Ungarns konservative Revolution

ungarn

20.10.2010, 20:00 Uhr, Conne Island, Leipzig

Vortrag mit Magdalena Marsovszky

Die Parlamentswahlen im April 2010 besiegelten einen tief- greifenden Umbruch in der politischen Landschaft Ungarns. Die bis dahin regierenden Sozialdemokraten der MSZP büßten über 50 Prozent ihrer Stimmen ein. Im Gegenzug erlangte die rechtsnationalistische Fidesz eine Zwei-Drittel- Mehrheit im Parlament. Beinah noch wären die Sozialdemokraten von der faschistischen Jobbik eingeholt worden, die erstmals zur Wahl antrat und mit 17 Prozent der Stimmen gleich zur drittstärksten Kraft avancierte. Dieser enorme Rechtsruck kam nicht unerwartet, hatten Fidesz und Jobbik doch bereits bei der Europawahl im Juni 2009 herausragende Ergebnisse erzielt und die Sozialdemokraten deklassiert. Die nun erlangten Mehrheitsverhältnisse geben der Fidesz-Regierung unter Viktor Orbán weitreichende Möglichkeiten.

Der Erfolg der rechten Parteien speist sich aus verschiedenen Quellen. Eine beachtliche Mehrheit der ungarischen Bevölkerung teilt einen aggressiv-sentimentalen Chauvinismus, der sich um das »Trauma von Trianon«, dem Verlust von zwei Dritteln des Territoriums nach dem Ersten Weltkrieg, aufgebaut hat. Hinzu kommen oftmals antidemokratische Tendenzen, die sich etwa in einer breiten Verehrung für den ungarischen Reichsverweser Miklós Horthy ausdrücken, der das Land von 1920 bis 1944 autoritär regierte. Insbesondere der Erfolg der Jobbik basiert auf offener antisemitischer Hetze einerseits und rassistischem Antiziganismus andererseits. Und hier bleibt es keineswegs nur bei Worten: Mit der »Ungarischen Garde« steht eine faschistische Vereinigung bereit, die sich als militanter Arm der Jobbik begreift. Bereits mehrfach schlug die Hetze in mörderische Taten um, als gezielt Häuser von Roma angezündet wurden und Flüchtende durch die im Hinterhalt lauernden TäterInnen ermordet wurden.

Die Situation ist zugespitzt und wirft zahlreiche Fragen auf. Einige Antworten zu den Ursachen des Siegeszugs der unga- rischen Rechten, zu den damit verbundenen Auswirkungen, aber auch zu Möglichkeiten der Gegenwehr wird die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung geben.

Magdalena Marsovszky ist freie Kulturwissenschaftlerin und Publizistin, lebt in Budapest und München. Sie ist Vorstandsmitglied des Villigster Forschungsforums zu Nationalsozialismus, Rassismus und Antisemitismus e.V.

Eine Veranstaltung der Leipziger Antifagruppe (LeA).