Archiv für Mai 2012

Kritik der Soziologie.

Mittwoch, 30. Mai, 19 Uhr, Melanchthonianum, Halle (Saale)

Gerhard Stapelfeldt

Die Soziologie, die Wissenschaft vom logos der societas, verhält sich paradox zu ihrem Gegenstand: sie untersucht gesellschaftliche Phänomene und Strukturen, indem sie gesellschaftliche Verhältnisse voraussetzt. Daher ist ihr nicht der Geist des Widerspruchs, sondern der Geist der Anpassung und des Autoritarismus immanent. Um im allgemeinen zu bestimmen, was Soziologie sei, ist ihre Entstehung als Fachwissenschaft im frühen 19. Jahrhundert nachzuzeichnen. Daraus ergeben sich nicht nur die Differenzen von Sozialphilosophie und Gesellschaftstheorie einerseits, Soziologie andererseits, sondern auch die beiden grundsätzlich unterschiedenen Richtungen der Soziologie als Naturwissenschaft (»soziale Physik«) einerseits und als Geisteswissenschaft andererseits. Max Weber hat um 1900/1920 versucht, diese beiden Richtungen zusammenzuführen: in einer sinnverstehenden Soziologie, die geschichtstheoretisch die Genese der politischen Gesellschaft als »Gehäuse der Hörigkeit« vorführt.

Prof. Dr. Gerhard Stapelfeldt lehrte von 1979 bis 2009 am Institut für Soziologie der Universität Hamburg.

[Hört auf zu studieren, fangt an zu begreifen! Antifaschistische Hochschultage Sommersemester 2012]

Hört auf zu studieren, fangt an zu begreifen!

Antifaschistische Hochschultage

Sommersemester 2012

In ihrer Entstehungszeit in der Epoche der Aufklärung trat die moderne Wissenschaft mit dem Anspruch an, Wahrheit und Erkenntnis — und damit zugleich der Menschheit — zu dienen. Solche Parolen waren zwar stets Ideologie: Sie halfen zu kaschieren, dass die Wissenschaft stets weniger im Dienst von Wahrheit und Erkenntnis als der Herrschaft stand. Ihr offiziell verkündeter Anspruch trug jedoch zum einen dazu bei, dass sich innerhalb des universitären Betriebes einige (wenn auch kleine) Nischen herausbilden konnten, in denen die Rede von der Erkenntnis gelegentlich ernst genommen werden konnte. Zum anderen hielt die Parole vom Dienst an der Menschheit zumindest die Erinnerung daran wach, dass es auch etwas anderes geben kann als die Abfolge wechselseitiger Quälereien, die sich Weltgeschichte nennt. Diese Zeit scheint inzwischen vorbei zu sein. Die wenigen akademischen Schutzräume sind im Zuge der Umgestaltung der Universitäten verschwunden. Auch diejenigen Studenten, die dieser Umgestaltung kritisch gegenüberstehen, haben zu diesem Prozess beigetragen — etwa durch ihre Forderung nach einer Evaluation der Lehrenden: Was als studentische Mitbestimmung ausgegeben wurde, hat zur intellektuellen Gleichschaltung der Universitäten beigetragen. Aus der Evaluation sind in der Regel die Eloquentesten, Modischsten und damit zugleich: Stromlinienförmigsten als Sieger hervorgegangen.

Darüber hinaus mag im akademischen Betrieb kaum noch jemand von der Menschheit sprechen. War der Widerspruch zwischen akademischem Anspruch und akademischer Realität einmal der kritische Stachel im
Fleisch des universitären Betriebs, bekennen sich die einschlägigen Institute inzwischen mal stolz, mal verdruckst dazu, allenfalls Beamte zur Verwaltung des überflüssigen Menschenmaterials auszubilden: von
der Psychologie, Erziehungswissenschaft und Soziologie über Medizin, BWL und Jura bis hin zu den Islamwissenschaften, der Afrikanistik und den Lateinamerikastudien, deren Absolventen Pläne dafür basteln, wie der Politbetrieb in Zukunft mit den abgehängten Regionen der Welt verfahren sollte — selbstverständlich unter Berücksichtigung der dortigen Traditionen, kulturellen Eigenheiten und religiösen
Vorschriften.

Insbesondere der Verweis auf Wahrheit löst angesichts der postmodernen Welle, die die Universitäten seit den siebziger Jahren überflutet hat, angesichts des Sermons von »Sprechorten«, »Diskursen«, »Kulturen« und »Performanzen«, der über den Campus quillt, nur noch ungläubig-spöttisches Kopfschütteln aus. Wer auf dem Anspruch der Wahrheit beharrt, so heißt es gern, sei bestenfalls nicht ganz dicht, schlimmstenfalls ein Anhänger des Totalitarismus.

Von dieser Entwicklung ist auch die Linke betroffen, die einen entscheidenden Beitrag zum Einzug der Postmoderne in die Seminare und Universitätsbibliotheken leistete. Wollte die Linke in ihren besten
Tagen — von denen es freilich nicht allzu viele gab — einmal die Verhältnisse zum Tanzen zwingen, indem »man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt« (Marx), sind sie inzwischen vor allem auf der Jagd nach einem Pöstchen im akademischen Betrieb. Dieser Betrieb verwandelt freilich innerhalb kürzester Zeit auch den kritischsten Geist in einen Kretin. Die wenigen Ausnahmen, die es möglicherweise gibt, bestätigen nur die traurige Regel. So pflegen die Jungrevoluzzer von gestern spätestens im dritten Semester auch bei ihren Polittreffen jenen akademischen Jargon, der jedweden kritischen Gedanken von vornherein verhindert. Das einstige Existentialurteil über die Gesellschaft verwandelt sich schon nach dem Absolvieren der Basismodule in die Aussage, dass man doch etwas mehr differenzieren müsse. Aus Verstehen (sprich: Begreifen) wird mit anderen Worten Verständnis. Die alte Forderung »Hört auf zu studieren, fangt an zu begreifen«, hat insofern noch immer nichts an Aktualität verloren. Im Gegenteil.

AG Antifa im Stura der Universität Halle

Veranstaltungstermine:

Mittwoch, 30. Mai, 19 Uhr
Gerhard Stapelfeldt: Kritik der Soziologie.

Mittwoch, 6. Juni, 19 Uhr
Magnus Klaue: Phantasie als Kompetenz. Zur Ideologie der Kreativität
in der neueren Pädagogik.

Mittwoch, 20. Juni, 19 Uhr
Alex Gruber: »That politics may be reduced to a science«. Die
politikwissenschaftliche Ersetzung von Herrschaft durch Psychologie
der Herrschenden.

Montag, 25. Juni, 19 Uhr
Jörg Huber: Der Aberglaube des Positivismus.

Ort für alle Veranstaltungen ist das Melanchthonianum,
Universitätsplatz, Halle (Saale)

[http://antifa.uni-halle.de]

elfin saddle. charalambides.

29.5. UT Connewitz, doors: 8pm – start: 9pm

das SchubladenKonsortium laedt ein:

Elfin Saddle (can/Constellation)

Die Japanerin Emi Honda und der Kanadier Jordan McKenzie begegneten sich Ende der 90er Jahre auf Vancouver Island, an der einzigartigen Nord-West Pazifikküste Bristish Columbia’s und arbeiteten bereits an diversen
Sound und Visual Art Projekten zusammen. Immer auch von ihrer natürlichen Umwelt beeinflusst entstehen so aus einzigartigen Multi-Sensoren-Installationen, kleinen Motoren, mechanischen Gebilden, Zeitschaltuhren und Organischen Materialien bizarr, traumhafte Miniaturwelten die in Klang, Bewegung und Wiederholung eine einzigartige Atmosphäre schaffen. Elfin Saddle vereint so zu gleichen Teilen experimentelle Visual-Kunst mit wunderbarer, folkinspirierter Musik, generiert aus Akkordeon, Banjo, Gitarre, schwingender Säge und diversen selbstgebauten Instrumenten.

Charalambides (us/Kranky)

Tom und Christina Carter gelten als die eigentlichen Begründer solcher Stile wie Freak-Folk, New Weird America oder Free-Folk. Ein Genre das wärend der letzten Jahre mit Devendra Banhart, Joanna Newsom oder auch CocoRosie vermehrt Aufmerksamkeit erlangte. So spinnen die Carters Elemente aus Folk, Psychedelic und Experimental zu unbeschreiblich schönen, jäh zerrissenen und unglaublich intensiven Musikstücken zusammen: Christinas Gesang mit oder gegen Toms Gitarrenspiel.Auf Kranky!!!(Godspeed Y!BE, Labradford, Tim Hecker,Deerhunter, Stars Of The Lid)

krawehl.

krawehl

24. mai 2012 | reil78 | 20.30

krawehl. (emoindiepunk, bielefeld)

obraces. (halle)

vokü.kicker.bar.

austra.

austra

Mi, 23.05., 22.00 Uhr, Centraltheater Leipzig

Austra

Da lag das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL, der zurzeit mehr mit abwegigen Spekulationen über die angeblich rechte Gesinnung des Schriftstellers Christian Kracht oder wenig fundierten, aber umso radikaleren Vorschlägen zum Umbau der Kulturpolitik von sich reden macht, ausnahmsweise einmal richtig: Wenn es im vergangenen Jahr einen Song gegeben hat, der es verdient gehabt hätte, zu einem Sommerhit zu werden, der die Menschen an den Strandbars des Mittelmeers, des Atlantiks und des Pazifiks in dionysischer Verzückung tanzend vereint, dann war es „Lose It“. Es ist das spektakulärste, aber bei weitem nicht das einzige gelungene Stück aus dem im Mai 2011 erschienenen Album „Feel It Break“. Mit diesem Album setzten sich AUSTRA, wenig später gefolgt von Projekten wie GRIMES oder ZOLA JESUS, an die Spitze einer musikalischen Entwicklung, in der die Stilregister von Electro und Goth zu beiderseitigem Vorteil eine mysteriös-schillernde Synergie eingehen. Nach dem Erfolg ihres Konzerts im CONNE ISLAND kehrt das von der Sängerin KATIE STELMANIS angeführte Trio aus dem kanadischen Toronto in diese Stadt zurück und erfüllt auf der unbestuhlten Hinterbühne des Centraltheater alle Wünsche, die wenige Tage zuvor beim „Tanz in den Mai“ – natürlich will niemand den Teufel an die Wand malen – offen geblieben sein mögen.

Christoph Gurk

Support: Heidi Mortenson

[centraltheater]

austra

throwers. mio.

throwers mio

23. Mai, 21:30, Leipzig Uschis Hardcore Imbe

THROWERS tour kick off / record release show

throwers.bandcamp.com

Unsere erste 10inch „Prosaic material, rudimentary bodies“ wird zum käuflich Verzehr vorstellbar sein. Ausserdem werde uns an diesem Abend noch zwei bis drei befreundete Bands begeleiten.

Bisher bestätigt:

MIO (miomusic.bandcamp.com)

AXES (axes.bandcamp.com)

ivi bleibt.

ivi bleibt

Aktuelle Situation: Franconofurt Ag macht ernst!

Am heutigen Morgen, 22.o5. gegen 9.3o haben Mitarbeiter der Franconofurt AG die Eingangstür zum Ivi aufgebrochen. Sie stellten Strom und Wasser ab und begannen im Haus befindliche Personen abzufilmen. Eine Sitzblockade konnte ein weiteres Vordringen allerdings stoppen. Franconofurt drohte daraufhin damit, die Polizei hinzuzuziehen. Nach ca. 45 Minuten zogen die Franconofurt Leute ab und nahmen die Eingangstür ebenfalls mit.

So wie es aussieht plant die Franconofurt Ag die nächste Wochen (1-2 Wochen) zu räumen.
Kommt ans/ins Ivi, solidarisiert euch, startet Aktionen in euer Stadt.

Folgt dem und benutzt den Hash-Tag #ivibleibt auf twitter.

ivi.copyriot.com
weloveivi.wordpress.com

ivi bleibt

Marx und die Grenzen der Dialektik.

23.05. | 19:00 Uhr | Hörsaal 2 | Neues Hörsaalgebäude Uni Campus Leipzig

Christoph Türcke (HGB Leipzig)

[marxexpedition.de]

Antifa-Soli. Was würde Hans-Peter dazu sagen…

19. Mai 2012, Reilstraße 78, Halle (Saale)

Tigeryouth (Akustikpunk)
Paan (Screamo/Progressive)
Kaput Krauts ( HC-Punk)

Afterhour: DJ O (d.i.y. 90s Techno)

+ vegan Food (verrückte Backwaren gegen Spende)

boy friend.

boy friend

14.05.2012, 21.00, Hühnermanhattan

OMNIpresents:

Boy Friend (City Slang/US)

Boy Friend is best buds Christa Palazzolo and Sarah Brown. With a creative partnership that combines different stylistic preferences and attitude with a passion for dark fantasy, narratives and love-sick lyrics, their song-writing is led by strong lead vocal and guitar melodies layered in harmonies, ambiance, and thick atmospheric backdrops. The two have collaborated on several projects together in their 15 year friendship, but it wasn’t until the end of 2010 while going through a rough break-up from their last band that they regrouped to record their first EP as a duo. It was a heavily charged “break-up” album disguised in hazy undertones and big choruses. The following spring they recorded their Lovedropper 7”, and by Summer of 2011 recorded their first full-length, entitled Egyptian Wrinkle, in a friend’s house in north Austin surrounded by dogs, bongos, and plenty of warm Texan vibes.
„The first great album of 2012.” – The Guardian

boyfriendmusic.tumblr.com
boyfriendmusic.bandcamp.com

HellShovel (Sound of Cobra/Montreal,CA)

HellShovel is the project of Jeff Clarke (Demon’s Claws, Red Mass) and Dale McDonald (Demon’s Claws, Red Mass, Chocolate). Hellshovel was originally a song on a Demon’s Claws single, later it became a recording project started by Jeff intended to make soundtrack instrumental music. In 2008 it became a touring act in Italy with guest musicians from Italy’s Movie Star Junkies and France’s Jack of Heart. After a period of inactivity HellShovel reformed in 2009 in Montreal, releasing several singles on different record labels before leaving on their first European tour with The Feeling of Love. What’s next? Full length LP coming this Spring 2012 on Slovenly with Bloodshot Bill on drums…and your chance to see them live tonight at the allnew Hühnermanhattan. „It’s a mind blowing mix of 60s garage, weird psychedelia and kaleidoscopic rock.“ – Sound Of Cobra

hellshovel1.bandcamp.com