»Родина ждёт вас, немецкие подстилки!« – »das heimatland wartet auf euch, deutsche huren! das schicksal der ehemaligen ›ostarbeiterinnen‹ im sowjetischen und post-sowjetischen belarus«.

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Donnerstag | 28. November | 19.00 Uhr | Vortragssaal der Universitätsbibliothek Albertina | Beethovenstr. 6 | Leipzig

»Родина ждёт вас, немецкие подстилки!« – »Das Heimatland wartet auf euch, deutsche Huren! Das Schicksal der ehemaligen ›Ostarbeiterinnen‹ im sowjetischen und post-sowjetischen Belarus«

Alesja Belanovich-Petz, Moderation: Anja Neubert (Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Geschichtsdidaktik, Universität Leipzig)

Das Thema Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus genießt wie kein anderes Thema seit Ende der 1980er Jahre das Interesse der Forschung. Doch was wissen wir darüber, inwieweit die Erfahrung der Zwangsarbeit das Schicksal ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter nach dem Krieg geprägt hat? Wie lebten sie in Belarus, wenn sie als Zwangsarbeiter nicht zum offiziellen Kanon des sowjetischen Heldenkults gehörten?
Mehr als die Hälfte der Verschleppten aus der Sowjetunion waren Frauen, unter ihnen befanden sich viele minderjährige. Neben den traumatischen Erlebnissen des Krieges und der Zwangsarbeit sind die Befreiung aus der Zwangsarbeit und stalinistische Repressionen wichtige Faktoren ihrer komplexen Nachkriegsbiographien.

Am Beispiel vier lebensgeschichtlicher Interviews mit ehemaligen „Ostarbeiterinnen“ aus Belarus sollen folgende Fragen erörtert werden: Wie wirkten sich die Traumata der Zwangsarbeit und die sowjetische Politik im Alltag auf Berufs- und Karrierechancen aus? Wie prägte die Erfahrung der Zwangsarbeit das Heiratsverhalten oder die Berufswahl? Welche Strategien entwickelten die Frauen, um trotz des Makels „der Zwangsarbeit“ an einem „normalen“ sowjetischen Leben teilnehmen zu können? Wo erfuhren sie direkte Repressionen? Welcher Einfluss hatte der Zusammenruch der Sowjetunion und die Entschädigungszahlungen auf das soziale, gesellschaftliche und private Leben dieser Frauen? Wie veränderten sich im Laufe der Transformationsprozesse die Selbstdarstellung dieser NS-Opfer und ihre Rolle in der offiziell von Veteranen dominierten Erinnerungskultur?

Alesja Belanovich-Petz, M.A., studierte Geschichte an der Staatlichen Pädagogischen Universität Minsk in Belarus. Nach dem Studium absolvierte sie einen Freiwilligendienst in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und beim Verein Psychosoziale Arbeit mit Verfolgten in Hamburg. In der Geschichtswerkstatt Minsk arbeitete sie in Projekten mit Jugendlichen und engagierte sich für NS-und Stalinismus Opfer. Seit Oktober 2012 ist sie Stipendiatin der Rosa-Luxemburg Stiftung und Doktorandin der Universität Hamburg zum Thema: „Ostarbeiterinnen“ aus Belarus: Geschlechtsspezifische Erfahrung der Zwangsarbeit und des weiteren (Über)-Leben im Heimatland“.

[gedenkstätte für zwangsarbeit leipzig]