kritik und ressentiment. über ‘antimuslimischen’ rassismus, islamismus und ihre kritik.

17.Januar | 18.15 | Melanchthonianum, Uniplatz

Kritik und Ressentiment. Über ‘antimuslimischen’ Rassismus, Islamismus und ihre Kritik

Hannes Gleiß

Eine bunte Mischung von Stammtischrassisten, sozialdemokratischen Sozialdarwinisten, wertkonservativen Kulturkämpfern und neuen Rechten hat seit einigen Jahren die Figur des „Muslims“ als (kulturell) Anderem für sich entdeckt. In Krisenzeiten haben Identitätsdiskurse und Fremd- bzw. Feindbilder bekanntlich Konjunktur. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, England oder anderen europäischen Ländern findet man daher immer häufiger völkische und nationalistische Parolen, die – aufgrund einzigartiger Bündnismöglichkeiten und politisch korrekter Legitimationsfiguren – immer erfolgreicher die Unter- und vor allem Mittelschichten mobilisieren. Nicht ohne Grund nannten sich aktionistische Kader dieser muslimfeindlichen Strömung jüngst „Die Identitären“. Doch während manche in der Kritik dieser rassistischen Strömung sofort „Islamapologie“ und „Aufklärungsverrat“ erkennen wollen und in bekanntem Gestus posaunen, „man werde doch noch sagen dürfen“, nutzen auf der Gegenseite Berufsmuslime, Islamisten oder gleichsam rassistische Anhänger einer „multikulturellen Gesellschaft“ die Kritik der Muslimfeindschaft, um Religionskritik und emanzipatorische politische und Ideologiekritik zu delegitimieren. Muslimfeindlicher Rassismus ist dabei wie der Islamismus als Krisenbewältigungsideologie anzusehen, Kollektivierung und Ressentiment verhelfen hier dem vereinzelten und verlorenen Mitglied der kapitalistischen Gesellschaft zu Kontingenzbewältigung und Identität.

Eine Veranstaltung im Rahmen der gesellschaftskritischen Veranstaltungsreihe „Kapitalistische Krisenzeiten.“ des AK Kritische Intervention.