Das Militär und seine Subjekte.

16.11.2011, 18:30 Uhr, Melanchthonianum, MLU Halle-Wittenberg, Hörsaal XVIII

Der Begriff des Soldaten ruft Assoziation zu Befehl und blindem Kadavergehorsam hervor. Soldaten werden immer wieder als blinde Marionetten fremder Interessen begriffen, die fremden Befehlen unterliegen und diesen blindlings folgen. Der Vortrag möchte diesem Bild entgegenwirken und zeigen, dass Soldaten eine spezifische, historisch variable und nicht frei gestaltbare Subjektivität besitzen, die aber ihr Selbst formt und ausbildet.
Die Unterwerfung unter die institutionellen Anforderungen des Militärs, ist zugleich die Grundlage, als Subjekt handlungsfähig zu sein. Soldaten, so soll gezeigt werden sind nicht nur Ausführende, sonder zugleich Handelnde Akteure. Die konkreten gesellschaftlichen Anforderungen an die einzelnen Soldaten, der ihnen zugewiesene Handlungsspielraum und die Herausbildung ihres je eigenen Selbstbildes im Kontext der kollektiven Gewaltanwendung im Kriege soll dabei näher beleuchtet werden.
Aus dem Klappentext von „Das Militär und seine Subjekte“:
„Waffen allein entscheiden nicht über die Schlagkraft einer Armee. Entscheidend ist auch, wie die Kriegführung die Subjektivität der Soldaten berücksichtigt. In diesem Vortrag versucht Jens Warburg diese Subjektivität als ein historisch variables, aber nicht frei konstruierbares Phänomen zu kennzeichnen. Ausgehend von dem Faktum, dass Soldaten im Krieg die Versehrtheit ihres Leibes riskieren, der sich nicht beliebig verändern lässt, wird ihre Subjektivität zwischen aktivem Handeln und passivem Erleiden beleuchtet. Das Buch analysiert die Paradoxien, die sich aus Funktionserweiterungen des soldatischen Handelns bei Auslandseinsätzen ergeben, sowie die Versuche der avancierten Militärmächte, die Subjektivität durch den Einsatz modernster Technik zu nutzen.“

Jens Warburg (Dr. rer. soc.) promovierte an der Justus-Liebig-Universität Gießen im Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften. Er veröffentlichte u.a. die Bücher „Das Militär und seine Subjekte“ sowie „Kampf der Zivilisten“.

Eine Veranstaltung der Vortragsreihe des AK Subjekt und Gesellschaft.