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solidarität mit israel. gegen antisemitische terrorbanden.

Dienstag | 22. Juli 2014, 15:00 | Johannistor | Jena

Solidarität mit Israel – Gegen antisemitische Terrorbanden

Der Volksmob tobt mal wieder in Deutschland. Diesmal sind es jedoch keine rechtsoffenen Bürger, die gegen Asylbewerber protestieren. Nein! Diesmal sind es linke Antiimperialisten, Islamisten und Neonazis, die gemeinsam gegen die israelische Militärintervention im Gazastreifen, die derzeit als Reaktion auf die andauernden Raketenbeschüsse aus Gaza durchgeführt wird, demonstrieren. Unter dem Motto „Frieden für Gaza“ gingen in den letzten Wochen Tausende scheinbar gegen die Militärpolitik des Staates Israel auf die Straße. Dabei ging es aber weniger um Israel, als vielmehr um die Juden an sich.

Friedlich blieben dabei wenige. Fast bei jeder Demonstration kam es zu Übergriffen auf Journalisten, pro-israelische Demonstrierende oder Polizisten. Viele der Attackierten mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Die Eskalation der sogenannten Friedensfreunde geht aber noch viel weiter. So wurden am vergangenen Freitag vierzehn Personen festgenommen, weil sie einen Anschlag auf die alte Synagoge in Essen geplant hatten. Ähnliches geschah auch in Frankreich, als Antisemiten zwei Synagogen angriffen und rund 100 Juden in einer Synagoge eingeschlossen waren.

Die sogenannte Israelkritik, die immer wieder als legitime Form der Kritik angebracht wird, zeigt sich hier endgültig als Farce. „Hamas, Hamas! Juden ins Gas!“ oder „Kindermörder Israel“ stellen dabei nur die Spitze der antisemitischen Agitation dar. Die Querfront aus patriarchalen Palästinafreunden und antisemitischen Linken und Rechten zeigt eindeutig, wie sich die Stimmung in Deutschland, aber auch in Europa im Allgemeinen wendet. Dagegen sind die Ermordungen von Menschen in Syrien oder die Errichtung eines Kalifats in Teilen des Iraks und Syriens diesen Friedensfreunden keine Demo – ja nicht einma ein Wort – wert. Denn nur Israel vs. Palästina bietet einen Bonus, den andere Konflikte – auch weitaus blutigere in exakt derselben Region – nicht zu bieten haben: Antisemitismus als Welterklärung, als Exit aus der Moderne, als Fluchtpunkt allen Übels einer ungerechten Welt.

So sieht es aus, das postmoderne “Nie wieder” auf paneuropäisch: Statt sich mit dem brachialsten, gewalttätigsten Ausbruch von Antisemitismus und antisemitischer Gewalt auf dem Kontinent seit 1945 zu beschäftigen, pflegt man hierzulande lieber “Israelkritik” und inszeniert sich als Opfer der USA. Nach den jüngsten Ausbrüchen sollte allerdings endgültig klar sein: Eine Linke, die mit dieser Art von “Antiimperialismus” nicht endgültig Schluss macht, hat jeden, aber wirklich jeden emanzipatorischen Anspruch aufgegeben oder nie besessen.

[http://gruppeodysseus.wordpress.com/]

gegen den antijüdischen krieg und seine unterstützer.

solidarität mit israel

Donnerstag | 17. Juli | 17:00 | Willy-Brandt-Platz | Leipzig

Gegen den antijüdischen Krieg und seine Unterstützer

Nichts kümmert die „Friedensmacht Deutschland“ (Gerhard Schröder) weniger als die Palästinenser. Wäre es anders, ginge längst ein Aufschrei durchs Land, da abertausende Palästinenser abgeschlachtet und systematisch ihrer elementaren Rechte beraubt werden. Tatsächlich hat sich die deutsche Öffentlichkeit aber längst von der katastrophalen Lage in Syrien abgewendet, wo diese Zustände seit Jahrzehnten herrschen und sich derzeit dramatisch verschärfen.

Ohrenbetäubend wird der Aufschrei in Deutschland und der Welt erst, wenn diejenigen, die Millionen Palästinenser unter dem Joch einer barbarischen Willkürherrschaft halten, geschwächt werden sollen. Eben dieses Ziel verfolgen die israelischen Streitkräfte, wenn sie den Waffenschmuggel in Richtung Libanon und Gaza unterbinden und die terroristische Infrastruktur der Hamas und ihrer Verbündeten zerstören. Israel hat es nicht in der Hand, den Frieden im Nahen Osten herbeizuführen, solange das erklärte Kriegsziel der palästinensischen Hamas, der iranisch gelenkten Hisbollah und etlicher anderer Staaten und Terrorgruppen ist, die Juden zu vertreiben und zu töten. Als einzige demokratische Republik der Region leistet Israel die Sisyphusarbeit, antisemitische Terrorgruppen periodisch zu entwaffnen und abzuschrecken, um ihre Bürger zu schützen. Der in Deutschland mehrheitsfähige Irrwitz will aber, dass allein der jüdische Staat die Macht über Krieg und Frieden in der Region hat, während den Palästinensern jede Verantwortung für ihr Tun und Unterlassen abgesprochen wird. Dabei hat der antijüdische Krieg lange vor der Gründung Israels begonnen und lässt sich nicht aus dessen politischen Maßnahmen erklären. Der erste Höhepunkt dieses Krieges war die Vernichtung der europäischen Juden, woraufhin die Gründung des Staates Israel notwendig geworden ist. Die nächste große Etappe soll die nukleare Vernichtung Israels durch das iranische Regime sein. Der antijüdische Krieg wird erst enden, wenn alle Juden ermordet sein werden – oder der Judenhass endlich auf den Müllhaufen der Geschichte befördert worden ist.

Gegen letzteres arbeitet eine derzeit wiederauflebende deutsche „Friedensbewegung“. Ihre Solidarität gilt keineswegs dem Gros der Leidtragenden des radikalen Islam: den Muslimen selbst, von den Christen und Juden ganz zu schweigen. An der jahrzehntelangen Rechtlosigkeit und brutalen Unterdrückung der Palästinenser durch Syrien und andere arabische Staaten sind die friedensbewegten „Israelkritiker“ gänzlich uninteressiert. Denn deren ganze Energie ist auf die vergleichsweise seltenen Fälle gerichtet, bei denen Palästinenser durch jüdische Einwirkung umkommen. Nur Palästinenser, deren Tod den Israelis angelastet werden kann, werfen in der weltpolitischen Empörungsökonomie etwas für die Diskreditierung des Zionismus und folglich für die Machterhaltung von Hamas und Konsorten ab. Die palästinensischen Machthaber verstärken diesen Effekt, indem sie immer wieder „menschliche Schutzschilde“ installieren und etliche getötete Kombattanten zu Zivilisten umwidmen – und bisweilen sogar die Opfer ihrer politischen Rachefeldzüge den Israelis zuschreiben. Die deutsche „Friedensbewegung“ trägt ihr Scherflein dazu bei, indem sie über solche Kriegsverbrechen, die grassierende Misswirtschaft und den religiösen Terror im Gaza-Streifen schweigt und pflichtschuldig „Kindermörder Israel“ brüllt.

Solch judenfeindlicher Irrsinn ist (nicht nur) im Nahen Osten das größte Hindernis für ein friedliches und solidarisches Leben in Freiheit. In den arabischen Staaten wird jede soziale und politische Emanzipation solange vereitelt, wie antisemitische Kriegshetze die Herrschenden und Beherrschten vereint. Als die iranische Freiheitsbewegung im Jahr 2009 antrat, die treibende Kraft des eliminatorischen Antizionismus zu beseitigen, glänzte die „Friedensmacht Deutschland“ samt ihrer Linken durch Solidaritätsverweigerung und Desinteresse. Es darf also niemanden wundern, wenn die „Friedenspartei“ Die Linke und ihr studentischer Ableger Linke.SDS anlässlich der „Operation Protective Edge“ ihren Beitrag zur Delegitimierung der israelischen Selbstverteidigung und also zur Rettung der angeschlagenen islamistischen Despotie in Gaza liefern.

Zu den aktiven Gegnern einer solidarischen und friedlichen Weltgesellschaft gehört nicht nur der islamistische Wahn gegen Juden und Abweichler selbst, sondern auch eine links daher kommende „Friedensbewegung“, deren Analyse des Weltgeschehens sich in der willkürlichen Personalisierung von überpersönlichen Herrschafts- und Ausbeutungsstrukturen ergeht. Hinzu treten Antiimperialisten rechter und linker Couleur, die den volkstümlichen Verschwörungswahn bedienen, eine herrschsüchtige Ideologie, die ihre antisemitische Stoßrichtung kaum verleugnen kann. Zu den Gegnern der sozialen und politischen Befreiung gehört nicht zuletzt eine Linke samt gleichnamiger Partei, so sie – wie jüngst bei den antisemitischen Ausschreitungen in Frankfurt am Main – neben Islamisten und Faschisten leidenschaftlich für einen „Frieden für Gaza“ streitet. Ein „Frieden“, der einschließt, im Namen der „Selbstbestimmung der Völker“ Juden, Christen, Frauen, Nicht-Heterosexuelle, Oppositionelle und „Ungläubige“ weiterhin unbehelligt unterdrücken und ermorden zu können.

Die Kundgebung richtet sich an alle, die für die Beendigung des antijüdischen Krieges eintreten und davon überzeugt sind, dass Antisemitismus und Antizionismus zu den größten Hindernissen einer solidarischen, friedlichen Weltgesellschaft zählen.

Solidarität mit Israel!
Für die Befreiung Gazas von der Hamas und anderen islamistischen Terrorgruppen!
Für einen atomwaffenfreien Iran!
Für eine solidarische Weltgesellschaft ohne jeden Antisemitismus!

Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Leipzig

vergangenheitsbewältigung als eingriffsermächtigung. über israelfreundschaft als deutsche staatsräson.

Di | 15. Juli 2014, 19:00 Uhr | Melanchthonianum | Universitätsplatz | Halle

Vergangenheitsbewältigung als Eingriffsermächtigung – Über Israelfreundschaft als deutsche Staatsräson

Vortrag und Diskussion mit Clemens Nachtmann (Graz)

Das, was einmal exklusiv deutsche Ideologie war – die Auffassung von Deutschland als ‚Kulturnation‘, der es im Gegensatz zu anderen kapitalistischen Ländern um höhere Werte gehe – hat sich in der Europa-Ideologie verallgemeinert. Der souveräne Nationalstaat, so der europäische Konsens von Politik, Presse und Volksmeinung, sei als Institution längst obsolet und müsse durch eine auf dem Völkerrecht basierende internationale Ordnung abgelöst werden. Es ist im Moment gerade nicht Deutschland, sondern es sind die anderen europäischen Länder, die keinerlei Hemmungen zeigen, die in dieser Ideologie vorgezeichneten Konsequenzen auch praktisch zu vollstrecken. Es war nicht in Deutschland, sondern im angeblich so toleranten und freizügigen Schweden, genauer gesagt in der Stadt Malmö, wo 30 jüdische Familien wegzogen, weil arabische Jugendliche ihnen das Leben zur Hölle machten, während der Bürgermeister die jüdische Gemeinde aufforderte, sich von der israelischen Gaza-Politik abzugrenzen, um so zur Deeskalation beizutragen. Es war in Spanien, nicht in Deutschland, wo sich 2009 auf einer antiisraelischen Massendemonstration anlässlich des Gaza-Feldzugs die sozialistische Regierungspartei, die Vereinigte Linke und die beiden größten Gewerkschaften offen mit Hisbollah und Hamas solidarisierten. Und es sind britische, nicht deutsche Intellektuelle, unter denen es als besonders chic gilt, zum Boykott von Israel aufzurufen.

Was die Angesprochenen eint, ist die Überzeugung, aus einem antifaschistischen und antirassistischen Ethos heraus zu handeln und die richtigen ‚Lehren aus der Vergangenheit‘ gezogen zu haben. Was das gute Gewissen ermöglicht, ist die mittlerweile national wie international durchgesetzte Rede von der ‚Singularität‘ des Nazi-Regimes und des nazifaschistischen Massenmords. Während aber diese ‚Lehre aus der Geschichte‘ für die Deutschen bedeutet, sich gerade im Umgang mit Israel Zurückhaltung aufzuerlegen, legitimiert sie für andere europäische Staaten mittlerweile das Gegenteil: komplette Bedenkenlosigkeit, was das innen- und außenpolitische Fraternisieren mit aktuellen und virtuellen Massenmördern zum Zwecke der Delegitimierung und Schwächung Israels betrifft. Im Augenblick herrscht in Europa eine internationale Arbeitsteilung, aus der alle Beteiligten einen moralischen Mehrwert beziehen: die Spanier, die Schweden und andere vergleichbare, indem sie ihre Enthemmtheit gegenüber Israel als besondere Glaubwürdigkeit verkaufen, die Deutschen, indem sie, statt sich selbst die Finger schmutzig zu machen, die anderen sich ausagieren lassen und dafür mit mäßigendem Einfluss punkten möchten.

Warum dies für die antideutsche Kritik schlussendlich bedeuten muss, mit den letzten Resten der Theorie vom ‚deutschen Sonderweg‘ aufzuräumen, und warum die antideutsche Zuspitzung materialistischer Kritik angesichts dieser Zustände aktuell bleibt, soll der Vortrag klären.

Clemens Nachtmann ist Redakteur der Zeitschrift „Bahamas“.

Eine Veranstaltung im Rahmen von „Wahn und Verschwörung – Die antisemitische Internationale“ Antifaschistische Hochschultage im Sommersemester 2014.

[ag antifa]

fight back. nazidemo in merseburg stoppen.

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10 Uhr Bahnhof Merseburg. Am 21.06.2014 wollen Neonazis wieder durch Merseburg marschieren. Aufhänger ist, wie die Jahre davor, der Arbeiteraufstand vom 17.06.1953. Wie so oft versuchen sie sich in diesem Zusammenhang, gerade in Krisenzeiten, als „revolutionäre Alternative“ zum System darzustellen.

**Nationalismus ist keine Antwort…

Der, vom singenden NPD-Mann Hans Püschel verfasste Aufruf wettert in deutsch-nationaler Tradition gegen die „Glasperlenwährung wie den Euro“, Asylheime, die „wie Pilze aus dem Boden schießen“, die EU-Osterweiterung, bedient damit rassistische Ressentiments und verkauft Nationalismus als vermeintliche Krisenlösung. All dies wird dann mal eben zum „Freiheitswillen des deutschen Volkes“ erklärt, um doch noch irgendwie den Bogen zum 17. Juni und dem Thema der Demonstration zu schlagen. *Die eigentlichen sozialen Probleme wie voranschreitender Sozialabbau, Prekarisierung vieler Lohnarbeiter_Innen, Obdachlosigkeit etc., welche gerade dank der deutschen Wirtschaftspolitik europaweite Hochkonjunktur erfahren, werden dagegen wissentlich übersehen. *Letztlich bleibt es also bei der ewiggestrigen Nazipropaganda, die Sündenböcke sucht anstatt anzuerkennen, dass gesellschaftliche Probleme zu komplex sind, als dass jemand daran einfach nur „schuld“ sein kann. *Auch geht es ihnen darum, sich in Merseburg als Hegemonialmacht zu präsentieren und den „Kampf um die Straßen“ für sich zu entscheiden.

Rassismus erst recht nicht!**

Dass die Stadt Merseburg als Aufmarsch herhalten kann verwundert dabei recht wenig. Die Serie rassistischer Überfälle Ende Februar, die nur einen Bruchteil der alltäglichen rassistischen Gewalt in und um Merseburg darstellt, die darauffolgende Nazidemonstration am 01.03.2014 „Gegen Asylflut und linke Hetze“ sowie die immer neuen Schändungen der Gedenkstele für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma zeigen die Selbstsicherheit mit der Nazis in Merseburg und Umgebung agieren. Zuspruch bekommen sie unter anderem auf Facebookseiten wie „Merseburg gegen Asylanten“, wo sich Bürger aus der Mitte der rassistischen Hetze anschließen. Dass sich Nazis in Merseburg nach wie vor wohl fühlen ist unbestreitbar. Es ist daher notwendig ihre Hegemonialstellung zu brechen, damit sich alle, die nicht in das menschenverachtende Bild von Neonazis und Rassist_Innen passen, endlich frei bewegen können!

Setzt mit uns gemeinsam ein Zeichen gegen rassistische Hetze, soziale Ausgrenzung und nationalistische Engstirnigkeit! Am 21.06. in Merseburg Nazis blockieren!

[http://antifamsbg.blogsport.eu/]

magyarische mobilisierung. antisemitismus und völkische krisenbewältigung in ungarn.

Dienstag | 27. Mai 2014 | 19:00 Uhr | Melanchthonianum | Universitätsplatz | Halle

Magyarische Mobilisierung – Antisemitismus und völkische Krisenbewältigung in Ungarn
Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat (Wien)

Ungarn scheint auf den Titel „Antisemitischstes Land in Europa“ versessen zu sein: Regelmäßig demonstrieren Nazis in Budapest, mehr als ein Drittel der Ungarn glaubt an eine jüdische Weltverschwörung und die Regierung betont die guten Beziehungen zum Iran – der Staat, der Israel auslöschen will. Auch in vergleichenden Länderstudien zur Verbreitung von Fremdenfeindlichkeit und klassischem Antisemitismus erreicht die ungarische Bevölkerung regelmäßig Spitzenwerte. Der „Ungarische Bürgerbund“ Fidesz, die Schwesterpartei der deutschen Unionsparteien, hat in den letzten vier Jahren mit seiner Zwei-Drittel-Mehrheit in einem atemberaubenden Tempo eine autoritäre und auf völkische Mythen rekurrierende Umgestaltung der ungarischen Gesellschaft betrieben. Ministerpräsident Orbán agiert im scheinbar vorauseilenden Gehorsam gegenüber der offen antisemitischen und rassistischen Jobbik, in Wirklichkeit aber im gar nicht sonderlich heimlichen Einverständnis mit dieser. Der Vortrag will nicht nur auf die politische Situation in Ungarn eingehen, sondern auch auf die zentralen Entwicklungen in der ungarischen Gesellschaft eingehen, die eine antisemitische Mobilisierung möglich gemacht haben.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Uni Wien, Herausgeber von „Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert“ und Mitherausgeber von „Iran im Weltsystem. Bündnisses des Regimes und Perspektiven der Freiheitsbewegung“. Ein ausführlicher Beitrag von ihm zum Thema ist im Heft 2 der Zeitschrift „sans phrase“ erschienen.

[Wahn und Verschwörung – Die antisemitische Internationale – Antifaschistische Hochschultage im Sommersemester 2014 der ag antifa im Studierendenrat der MLU Halle]

refugees welcome.

Refugees Welcome!

Dritter Definitivartikel zum ewigen Frieden

»Das Weltbürgerrecht soll auf Bedingungen der allgemeinen Hospitalität eingeschränkt sein.«

Es ist hier, wie in den vorigen Artikeln, nicht von Philanthropie, sondern vom Recht die Rede, und da bedeutet Hospitalität (Wirtbarkeit) das Recht eines Fremdlings, seiner Ankunft auf dem Boden eines andern wegen, von diesem nicht feindselig behandelt zu werden. Dieser kann ihn abweisen, wenn es ohne seinen Untergang geschehen kann; so lange er aber auf seinem Platz sich friedlich verhält, ihm nicht feindlich begegnen. Es ist kein Gastrecht, worauf dieser Anspruch machen kann (wozu ein besonderer wohltätiger Vertrag erfordert werden würde, ihn auf eine gewisse Zeit zum Hausgenossen zu machen), sondern ein Besuchsrecht, welches allen Menschen zusteht, sich zur Gesellschaft anzubieten, vermöge des Rechts des gemeinschaftlichen Besitzes der Oberfläche der Erde, auf der, als Kugelfläche, sie sich nicht ins Unendliche zerstreuen können, sondern endlich sich doch neben einander dulden zu müssen, ursprünglich aber niemand an einem Orte der Erde zu sein mehr Recht hat, als der andere. – Unbewohnbare Teile dieser Oberfläche, das Meer und die Sandwüsten, trennen diese Gemeinschaft, doch so, daß das Schiff, oder das Kamel (das Schiff der Wüste) es möglich machen, über diese herrenlose Gegenden sich einander zu nähern, und das Recht der Oberfläche, welches der Menschengattung gemeinschaftlich zukommt, zu einem möglichen Verkehr zu benutzen. Die Unwirtbarkeit der Seeküsten (z.B. der Barbaresken), Schiffe in nahen Meeren zu rauben, oder gestrandete Schiffsleute zu Sklaven zu machen, oder die der Sandwüsten (der arabischen Beduinen), die Annäherung zu den nomadischen Stämmen als ein Recht anzusehen, sie zu plündern ist also dem Naturrecht zuwider, welches Hospitalitätsrecht aber, d.i. die Befugnis der fremden Ankömmlinge, sich nicht weiter erstreckt, als auf die Bedingungen der Möglichkeit, einen Verkehr mit den alten Einwohnern zu versuchen. – Auf diese Art können entfernte Weltteile mit einander friedlich in Verhältnisse kommen, die zuletzt öffentlich gesetzlich werden, und so das menschliche Geschlecht endlich einer weltbürgerlichen Verfassung immer näher bringen können.

Vergleicht man hiemit das inhospitale Betragen der gesitteten, vornehmlich handeltreibenden Staaten unseres Weltteils, so geht die Ungerechtigkeit, die sie in dem Besuche fremder Länder und Völker (welches ihnen mit dem Erobern derselben für einerlei gilt) beweisen, bis zum Erschrecken weit. Amerika, die Negerländer, die Gewürzinseln, das Kap etc. waren, bei ihrer Entdeckung, für sie Länder, die keinem angehörten; denn die Einwohner rechneten sie für nichts. In Ostindien (Hindustan) brachten sie, unter dem Vorwande bloß beabsichtigter Handelsniederlagen, fremde Kriegesvölker hinein, mit ihnen aber Unterdrückung der Eingebornen, Aufwiegelung der verschiedenen Staaten desselben zu weit ausgebreiteten Kriegen, Hungersnot, Aufruhr, Treulosigkeit, und wie die Litanei aller Übel, die das menschliche Geschlecht drücken, weiter lauten mag.

China und Japan (Nippon), die den Versuch mit solchen Gästen gemacht hatten, haben daher weislich, jenes zwar den Zugang, aber nicht den Eingang, dieses auch den ersteren nur einem einzigen europäischen Volk, den Holländern, erlaubt, die sie aber doch dabei, wie Gefangene, von der Gemeinschaft mit den Eingebornen ausschließen. Das Ärgste hiebei (oder, aus dem Standpunkte eines moralischen Richters betrachtet, das Beste) ist, daß sie dieser Gewalttätigkeit nicht einmal froh werden, daß alle diese Handlungsgesellschaften auf dem Punkte des nahen Umsturzes stehen, daß die Zuckerinseln, dieser Sitz der allergrausamsten und ausgedachtesten Sklaverei, keinen wahren Ertrag abwerfen, sondern nur mittelbar, und zwar zu einer nicht sehr löblichen Absicht, nämlich zu Bildung der Matrosen für Kriegsflotten, und also wieder zu Führung der Kriege in Europa dienen, und dieses möchten, die von der Frömmigkeit viel Werks machen, und, indem sie Unrecht wie Wasser trinken, sich in der Rechtgläubigkeit für Auserwählte gehalten wissen wollen.

Da es nun mit der unter den Völkern der Erde einmal durchgängig überhand genommenen (engeren oder weiteren) Gemeinschaft so weit gekommen ist, daß die Rechtsverletzung an einem Platz der Erde an allen gefühlt wird: so ist die Idee eines Weltbürgerrechts keine phantastische und überspannte Vorstellungsart des Rechts, sondern eine notwendige Ergänzung des ungeschriebenen Kodex, sowohl des Staats-als Völkerrechts zum öffentlichen Menschenrechte überhaupt, und so zum ewigen Frieden, zu dem man sich in der kontinuierlichen Annäherung zu befinden nur unter dieser Bedingung schmeicheln darf.

[Immanuel Kant (1795): Zum ewigen Frieden. Werke in zwölf Bänden. Herausgegeben von Wilhelm Weischedel. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1977. Band 11, S. 213 ff.]

links ist da, wo kein antisemitismus ist?

Di | 13. Mai 2014 | 19:00 Uhr | Melanchthonianum | Universitätsplatz | Halle

Links ist da, wo kein Antisemitismus ist?
Vortrag und Diskussion mit Sören Pünjer (Berlin)

Wer sich schon einmal daran versucht hat, am ideologischen Weltbild eines standhaften Linken zu rütteln, der wird um die Erfahrung nicht herumgekommen sein, dass das faktenbezogene Argumentieren meist nur an einer einzigen Stelle den linken Selbstzweifel nähren kann: Den Vergleich mit der NPD bemühen zu müssen, entspringt der Hoffnung, wenigstens am antifaschistischen Gewissen jener rühren zu können, die im Angesicht ihrer persönlichen Nähe zu den Nazis noch vor sich selber erschrecken können.

Verweist man auf die nicht aus der Welt zu schaffende Deckungsgleichheit bzw. die riesige Schnittmenge, die zwischen der NPD-Programmatik und der linken Welterklärung insbesondere beim Thema Globalisierung besteht, dann zeigt sich, dass hier etwas schon rein logisch nicht stimmen kann. Jeder besser geschulte Linke weiß selbstverständlich, dass das Weltbild der braunen Kameraden eindeutig antisemitisch ist. Was aber hält die roten Genossen dazu an, gerade an den entscheidenden Punkten wie der Einordnung der Rolle Israels und der USA ihren Erzfeinden gar nicht widersprechen zu können?

Die richtige Antwort auf diese Frage setzt die Erkenntnis voraus, dass der Antisemitismus auch eine Form von Rassismus sein kann, dies aber keineswegs sein Wesen ausmacht, dass er nicht als eine falsche Kritik am Judentum verharmlost werden darf und dass Rassismus und Antirassismus spätestens seit dem Erfolg von Franz Fanon und Edward Said sich ohnehin immer ähnlicher werden.

Warum unter solchen Vorzeichen schon die bloße Frage nach linken Wegen jenseits von Herrschaft und Ausbeutung verdächtig sein muss und die Einladung eines Friedensforschers nach Halle, der über den Westen und den Iran referiert, das Protestieren gegen seine Einladung notwendig macht, darum soll es im Vortrag gehen.

Sören Pünjer ist Redakteur der Zeitschrift „Bahamas“.

[ag antifa | Wahn und Verschwörung – Die antisemitische Internationale Antifaschistische Hochschultage im Sommersemester 2014]

ewiges rätsel antisemitismus. warum der materialismus sich am judenhass die zähne ausbeißt.

Di | 15. April 2014 | 19:00 Uhr | Melanchthonianum | Universitätsplatz | Halle

Wahn und Verschwörung – Die antisemitische Internationale | Antifaschistische Hochschultage im Sommersemester 2014

Ewiges Rätsel Antisemitismus – Warum der Materialismus sich am Judenhass die Zähne ausbeißt

Vortrag und Diskussion mit Philipp Lenhard (München)

Die Vorstellung, die Juden seien selbst für den Antisemitismus verantwortlich, ist eine Rationalisierung des Hasses. Sie folgt der Logik, eine Strafe setze ein Verbrechen voraus, und hält damit den Wahn des Antisemiten von vornherein für realitätsgerecht. Die Verschiebung der Schuld auf die Juden ist somit selbst nichts anderes als Judenfeindschaft. Irgendetwas sei schon dran am Antisemitismus, wenn er seit ewigen Zeiten bestehe und von so vielen gebildeten Leuten geteilt werde. Das zu Begründende erweist sich als unbegründbar, weil es sich durch seine bloße Existenz zu legitimieren scheint. An dieser Stelle ist eine Grenze der Aufklärung erreicht, die es unmöglich macht, an die Vernunft des Sprechenden zu appellieren.
Dennoch haben Theoretiker stets versucht, eine Erklärung für den Antisemitismus zu finden. Die Marxisten haben dem Kapitalismus die Schuld gegeben, die Atheisten dem Christentum, die Existenzialisten dem je Einzelnen. Nur die Kritische Theorie Adornos und Horkheimers hat versucht, der Dialektik der Aufklärung selbst auf die Schliche zu kommen. Doch auch ihr berühmter Versuch über den Antisemitismus wird nicht mit dem Problem fertig, dass die Judenfeindschaft scheinbar ewig und unabhängig von jeder konkreten gesellschaftlichen Formation ist. Rückblickend schrieb Max Horkheimer 1968: „Die Aufgabe bleibt, herauszufinden, ob nicht all diesen feindlichen Haltungen […] eine bisher unbekannte, tieferliegende, aufs engste mit der Geschichte der Zivilisation verknüpfte Wurzel zugrundeliegt.“ Der Zionismus hat auf das ewige Rätsel Antisemitismus mit der pragmatischen Konsequenz reagiert, dass er eine bewaffnete Heimstätte für die Juden in aller Welt schuf. Doch so notwendig die Verteidigung des jüdischen Staates Israel angesichts des perennierenden Wahns ist, so unabdingbar bleibt es zugleich, dieses Rätsel zu lösen, um den Antisemitismus aus der Welt zu schaffen.

Philipp Lenhard, Redakteur der Zeitschrift „Prodomo“ und Mitherausgeber des Sammelbandes „Gegenaufklärung. Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft“ (ça ira Verlag 2012), wird sich in seinem Vortrag der von Horkheimer formulierten Aufgabe widmen, dem Ursprung und dem Grund für die Persistenz des Antisemitismus auf die Spur zu kommen.

[ag antifa]

griechenland hinter den kulissen.

Freitag | 28.3. | 16 Uhr | Uni Jena | Carl-Zeiss-Str. 3 | Hörsaal 9 | Jena
Samstag | 29.3. | 16 Uhr | L50 | Lasallestr. 50 | Erfurt

Griechenland hinter den Kulissen.

Ein Vortrag mit Leuten aus dem Umfeld der neuen antifaschistischen Zeitschrift „0151“ zur gegenwärtigen Situation in Griechenland und ihren historischen Wurzeln.

Bei den letzten Wahlen in Griechenland, welche im Mai und Juni 2013 stattfanden, bekam die Neo-Nazi-Partei „Goldene Morgenröte“ eine halben Million Stimmen und damit 7% aller abgegebenen. Schlimmer noch, in den Meinungsumfragen der letzten Monate bekannten 15-17% der Griechen, die Neo-Nazi-Partei zu unterstützen und bekundeten ihre Sympathie gegenüber den Aktivitäten der „Goldenen Morgenröte“. Zugleich sind Angriffe auf Migranten in Athen und anderen Städten Griechenlands in den letzten Jahren zur Normalität geworden.

Jedoch sind Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus, Homophobie und Faschismus auch schon während der letzten Jahrzehnte, sowie während aller vorhergehenden Epochen der nationalen Geschichte, dauerhafte Bestandteile der griechischen Gesellschaft gewesen.

Die griechische Gesellschaft weiß, wie mit Fremden umzugehen ist, und zeigt sich gastfreundlich.
Von den geschäftigen Stadtvierteln Athens bis zu den Feldern des griechischen Hinterlandes gab es in den vergangenen Jahrzehnten Erschießungen, Vergewaltigungen, Morde und Staatliche Gefangennahmen von GastarbeiterInnen, Geflüchteten und Roma. Diese Übergriffe wurden von der griechischen Mehrheitsgesellschaft unterstützt oder beschwiegen. Doch auch Andere, die von den Normen der nationalen Mehrheit abweichen (LGBTQ, FeministInnen, politische Radikale usw.), sehen sich Feindseligkeit und gesellschaftlicher Ächtung ausgesetzt.

( „0151“ versucht sich an einer Dokumentation, Untersuchung und Zurückdrängung des Antisemitismus, des Rassismus, des Faschismus, der Homophobie und des Sexismus der griechischen Gesellschaft und ihrer Avantgarden.)

Der Vortrag wird auf English gehalten und übersetzt.

deutsche dörfer. comeback der 90er? antirassismus im zeichen der nazi- und bürgerproteste gegen flüchtlingsheime.

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Samstag | 15. März 2014 | 19:30 Uhr | Conne Island | Leipzig

Deutsche Dörfer: Comeback der 90er? Antirassismus im Zeichen der Nazi- und Bürgerproteste gegen Flüchtlingsheime

Podiumsdiskussion

Die Zahl rechtsextremer Angriffe auf Flüchtlingsheime hat sich 2013 im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Bürger protestieren gemeinsam mit Nazis gegen die Unterbringung von Asylsuchenden. Das erinnert an die neunziger Jahre. Gleichzeitig haben Flüchtlinge den Widerstand gegen das Migrationsregime mehr und mehr selbst in die Hand genommen und die Flüchtlingsabwehr hat sich an die europäischen Außengrenzen verlagert.
Wie geht die Linke mit dieser Situation um? Muss sich antirassistische Arbeit zuerst gegen den gesellschaftlichen Rassismus wenden oder gegen die staatliche Flüchtlingspolitik? Ist wieder klassische Antifa-Arbeit gefragt? Oder geht es jetzt darum, vor allem Flüchtlinge bei ihrem Kampf zu unterstützen?

Die Wochenzeitung „Jungle World“ diskutiert dies mit Jan-Georg Gerber, Felix Fiedler, Jennifer Stange und Daniel Steinmaier (Pro Asyl). Moderation: Ivo Bozic