ruinenhafte Nachtclubs ausleuchten und der Glaube an die befreiende Kraft des Dancefloors lediglich noch von einem einzigen Dieselgenerator getragen wird, dessen ölhungriges Dröhnen jene Musik zu übertönen droht, die er mit seiner Elektrizität antreibt.

Die Live-Besetzung ist: Ben Frost (Elektronik), Greg Fox (Drums), Shazad Ismaily (Drums)

http://ethermachines.com/
http://www.bedroomcommunity.net/artists/ben_frost
https://soundcloud.com/benfrost
http://benfrost.bandcamp.com/

Im Vorprogramm präsentiert Circuit des Yeux ihr neues Album »Overdue«. Das mittlerweile fünfte Album der 23-jährigen Musikerin Haley Fohr aus Chicago ist eine Art klanglicher Bildungsroman und zeichnet den Übergang aus dem universitären Kloster des ländlichen Bloomington, Indiana, in die verhärmte, lärmende und gewalttätige Chicago South Side. Mit ihrem eigenwilligen Popentwurf vereint Circuit des Yeux hypnotische Gitarrenexperimente, Fohrs charakteristisch tiefe Stimme, komplexe Orchestrierungen und verzerrte Klanghalluzinationen zu kraftvollen minimalistischen Arrangements, deren emotionale Dunkelheit Erinnerungen an die kühle Melancholie Nicos wachwerden lassen.

http://www.circuitdesyeux.net/
https://soundcloud.com/circuitdesyeux
http://circuitdesyeux.bandcamp.com/

SBKTN – Ambient/Downbeat – IFZ, vertigo
https://soundcloud.com/subktn

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steve reich.

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Sonnabend | 3. Mai 2014 | 20:00 Uhr | Gewandhaus | Leipzig

REICH-VARIATIONEN

KRISTJANS PLUGGED-IN

Steve Reich: Duet for two Solo Violins and String Orchestra
Steve Reich: Daniel Variations
Steve Reich: Clapping Music
Steve Reich: „The Four Sections“
Steve Reich: You Are Variations

MDR SINFONIEORCHESTER, MDR RUNDFUNKCHOR

Kristjan Järvi | Dirigent
Steve Reich | Clapping
Kristjan Järvi | Clapping
Waltraut Wächter | Violine
Andreas Hartmann | Violine

Noch nie zuvor hat Steve Reich eine Einladung als „Composer in residence“ angenommen. Dass dies nun beim MDR SINFONIEORCHESTER geschah, ist der langjährigen Zusammenarbeit und Freundschaft mit Kristjan Järvi zu verdanken. Dessen Einspielung der „Desert Music“ z. B. schätzt der Komponist als exemplarisch ein. Für die Konzerte des MDR SINFONIEORCHESTERS in dieser Saison schrieb Reich neue Fassungen von zwei seiner bedeutendsten Werke, den „Daniel Variations“ sowie den „You Are Variations“. Und das Beste ist: An diesem Abend wird Steve Reich nicht nur zu Gast sein, sondern gemeinsam mit dem Chefdirigenten des MDR SINFONIEORCHESTERS auch seine „Clapping Music“ aufführen. Zusammen mit Kristjan Järvi, seinem Orchester und dem MDR RUNDFUNKCHOR wird Reich wenige Tage später in Paris zu Gast sein, wo die „Reich-Variationen“ mit Spannung erwartet werden. Steve Reich hat Kultstatus, obwohl – oder gerade weil – er nie aufgehört hat, nach Neuem zu suchen, statt sich auf dem Status als „Begründer der Minimal Music“ auszuruhen: „Ich finde diese Begriffe nachvollziehbar. Aber sie gehen mich nichts an. Mein Job ist, das nächste Stück zu schreiben.“ Und dass dieses nicht wie vor 30 oder 40 Jahren aussehen kann, steht für ihn außer Frage …

tim hecker. carla bozulich.

Dienstag | 8. April | 21:00 | UT Connewitz | Wolfgang-Heinze-Straße 12a | Leipzig

Tim Hecker (can// kranky) | Carla Bozulich (us// constellation)

Im atmosphärisch minimalen Ambient genauso zu Hause wie in der Arbeit mit abstrakten Drones ist der Kanadier Tim Hecker seit dem Release seines Debüts „Haunt Me, Haunt Me Do It Again“ (2001) für seine intensiven Kompositionen bekannt, die ätherische Dissonanz mit Konzeptkunst verbinden.

Der atemberaubende Bombast des Albums „Ravedeath, 1972“ etwa entstammte einer Pfeifenorgel aufgenommen im historischen Raum einer Reykjaviker Kirche. Diesen löst Hecker auf dem aktuellen Album „Virgins“ durch Intimität ab. Kernige Verzerrungen und hallender Sound weichen luftigeren, feingliedrigen und lebendigeren Konstrukten, aus denen eine Vielzahl von Texturen und Stimmungen entstehen.

Die Grundlagen von Heckers derzeit genutzten Sounds wurden von einem kleinen Ensemble aus Musikern der sogenannten “Bedroom Community” (u.a. Ben Frost, Grímur Helgason) instrumental eingespielt und erst aus diesen Passagen schafft Hecker dann die eigentlichen Stücke, also analog-digital Hybride. Diese typischen Multischicht-Kompositionen werden live von Hecker mehr noch als bei den Releases teilweise heftig in Sound, Lautstärke, Filterung manipuliert werden.

::: http://www.sunblind.net/

Tief, tough und ausdrucksstark. Man muss nur den Namen Carla Bozulich hören und schon schiebt sich ihre Stimme ins Ohr. Sie singe wie ein „hard rock mountain with a hot marshmellow center“, beschreibt sie ihr ihr eigenes Organ in einem Interview. Nach diversen Ausflügen in Genre, die so gar keine Verwendung für kratzig-bluesiges Stimmvolumen haben, interessierte sie sich, ob in ihrem Duo „Scarnella“ oder ihrem Soloprojekt „Evangelista“, immer stärker für avantgardistische Soundscapes und Improvisation – sie bezeichnet sich selbst als „worshipper of the drone“.

Carla Bozulich lässt für ihr drittes Soloalbum „Boy“ Evangelista vorerst beiseite. Für die Künstlerin, die vor Evangelista bereits mit Ethyl Meatplow, The Geraldine Fibbers und Scarnella unterwegs war, es ein »Pop-Album« geworden. Ein Zucken, kein Raunen, geht durch den Raum. Carla schabt auf „Boy“ die ohnehin schon offenliegenden Ecken und Kanten bis zum Gehtnichtmehr ab und kreiert einen organischen, mantragetriebenen Kunstblues, der sich nicht zähmen lässt. Ihr dunkles Timbre bleibt dabei immer völlig einzigartig.

::: http://www.carlabozulich.com/