Archiv für Januar 2014

magyarische mobilisierung. autoritäre und völkische krisenbewältigung in ungarn.

Montag | 27. Januar | 19 Uhr | Universität Leipzig (HSG) | Hörsaal 8

Magyarische Mobilisierung. Autoritäre und völkische Krisenbewältigung in Ungarn

Vortrag und Diskussion mit Stephan Grigat

Der „Ungarische Bürgerbund“ Fidesz, die Schwesterpartei der deutschen Unionsparteien, betreibt mit seiner Zwei-Drittel-Mehrheit in einem atemberaubenden Tempo eine autoritäre und auf völkische Mythen rekurrierende Umgestaltung der ungarischen Gesellschaft. Sie agiert im scheinbar vorauseilenden Gehorsam gegenüber der offen antisemitischen und rassistischen Jobbik, in Wirklichkeit aber im gar nicht sonderlich heimlichen Einverständnis mit dieser. Mittlerweile liegt die in der Tradition der nationalsozialistischen Pfeilkreuzler stehende Jobbik in Umfragen zwischen 20 und 30 Prozent der Wählerstimmen. Der Vortrag will zentrale Entwicklungen in der ungarischen Gesellschaft skizzieren, einen Blick auf die Bündnispartner der ungarischen Rechtsparteien werfen und der Frage nachgehen, wie die europäischen Reaktionen auf die Entwicklungen in Ungarn einzuschätzen sind.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien, Herausgeber von „Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert“ und Mitherausgeber von „Iran im Weltsystem. Bündnisse des Regimes und Perspektiven der Freiheitsbewegung“. Ein ausführlicher Beitrag von ihm zum Thema ist im Heft 2 der Zeitschrift „sans phrase“ erschienen.

[Arbeitskreis Gesellschaftskritik. Studentische Initiative an der Universität Leipzig]

stolpersteine. filme gegen das vergessen.

Montag | 27. Januar | 18:30 Uhr | Kino Zazie | Kleine Ulrichstraße 22 | Halle

Stolpersteine—Filme gegen das Vergessen

Anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus zeigen Studenten des Masters Multimedia und Autorschaft der MLU Halle-Wittenberg fünf Kurzfilme. Dabei kommen Experten, Zeitzeugen und der Künstler und Initiator des Stolpersteinprojekts Gunter Demnig zu Wort.

shoah.

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Sonntag | 26. Januar 2014 | 15:00 | Reil78 | Halle

Dokumentation

„Es gibt in dem Film keine Sekunde mit Archivmaterial, weil dies nicht die Art ist, wie ich denke und arbeite, und, nebenbei gesagt, solches Material gibt es gar nicht. […] Wenn ich einen Film gefunden hätte – einen geheimen Film, weil das Filmen verboten war –, gedreht durch die SS, in dem gezeigt wird, wie 3000 Juden – Männer, Frauen und Kinder – zusammen sterben, in der Gaskammer des Krematoriums 2 in Auschwitz ersticken, so würde ich ihn nicht nur nicht gezeigt haben, ich hätte ihn sogar vernichtet. Ich kann nicht sagen, warum. Das passiert von selbst.“ Claude Lanzmann

„Der Film dokumentiert Geschichte und – kaum weniger intensiv und schmerzhaft – das Sprechen über Geschichte. Ihre Verlängerung in die Gegenwart und das, was sie aus den Menschen gemacht hat. Die Überlebenden, die der Regisseur in Israel, in Polen, in den USA, in Deutschland aufgesucht hat, sind gleichermaßen Zeugen unfaßlicher Verbrechen wie der nicht minder unfaßlichen Tatsache, daß nach diesen Verbrechen das Leben weitergegangen ist. Alle „Verarbeitung“ stockt bei diesem unüberbrückbaren Widerspruch, der jeder Mitteilung eine abgründige Dimension hinzufügt – als liege unter den gesprochenen Worten eine geisterhafte Schicht, die das Unaussprechbare und wirklich Gemeinte für immer verschließt. Nicht nur das Zögern mitten im Satz, das Stammeln, das Schweigen, die im Schluchzen erstickende Stimme und der seelische Zusammenbruch vor der Kamera sind Abwehraktionen gegen Erfahrungen, die den Überlebenden überfordern- vielmehr bekunden gerade die Gesten der Rhetorik und selbst das für uns „unverständliche“ Lächeln jenes Mannes, der mit größter Präzision das Scheitern der Lagerrevolte in Auschwitz analysiert, ein Verstummen vor der Geschichte: einen Widerstand, der viele Masken anlegt, um zu verbergen, daß ein Weiterleben nur um den Preis der Abtötung von Erlittenem möglich wurde.

Sprechen über Geschichte: Die Mahnmale und Gedenksteine, die Grundmauern und Verbrennungsstätten, das Meer von Findlingen in Treblinka, die überwachsene Selektionsrampe am Bahnhof von Sobibor – all dies ist nicht Geschichte selbst. Es sind allenfalls ihre Spuren. Und es ist eine zweite „ecriture“, die der Mensch nach dem Inferno über die Landschaft gezogen hat: eine ästhetische Zeichenwelt, die – gleich, ob sie das Vorgefundene im Rohzustand belassen oder ihm Signaturen und Symbole hinzugefügt hat – über Geschichte redet, Erinnerung oder Verdrängung, Beschwören oder Schweigen „darstellt“. Über den Todeszonen breitet sich eine zweite Landschaft aus: unser Verhältnis zur Geschichte. Keine ästhetische Bearbeitung dieser Geographie holt ihre historische Realität ein – umgekehrt tritt uns gerade aus der Alltäglichkeit des Bahngeländes im heutigen Treblinka, aus einer eintönigen Winterlandschaft jenseits der Lagertore, aus der abendlichen Stille an den Ufern der Weichsel bei Chelmno, aus den Bildern einer Kleinstadtidylle, die Auschwitz heißt, ein Erschrecken entgegen: als könne keine Gegenwart sein, solange es eine Erinnerung an diese Vergangenheit gibt. Die Kamera zeigt, halb verdeckt vom Grün der Bäume am Bahndamm, ein Stationsschild: Treblinka. Wir blicken es ungläubig an: Es ist wirklich nur ein Stationsschild.“

1. Teil, 26. Januar 2014, ca. 260 min.
2. Teil, 2. Februar 2014, ca. 280 min.

verso affairs.

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Samstag | 25. Januar | KulturKollektiv (Pferdehaus) | Karl-Heine-Str. 87 | Leipzig

Kings, All Kind Queer Queens & Harlekins!

Alienata (Killekill, Kat Channel, Berlin)
Tami Tamaki – live
Stanley Schmidt (Homopatik, Rivulet Records)
Stepka (KW46)

Chicago, Jack, Italo, Emo(Rave) stuff and many POP & Love Songs from the better side of life which really take leave of the senses….

Dresscode truly madly deeply desired…

http://versoaffairs.com/

https://soundcloud.com/alienata
https://soundcloud.com/tami-tamaki
https://soundcloud.com/android_dance
https://soundcloud.com/manix-2

panzerkreuzer potemkin.

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Sa | 25. Jan | 21 Uhr | UT Connewitz | Leipzig

// Stummfilm live vertont

ALP vertonen PANZERKREUZER POTEMKIN (UdSSR 1925, 75 min; R: Sergei Eisenstein)

„Das sollen wir essen! So was frisst doch kein Schwein!“ – „Das Fleisch ist gut. Wir haben Sommer. Da gibt es überall Maden. Nehmt Salzwasser und wascht sie ab.“

Russland im Jahr 1905. Der russisch-japanische Krieg zehrt an den Kräften der Seeflotte. Als unverdorbene Lebensmittel knapp werden, bricht auf dem Panzerkreuzer Potemkin eine Meuterei aus. Die Offiziere versuchen, den Aufstand zu zerschlagen, doch als der Panzerkreuzer im Hafen von Odessa einläuft, verbrüdern sich die Bürger mit der Besatzung. Jetzt revoltieren Matrosen gegen ihre Offiziere – die da unten gegen die da oben, und es geht ums Leben.

Eisenstein drehte den Film in realer Architektur. Seine Besonderheit liegt in der virtuosen Montagetechnik, die durch schnelle Schnitte und eine assoziative Bildfolge die Dynamik revolutionärer Prozesse versinnbildlicht.

Begleitet wird der Film live von der Berliner Formation ALP, die dem Film einen zeitgemäßen Soundtrack verpsasst. Im Halbdunkel der Filmprojektion arbeiten Gitarre, Bass, Schlagzeug, Orgel, Laptop, Keyboard und Djing und erzeugen in einer Symbiose aus zerschreddertem Ambientsound und Gitarrennoise einen, dem Bandnamen „aggressive loop productions“, entsprechenden Sound.

Wir zeigen die „Berliner Fassung“, die 2005 restaurierte und rekonstruierte Version, mit einer 35mm-Kopie.

hexis. sun worship. evra.

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Samstag | 25. Januar | 21.00 Uhr | Reil78 | Halle

Aus Kopenhagen kommen EVRA, die von Beginn an röhren und rollen. Hardcore gepaart mit Rock ´n Roll. Na sowas aber auch. Kräftige Stimmen, die auch vor etwas Cleansinging nicht zurück schrecken, lassen sich von extra tief gestimmten Gitarren in den Beginn des Abends begleiten. Nicht mehr enden wollende Schreie – prima!
https://evra.bandcamp.com/

Finsterer geht immer. Mit infernalem Black Metal im Stile von WOLVES IN THE THRONE ROOM ziehen uns SUN WORSHIP an diesem Abend in musikalische Sphären, die wir vorher noch nicht betreten haben. Eiskalte Vocals, sägende Riffs und erbarmungslose Doublebass-Attacken ziehen uns in ihren Bann. Wir sind Gefangene im musikalischen Palast der Berliner – und zwar gerne.
http://sunworship.bandcamp.com/

Schließlich setzen die mächtigen HEXIS dem Abend die Krone der Finsternis auf! Prägnante, brutale, durchdachte Songs, die uns fassungslos werden lassen. Ein Sturm zieht auf? Quatsch! Ein Orkan voller Wut! Die fünf Jungs aus Kopenhagen werden uns ordentlich den Hintern versohlen. Mit Recht und Geschrei!
http://hexisband.bandcamp.com/

this routine is hell. izah. depravation. wolfenstein. dead dingo.

Freitag | 24. Januar | 20.00 Uhr | Kulturcafe Manfreds | Leipzig

This Routine Is Hell | Izah | Depravation | Wolfenstein | Dead Dingo

::: http://bandcamp.thisroutineishell.com/
::: http://wearedeaddingo.bandcamp.com/

Kollektive Identitäten als Ein- und Ausschließungsprozesse

Donnerstag | 23. Januar 2014 | 19.00 Uhr | Audimax – Hörsaal XXII | Halle

- Ersatztermin für ausgefallenen Vortrag -

Kollektive Identitäten als Ein- und Ausschließungsprozesse

Sebastian Haunss (Sozialwissenschaften, Bremen)

Kollektive Identitäten sind Wir-Bestimmungen. Es handelt sich dabei um Prozesse sozialer Schließung, die immer auf ein begrenztes Bündel an Markmalen rekurrieren, um damit ein Innen (Wir) und ein Außen (die Anderen) zu konstruieren. Welche sozialen Konsequenzen Prozesse kollektiver Identität haben, hängt einerseits davon ab, wie die Wir-Grenzen konstruiert werden. Sind sie durchlässig oder fix? Sind sie wandelbar oder werden sie als ahistorisch gegeben konzipiert? Andererseits hängen die möglichen Konsequenzen auch von den mit den Prozessen kollektiver Identität verknüpften Hand- lungsorientierung ab.
Ausgehend von diesen abstrakten Überlegungen wird es im Vortrag darum gehen, welche Bedeutungen kollektive Identitäten in sozialen Bewegungen haben und in welchem Maße die mit kollektiver Identität verbundenen Ein- und Ausschließungsprozesse mit der Identitäts-Orientierung der Bewegungen verknüpft ist.

Sebastian Haunss ist Senior Researcher am Sonderforschungsbreich 597 – Staatlichkeit im Wandel. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Wissensgesellschaft, Diskursanalyse, Netzwerkanalyse und sozialer Bewegungen.

Haunss, Sebastian (2004): Identität in Bewegung. Prozesse kollektiver Identität bei den Autonomen und in der Schwulenbewegung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften

Haunss, Sebastian (2011): “Kollektive Identität, soziale Bewegungen und Szenen”. Forschungsjournal Soziale Bewegungen 24(4), S. 41–53

Haunss, Sebastian (2013): Conflicts in the Knowledge Society. The Contentious Politics of Intellectual Property. Cambridge: Cambridge University Press

israel im nahen osten.

Donnerstag | 23. Januar 2014 | 16:00 Uhr | Löwengebäude (XIV a/b, Unicampus) | Halle (Saale)

Israel im Nahen Osten

Tal Gat (Israelische Botschaft in Berlin)

Im heutigen Nahen Osten bündeln sich regionale Auseinandersetzungen mit geopolitischen Konfliktlinien und den inneren Entwicklungen verschiedener Staaten. Von den politischen Umbrüchen in Ägypten über den Syrienkrieg und das iranische Atomprogramm bis zu Fragen der Wassernutzung und des Siedlungsbaus lässt sich kaum ein Thema isoliert betrachten und selbst innenpolitische und zivile Fragen haben Auswirkungen auf Nachbarstaaten, Bündnispartner und Gegner und können wiederum von diesen beeinflusst sein. Herr Tal Gat leitet die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der israelischen Botschaft in Berlin. Er verortet in seinem Vortrag die israelische Politik in den aktuellen Entwicklungen einer konfliktreichen und vielfältigen Region. Im Anschluss gibt es Gelegenheit für Diskussion und Nachfragen.

Eine gemeinsame Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt und des Orientalischen Instituts der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Rahmen der Reihe “Nahost Debatten – politische Positionen und wissenschaftliche Analysen”.

barely awake. decades. we open locked doors.

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Mittwoch | 22. Januar | 21:30 Uhr | Reil78 | Halle

Ein Konzertabend mit:

Barely Awake (math.hardcore.experimental – pescaro/IT)
https://soundcloud.com/barely-awake

Decades ( hardcore – leipzig)
http://decadeshc.bandcamp.com/

We Open Locked Doors (math.hardcore.screamo – halle/saale) – 1st show

www.reil78.de
www.schafaufeisberg.blogsport.de