Archiv für Juni 2013

vernissage „the ways things may go“.

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Freitag | 28. Juni | 17 Uhr | Händel-Haus | Glashalle

Zur Eröffnung der Sonderausstellung „The Ways Things May Go“ anlässlich des ADDICTED2RANDOM Festivals sprechen: Clemens Birnbaum (Direktor der Stiftung Händel-Haus), Alberto de Campo (Lehrstuhl Generative Kunst/Computational Arts, Universität der Künste Berlin) und Helen Hahmann (Festivalkoordinatorin, Radio CORAX).

Anlässlich der Eröffnung wird einmalig die Skulptur „Untitled (desideri)“ von Elisa Storelli gezeigt und Dominik Hildebrand Marques Lopes setzt sein Performance-Instrument RABOTA in Bewegung und Klang. Musik kommt vom Live-Coding Ensemble „Republic111″.

Zum Eröffnungsrundgang durch die Ausstellung laden ein: Christiane Barth, Kustodin der Musikinstrumentensammlung der Stiftung Händel-Haus, und die Künstler_innen der Ausstellung “The Ways Things May Go”.

Aktuelles unter: http://a2r.radiocorax.de/news

bonjour tristesse #14.

Es gibt eine neue Ausgabe des Provinzablegers der Bahamas für Halle und Umgebung:

We are back! Editorial zum Neustart

Als wir die Bonjour Tristesse vor anderthalb Jahren einstellten, hielten wir uns eine Notfalloption offen: Wenn sich die regionalen Verhältnisse so verschlechtern sollten, dass ihre Kritik nicht mehr auf einem Flugblatt Platz hat, so hieß es damals sinngemäß, würden wir das Heft reaktivieren. Dieser Fall ist nun eingetreten. Die Lage hat sich katastrophal zugespitzt: Die Flut aus dem Osten, die diesmal nicht auf Pferden und Panzern, sondern in Form des Hochwassers gekommen ist, hat die Saalestadt zu vernichten und insbesondere Halle-Neustadt in ein neues Atlantis zu verwandeln gedroht. Am 6. Juli werden Neonazis durch Halle ziehen, die Macht im Rathaus übernehmen, ein beispielloses Terrorregime errichten und den allseits beliebten NPD-Schornsteinfeger Lutz Battke (genau, den mit dem sympathischen Vokuhila und dem Hitlerbärtchen) zum Kaiser von Halle krönen. Und Ende des Jahres wird schließlich das örtliche Gesundheitssystem zusammenbrechen, weil die Landesregierung die Universitätsklinik schließen will: Die medizinische Versorgung der Hallenser wird dann von Medizinmännern aus dem Saalekreis übernommen, die ihre Patienten in den Hinterzimmern örtlicher Nagelstudios und Bubble-Tea-Läden behandeln. Das alles suggerieren zumindest, je nach Aufgabenbereich, zivilgesellschaftliche Initiativen, Katastrophenschutz, Studierendenrat, Bürgermeister, Rektor, Mitteldeutsche Zeitung, Proteststudenten, Halle-TV und diverse Pfaffen. Wir sind da skeptischer. Die Redaktion der Bonjour Tristesse hält weder etwas von Katastrophenstimmung noch von Katastrophensehnsucht. Wir wissen nicht, ob sich die Lage tatsächlich zum Negativen verändert hat, und es ist uns letztlich auch egal. Was wir wissen, ist allerdings, dass es ein Fehler war, den Neustart des Heftes an eine Verschlechterung der Situation zu knüpfen. Denn schließlich kann man sich nicht vorher aussuchen, ab wann man es nicht mehr aushält. Beispiel Familienfeier: Man entscheidet sich nicht, die lieben Verwandten irgendwann anzuschreien, sondern wird durch ihr unerträgliches Geplapper dazu genötigt: auch dann, wenn man sich vorher fest vorgenommen hat, diesmal nichts zu sagen. Ganz in diesem Sinn sehen wir uns schon durch den schlichten Vollzug des Normalzustandes genötigt, die Bonjour Tristesse zu reaktivieren. Wir sind also wieder da, Ihr Idioten!

Bonjour Tristesse #14 (Sommer 2013)

We are back! Editorial zum Neustart.
»Das Boot ist voll!«: Manfred Beier und Peter Deichmann über Wutbürger und ihren Widerstand gegen ein Wohnungsbauprojekt in Halle.
Terror, Wahn, Gesellschaft: Sieben Thesen zum NSU.
Böses Blut: Tjark Kunstreich über einen autoritären Virus, gegen den kein Zwangstest hilft.
»Ach ja, Gott, da haben sich alle arrangiert!«: Die Bonjour Tristesse unterhält sich mit den Gästen einer Buchvorstellung.
Kurzmitteilungen: The same procedure … as every day. Wahnsinn, Kuriositäten und Erfreuliches aus der Provinz.
Wiederverwerteter Altruismus
Hochburg der Toleranz
Bye, bye Magdeburg
Titelkampf in der Linkspartei
Geistiger Kahlschlag
Faszination Faschismus
Hilfe, sie sind da!
»Hurra, das ganze Dorf ist da«
Eine Gemeinde in Anhalt
Mein bester Freund, das ist nicht irgendwer …
Kein Blick über den Tellerrand

Bonjour Tristesse #14

Das gedruckte Heft liegt wie immer an den bekannten Orten in Halle, Leipzig und Dessau aus.

die überflüssigen ideologen.

Do | 27. Juni | 19 Uhr | Universität Leipzig (GWZ)| Raum 2.010

Die überflüssigen Ideologen

Vortrag und Diskussion mit Magnus Klaue

Studentische Aktivisten sind sich in ihrem Protest gegen das modularisierte Studium und in ihrem Kampf für „selbstbestimmtes Lernen“ in einem einig: Die Universität soll ein netter, abwechslungsreicher und entspannter „Freiraum“ sein, der einen Vorschein davon in sich trägt, wie eine bessere Gesellschaft aussehen könnte; das vermittelte Wissen sollte „kritisch“, die Studenten sollten eigenständige Individuen statt Lern- und Repetierautomaten sein. Gegenüber solchen im schlimmsten deutschen Sinn idealistischen Vorstellungen von Universität und Bildung soll der Vortrag an einige Basisbanalitäten materialistischer Kritik erinnern: Wissen unterscheidet sich nicht in kritisches und Herrschaftswissen, sondern ist immer geprägt von der gesellschaftlichen Ordnung, die es hervorbringt; Universitäten waren ihrer Bestimmung nach nie etwas anderes als ideologische Kaderschmieden und haben stets nur in glücklichen historischen Augenblicken Erkenntnis hervorgebracht, die dieser Bestimmung radikal widerspricht; und am besten waren die bürgerlichen Bildungseinrichtungen immer dann, wenn sie ihren Insassen die Freiheit zum Objekt, die unreglementierte Beschäftigung mit dem selbstgewählten Gegenstand, wenigstens nicht verbauten, statt unverwechselbare, freie und bunte Persönlichkeiten aus ihnen machen zu wollen. Die Forderung nach „selbstbestimmtem Lernen“ und „kritischen Inhalten“ erweist sich angesichts dessen als Symptom der Torschlusspanik von sich als überflüssig Erkennenden, die wissen, dass sie umso weniger gebraucht werden, umso weniger Ideologie in der integralen Gesellschaft nötig ist, weil Bewusstsein und falsches Bewusstsein in ihr tendenziell konvergieren.

Magnus Klaue hat an der FU Berlin gelehrt und promoviert, arbeitet im Lektorats- und Dossier-Ressort der Jungle World und schreibt außerdem u. a. für Konkret und Bahamas.

Eine Veranstaltung des Arbeitskreises Gesellschaftskritik.

rechtskritik im anschluss an marx.

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Do | 27. Juni | 19 Uhr | Hörsaalgebäude | HS 7 | Universität Leipzig

Rechtskritik im Anschluss an Marx

Simon Birnbaum

Von Marx und sich auf ihn berufender Rechtskritik gibt es sehr unterschiedliche Perspektiven auf das Recht: Sie reichen von der Parole „Erkämpft das Menschenrecht“ bis zur These vom notwendigen Absterben des Rechts im Kommunismus. In der Veranstaltung wird ein Blick auf diese unterschiedlichen Rechtskritiken geworfen. Dabei wird sich vor allem die Frage stellen, ob das Recht ein für verschiedene Gesellschaftsformen nutzbares Instrument oder untrennbar mit bestimmten gesellschaftlichen Verhältnissen verbunden ist.

Achter Vortrag der Reihe MarxExpedition 2013

ungarn. hetze, gewalt und völkisches krisenmanagement.

Mittwoch | 26. Juni | 19:00 | Melanchthonianum | Uniplatz | Halle

Ungarn. Hetze, Gewalt und völkisches Krisenmanagement

Vortrag und Diskussion mit Karl Pfeifer

Ging es in den Medien um das NATO- und EU-Mitglied Ungarn, waren es zuletzt in den seltensten Fällen „positive“ Nachrichten. Gleichzeitig hat hierzulande kaum jemand eine umfassende Vorstellung davon, was für ein Klima in Ungarn momentan herrscht und in was für eine katastrophale Situation die christdemokratische Fidesz-Regierung das Land gebracht hat. Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus sind in Ungarn Teil der Propaganda des politischen Establishments, ebenso Nationalismus und völkisch- “antikapitalistische“ Demagogie und abgrundtiefer Haß gegen Linke und Linksliberale. Es kommt immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen rechter Milizen, insbesondere auf Roma.
Der österreichische Journalist und Ungarnexperte Karl Pfeifer wird in seinem Vortrag die ungarischen Zustände ausführlich schildern und dabei auch darauf eingehen, ob und wenn ja in welcher Form in Ungarn Widerstand gegen die Regierung(spolitik) und die rechte Gewalt auf den Straßen entsteht.

Neues Buch von Karl Pfeifer: »Einmal Palästina und zurück. Ein jüdischer Lebensweg«
Artikel von Karl Pfeifer zu Ungarn: „Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus sind in Ungarn Teil der Propaganda des politischen Establishments.“
Radiofeature: Ungarn – eine Analyse (u.a. mit Karl Pfeifer)

Eine Veranstaltung des alv und GekO (Gesellschaftskritische Odysee)

natur und arbeit. über die rolle der praxis bei karl marx.

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Di | 25. Juni | 19 Uhr | Hörsaalgebäude | HS 7 | Universität Leipzig

Natur und Arbeit: Über die Rolle der Praxis bei Karl Marx

Christian Schmidt*

Das aufgelöste Rätsel der Geschichte, schreibt der junge Marx, sei „als vollendeter Naturalismus Humanismus, als vollendeter Humanismus Naturalismus“. Die rätselhafte Formulierung führt direkt ins marxsche Denken des Verhältnisses von Mensch und Natur, in dem der Mensch einerseits selbst Teil der Natur ist, andererseits dieser aber auch schaffend gegegübersteht, die Natur und sich selbst als einen Teil von ihr überformt und sich aneignet. Doch eine Spannung bleibt trotzdem bestehen. Noch in der Kritik des Gothaer Programms weist Marx die Sozialdemokraten zurecht, die die Arbeit zur einzigen Quelle des Reichtums erklärten: Auch die Natur ist Reichtum.

*Christian Schmidt lehrt am Institut für Philosophie der Universität Leipzig.

Siebter Vortrag der Reihe MarxExpedition 2013.

dead western.

Mo | 24. Juni | 21.00 Uhr | Noch Besser Leben | Merseburger Str. 25 | Leipzig

Dead Western (US)

Der Name DEAD WESTERN steht als Synonym für den eigen- wie einzigartigen Künstler Troy Mighty. Mystisch, avantgardistisch und psychedelisch zugleich, kann sein Schaffen als das so ziemlich aufregendste bezeichnet werden, was in den letzten Jahren aus dem um die Vorsilben Indie- bzw. Anti- ergänzten Folk-Genre des „New Weird America“ hervorgegangen ist.
Nach seinem Opus Magnum „Suckle at the Supple Teats of Time“ (2010), welches ihm jubelnde Presse-Reaktionen und mehrfache Europa-Touren einheimste, schlägt Troy Mighty und sein kleines Orchester nun sanft zurück mit einem erneut beeindruckenden Werk – „EVERYTHING, ETERNALLY“ ist ein karges Kaleidoskop aus 10 Songs – von einem jungen Mann aus Kalifornien vorgetragen, der in seinem früheren Leben wohl mal ein alter Baum war. So tief, weise und verletzlich sein Timbre – so zart und sanft wie Blätter seine Musik, eine erhabene Armada aus Instrumenten.
Mit seiner stets sanft gezupften Gitarre webt Troy auf feinsinnige Art ein subtiles Netz, wodurch das warme Fundament entsteht, das jedem DEAD WESTERN Song innewohnt. Das Element aber, welches DEAD WESTERN so unverwechselbar macht, ist die einzigartige Klangfarbe von Troy Mighty’s Stimme, die einen erschaudern lässt und dabei doch so beruhigend wirkt, wenn er seine sorgenvolle und introspektive Poesie rezitiert. Die dunkel und traurig anmutenden Lieder klingen, als seien sie schon hunderte von Jahren hier und erscheinen wie der sakrale Soundtrack zu unseren fiebrigen Träumen.

http://deadwestern.bandcamp.com/

coco rosie. bus driver.

coco rosie

Mo | 24. Juni | 20.00 Uhr | UT Connewitz | Wolgang-Heinze-Str. 12a | Leipzig

UT Connewitz & das SchubladenKonsortium laden ein:

Coco Rosie | Bus Driver

Zusatzkonzert. Leider auch ausverkauft.

CocoRosie bringen ihr neues Album „Tales of a GrassWidow“ in gewohnt brillianter Weise auf die Bühnen dieser Welt. Ein tanzbares Spektakel mit allem Drum und Dran ist geplant, und wer die Schwestern schon mal live gesehen hat, der weiß, es wird was ganz Besonderes werden. Nein was sind wir froh, dass die so herrlich hyperaktiv sind.

Mit dabei:

Busdriver (http://busdriverse.com/). & Chez Mieke mit ihren wunderbaren Platten…

scout niblett.

scout niblett

Mo | 24. Juni | 21.00 | Cafe Wagner | Jena

Scout Niblett

Mit Scout Niblett gastiert eine außergewöhnliche Singer
/Songwriterin im Cafe Wagner. Niblett tourt schon seit einigen Jahren um die Welt, gemeinsam mit Größen wie Cat Power, PJ Harvey oder Will Oldham hat sie sich dabei einen immer größer werdenden Hörer-Kreis erspielt. Dabei macht sie nur das, was sie sich schon als 7-Jährige vorgenommen hat – nämlich Musikerin zu sein. Ihr markanter Klang ist geprägt von zurückhaltender Instrumentierung, die die Intensität ihrer Stimme erst so richtig ausstellt. Für zwei ihrer Alben hat Steve Albini, Produzent der Pixies und Nirvanas, verantwortlich gezeichnet. Dieses Mal hat sie ihr frisches Album „It’s up to Emma“ im Gepäck.

religiöse ungleichheiten? soziale klassenunterschiede und religion in einer evangelikalen massenbewegung lateinamerikas.

Mo | 24. Juni | 19 Uhr | Melanchthonianum | Uniplatz Halle

Religiöse Ungleichheiten?
Soziale Klassenunterschiede und Religion in einer evangelikalen Massenbewegung Lateinamerikas

Jens Köhrsen (Uni Bielefeld)

Oft wird angenommen, Religion sei eine soziale Sphäre, in der soziale Ungleichheiten keinen Platz haben. Soziale Klassenunterschiede – etwa in Form von Bildungs- und Einkommensunterschieden – würden wenn überhaupt nur eine sehr untergeordnete Rolle für die Praxis von Religion spielen. In der Erforschung von Religion und sozialer Ungleichheit zeigt sich demgegenüber, dass soziale Klassenunterschiede sehr wohl einen Einfluss auf die religiöse Praxis von Menschen haben. Doch wie wirken sich soziale Klassenunterschiede in der Religion aus? Auf welche Weise beeinflussen Klassenunterschiede die Wahl von Religion? Diese Fragen werden im Vortrag am Beispiel der Pfingstbewegung in Argentinien erörtert. Die Pfingstbewegung ist eine evangelikale Erneuerungsbewegung, die sich im 20. Jahrhundert rasant in Afrika, Asien und Lateinamerika ausgebreitet hat und mittlerweile bis zu 600 Millionen Anhänger weltweit umfasst. Die Pfingstbewegung zieht mit ihrem religiösen Angebot besonders Menschen aus der „Unterschicht“ an. Oft wählen sie diese religiöse Option, da sie sich von den Pfingstkirchen Hilfestellungen in schwierigen Lebenssituationen erhoffen. Zugleich versteht es die Pfingstbewegung wie kaum eine andere religiöse Gemeinschaft in Lateinamerika, kulturelle und religiöse Präferenzen der Unterschichten in attraktiver Weise aufzubereiten. Viele werden vom festlichen und stark emotionalen Charakter der Gottesdienste angezogen.
Demgegenüber steht die Argentinische Mittelschicht, die sich von dem „Aberglauben“ der Unterschichten abzugrenzen sucht, der Pfingstbewegung eher kritisch gegenüber. Trotz dieser Skepsis gegenüber der Pfingstbewegung partizipiert eine kleine, aber scheinbar wachsende Minderheit aus der Mittelschicht an der Bewegung. Diese tendiert meist zu bestimmten Formen des Pfingstlertums. So zeichnen sich die Pfingstgemeinden der Mittelschicht durch eine eher nüchterne religiöse Praxis aus, die sich an die allgemeinen kulturellen Standards der Argentinischen Mittelschicht annähert und von der pfingstlichen Praxis der Unterschichten abgrenzt. An den Unterschieden zwischen Unterschichts- und Mittelschichtspfingstlern zeigt sich, dass die religiöse Praxis oft durch die Klassenzugehörigkeit von Menschen gerahmt ist. In dem Vortrag werden diese Klassenunterschiede anhand von Beispielen aus der Argentinischen Pfingstbewegung illustriert.

Ein Vortrag im Rahmen der Reihe “Jammertal und Heiligenschein. Perspektiven der Religionskritik” des AK Kritische Intervention im Rahmen des Alternativen Vorlesungsverzeichnis‘ des Studierendenrats der Uni Halle.