Archiv für Juni 2011

10 jahre reil78.

10 jahre reil78

[Jahresfest * 10 Jahre Reil78]

freitag, 17-06-11

TOKAMAK REACTOR [dubelectro]

MIO [screamo punk]

TV BUDDHAS [psychedelic rock]

CRUS [stonerrock]

DICKTATORS!

+++c64 daddellounge by krimsekramse+++

+++fressstände+++

+++cocktails+++

chaise:

QUEERBASS

MEERBLICK

SEBASTIAN BURGHARDT

sonnabend, 18-06-11

[nachmittags]

kinderdisko, kinderfestival, baumkarussel

[abends]

CHEMIEVERSEUCHT [anarchopunk]

RADIO BURROUGHS [indiecore]

GEZIEFER [düstercrust]

DEUX MESSIEUR DE PHONK [hip hop]

116 INAKTIV [electropop]

DON LON [jazzrock]

OH JA [reggae, dub, funk]

+++feuershow+++

+++c64 daddellounge by krimsekramse+++

+++fressstände+++

+++cocktails+++

chaise:

CHAISE ALLSTARS

CASIMIR VON OETTINGEN

HIPHOP&DUBSTEP

Zum Vortrag „Der gefesselte Odysseus. Über die Dialektik der Aufklärung im Islam“ von Thomas Maul.

Von Dialektik war im Vortrag nicht die Rede. Von Aufklärung auch nicht. Vom Islam dagegen schon. Insofern wurde das im Titel angekündigte Vorhaben verfehlt. Maul wollte seine Islamkritik nicht als Subgenre von Religionskritik verstanden wissen, sondern als Subgenre des Antifaschismus und des Feminismus. Zu den Quellen von Mauls Islamverständnis kann hier aufgrund mangelnden Sachverstandes in dieser Hinsicht nichts weiter ausgeführt werden. Maul führte dazu aus, dass Ghazali, auf den er sich hauptsächlich stützt, ein liberaleres Islamverständnis hätte, als heute maßgebliche islamische Theologen. Nicht erwähnt wurde aber beispielsweise, dass dieser ein mittelalterliche islamischer Theologe war. Dies allein spricht aber schon dagegen, von einer Dialektik der Aufklärung im Islam zu sprechen. Die bei Maul insgesamt betriebene, ahistorische Essentialisierung des Islams als monolithischem Block, unter den dann alle Individuen gewaltsam subsumiert werden, die in dem von dieser Religion geprägten Raum leben, hat mit einer kritisch-dialektischen Darstellung nicht das geringste zu tun und wird sehr gut im Text „Essentialistische Märchenstunde“ kritisiert.
Maul charakterisierte den Islam als eine gegenüber dem Judentum und dem Christentum minderwertige Religion. Dies begründete er u.a. mit der spezifischen Jenseits- bzw. Paradiesvorstellung des Islam und mit der Rechtspraxis der Scharia. Die christliche Kirche hätte dagegen das römische Recht aufbewahrt, wodurch die christlich-kirchliche Rechtsprechung fortschrittlicher als die der feudalen, weltlichen Herrscher gewesen sei, und welches sodann zur Herausbildung des bürgerlichen Rechts beigetragen hätte. Die Ringparabel bezeichnete Maul in diesem Zusammenhang als Notlüge bedrängter Juden. Eine dialektische bzw. materialistische oder auch kritische Sichtweise müsste die historische Entwicklung der jeweiligen Religionen im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Verhältnissen im einzelnen rekonstruieren, statt eine solche Dichotomie zwischen christlicher und jüdischer Religion auf der einen und islamischer Religion auf der anderen Seite herzustellen.
Den Islamismus erklärte Maul durch ökonomische Krisenerscheinungen in der gegenwärtigen islamischen Welt. Das von ihm postulierte, islamische, patriarchale, phallozentrische Modell gerät ihm Zufolge dadurch in eine Krise. Die Triebabfuhr wäre dadurch nicht mehr gewährleistet, dass die islamischen Männer ihre patriarchale Rolle als Versorger nicht mehr übernehmen könnten und somit keine Frau dafür zur Verfügung hätten. Daher müsste nun die Verhüllung und Bedeckung alles sexuell Aufreizenden bei der islamischen Frau um so rigider erfolgen. An dieser Stelle wäre zu Fragen, wie denn dann der Rückgang islamistischer Bewegungen und die Entstehung und die starke Ausbreitung der Demokratiebewegung zu erklären wäre. Aber von Dialektik war ja nicht die Rede.
Immerhin wollte Maul den Islamismus noch von dem Islam an sich unterscheiden, wobei er in der Diskussion, bei der einige Zuhörer dafür kein Verständnis aufbringen wollten, sich fast dazu veranlasst fühlte auch diesen Unterschied noch fallen zu lassen.
Bei einigen anderen Fragen, die einer Dialektik der Aufklärung des Islams vielleicht etwas näher zu kommen versuchten, waren die Antworten Mauls sehr bescheiden. So bei der Frage danach, wie er den die Auffassung sähe, dass der Islam für eine längere Zeit toleranter, z.b. gegenüber Juden und Homosexuellen oder aber auch in Bezug auf Wissenschaft und Philosophie, war, als das damalige christliche Abendland. Hierbei wäre eine dialektische Betrachtung, ähnlich der Dialektik der Aufklärung in Europa, sicherlich angebracht. Darüber wusste Maul aber nicht viel zu sagen. Ähnlich wenig wusste er auf die Frage zu sagen, wie denn die von Marx beschriebene Freisetzung der Einzelnen von Sippe und Patriarchat, d.h. persönlichen Herrschaftsverhältnissen, im Zuge der Herausbildung des Kapitalismus, im islamischen Raum zu sehen sei. Auch hier wäre wieder auf die historisch und materialistisch spezifischen Bedingungen und Entwicklungen in diesem Raum in dialektischer Art und Weise einzugehen, z.b. darauf dass eine ursprüngliche Akkumulation und eine Industrialisierung, wie in Europa, im islamisch geprägten Raum nicht stattgefunden hat, und dass dort stattdessen u.a. teilweise koloniale Verhältnisse herrschten. Das heißt, eine Dialektik der Aufklärung des Islams, wäre durchaus eine lohnenswerte Angelegenheit. Sie wäre aber etwas vollkommen anderes, als das, was Thomas Maul unter dieser Überschrift betreibt.

Essentialistische Märchenstunde.

Anlässlich des Vortrages „Der gefesselte Odysseus. Über die Dialektik der Aufklärung im Islam“ von Thomas Maul an diesem Mittwoch in Halle (Saale) hat der Freundeskreis „25. Januar“ ein Kritik am Referenten, der AG Antifa, der AG No tears für Krauts und der Zeitschrift „bonjour tristesse“ veröffentlicht:

Essentialistische Märchenstunde

Eine Kritik der antiaufklärerischen Thesen Thomas Mauls, denen die AG Antifa (Halle) nun ein Podium bietet

(via critique aujourd‘hui)

austra.

austra

Donnerstag, 16.06.2011, 20:00 Uhr, Conne Island

Austra (domino)

Dahinter verbirgt sich die Kanadierin Katie Stelmanis, die ursprünglich Opernsängerin werden wollte, nun aber in die Fußstapfen von The Knife, Zola Jesus, Glasser oder Florence And The Machine tritt.

Wie die zuletzt genannten Künstlerinnen verfügt Katie Stelmanis über eine Stimme, mit der sie Glas zum Bersten bringen kann. Beschwörend, intensiv und durchdringend bis aufs Mark, dunkle Songs überwiegend auf Sequencern eingespielt, ein Sound der bereits vor 30 Jahren von innovativen Bands wie DAF, Mania D oder Malaria! geprägt wurde und der derzeit wieder aufgegriffen und modernisiert wird. Dies läßt Austra auch recht nahe an ganz große Synthiepop-Helden wie die frühen Depeche Mode oder auch Soft Cell heran rücken.

oh! pears.

16 // Do // 21 Uhr // UT Connewitz

OH! PEARS (us) & schnAAk (b)

Oh! Pears, die Band um den aus Philadelphia kommenden Corey Duncan, pendelt zielsicher zwischen den Welten des Indie-Pop à la Beirut oder Grizzly Bear und klassischen Kompositionen in der Tradition von Ravel oder Tschaikowski.
Auf seinem Debüt „Fill your lungs“ werden orchestrale Arrangements in perfekte 3-minütige Pop-Songs gegossen. Live erleben werden wir Oh! Pears auf der diesjährigen Tour als Quartett mit dem Percussionisten Jonathan Pfeffer (Capillary Action) sowie dem Geschwisterpaar Andy und Veronica Jurkiewicz an den Streichinstrumenten.

Man nehme Schlagzeug und Gitarre, eine Handvoll ausrangiertes Kinderspielzeug und Percussiongerätschaft, mische das Beste aus Noiserock, Freejazz und Hardcore unter und lasse dies bei ständigem Rühren sowie unter Hinzugabe von Afrikanischen Rhythmen und verdrehten Hip-Hop Beats mehrmals kräftig aufkochen. Fertig ist das schnAAk! Die explosive Sound-Karambolage welches das Berliner Duo entfacht, zieht das Publikum stets sprachlos in ihren Bann. Trotz allem Tohuwabohu besteht jedoch akute sing-along Gefahr!
Auf “Discoroporate Records” befinden sich die Beiden mit DYSE, DEAD WESTERN bzw. DON VITO in bester Gesellschaft und auch die einschlägige Presse ist sich einig: „Es groovt in allen vier Ecken!“ (OX Fanzine)

Der gefesselte Odysseus. Über die Dialektik der Aufklärung im Islam.

Mittwoch, 15. Juni 2011, 19:00 Uhr, Melanchthonianum, Universitätsplatz, Halle (Saale)

Vortrag von Thomas Maul (Berlin)

Seit dem 11. September 2001 wird in der westlichen Öffentlichkeit die Frage diskutiert, was der Islam mit dem weltweit agierenden Suizid- und Tugendterror zu tun hat, der in seinem Namen zuvörderst gegen Juden, Frauen und Homosexuelle sich richtet. In Thomas Mauls kritischer Analyse des klassisch-schariatischen Geschlechterverhältnisses und der ihm entsprechenden Sexualpolitik im Spannungsfeld von Religion (Eschatologie, Ritualpraxis) und Gesellschaft (Patriarchalismus, orientalische Despotie, Djihad-Doktrin) erweist sich die Gemeinschaft der Gläubigen (Umma) als wesenhaft durch einen Phallozentrismus konstituiert, der in der Moderne notwendig in die Krise gerät. Die gegenwärtige barbarische Gewalt des Kollektivs ist damit nichts anderes denn eine anachronistisch-pathologische Verteidigung der im Verfall begriffenenTradition und gilt in letzter Instanz immer dem (sexuell) selbstbestimmten Individuum.

Thomas Maul ist Autor der Bücher »Die Macht der Mullahs. Schmähreden gegen die islamische Alltagskultur und den Aufklärungsverrat ihrer linken Verteidiger« (2006) und »Sex, Djihad und Despotie. Zur Kritik des Phallozentrismus« (2010).

Eine Veranstaltung der AG Antifa im Stura der Uni Halle.

nicolas jaar.

nicolas jaar

Sonntag 12.06.2011, 21 Uhr, Westwerk, Leipzig

WOLF + LAMB NIGHT

Nicolas Jaar *live* (wolf + lamb, new york, us)
Special Guest (wolf + lamb, new york, us)

Aftershowparty mit…
Filburt
Peter Invasion
Deep‘n'Ruth
Bené

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Nicolas Jaar gilt als der Überflieger des vergangenen Jahres. Bereits mit 14 Jahren begann er elektronische Musik zu produzieren und konntedrei Jahre später seinen ersten Tonträger, veröffentlicht beim New Yorker LabelWolf + Lamb, in den Händen halten. Seine Produktionen bestechen durch die feinfühlige Verbindung organischerJazz-Instrumentierung mit Elektronik und versprühen puren Soul. Mit „Marks & Angles“ erschien seine neueste EP bei CircusCompany, dem Label, das auch den Zuschlag für seinen ersten Longplayer bekam.

DYSTOPIAN DISCO FORCE w / Chain and The Gang.

Fr 10.6. Zoro, doors: 20Uhr – start: 21.00Uhr

Zoro & das SchubladenKonsortium laden ein:

DYSTOPIAN DISCO FORCE # 2

upstairs:

CHAIN & THE GANG (live/us/K-Recs.)
kollektiv mit diversen Dischord- und K-Rec.-akten um den Prince des post-punk Mr. Ian Sveninious: verdammt viel soul und lo-fi.detroit.garagen.protest.soul.folk.gospels…praedikat: HAMMER!

Die neuste Band von Ian Svenonius (Make Up, Nation of Ulysses, Weird War) auf K Records. Wem keine der oben genannten Bands etwas sagt, hat damit wohl auch einen der charismatischsten Front-Männer dieser Welt verpennt! Chain and the Gang-Songs sind rohe, minimalistische und primitive Perlen. Inspiriert von Gospel, Soul, Doo Wop, Voodoo, Arbeiterlieder, Field Songs und garagigem Blues preschen CATG nach vorne, hypnotisieren ihr Publikum, treiben die Spannung auf die Spitze, um dann, initiert vom Meister persönlich, den Zuhörer endgültig zu erlösen. Markantestes Stilmittel hierbei ist Ians Stimme, sein unglaublich präsenter heiserer, nöliger Sprechgesang,der hier allerdings nicht mehr in solch gläserzerberstendes Geschrei ausartet wie einst bei THE MAKE-UP, bei denen ja seinerzeit THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY ungefähr 99 Prozent ihres Bandkonzeptes geklaut hatten. Inhaltlich geht man gegen Fast Food, schlechte Architektur, Materialismus, Umweltzerstörung, Gier und verblödendes Fernsehen an.

LONSKI & CLASSEN (live/d/American Typewriter)
vertrack, verspielt, geniales indieduo zwischen manie und deprie mit tonnen an ideen fuer die andere toeten wuerden…

ELECTRICTY IN OUR HOMES (live/uk/4AD)
artsy postpunk a la The Fall rifft auf nowave-funk mit Factory Records anstrich

schallplatten –
AKKRO & MAKDA (lpzg*) /
STEFFEN BENNEMANN (lpzg*Nachtdigital)/
ELIZABETH (brl*Leaves-About Blank)

downstairs:

ILLNESS(live/uk/Emilio Rec.)
vertrackt knallende noiserockperlen!!!

UNUR (live/us/Modern Tapes)
manisch pumpende synthie-cold wave – one man show

KELLIES (live/arg/Crang Rec.)
sensationeller dreier vermengt frueh 80er postpunk/funk im sinne von Devo, Raincoats, Delta5 oder ESG mit cumbia und dub fetzen!

schallplatten –
SANDY STARDUST (brln*Froken Stjenestov) /
SVEN VAN WEBERMICHELSON (lpzg*WBRMCHLSN) /
KICK N RUSH (lpzg*Schublade)

visuals: NYOTA & 3POL

SOLI-COCKTAIL-BAR!

Erlaubt ist, was nicht stört.

erlaubt ist
was nicht stoert

Dienstag, 07.06.2011, 19:30 Uhr, Conne Island

Erlaubt ist, was nicht stört. Politisches Handeln in der Demokratie

mit Robert Feustel

- Eine Diskussionsveranstaltung von und mit der Initiative gegen Extremismusbegriff/INEX -

»Wir leben in einer Demokratie«. So heißt es oft feierlich in Abgrenzung zu üblen staatlichen Machenschaften anderswo und in Verteidigung der hiesigen Gesellschaft gegen ihre inneren Feinde.
Die Inex hat sich in einer Art Abwehrkampf in den vergangenen Jahren maßgeblich mit der Extremismustheorie auseinandergesetzt. Wir wollten zeigen, dass Grundrechte und demokratische Willensbildung der repressiven Funktion des Extremismusdiskurses zum Opfer fallen, noch bevor irgendwer an revolutionäre Taten überhaupt nur denkt, geschweige denn sie umzusetzen plant: Parteien, zivilgesellschaftliche Initiativen und politische Gruppen werden überwacht und Verlage, Buchläden und JournalistInnen um ihren Ruf gebracht. Zwar konnten wir bei der Thematisierung unserer Kritik an der Extremismusformel einigen Erfolg verzeichnen. Dennoch scheint unsere Diskursintervention an der Stelle an Grenzen zu stoßen, wo aus politischer Einsicht praktische Konsequenzen folgen müssten. So wurde die sogenannte Extremismusklausel in den letzten Monaten stark kritisiert, um sie – des Geldes wegen – letztlich doch zu unterzeichen. Lohnt sich also die Zusammenarbeit mit so genannten zivilgesellschaftlichen Initiativen, auch wenn diese unter staatlichem Druck ja doch immer wieder einknicken werden? Im Rahmen der Veranstaltung möchten wir unsere Zusammenarbeit mit dem Teil der Zivilgesellschaft kritisch reflektieren, der nicht nur finanziell von der Gnade der jeweiligen Verwaltung abhängig ist.
Für diese Diskussion haben wir Robert Feustel eingeladen. Er vertritt die These, dass die hier und heute gängige, formalistische Vorstellung von Demokratie im eigentlichen Sinne undemokratisch ist. In ihrem Geschäftsordnungsdenken von Demokratie als abgeschlossenem Ist-Zustand liegt das Paradox der Demokratie. Demokratie beschreibt zweierlei: Eine Form des politischen Handelns sowie eine Herrschaftsform. Wenn Demokratie herrscht, ist sie schon in einer bestimmten Weise verfasst und in festgesetzten Prozeduren verwirklicht. In Bezug auf die liberaldemokratische Variante spricht man deshalb von einem »demokratischen Dilemma«, auch bekannt als das »natürliche« Spannungsfeld zwischen dem Freiheitsanspruch des Individuums gegenüber dem Staat und den Schutzinteressen der Demokratie. Soll die Demokratie ihren Gegnern und Feinden keine Freiheit gewähren und damit für eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe eines ihrer Prinzipien aufheben? Oder soll sie ausnahmslos allen politischen Kräften die gleichen Handlungsspielräume einräumen und sich damit der Gefahr aussetzen, abgeschafft zu werden? Letztlich haben staatliche Institutionen die nötigen Befugnisse bzw. die erforderliche Macht, um in solchen Fragen zu entscheiden. Dieser Widerspruch, der in den etablierten Demokratien, wie wir sie kennen, grundsätzlich vorherrscht, ist so drängend, weil er immer mit der Androhung oder Durchführung von staatlicher Gewalt verbunden ist.
Wen wundert`s? Der radikalen Linken kam es immer auf die Umwälzung der bestehenden Lebensverhältnisse an. Die einzige Zukunft, für die sich die politische Anstrengung lohnt, ist das gänzlich Andere und es gilt, sich nicht auf die Spielregeln des Bestehenden einzulassen. Eine wohlklingende, wenn auch mittlerweile bedeutungslose Phrase, die trotzdem, wie uns der gegenwärtige Diskurs wissen lässt, eine extremistische Gefahr darstellen soll.

Vor diesem Hintergrund fragen wir mit dieser Veranstaltung: Lässt sich demokratisches Handeln jenseits der Demokratie als Herrschaftsform vorstellen? Ist Demokratie hier und heute etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt?

s.c.l.s.: state – country – landscapes – society.

nsk kulturny dom born 31

Ab 03.06.2011, Leipzig: NSK Staat Lipsk & Zonic-Kunst präsentieren im KULTURNY DOM BORN 31 (Ex-Ur-EIGEN+ART, Bornaische Str. 31, Hinterhof): „S.C.L.S.: State – Country – Landscapes – Society“

mit Arbeiten von: NSK-Staat-Kollektiv, Jonathan Evans (AUS) & Veronica Moto (MEX), Barbara Lamoot (SK), Bettina Tita (ROM), Holger Karas (Leipzig), Laetitia Mantis (Leipzig) u.a.

03.-05.06. / 09.-13.06. / 08.-10.07. 2011

Eine kleine Sensation!

Einer der wichtigsten Orte der Leipziger Kunst(-geschichte) mit weitaus mehr als überlokaler Bedeutung wird ab Anfang Juni für einige Tage wieder mit Leben erfüllt: das Gebäude der ursprünglichen EIGEN+ART auf dem Hof der Bornaischen Strasse 31 (ehemals Fritz-Austel-Strasse)!

Die Leipziger Sektion der Neuen Slowenischen Kunst (NSK) hat sich dafür mit dem Kulturmagazin Zonic kurzgeschlossen, um die historischen Räume noch einmal, vielleicht sogar ein letztes Mal, der Öffentlichkeit im Rahmen einer Ausstellung zugänglich zu machen.

NSK Lipsk öffnet innerhalb jener Tage ein temporäres Konsulat des Kunststaates NSK, das Visa für den Aufenthalt ausstellt und Staatsdevotionalien offeriert, zudem präsentiert das Künstlerkollektiv unter dem Titel „It’s A Beautiful Country“ imaginäre bzw. dekontextualisierte, anonymisierte Landschaften des lediglich in der Zeit und als soziale Formation seiner Bürger existierenden Staatsgebildes, dessen Bürgerschaft ebenfalls vor Ort beantragt werden kann.

Daneben präsentiert der australische Industrial-Artist Jonathan Evans, der vor allem mit dem Projekt Last Dominion Lost bekannt ist, gemeinsam mit der mexikanischen Künstlerin Veronica Moto die Performance und Videoinstallation „The Second Death of Reason/ Der Zweite Tod der Vernunft“, während die slowakische Künstlerin Barbara Lamoot sich der Symbolik von „Landschaft in philosophischer Vorverdauung“ widmet und die rumäniendeutsche Künstlerin Bettina Tita Einblicke in die postkommunistischen (Seelen-)Landschaften einer verlorenen Heimat gibt. Die Künstlerin Dr. Laetitia Mantis stellt Werke aus, die unterschiedliche Aspekte ihres photographischen Schaffens dokumentieren: Das Kunstprojekt „Bloody Roots“ bildet über das Mittel der Photoinstallation die Verbindung von Natur und Kultur im Thema Geburt ab. „Kutna Hora“ zeigt Impressionen aus der berühmten Knochenkirche, die Einblicke in die morbide Schönheit der menschlichen Vergänglichkeit liefern, während die Bilderserie Sintra deutlich macht, dass es auch heute noch magische Orte gibt, wenn man fähig ist, diese zu erkennen.

Eröffnet wird die Ausstellung am Freitag, 03.06.2011 um 19 Uhr und ist anschließend für ein Wochenende jeweils abends ab 19 Uhr zugänglich; über die Pfingsttage (10. – 13.06.) kann die Ausstellung zwischen 12 und 19 Uhr besichtigt werden, und am ersten Juliwochenende (08. – 10.7.) ab 19 Uhr.

Besondere Events:

Am Samstag, dem 04.06.2011, 20 Uhr, hält der Kulturwissenschaftler Alexander Nym einen Vortrag über das Phänomen des NSK-Staates („Panorama der Staatsmaschine“); im Anschluss wird der Dokumentarfilm „Predictions Of Fire“ (R: Michael Benson/ USA, 1996) gezeigt, der die Gruppe Laibach und die von ihr ausgehende Bewegung Neue Slowenische Kunst in eindrucksvollen Bildern vorstellt.

Am Sonntag, dem 05.06.2011, 20 Uhr, zeigen Jakobine Motz und Claus Löser ihren Dokumentarfilm „Behauptung des Raums – Wege unabhängiger Ausstellungskultur in der DDR“ (D/2009), der sich mit der Entstehung und Entwicklung der EIGEN+ART und ihren Vorläufern beschäftigt, und stellen sich den Fragen des Publikums.

Wieder eröffnet wird dann am 09.06. um 19 Uhr mit der Performance „The Second Death of Reason/ Der Zweite Tod der Vernunft“ von Jonathan Evans und Veronica Moto. Die ehemalige EIGEN+ART -Wirkungsstätte und die Ausstellung „S.C.L.S.“ kann dann in den darauf folgenden Tagen bis einschließlich Pfingstmontag, dem 13.06., jeweils von 12-19 Uhr besichtigt werden.

Der Londoner Kulturtheoretiker und NSK-Forscher Dr. Alexei Monroe wird am Freitag und Samstag (10. und 11.06.) um jeweils 14 Uhr fachkundig durch die Ausstellung führen und sich den Fragen der Besucher stellen.

(zonic-online)