Archiv für Dezember 2011

webermichelson.

Mi.28.12.Ilses.Erika:

WeberMichelson (Lpzg)

Wohl ohne Zweifel eines der spannendsten Musikprojekte in der Stadt, momentan: Analog, irgendwo zwischen Minimal, Noise und Mathrock spinnen Phillip Weber an Gitarre und Sven Michelson am Schlagzeug mit diversen Sample/Tape/Geraeusch Utensilien ihre zumeist instrumentalen Klangmaeander zu dichten aber stets entspannt groovenden Tracks die mit clever gesetzten Hoehepunkten Euphorieschuebe frei zu setzen wissen.

emaline delapaix.

Mittwoch 21.Dezember 20.30 Uhr. [la ka rot], Ludwig-Wucherer-Strasse 29

-live im Laden-

Emaline Delapaix (Singer-Songwriterin aus Australien)

defeater. more than life. together.

defeater. more than life. together.

Freitag, 16.12.2011, 20:00 Uhr, Conne Island

Defeater, Together, More Than Life

Wut ist das neue Umarmen

Was euch an diesem Abend im Conne Island erwartet, unterscheidet sich erst mal nicht groß von anderen Hardcore Konzerten. Es gibt mit Sicherheit Leute in kurzen Hosen im Dezember, viele zerschnittene Zeitungen, umworbene Merchandise-Stände und insgesamt 15 junge Männer auf der Bühne zu sehen. Dennoch ist es ein kleines Highlight der Saison, was auf jeden Fall mit dem etwas spärlich besuchten 20 Jahre Hardcore-Konzert der vielleicht nicht mehr ganz so legendären Kombo CIV konkurrieren kann. Auf jeden Fall wird es Zeit, dass More Than Life und Defeater im Conne Island debütieren.
Musikalisch sehr nah beieinander sind Defeater, More Than Life und Together mit Sicherheit und lassen sich unter düsterem Hardcore, wie er gerade angesagt ist, summieren. In diesem Zusammenhang fast immer erwähnt und so auch an dieser Stelle, Modern Life Is War, die diese Spielart des wütenden, verzweifelten und aufwühlenden HC/Punk ein bisschen wie erfunden haben.
Dennoch zeigen Defeater, was es für eine Hardcore Band heißen kann, auch mal etwas anders zu machen. Ihre Platten sind durchweg Konzeptalben, die romanähnliche Geschichten erzählen; mal von einer abgefuckten amerikanischen Familie oder eines Obdachlosen in der Zeit nach 1945. Mich erinnert es zwar etwas an die von Beethoven vertonte Ode „An die Freude“, nur in düster, verzweifelt und destruktiv. Auf jeden Fall aber ein spannender Ansatz Musik zu machen. Nebenher beschäftigen sich die Jungs auch viel mit Environment und reflektieren, etwas szeneuntypisch, auch mal ihr Verhalten in Richtung Fair Trade Merch und 100% recycelten Materialien für ihre Booklets. Einer von ihnen betreibt gar eine Vermietung von Vans die auf Basis von Pflanzenöl betrieben werden. Manche Leute mögen das vielleicht als hippiemäßig abtun, dennoch könnte man es auch als zeitgemäße Interpretation von Hardcore sehen.
More Than Life kommen aus England und haben mit Brave Enough To Fail eines meiner absoluten Favorit-Alben gemacht. Die Jungs machen sich, zumindest vordergründig, nicht ganz so viele Gedanken über die Umwelt und sind auf ihrer ersten Europatour eher durch kurze und wenig engagierte Auftritte bekannt geworden. Anders als bei Defeater, die ihre Alben mit stimmungsvollen und bewegenden Fotos schmücken, ist bei More Than Life auch einfach mal eine Art Pin-Up auf dem Plattencover zu sehen.
Supportet wird der ganze Spaß von Together aus Aschaffenburg, die ich bis hierher noch nicht kannte, aber musikalisch sehr nah dran sind an den anderen Bands des Abends.
Ich glaube, dieser Abend hat das Potential etwas aus dem Rahmen einer Hardcore Show im Conne Island zu fallen, wenn man sich darauf einlässt. Viel Bock auf Mitmachen, auch was zum Nachdenken und mehr Gäste als bei CIV sind garantiert.

[cee ieh]

Dillon

Fr, 16.12., 21.00 Uhr, Skala
Do, 16.02., 20.00 Uhr, Centraltheater

Wer vor zwei Jahren den Auftritt von PHANTOM GHOST im Centraltheater erlebt und damals pünktlich genug den Sitzplatz eingenommen hat, um noch das Vorprogramm erleben zu können, wird mit diesem Geheimtipp bereits Bekanntschaft geschlossen haben. DOMINIQUE DILLON DE BYINGTON verbrachte ihre Kindheit in Brasilien, bevor sie mit ihrer Mutter nach Köln übersiedelte. Erst im Alter von 18 Jahren entdeckte sie im Dialog mit dem Klavier ihres Vaters ihre musikalische Begabung und begann erste Songs zu schreiben. Danach ging alles sehr schnell. Kaum mehr als ein Jahr später gab sie in Köln ihr erstes Konzert. Seitdem ist sie auf dem besten Weg, sich zu einer der avanciertesten Songschreiberinnen im weiten Feld zwischen Pop, Kunstlied und Elektronik zu entwickeln. Am 16. Dezember stellt sie in der Skala ihr auf dem renommierten Label Bpitch erscheinendes Debüt-Album „This Silence Kills“ vor, das bereits im Vorfeld der Veröffentlichung in der Fachpresse, aber auch in Magazinen für den etwas gehobeneren Lebensstil wie der VOGUE in höchsten Tönen gelobt wird.

Christoph Gurk

HINWEIS: Das Konzert in der Skala am 16.12. ist bereits ausverkauft. Am
16. Februar gibt die 23-jährige Sängerin und Keyboarderin ein Zusatzkonzert, diesmal im Centraltheater.

[centraltheater]

corax medienpreis-verleihung.

Freitag, 16. Dezember, 20:00 Uhr, Goldene Rose

CORAX-Medienpreisverleihung

20 Uhr Mutter Morgana mit ihrem Live-Hörspiel „Lilith und die Rippe des Schicksals“
21:30 Uhr CORAX Medienpreisverleihung
22 Uhr Der Täubling
23:00 Tanz mit CORAX-DJs.
Kommt zahlreich und jubelt.

OMAR SOULEYMAN & ORCHESTRA OF SPHERES @ Nato.

15.12., naTo, tuer: 20.00Uhr – beginn: 21.00Uhr

das SchubladenKonsortium laedt ein:

Omar Souleyman (syr/Sublime Frequencies)

Aus Ras Al Ain im Nordosten Syriens besucht uns mit Omar Souleyman eine der wohl schillerndsten Figuren der internationalen Underground Musikzsenerie!
Erst 1994 begann der 1966 geborene, ehemalige Steinmetz mit diversen lokalen Kollaborateuren seine musikalischen Passionen zu verfolgen. Mit einer Mischung aus Keyboards, traditionellen Folkinstrumenten wie der Saz und stampfenden Lo-Fi Beats entwickelte Souleyman so etwas wie einen modernen arabischen Partysound der dann auch seit dem auf Festen und Hochzeiten live zelebriert und durch mehr als 500 Live und Studioaufnahmen belegt wird. Polternde Grooves und Beats, uebersteuerte Keyboards, diverse Saiteninstrumente, Floeten und Souleyman, eher als euphorisierenden MC denn als Saenger, ergeben einen hypnotisch, extatischen Sound der laengst nicht nur die Region zwischen Tuerkei, Arabien und Persien in Aufruhr versetzt. Lanzeitfan Bjoerk bezeichnete Souleyman als „syrischen Technostar“. Der Geografie geschuldet fliessen in den Sound Souleymans Elemente tuerkischer, syrischer, arabischer, armenischer, irakischer und kurdischer Folklore Musik und spiegeln so spannend die kulturelle Weite der Region. Das Souleyman mit seiner Musik inzwischen beim Glastonbury Festival tausenden Menschen begeistert, von Caribou auf das All Tomorrows Parties eingeladen wird oder mit Bjoerk zusammen Platten einspielt hat am ruralen Strassencharme seiner Musik nichts aendern koennen.

Orchestra Of Spheres (NZ/Fire Records)

Aus Wellington stammend haben sich OoS dank ihrere fabuloesen Liveshows ueber DIY konzerte, Hausshows, Danceparties, Gallerie-Auftritte oder in Opernhaeusern eine kultartige Anhaengerschaft erspielt. Faszinierend wie die Neuseelaender sich in Visuals, Artwork, Auftritten und Musik eine eigene schweisstreibende, groovende Welt kreieren und scheinbar grenzenlos Psychedelik, Futurismen – moderne gleich wie traditionelle Musik und Kunststile vereinen.

Die Abgründe der Autonomie. Zur Kritik von Freiheit und Subjektivität.

Do, 15.12.11 I 18.30 I Melanchthonianum, Uniplatz

Lars Quadfasel (Hamburg)

Freiheit, Selbstbestimmung, Autonomie sind Parolen, ohne die bislang noch keine widerständige Bewegung ausgekommen wäre. Sie sind aber zugleich die Parolen, unter denen der Sozialstaat demontiert und die Individuen in die »Eigenverantwortung« entlassen werden, selbst dafür zu sorgen, wie sie mit Krankheit, Alter und Armut fertig werden. Die Freiheitsemphase der bürgerlichen Gesellschaft wusste schon Marx mit dem Verweis auf die ›doppelt freien Lohnarbeiter‹ zurechtzurücken: »Zur Verwandlung von Geld in Kapital muß der Geldbesitzer also den freien Arbeiter auf dem Warenmarkt vorfinden, frei im Doppelsinn, daß er als freie Person über seine Arbeitskraft als seine Ware verfügt, daß er andererseits andere Waren nicht zu verkaufen hat, los und ledig, frei ist von allen zur Verwirklichung seiner Arbeitskraft nötigen Sachen.«

Unter manch hartgesottenen Marxisten gilt es daher als Ausweis besonderer Radikalität, den Begriff der Freiheit als bloße Herrschaftsideologie zu denunzieren. Dagegen spricht freilich, dass er auch unter den Bürgern kaum mehr den besten Klang genießt. Dass Selbstbestimmung und Autonomie Illusionen seien, die vor den Sachzwängen des Marktes nicht bestehen können und auf die man angesichts der neuesten Ergebnisse der Gehirnforschung ohnehin besser verzichtet, gehört in den gebildeten Kreisen längst zum common sense, und eher peinlich berührt wird der Anachronismus zur Kenntnis genommen, der iranische Aufständische für die Freiheit ihr Leben aufs Spiel setzen lässt.

Das widersprüchliche Verhältnis ist kein Zufall, sondern gehört zur Sache selbst. Jede positive Behauptung über die Freiheit oder Unfreiheit der Menschen schlägt schnurstracks in ihr Gegenteil um. Die, welche die Determiniertheit aller menschlichen Handlungen, ob durch eherne geschichtliche Gesetze oder durch Synapsenverschaltungen im Gehirn, propagieren, wollen dadurch ja andere dazu bewegen, dieser Einsicht zu folgen – während wiederum ihre Kontrahenten, die auf der Autonomie des Einzelnen beharren, Freiheit auf eine Art mystischen Indeterminismus reduzieren, auf eine Willkür also, die von Zufall, Inbegriff des Heteronomen, nicht mehr zu unterscheiden ist. Freiheit als Propagandaformel war noch stets für jede repressive Konsequenz, die Legitimation göttlichen oder staatlichen Strafens gut, und bringt selbst im besten Fall kaum mehr hervor als die beruhigende Gewissheit, dass, egal wie zwanghaft die Verhältnisse auch sein mögen, es etwas Unantastbares im Inneren der Menschen gäbe. Und doch beruht auch und gerade der Materialismus, der die Praxis der Einzelnen auf den gesellschaftlich vermittelten Naturzwang zurückführt, auf der – nicht anders als metaphysisch zu nennenden – Überzeugung, dass die Menschen auch anders handeln könnten, als sie es hier und jetzt tun.

Was der Materialismus als menschliches Potential voraussetzt, muss ihn jedoch zugleich verzweifeln lassen: warum die Menschheit, wenn sie es doch besser könnte, nichts besseres zustande gebracht hat als diese unendlich blutige, unendlich barbarische, unendlich deprimierende Geschichte. Die zentrale Aporie jeder Revolutionstheorie ist, dass alles, was an Möglichkeiten für die Menschheit spricht, sie zugleich, als bislang ungenutzte, verdammt. Um diese Aporie, die nur umso drückender wird, desto fortgeschrittener die Produktivkräfte entwickelt sind und desto unentschuldbarer also die ausgeschlagenen Chancen auf der Menschheit – und damit auch auf jedem Einzelnen – lasten, soll es auf dieser Veranstaltung gehen.

Ein Vortrag im Rahmen der gesellschaftskritischen Veranstaltungsreihe „Was tun? Zum Verhältnis von Theorie und Praxis“ des AK Kritische Intervention.

Engagement und Desengagement. Jean-Paul Sartre – Michel Foucault – Jean Améry.

Di, 13.12.11 I 18.30 I Melanchthonianum, Uniplatz

Birte Hewera (Berlin)

Jean Améry wurde im April 1945 von den Engländern aus Bergen-Belsen befreit. Nach zwei Jahren in verschiedenen Konzentrationslagern, darunter Auschwitz, stieß der Anhänger des Wiener Neopositivismus nun auf die Philosophie Jean-Paul Sartres.

In Auschwitz hatte Amérys Bezug zum Neopositivismus einen Bruch erfahren, da sich in diesem Denken die erlittene Wirklichkeit von Folter und KZ nicht wiederfinden ließ. Erst der Sartre’sche Existentialismus gab Améry die Möglichkeit, dieses Erlittene zu arti­kulieren, sein eigenes Handeln als moralisch zu bekräftigen, die Täter zu verurteilen und für sich selbst eine Zukunft jenseits des von den Nazis über ihn verhäng­ten Urteils überhaupt zu denken.

Die „Tendenzwende“ – das Aufkommen des französischen Strukturalismus – stellte diese Errungenschaft jedoch wieder in Frage. Améry kritisierte den Strukturalismus, dem er Michel Foucault entgegen dessen Selbstbeschreibung ausdrücklich zuordnete, bereits sehr früh, lange schon, bevor dieser in Deutschland populär wurde. Er bezeichnete den Strukturalismus als „Philosophie jenseits des Menschen“, da der leibliche und leidende Mensch hier keinen Platz hatte, das Handeln als Akt freier Wahl negiert, sowie überhaupt von jeglicher Erfahrung abstrahiert wurde.

Schließlich ist es konstitutiv für das Denken Amérys, dass die gelebte Erfahrung – das „vécu“, den unhintergeh­baren Referenzpunkt jeglicher Reflexion bildet. So polemisierte Améry auch gegen alle diejenigen, die die existenzielle Bedeutung des Staates Israels nicht sehen wollten. Denn das Bestehen dieses Staates, so Améry, sei nur vor dem Hintergrund der Katastrophe Auschwitz und der darin enthaltenen Möglichkeit eines zweiten Auschwitz zu sehen. Améry hatte sich selbst immer als der Linken zugehörig betrachtet. Die Ignoranz gegenüber der andauernden Bedrohung Israels und der zunehmende und nur schlecht als „Antizionismus“ verhüllte Antisemitismus ausgerechnet innerhalb der Linken ließen ihn jedoch schließlich an dieser Linken verzweifeln. Die Bezeichnung der arabischen Gewaltregime als progressiv, Israels hingegen als reaktionär, verweise auf eine „totale Verwirrung der Begriffe“, auf den „definitiven Verlust moralisch-politischer Maßstäbe“. Am Israel-Palästina-Konflikt schließlich habe die Linke sich neu zu definieren, insofern sie sich nicht selbst aufgeben und die Maßstäbe der Gerechtigkeit für den „Fetisch Revolution“ opfern will.

Ein Vortrag im Rahmen der gesellschaftskritischen Veranstaltungsreihe „Was tun? Zum Verhältnis von Theorie und Praxis“ des AK Kritische Intervention.

We(h)r macht Traditionen in der Bundeswehr?

Am 13.12.2011 im Melanchthonianum der MLU Halle-Wittenberg um 18:30.

Die Bundeswehr betreibt bis heute eine Traditionspflege, die irgendwo zwischen Führerbunker und 20. Juli anzusiedeln ist. Einerseits wurden einige Kasernen-Patenonkel nach starker Kritik von außen gestrichen, andererseits ist die Bundeswehr wieder ein „Heer im Einsatz“. Dieser Umstand führt offenbar dazu, sich wieder in die Tradition der letzten deutschen Armee im „Auslandseinsatz“
zu stellen. Es gibt in der Bundeswehr eine positive Bezugnahme auf so genannte „Stahlgestalten“, vermeintlich unbelastete Personen aus Wehrmacht und Kaiserreich mit besonderen militärischen „Leistungen“. Dabei wusste bereits Kurt Tucholsky: „Jede Glorifizierung eines Menschen, der im Kriege getötet worden ist, bedeutet drei Tote im nächsten Krieg.“
Einzelfälle gar Missverständnisse werden braune Vorkommnisse in der Bundeswehr von offizieller Seite gern genannt. Doch bei genauerem Hinschauen entdeckt man eher ein System dahinter, wobei einzelne Skandale nur die Spitze des Eisberges offenbaren.
Offenbar gibt es eine neonazistische Subkultur in der Truppe. Ist die Bundeswehr also die größte Wehrsportgruppe Deutschlands oder doch nur ein Heer von Einzeltätern? Wie hängt das zusammen mit dem Traditionalismus bzw. Neotraditionalismus in der Bundeswehr? Wer versucht wie von Außen Einfluss zu nehmen auf die Bundeswehr und wie sieht es im Innern aus?

Diese Fragen sollen im Rahmen eines Vortrages mit anschließender Diskussion erörtert werden.

Lucius Teidelbaum ist Historiker, Autor für das antifaschistische Magazin „Der Rechte Rand“ und
Mitarbeiter eines Monitoring-Projektes zum Thema „Extreme Rechte und Bundeswehr“ (http://braunzonebw.blogsport.de).

(eine veranstaltung im rahmen der vortragsreihe des ak subjekt und gesellschaft)

„Krisenlabor Griechenland“ Ein Modell für die Reorganisation Europas unter deutscher Führung?

Do, 08.12.2011, 20 Uhr, Ludwigstraße 37, Infoladen

Buchvorstellung mit dem Autor Detlef Hartmann

Europa befindet sich auf dem Weg in eine neue Epoche. Nach der vorläufigen „Rettung“ Irlands steht die „zweite Halbzeit der Euro-Krise“ erst bevor. Es geht nicht um die Beendigung, sondern um die Nutzung der Krise. Exemplarische Bedeutung kommt dabei den Auseinandersetzungen um die griechische Schuldenkrise zu. Die griechische Gesellschaft dient den EU-Strategen unter der Hegemonie der Merkel-Regierung – mit Hilfe des IWF – als Labor für die Reorganisation des Großraums Europa. Ein „Labor“ für eine Schockpolitik, die auf die Transformation der übrigen europäischen Länder, vor allem des Südgürtels, zielt und als Blaupause für die osteuropäischen Länder dient.
Der Autor Detlef Hartmann beschäftigt sich in dem im Januar 2011 bei Assoziation A erschienenen Band insbesondere mit der Entwicklung der kapitalistischen Strategien in den Krisen der Gegenwart. Er begreift sie als Ausdruck einer epochalen Offensive des globalen Kapitals, um das kapitalistische Kommando über die Wertschöpfungsprozesse zu reorganisieren. Über eine Politik der Verelendung, wie sie aktuell in Form von „Sparhaushalten“ umgesetzt wird, soll ein neues, auf Informations- und Kommunikationstechnologien basierendes Regime durchgesetzt und die Bereitschaft der Menschen hergestellt werden, sich diesem neuen Regime zu unterwerfen. Die sozialen Auseinandersetzungen in Griechenland haben deshalb exemplarischen Charakter für die Zukunft eines maßgeblich von Deutschland aggressiv neu geordneten Europas.
Hartmann, Detlef und Malatimas, John: Krisenlabor Griechenland: Finanzmärkte, Kämpfe und die Neuordnung Europas. Assoziation A, 2011, 136 Seiten.