der letzte pogo in warschau bzw. vom potentiellen warschauer (post) punk pakt.

DO, 13.12.2012, 20 Uhr, Kulturny Dom B31, Bornaische Str. 31, Leipzig

Eine audio-visuelle Exkursion in Punk & seine Folgen dies- wie jenseits der Oder-Neiße-Friedensgrenze.
Basierend auf zwei Beiträgen zum Buch „Leck mich am Leben. Punk in der DDR“ von & mit Guillaume Paoli (Hausphilosoph des Centraltheaters) & Alexander Pehlemann (Zonic)

Punk´s not dead. Zumindest als Objekt der Betrachtung. Das kürzlich erschienene und von Frank Willmann herausgegebene Buch „Leck mich am Leben. Punk in der DDR“ fokussiert auf zumeist eher persönlicher Ebene mal wieder das Dissidenzpotential von Punk als Stil, Haltung und energetisch…em Initiationsgeber im Osten.
Zwei Beiträge im Buch tragen das Thema allerdings noch ein Stück weiter östlich, hinter die Grenze zur damaligen Volksrepublik Polen, offiziell gern Oder-Neiße-Friedensgrenze genannt. Allerdings aus zwei vollkommen unterschiedlichen Perspektiven.
Einerseits eine west-östliche: denn Guillaume Paoli, der heutige „Hausphilosoph“ des Leipziger Centraltheaters, fuhr von London aus nach Polen, angetrieben von Gerüchten über eine ultra-vitale Punk-Szene ebendort, die er dann schließlich auch beim Warschauer Robrege-Festival findet, einem hochenergetischen und vollkommen angstlosen Abgesang dem System gegenüber, eben einem „letzten Pogo in Warschau“ vorm baldigen Umbruch.
Alexander Pehlemann andererseits, ost-sozialisierter Herausgeber des (Sub-)Kultur-Almanachs Zonic, spürt eigenen Prägungsmomenten folgend den spärlichen Ost/Ost-Beziehungen zwischen Szenen der verschiedenen „Bruderländer“ des Warschauer Pakts nach. Die eben besonders stark nach Polen gepflegt wurden (auch wenn Ungarn in beiden Texten eine kleine Rolle spielt, nicht zuletzt mit den Bands Trottel und Rasende Leichenbeschauer). So waren Wartburgs für Walter und Namenlos, Feeling B und Die Firma auf Tour durchs weite Poland, coverten letztere sogar die Bandhymne der Hardcore-Mystiker Armia, benutzten vorletzte ein Riddim der punky Reggaeband Izrael …
Ein potentiell langer Ost-(Post)-Punk-Abend also, der mit viel Musik und einigem Anschauungsmaterial aufwartet, dessen Datum für das Thema aber auch kaum besser hätte fallen können: am 13.12.1981 rief General Wojcech Jaruzelski den Kriegszustand in Polen aus. Dass dies die Szene nicht stoppen konnte (oder wollte) und Brygada Kryzs zugleich die de facto erste offizielle Untergrund-LP hinterm Iron Curtain aufnahm … – auch darum wird es gehen.