Der Aberglaube des Positivismus.

Montag, 25. Juni, 19 Uhr, Melanchthonianum, Universitätsplatz, Halle (Saale)

Vortrag und Diskussion mit Jörg Huber

Auf messbare Fakten gestützte, positivistische Modelle breiten sich wie selbstverständlich als bevorzugte Instrumente zur Welterklärung aus. Traditionell religiöse oder metaphysische Vorstellungen verfallen der Entmythologisierung. In positiver Gestalt erweisen sie sich eine nach der anderen als dogmatisch und widerlegbar. Doch der unaufhaltsame Siegeszug des Positivismus wird begleitet von phantastischen Spekulationen, absurden Prognosen und offenkundig nutzlosen Erklärungsmodellen: Astrophysik und Astrobiologie stellen Vermutungen über neue fremde Welten in anderen Sternensystemen und deren mögliche Bewohner an – die mythischen Aliens. Die Klimaforschung rechnet uns ständig neue beunruhigende Varianten der Wettervorhersage für die nächsten hundert Jahre vor und möchte mit ihren Warnungen die aktuelle Politik unter Zugzwang setzen.

Fraktale Statistik und Ökonophysik möchten das Auf und Ab der Finanzmärkte modellieren und auch dort etwas mathematisch oder quasiphysikalisch erklären, wo es offenkundig rational nichts zu erklären gibt und nicht einmal die traditionell dafür zuständigen Wissenschaftszweige noch durchblicken.

Passen solche wissenschaftlichen Projekte noch mit dem nüchtern-rationalen Anspruch der Aufklärung zusammen? Oder dienen sie eher der beruhigenden Selbstvergewisserung der Bürger im Spätkapitalismus, die den Glauben an eine vernünftigere Zukunft längst aufgegeben haben und nur noch den status quo sichern möchte?

Jörg Huber (Physiker) ist Autor für die Zeitschriften Bahamas und Jungle World.

[Hört auf zu studieren, fangt an zu begreifen! Antifaschistische Hochschultage Sommersemester 2012]