kritische theorie. eine erinnerung an die zukunft.

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Freitag | 29. November | 14:00 bis Sonntag | 1. Dezember | 18:00 | Humboldt-Universität Berlin | Unter den Linden 6 | Berlin

Kritische Theorie. Eine Erinnerung an die Zukunft

Programm:

Freitag 29. November 2013
13:00 – 14:00 Ankunft

14:00 – 15:00 Eröffnung der Konferenz und der Ausstellung durch die Organisatorinnen und Organisatoren

15:00 – 16:30 Vortrag: Detlev Claussen »Im Zeitalter globaler Gleichzeitigkeit. Kritische Theorie der Gegenwart«

16:45 Eröffnung der Ausstellung »EXPEDITION 3013« von Sebastian Jung

17:15 Eröffnung der Ausstellung »This is not a protest song. Ästhetische Interventionen jenseits des Immer-Gleichen« kuratiert von Danilo Schaffer

17.30 – 19:30 Podium: Anne Eusterschulte / Clemens Nachtmann / Joachim Bruhn / Micha Böhme»Materialistische Gesellschaftskritik unter veränderten Bedingungen«
Moderation: Sebastian Tränkle

21:00 Vanessa Vidal
»Wo aber Mythos ist, wächst die Aufklärung auch. Performance einer Irrfahrt«

Samstag 30. November 2013
11:00 – 12:30 Vortrag: Gunzelin Schmid-Noerr »›Widerstand gegen die Gewalt des Bestehenden‹. Zur kritischen Theorie des Autoritarismus«
Ko-Referat: Sebastian Neubauer

11:00 – 12:30 Offener Raum: Fabian Hennig
»›How could we be anything other than materialists?‹ – Warum man sich in Kulturwissenschaften und Gender Studies neuerdings zum Materialismus gezwungen sieht«

11:00 – 14:30 Workshop 1: Sonja Witte »›Es geht nicht glatt, gerade in der Freizeit nicht…‹. Über das Unbewusste in der Kulturindustrie«

13:00 – 14:30 Vortrag: Helmut Dahmer »Restitution einer ›Kritischen Theorie‹. Zur Psychoanalyse«
Ko-Referat: Doris Maja Krüger

13:00 – 14:30 Inputreferat und Rundgang durch die Ausstellung »This is not a protest song. Ästhetische Interventionen jenseits des Immer-Gleichen« von und mit Danilo Schaffer

13:00 – 17:30 Workshop 2: Lukas Holfeld und Lotte Thaa »Flucht und Revolte. Zwei literarische Zeugnisse scheiternder Subjektivität«

14:30 – 16:00 Mittagspause

16:00 – 17:30 Vortrag: Gerhard Stapelfeldt »Dialektik der ökonomischen Rationalisierung. Von der Kritischen Theorie zur Kritik der Politischen Ökonomie«
Ko-Referat: Arne Kellermann

16:00-18:00 Offener Raum: Vanessa Vidal
»Erinnerung an eine kritische Theorie vor der „Kritischen Theorie“: Adornos Idee der Deutung«

18:00 – 20.00 Podium: Roswitha Scholz / Christine Kirchhoff / Elvira Scheich »
Moderation: Barbara Umrath

20:30 »Leichte, doch wohl auch kritische Unterhaltung – maßgeblich geschöpft aus den satirischen Anekdoten Eckhard Henscheids, lesend vorgetragen.«

Sonntag 01. Dezember 2013
11:00 – 12:30 Vortrag: Gerhard Scheit »Kritische Theorie und blinder Fleck des Souveräns«
Ko-Referat: Ilse Bindseil

11:00 – 14:30 Workshop 3: Nico Bobka »Kritische Theorie des Antiziganismus«

13:00 – 14:30 Vortrag: Jordi Maiso »Abschied von Gestern? Kulturindustrie heute«
Ko-Referat: Jakob Hayner

13:00 – 14:30 Offener Raum: Dirk Lehmann
»Geduld und Theorie. Ein Versuch über die gegenwärtige Lage und die Aufgaben von Theorie und Politik«

14:30 – 16:00 Mittagspause

16:00 – 18:00 Podium: Nina Rabuza / Lars Quadfasel / Dirk Braunstein / Jan Georg Gerber / Karina Korecky »Widersprüchliche Totalität und widerständige Subjektivität«
Moderation: Iris Dankemeyer

»Kritische Theorie. Eine Erinnerung an die Zukunft« ist
eine studentisch organisierte Konferenz. Unser Anliegen
ist es, die bisher zumeist vereinzelten Elemente einer
radikalen Gesellschaftskritik in einem Diskussionsraum
zusammen zu führen, in dem sich offen und kontrovers über
die Bedingungen und Möglichkeiten zur Transformation
der krisenhaften gesellschaftlichen Praxis und die Rolle,
welche eine kritische Theorie der Gesellschaft dabei spielt,
verständigt werden kann.
Versucht werden soll deshalb, den universitären Rahmen
bewusst zu überschreiten und eine nicht nur akademische
Auseinandersetzung zu führen.

Zusätzlich zu den Vorträgen und Podiumsdiskussionen wird es Workshops, Offene Diskussionsräume und Salons zur Diskussion der Vorträge geben.

Ankündigungstext:
Die spätkapitalistische Gesellschaft zeitigt Gedächtnislosigkeit. Mit dem Vergehen der Vergangenheit verschwindet das Bewusstsein von der Fortdauer des Archaischen in der Moderne. Es waren unter anderem Max Horkheimer, Theodor W. Adorno und Walter Benjamin, die im bürgerlichen Zeitalter die Erfahrung der Kontinuität von Herrschaft, Mythos und Unfreiheit unter veränderten Bedingungen zum Ausdruck brachten. Die Dialektik der Aufklärung, das Potential ihres Umschlages in Barbarei, hat sich in den Verbrechen des 20. Jahrhunderts manifestiert – und doch blieb die Veränderung der Gesellschaft im Ganzen aus. Die Resistenz gegen diese Erfahrung lässt sich im Bewusstsein allein nicht korrigieren. Dieser Mangel könnte durch die Kritik seiner gesellschaftlichen Genese erfahrbar gemacht werden und den blinden Fleck des Subjekts zum bewussten Gegensatz, der Erkenntnis der eigenen gesellschaftlichen Bedingungen, verwandeln. Die Psychoanalyse ist zu solcher Reflexion unverzichtbar.
Im Schwinden der materiellen Basis der Subjekte und der sich ausweitenden Unmöglichkeit ihrer Selbsterhaltung, sowie der Tendenz des Kapitals, die eigenen Voraussetzungen, die Quellen des Reichtums, die lebendige Arbeit wie den Naturstoff, zu vernichten, flüchten sich die Individuen zum Staat, zum Souverän. Im Bestreben nach grundlegender Existenzsicherung geht die Verwaltung des Körpers bis zu seiner Opferung an den Nationalstaat über. Selbsterhaltung in ihren instrumentell-rationalen Formen gleicht sich dem puren Wahnsinn an, weil die Formen, in denen sie sich zu realisieren versucht, selbst erodieren.
Auf dem Weltmarkt werden Frauen, Lesben und Transgender weiterhin doppelt ausgebeutet und stellen einen großen Teil der »working poor«. Unter den Bedingungen postkolonialer Staatlichkeit sind Individuen im Globalen Süden davon verstärkt betroffen. Statt aber zur allgemeinen Emanzipation von Staat und den kapitalistischen Produktionsverhältnissen beigetragen zu haben, wurden feministische Bewegungen in die bestehende Ordnung integriert.
Die Kulturindustrie organisiert die Integration der atomisierten Individuen. Als »Mittel der Fesselung des Bewußtseins« (Theodor W. Adorno) nimmt sie die Subjekte bis in deren letzte Triebregungen eisern in Regie. Der permanente Strom der physischen Reize zementiert den Schein absoluter Gegenwart. Gedächtnis- und wunschlos ist die Geschichte erstarrt. Im Gegensatz dazu ist die Erinnerung an die Zukunft der Versuch, den Erfahrungsgehalt materialistischer und dialektischer Kritik zu entfalten.

[http://kritischetheorie.org]