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Freitag, 29.04.2011 – 22:00 Uhr, Klub Drushba

MIT (D)

Bild zu live: MIT (D) + Indie/Indietronic PartyRein ins Fabrikgebäude! Licht aus! Stroboskop an! So würde MIT in Imperativen lauten. MIT öffnen sich neben eindeutigen Kraftwerk-Einflüssen auch zeitgenössischen musikalischen Entwicklungen. So verschmilzt auf Songs wie „Odenwald“ der Sound, den sie aus ihrem Oldschool-Equipment herausprogrammieren, mit modernem Minimal-Techno, wie er etwa in ihrer Heimatstadt Köln berühmt wurde. Wesentlicher Unterschied: Die meisten DJs dieses Genres haben den Gesang aus ihren Tunes verbannt. Es ist gerade die Kälte und Leere, die die Clubgänger suchen und in die sie ihre eigene Stimmung hineinprojizieren wollen. Gleichermaßen will auch MIT-Sänger Edi D. Winarni diese Leere nicht durch bedeutungsschwere Aussagen belasten. Die Texte erklingen und verklingen. Ihre Existenz ist dennoch gerechtfertigt durch die Ästhetik, die von ihnen ausgeht: Winarni lässt sich die aneinandergeklebten Wortfetzen genussvoll und äußerst rhythmisch auf der Zunge zergehen: „Triff uns wo niemand schaut, zwischen gelben sieben, treten wir für Schnee ein, und sie unter den Knien.“ Sätze wie dieser zischen und ziehen sich durch das Album. Die Bedeutung zerspringt jedoch jedes Mal wie eine Luftblase, die an die Oberfläche kommt. Die Spannungskurve der Songs auf Nanonotes liefern eben nicht die Worte, sondern die Musik. Vorlage ist dabei das Sinuskurven-Schema, das auch in den heutigen Clubgängern große Emotionen auslöst. Ganz so stupide läuft es bei MIT dann aber doch nicht ab. Vor allem das trocken eingespielte Schlagzeuger flößt den Songs liebevoll Charakter ein. Und auch die analogen Synthesizer knarzen und werden durch Filter gejagt, die sich geradezu episch öffnen und schließen. Das Alles harmoniert auf der dezenten und dumpfen Produktion, für die Simian Mobile Discos Jas Shaw verantwortlich war. Während bei den Songs seiner eigenen Electroband aggressive Höhen und dominante Bässe nach oben und unten herausstechen, hält sich „Nanonotes“ bewusst im Zwielicht zurück. Ähnlich wie bei Kraftwerk, bestechen die Songs auf MITs zweitem Album durch ihre kühle und düstere Athmosphäre. Ironischerweise ist es gerade der Song „Nanonotes“, der durch seine eingängigen Melodien und hellen Klangfarben aus dem Konzept fällt. Sonst gilt: Die Technik beherrscht den Menschen, der nur hilflos und roboterähnlich darüber singen kann. Die schwere Stimmung des Albums drängt sich aber niemals auf, sondern lädt nur höflich ein, sich mit ihr treiben zu lassen. Und diese Einladung nimmt der Hörer bei dieser Band dankbar an.