Archiv für November 2010

Kritik und Ressentiment

Zum Stand der Debatte um den Islam

01.12.2010, 19:00 Uhr, Conne Island

Eine Veranstaltung der Phase 2 mit dem Antifaschistischen Frauenblock Leipzig (AFBL) und dem Antisexismusbündnis Berlin (ASBB)

„Auf ins Minenfeld“, forderte die Phase 2 2008 in einem Debattenbeitrag zur Antifa-Konferenz des Anti-Islamisierungskongresses in Köln. Damit war gemeint, sich den Schwierigkeiten eines Diskurses, der sowohl eine fortschrittliche politische Kritik des Islam als auch ressentimentgeladene Auslassungen gegen das Fremde und Andere in sich vereint, nicht auszuweichen, sondern sich ihnen offensiv zu stellen. Eine zentraler Rolle in der Debatte – sowohl in einer bürgerlichen Öffentlichkeit als auch in der Linken – spielte die Kritik des islamischen Geschlechterverhältnisses, also der Unterdrückung von Frauen und einer regressiven Sexualmoral. Eine feministische Positionierung zum Islam lag demnach nahe. Wie das allerdings genau zu geschehen hätte, war keinesfalls klar. Die Kritik des Islam, so das ASBB in einem Debattenbeitrag in der Phase 2 birgt die Gefahr der rassistischen Stereotypisierung und die Vernachlässigung der Verhältnisse vor der eigenen Haustür. Für den AFBL hingegen erwächst die Islamkritik gerade aus einem dezidiert feministischen und antisexistischen Selbstverständnis. Um die Begriffe des Rassismus und der feministischen Positionierung gegenüber dem Islam sowie ihr Verhältnis zu präzisieren, lädt die Phase 2 zu einer Diskussionsveranstaltung um den aktuellen Stand der linken Debatte um den Islam ein.

»Rowdys«, »Punks« und »Linke«

Umgang der Mehrheitsgesellschaft mit unangepassten Jugendlichen damals und heute

Diskussionsrunde mit Pascal Begrich und Cornelia Mareth

Vereinshaus Leipziger Osten, Dresdner Straße 82, EG

In der DDR war „anders denken“ und „anders sein“ als von der staatlichen Doktrin vorgesehen nicht erwünscht. Das bekamen auch und gerade Jugendliche zu spüren, die sich in alternativen, politisierten und autoritätskritischen Subkulturen bewegten, wie z.B. Punks oder Grufties. Feindseligkeiten der Mehrheitsgesellschaft gegenüber politisierten Jugend-Subkulturen waren auch noch in der (Nach-)Wendezeit spürbar.

Wie sieht es heute mit dem Verständnis der Mehrheit für subkulturelle Lebensweisen und dissidente Ansichten aus? Darüber und wie eventuelle Konflikte aus Sicht einer offenen, demokratischen Stadtgesellschaft angegangen werden, soll auf dieser Veranstaltung diskutiert werden.

Es diskutieren:
* Pascal Begrich, Miteinander e.V., Magdeburg
* Cornelia Mareth, als Punkerin in der DDR wegen „Rowdytum“ und „Herabwürdigung der sozialistischen Ordnung“ inhaftiert, nach 1990 jahrelang im Conne Island und in politischen Gruppen engagiert, (Mit-)Herausgeberin von „Haare auf Krawall“ über Jugendsubkulturen in Leipzig.

Eine Veranstaltung in der Reihe Ordnung muss sein!? Lokale Demokratie zwischen Gemeinwohl und Konflikt. Mehr Informationen unter: http://www.engagiertewissenschaft.de/demokratie

the hirsch effekt

dienstag, 30.11.2010, klub drushba

the hirsch effekt (hannover) + trillian (halle)

The Hirsch Effekt ist eine Hannoveraner Indielectro Post-Punk Metal DIY Band. Progressiver Indie-Post-Punk mit Hardcore-, Metal-, Emo- und Fusion-Elementen, wobei die Bezeichnung „Art-Core“ es irgendwie auf den Punkt bringt. THE HIRSCH EFFEKT erschaffen einen sehr eigenen Sound und bedienen sich dabei gerne untypischer Instrumente und Einflüsse. Chöre, Bläser, Streicher gehören hier genauso dazu, wie die ein oder andere elektronische Spielerei.

Selten tritt eine Band zu Tage, die von so vielen skurrilen Mischungen lebt wie The Hirsch Effekt. Mit einem polyglotten Namen, einer Mischung aus Noise, Screamo, Punk und Metal und Texten, die von Liebe und Politik gleichermaßen handeln, veröffentlicht die Band ihr Debütalbum ‚Holon : Hiberno‘. Doch nicht nur skurrile Musik verbreitet die aus Hannover kommende Band, sondern auch musikphilosophische Ansichten.

Menomena & Sleepy Sun @ Skala

das SchubladenKonsortium laedt ein:

Mo 24.11. Skala, tuer: 7.45 – los: 8

Menomena (us/City Slang)

Die Band aus Portland, Oregon, ist genau die Art von Band die die Räumlichkeit von Luft in ihrer Musik zelebriert und für sich einfordert. MENOMENA geben der Musik Vielschichtigkeit, Spontaneität und Originalität zurück, brechen ihre Songstrukturen auf, ohne dabei gewollt oder zwanghaft zu wirken, und bringen im Grunde genommen das lang vergessene Wort Artrock wieder an den Tisch zurück. Dies tun sie mit soviel Schub und Euphorie, dass es suechtig macht, ihnen dabei zuzuhören, wie sie ständig aus Weniger etwas Mehr machen. Gross! – zumal der geniale Joe Haege (of31Knots) inzwischen mit an bord ist!

Sleepy Sun (us/ATP)

…ist die derzeit vielleicht beste Psychedelic-Band. Dahinter steckt eine kalifornische Band, die sich musikalisch zwischen Rock, Psychedelic und Indie bewegt und in Black Mountain Schwestern und Brueder im Riff weiss.

»Nichts gelernt und nichts vergessen«. Ein Schema zur Geschichte des Antizionismus in Deutschland.

Mittwoch, 24. November 2010, 19 Uhr, Melanchthonianum, Uni Halle

Vortrag und Diskussion mit Joachim Bruhn.

Irgendwann zwischen der Wannsee-Konferenz und der Gründung Israels verliert der Hass auf die Juden jedwede Geschichte. Danach gab es keine Antisemiten mehr: weil alle es sind. Der Antisemitismus wird zum logischen wie zum historischen Apriori, zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins der Deutschen. Was immer sich seitdem auch ereignet hat – es spiegelt den prinzipiellen Stillstand der Geschichte, den Bann, die Angstlust der erpressten Versöhnung. So findet auch der Hass auf die Juden, egal, ob antisemitisch oder antizionistisch ausgebrüllt, keine neuen Worte mehr, sondern gehorcht einem manischen Wiederholungszwang, dessen Vokabular in den Werken Adolf Hitlers gesammelt vorliegt. Es ist sein »Politisches Testament« vom 29. April 1945, das seitdem abgearbeitet wird, sein letzter Wille, dem »internationalen Judentum und seinen Helfern« den totalen Krieg zu erklären und dafür immer wieder aufs Neue im deutschen Staat die so klassenübergreifende wie die Klassen in sich aufhebende Volksgemeinschaft zu verschweißen, d. h. das Mordkollektiv, das in erlogener präventiver Notwehr dagegen sich erheben solle, dass »die Völker Europas wieder nur als Aktienpakete dieser internationalen Geld- und Finanzverschwörer angesehen werden«. 1989, als die Wiedervereinigung der Antisemiten (BRD), die genötigt worden waren, mit Israel sich zu arrangieren, mit den Antizionisten (DDR), denen es nur erlaubt war, die Juden in Form der ›Zionisten‹ zu hassen, unvermeidlich wurde, waren alle formellen Bedingungen der deutschen Souveränität wiederhergestellt, die es möglich machen, Hitlers Testament doch noch zu vollstrecken, d. h. die HaShoah durch ihre Vollendung, Überbietung und restlose Vollstreckung an Israel ungeschehen zu machen: Der Rechtsnachfolger rüstet sich auf, der Gesellschaftsnachfolger zu sein. Denn erst der Tag, an dem es die Juden, außer in Geschichtsbüchern, niemals gegeben haben wird, wird der Tag der vollendeten »Deutschen Revolution« (Goebbels) gewesen sein. So trifft das paradoxe Resümee jetzt erst zu, das Eric Voegelin 1964 aus dem Verhältnis der Deutschen zu Hitler zog: »Nichts gelernt und nichts vergessen.« Es ist diese irrsinnig redundante, penetrante Permanenz des Nullpunkts materialistischer Aufklärung, in dem der Wiederholungszwang sich breitmacht.

Joachim Bruhn (ISF, Freiburg) ist Autor u. a. von »Was deutsch ist. Zur kritischen Theorie der Nation« (ça ira-Verlag, Neuauflage im Frühjahr 2011).

Eine Veranstaltung der Antifaschistische Hochschultage 2010 der ag antifa im Studierendenrat der Uni Halle.

Das Ende des Kommunismus

23.11.2010, 19:30 Uhr, Leipzig, Conne Island

Podiumsdiskussion mit Alex Demirovic, der Gruppe [pæris] und der Initiative gegen jeden Extremismusbegriff (INEX)

Zum Abschluss der Reihe widmet sich dieses Podium der Kritik am Stalinismus und ihrer Relevanz für radikal linke Positionen.
Bei der Analyse des Realsozialismus und des Stalinismus stößt man immer wieder auf Vergleiche mit dem Nationalsozialismus. Angesichts der Tatsache, dass beide Systeme ähnliche Elemente der Herrschaft enthalten, entwickeln sich oft totalitarismustheoretische Positionen, die eine Wesensverwandtschaft betonen. Unabhängig von der politisch antikommunistischen Instrumentalisierung, stellt sich trotzdem die Frage, ob der Vergleich nicht schon deshalb wenig aussagekräftig ist, weil bisher, in den meisten Totalitarismustheorien, ausschließlich staatliche Herrschaftsstrukturen unter die Lupe genommen wurden? Somit wurden wesentliche Merkmale, wie die ideologische Durchdringung, als Fundament der Herrschaft, oder der Grad der Identifikation der Einzelnen mit dem jeweiligen System außen vor gelassen? Dagegen interpretieren viele radikale Linke den Stalinismus zum Lektürefehler, zum gescheiterten Experiment und lehnen nahezu jede Relevanz für ihr eigenes Streben nach der freien Assoziation freier Individuen ab. Andere unterscheiden einfach zwischen Sozialismus und Kommunismus, oder gar zwischen zwei Typen derselben Idee, einzig unterschieden durch ihre Schreibweisen – mit »K« oder mit »C«. Dabei wird oftmals die Frage vernachlässigt, ob es überhaupt möglich ist, frei vom realen Sozialismus, an die Idee des Kommunismus anzuknüpfen. So oder so steht die radikale Linke von heute viele stärker im Schatten des Realsozialismus, als sie sich bewusst ist. So zeugt z.B. die positive Bezugnahme auf Symbole des Sowjetkommunismus, die bei antifaschistischen Aktionen immer wieder zu beobachten ist, von einer fehlenden Auseinandersetzung mit den konkreten historischen Verhältnissen.

Abschließende Veranstaltung der INEX-Reihe zur linken Kritik am Stalinismus

Das Problem der Dialektik – Einführung in die Kritische Theorie Adornos

Vortrag am Mittwoch, 24.11.2010 um 18.30 Uhr Medienraum im Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Mit Stefan Müller

Die ältere Kritische Theorie, namentlich Adorno, gilt als schwierig, bürgerlich, kulturbeflissen, zuweilen auch als veraltet. Ähnlich verhält es sich mit der Dialektik. Adornos Projekt einer Negativen Dialektik macht es einem daher nicht leicht. Bereits ein grober Überblick genügt, um festzustellen, dass verbindliche Angaben darüber, womit und worauf, wogegen und wofür sich Dialektik richtet, kaum aufzufinden sind.
Im Vortrag wird von anderen Voraussetzungen ausgegangen. Grundlegende Probleme einer rationalen Dialektik im Anschluss an Adorno, allen voran der Begriff des Widerspruchs und der Vermittlung, sollen dargestellt und diskutiert werden. Im Verhältnis von Autonomie und Heteronomie erweist sich die repressive Bestimmung eines ‚universellen Verblendungszusammenhangs’ (Adorno); der emanzipatorische Horizont öffnet sich im Blick auf die ‚versöhnte Gesellschaft’ (Adorno).

Stefan Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Lehrerbildung, Schul- und Unterrichtsforschung an der Goethe-Universität Frankfurt.
Letzte Veröffentlichung: Stefan Müller (Hg.): Probleme der Dialektik heute. Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialpsychologie, Wiesbaden, 2009.

Reihe „Kritsche Intervention“

(via critique aujour‘dhui)

BATHS & DD.MM.YYYY @ Conne Island

women dd.mm.yyyy baths

Altin Village, Conne Island & das SchubladenKonsortium laden ein:

so 21.11., Conne Island, tuer: 8pm – start: 9pm

DD/MM/YYYY (can/Deletetd Arts-Altin Village)

dd.mm.yyyy spricht man auch zwei jahre nach dem konzert im Atari nach wie vor DayMonthYear aus… und noch immer froehnt der 5er aus toronto einer mitreissenden, schweisstreibenden mischung aus noise, wave, (art)punk, und mathrock. mit einer hyperaktiven ideenvielfalt werden hier zu tiefst catchy hooks an schraegen noiseversaetzen gebrochen – freilich ohne das dies auf kosten der eingaengigkeit geht.

BATHS (us/Anticon)

Hinter Baths dem alias von Will Wiesenfeld, steht einer der wichtigsten köpfe der kalifornischen elektronikszene. Baths meint überwiegend warme, mit akustischen instrumenten angereicherte elektronische musik, die derer von Toro Y Moi und Flying Lotus nahe steht. Baths verbinden songwriting mit samplingtechniken,
organisch, schwebende flaechen mit weichen cuts, musikalität mit synthetischen texturen, harmonisches rauschen mit schrulliger bedroom lo-fi geste, fieldrecordings mit
antreibenden beats zu einer der momentan spannendsten neuentdeckungen.

conserven: Atom & kick‘n'rush

women haben sich leider neulich bei einem (vermutlich ihrem letzten) konzert geprügelt und sagten nun ihre tour ab.

KEINEMUSIK /w Rampa, Oliver Goldt & ND

20.NOV.2010 // CHARLES BRONSON

Wahrscheinlich hast du schon viel von RAMPA gehört. Sein Schnurrbart, seine BBQ Künste und seine verrückten Roller Stunts, aber das soll hier nicht Thema sein. RAMPA machte sich seinen Namen durch KEINEMUSIK, seinem eigenen kleinen Cosmos, welcher nicht nur ein Label, sondern eine Vereiningung von gleichgesinnten DJs, Produzenten und FREUNDEN ist. Vor KEINEMUSIK legte er bei einigen Künstlern Hand an, welche durch seine Therapie den direkten Weg in die Charts fanden.

 Eines seines jüngsten Projekte war eine Albumproduktion mit NOMI von HERCULES & LOVE AFFAIR . Die erste Singleauskopplung dieser Scheibe erschien auf dem italienischen Label REBIRTH. Und das war noch lange nicht alles zu KEINEMUSIK. Im Sommer 2009 veröffentlichte er sein KEINEMUSIK- Debüt „Wife & Man“, gefolgt von einigen Remixes welche unter anderem auf dem BOOKA SHADE Label GET PHYSICAL released wurden.

Wenn er gerade nicht im Studio an neuen Tracks feilt, ist er an den Plattentellern zwischen Berlin und New York zu finden.

local lieblingsclub vl

VL | Luwi37 | Ludwigstraße 37 | Halle | 21:00

Pampelmusensirup, Lea Legrand, Mila Stern und to:be laden ein zum tänzeln durch die VL-Kneipe in der Ludwigstraße. Ein Kessel Buntes, Potpourri, Hinter- und Vordergrundmusik.

flashguns

Freitag, 19.11.2010 – 21.30 Uhr – Klub Drushba

FLASHGUNS (UK)

Macht euch bereit für einen der heißesten Acts im Moment! „Matching Hearts, Similar Parts“ heisst die neue EP des Londoner Indiegeheimtipps Flashguns. Beeinflusst von 80er Helden wie The Cure und The Smiths, finden sie ihre musikalische Heimat in der Nachbarschaft von Vampire Weekend und ihrer Freunde von Bombay Bicycle Club.

RED DRAPES (UK)

Das Londoner Quartett Red Drapes holt uns zurück in die musikalisch wertvolleren Zeiten der 80er Jahre. Mit ihrem düster-melancholischen Sound und bedeutungsschweren Songtexten erschaffen sie mehr als nur eine Hommage an Interpreten wie The Smiths, Joy Division, The Cure oder Echo & The Bunnymen. Der legendäre Produzent letzterer Band Laurie Latham zeigte sich gleich so begeistert, dass er sich für die erste eigene Veröffentlichung EP.1 an die Regler begab.

anschl. EY! TIGER BABY! DJ-TEAM