ästhetik und utopie. zum verhältnis von kunst und gesellschaft.

Donnerstag | 30. Januar | 20:00 Uhr | VL Ludwigstrasse | Halle

Ästhetik und Utopie – Zum Verhältnis von Kunst und Gesellschaft

Gespräch mit Levin Gonsior (Halle)

Das, was wir heute als Kunst bezeichnen, hat seinen Ursprung in gesellschaftlichem Denken und radikal subjektivem, ästhetischem Handeln. Seitdem der Mensch sich selbst als Teil eines übergeordneten Zusammenhangs, als Teil der Gesellschaft begreift, also seit er denkt, seitdem macht er Kunst.

Ursprünglich war Kunst eine Kulthandlung, die mannigfaltig verschiedene Formen annehmen konnte. Später schränkte sich ihr Begriff immer mehr ein. Aus kultischen Handlungen, wie Tanz, Musik, Rhetorik, Architektur usw. wurde hohes künstlerisches Handwerk bis sich schließlich in der Aufklärung die verschiedenen Künste sowie Kunsthandwerke zu einer einzigen Kunst, zu der „schönen Kunst“, bestehend aus darstellender Kunst, Musik, Literatur und bildender Kunst, formiert haben.

Die philosophische Schule des deutschen Idealismus hat als Zeitgenosse der Aufklärung einen Kunstbegriff unterm Siegel der Romantik, der Inthronierung des Menschen als Herrscher über die Natur, unmittelbar legitimiert und verallgemeinern können. Die Unterscheidung zwischen bestimmter und unbestimmter Erfahrung wurde in Poesie aufgelöst und somit ein Bezug auf bloß persönlichen Geschmack in kunstbegriffliche Kategorien eingeführt. Ein wesentliches Element der Ästhetik, nämlich die Möglichkeit der Erfahrung von Utopie, eine Zugangsweise unreglementierter Erfahrung der Gesellschaft, wurde damit dem bürgerlichen Geist überantwortet und am Kunstwerk selbst unterdrückt.

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