Das situationistische Ende der Kunst und sein Ausbleiben.

Dienstag, 3. Juli, 19:00, Unikum Biergarten (August-Bebel-Str. 2)

Sebastian Dittmann stellt das Buch vor:

ALLES FALSCH.
Auf verlorenem Posten gegen die Kulturindustrie

Während es üblich geworden ist, innerhalb der Kulturwaren zu differenzieren, um so deren vermeintliche Freiheitspotentiale zu entdecken, haben es sich die Autoren des vorzustellenden Buches vorgenommen, die Kulturindustrie als das zu kritisieren, was sie ist: Produkt und zugleich Produzentin des falschen Ganzen, als welche sie Adorno zu seiner Zeit verurteilte. Konnte er noch damit rechnen, durch Übertreibung ihre Wahrheit zu treffen, hat die Kulturindustrie unterdessen ihren eigenen Superlativismus übertroffen.
Bei der hier angekündigten Buchvorstellung soll jedoch nicht die Kritik von Theodor W. Adorno im Mittel­punkt stehen, sondern die der Situationisten um Guy Debord. Beide, Adorno und Debord, versuchten Mitte des letztens Jahrhunderts das Voranschreiten der Entfremdung seit dem Erscheinen von Marxens »Kapital« zu fassen. Interessanterweise ist ihre Kritik von »Kultur­industrie« bzw. »Spektakel« sich dabei recht ähnlich, manchmal bis in die Wortwahl, aber ihre Schlußfolgerungen unterscheiden sich radikal: bejahte Adorno die Kunst als letztes Medium von Kritik, verneinten die Situationisten sie, da in der von ihnen erwarteten Revolution die in der Kunst in eine eigene Sphäre ge- und verbannte ästhetische Qualität in die wirkliche Welt zurückgenommen, die Poesie mit dem Leben versöhnt werden sollte; in dieser Aufhebung der Kunst erblickten die Situationisten die »Nordwestpassage« der proletarischen Revolution
Der Vortrag wird versuchen erst einige zentrale situationistische Begriffe darzustellen und davon ausgehend ihre Kritik der Kunst behandeln; abschließend wird es um die Frage gehen, warum die erwartete Aufhebung der Kunst ausblieb.

Eine Veranstaltung in Rahmen des Alternativen Vorlesungsverzeichniss der Martin Luther Universität