Archiv für Oktober 2010

Òlafur Arnalds //// Nils Frahm

31 // So // 20 Uhr // ut connewitz

Òlafur Arnalds & Nils Frahm

Òlafur Arnaulds – Der Exportschlager aus Island ist derzeit auf Welttournee um sein neues Album ‚…and they have escaped the weight of darkness‘ vorzustellen, er setzt damit seine Mission fort, eine Indie-Generation aus Pop- und Rock-Fans in eine Welt aus betörender elektronischer Kammermusik und klassischen Arrangements zu locken. Innerhalb der letzten 18 Monate ist er aus dem Vorprogramm seiner Landsmänner Sigur Rós zu einem international renommierten Solo-Künstler aufgestiegen. Am 31.10.2010 macht er im UT Connewitz in Leipzig halt. Im Vorprogramm wird er vom Pianisten Nils Frahm begleited.

kat frankie

29 // Fr // 21 Uhr // ut connewitz

KAT FRANKIE (aus/ zellephan) Record Release Show & Talking To Turtles (l.e.)

Kat Frankie ist eine der wichtigsten Figuren des Berliner Singer/ Songwriter-Undergrounds. Mit ihrem mal kreischenden, mal zärtlich flüsternden Gesang und ebenso intim instrumentierten Folkminiaturen wie sperrigen Indierockstücken hat die Australierin die Popentwürfe ihrer Vorbilder PJ Harvey und Fiona Apple in das neue, raue Hauptstadtgefühl gerettet.

„Kat Frankies Stimme lässt niemanden kalt, ihre Lieder lösen selbst bei nüchternen Menschen Gänsehaut aus“, heißt es in der TAZ. Und es stimmt: Die aus Sydney stammende Wahlberlinerin schreibt, spielt und singt Lieder, die augenblicklich berühren. Faszinierende Arrangements aus Akustikgitarren, Klavier- und Flötenklängen sowie sanfte Streichparts sind die perfekte Untermalung für ihre mal nur geflüsterten, mal ausbruchsvoll heraus gesungenen Geschichten über Ergreifendes rund ums Herz.
Mit „The Dance of a Stranger Heart“ erscheint jetzt Kats zweites Album – eine aufregende, tiefgehende und zauberhaft schöne Songsammlung, immer soulful, nie kitschig.

i heart sharks

i heart sharks

Freitag, 29.10.2010, Klub Drushba

I HEART SHARKS (UK/D)

Die einen sagen „Post-NDW“, die anderen sagen „Krautrock“, noch einer meint „Techno“ und am Ende kannst du sagen, was du willst, weil I HEART SHARKS dir sowieso noch etwas anderes erzählen. Der Vergleich funktioniert, solange er hinkt. Ob mit Neu! Oder DAF, am Ende hast du das vergessen, wenn sie live vor dir stehen, dann ist wieder nur diese Unmittelbarkeit und dass man sich abgefunden hat mit der Imperfektion aber niemals mit dem Plastik und niemals mit dem vorgegebenem Tempo, niemals. Das Ding hat Kratzer, aber es funktioniert, es funktioniert nur so, halb-automatisch und immer in between.

„Mein verwundetes Herz“ – Das Leben der Lilli Jahn 1900-1944

FREITAG, 29. OKTOBER 2010, 19.30 Uhr, Stadtmuseum Halle, Große Märkerstraße 10

Lesung und Gespräch mit Ilse D o e r r y

Lilli Jahn studierte in Halle einige Semester Medizin und lebte in dieser Zeit bei ihrer Großmutter in der Königstraße 62 (heute Rudolf-Ernst-Weise-Straße 20). Zeitweilig beabsichtigte sie sogar, die Kinderarztpraxis ihres Onkels Josef Schloß in Halle zu übernehmen. Anlässlich der STOLPERSTEIN-Verlegung für Josef Schloß und weitere Familienmitglieder kommt Lilli Jahns Tochter Ilse nach Halle und stellt das vielbeachtete Buch über ihre Mutter vor.

Martin Doerry*
„Mein verwundetes Herz“ – Das Leben der Lilli Jahn 1900-1944
DVA, 2002, ISBN 342105634X, € 24,90

Das Leben der Ärztin Lilli Jahn ist beispielhaft für die deutsch-jüdische Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dem jüdischen bildungsbürgerlichen Milieu in Köln entstammend, entschließt sich Lilli Schlüchterer, gegen Widerstände den protestantischen Arzt Ernst Jahn zu heiraten. Die große Familie mit fünf Kindern lebt in Frieden in Immenhausen bei Kassel, bis die politischen Auswirkungen der nationalsozialistischen Politik auch das Leben der Jahns grundlegend verändern.
Der Riß zwischen Deutschen und Juden geht mitten durch die Familie, Ernst Jahn läßt sich von Lilli scheiden und liefert sie schutzlos der nationalsozialistischen Verfolgung aus. 1943 wird Lilli Jahn in ein Arbeitserziehungslager gebracht und beginnt eine lange, intensive Korrespondenz mit ihren nun auf sich selbst gestellten Kindern.
Die Überlieferung der Briefe grenzt an ein Wunder: Es gelang Lilli Jahn, sie vor der Deportation nach Auschwitz einer Aufseherin anzuvertrauen, die sie dann den Kindern übergab. 1998, als der Sohn von Lilli, Gerhard Jahn, Bundesjustizminister im Kabinett Willy Brandts, starb, fand die Familie den kompletten Briefwechsel in seinem Nachlaß. Der Enkel Martin Doerry hat eine Auswahl getroffen und die Briefe mit zeitgeschichtlichen Hintergrundinformationen zu einem großen Lebensporträt zusammengestellt.

* Martin Doerry, geboren 1955, ein Enkel Lilli Jahns, studierte Germanistik und Geschichte in Tübingen und Zürich und promovierte in Neuerer Geschichte. Seit 1987 arbeitet er für den Spiegel, seit 1998 ist er stellvertretender Chefredakteur.

tocotronic – schall und wahn 2010

tocotronic

Donnerstag, 28.10.2010, 21:00 Uhr, Conne Island, Leipzig

Tocotronic: „Schall und Wahn 2010″

Herrschaft durch Terror

28. Oktober 18.30 Uhr, Universität Leipzig, WiWi-Fakultät (Grimmaische Str. 12), Seminarraum 3 (I 123)

Diskussionsveranstaltung mit Christoph Jünke

Die RevolutionärInnen der Oktoberrevolution waren mit dem Ziel angetreten, eine bessere Gesellschaft frei von Unterdrückung, Armut, Ungerechtigkeit und Ungleichheit aufzubauen. Der gängigen Argumentation folgend macht es die ökonomische und gesellschaftliche Rückständigkeit Russlands der, in der Folge der Revolution gegründeten, Regierung der Kommunistischen Partei allerdings unmöglich, ihre emanzipatorischen Pläne in die Tat umzusetzen. Fest stand aber, dass es nicht in Frage kam, die einmal errungene Macht wieder abzugeben. So wurde zur Bekämpfung der KonterrevolutionärInnen die Tscheka gegründet, die bald zum dauerhaften Instrument der Machtsicherung durch Terror wurde. Die »Säuberungen« trafen schließlich den eigenen Parteiapparat, inklusive dessen glühendste AnhängerInnen und erstreckten sich auf die gesamte Gesellschaft – auf Jüdinnen und Juden, ukrainische Bäuerinnen und Bauern und auf viele andere, die meist aus nichtigen Gründen oder ohne Grund zu Opfern wurden. Diese wurden in der Regel nicht nur ausgeschlossen, sondern in Schauprozessen verurteilt, inhaftiert oder ermordet. Des Weiteren hatte die KP bereits 1918 begonnen, ein ZwangsarbeiterInnenlager-System (Gulag) zu errichten, das unter Stalin verstärkt ausgebaut wurde und dazu diente, unliebsam gewordene Personen zu internieren. Doch waren die Gulags nicht nur Terrorinstrument, sondern auch Wirtschaftsgiganten, spielten sie, beziehungsweise die ZwangsarbeiterInnen, spätestens seit Ende der zwanziger Jahre für das Erreichen der wirtschaftlichen Ziele eine entscheidende Rolle.
Es ist schwer zu verstehen, dass ein System, das für die Befreiung des Menschen stehen will, sich willkürlich gegen eben diese wendet. Noch unverständlicher ist es, dass der Terror zu jeder Zeit praktisch jede/n treffen konnte. Begeisterte, ja fanatische AnhängerInnen des Systems wurden genauso zu Opfern, wie Personen, die soeben noch selbst Teil der Verfolgungsmaschinerie gewesen waren.
Dies führt zu der Frage nach der Funktion des Terrors. Lassen sich verschiedene Beweggründe für die einzelnen Opfergruppen oder einzelne Verfolgungswellen und –konjunkturen auffinden, oder bestand die Funktion vielleicht eher im Terror an sich ohne spezifische Gründe und Opfer?

Teil 2 der inex-Reihe zur Kritik des Stalinismus

Aktionstag Ladenschluss „Thor Steinar braucht keiner!“

am 28.10.2010, ab 15.00 Uhr auf der oberen Leipziger Straße in Halle

Die Initiative „Aktion Ladenschluss“ entstand als Reaktion auf die Eröffnung des Ladens „Oseberg“, der die Marke „Thor Steinar“ verkauft. Die Sachen werden für die rechte Szene hergestellt und gerne von Neo-Nazis getragen. Deshalb rufen wir zu einem phantasievollen, gewaltfreien und entschlossenem Protest gegen den „Oseberg“-Laden in der oberen Leipziger Straße auf.

Seit dem Juni 2010 ist die Initiative Teil des halleschen Bündnisses „Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage“ und wird von verschiedenen Organisationen und Einzelpersonen gestaltet. Langfristig strebt die Initiative die Schließung des „Oseberg“-Ladens an und leistet Aufklärungsarbeit in diesem Bereich.

Teil des Aktionstages sind:

* Aktion Wäscheleine auf dem oberen Boulevard ab 15.00 Uhr Kleidertausch und –spende unter dem Motto „Thor Steinar braucht keiner!“ mit Infoständen und verschiedenen Aktionen
* Workshop „Die neuen Nazis und ihre Kleider“ ab 17.00 Uhr bei verdi, Augustastraße 5
* Solikonzert „Aktion Ladenschluss“ ab 21.00 Uhr in der Reilstraße 78

(halle gegen rechts)

geoff farina vs. dosh

27.10.2010, 21:00, Cafe Paris Syndrom

GEOFF FARINA (US) & CHRIS BROKAW (US/ ex Codeine)

Bei den beiden Herren muss man sich tief verbeugen. Geschichte löst dann manchmal doch Demut aus oder zumindest Wehmut wie im Fall von Chris Brokaw. Ende der 80er Jahre gründete er die Slowcore Pioniere „Codeine“, die es leider seit geraumer Zeit nicht mehr gibt. Sein Begleiter hat keinen minderen Heldenstatus. Zwischen Virtuosität und Emotionalität dürfen nicht viele wie Geoff Farina unbeschämt Platz nehmen. Für Musiker und Nicht-Musiker zugleich hat er es gerade mit der Band Karate geschafft sich für eine kleine Ewigkeit einzuprägen. Vor kurzem haben beide zusammen eine Platte aufgenommen und kommen jetzt auf Tour. Das wird wie Weihnachten und Weihnachten zusammen!

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das SchubladenKonsortium lädt ein:

mi 27.10. UT Connewitz, tür: 20Uhr – los: 21Uhr

Dosh (us/Anticon)

Das Soloprojekt des Fog-Drummers Martin Dosh, der ähnlich wie Four Tet wunderbare Soundscapes bastelt, die mal mehr, mal weniger experimentell sind, und von Kraut über Boards Of Canada alle möglichen Einflüsse verarbeiten. Neben Why? der wohl kreativste Kopf der Anticon Posse, der sich eher in der Tradition von Bands wie Tortoise oder Pan American sieht denn als Beatmaster. Auf seiner neuen Platte „Tommy“ entwirrt sich ein dichtes, dickicht-artiges Terrain aus Electronic und Postrock, fuzzigen Rhodes, Pianolines und Bläsersätzen, schräg getakteten Drums und allerlei anderem Schlagwerk bis hin zum Xylophon, das geradezu sprüht vor Kreativität. Ein schimmerndes Kleinod ist diese Platte geworden, mal Kammerelectronik, mal episch, mal wirkt es improvisiert und driftet gegen Schluss sogar in noisige Feedbacklandschaften ab. Dosh eilt der Ruf voraus, live eine unerreichte One-Man-Show auf die Bühne zu stellen…beschwingte Schönheit und ernste Beats…

Guido Möbius (brln/Dekoder-Karaoke Kalk-Staubgold)

Die versponnenen Musikwelten des Berliner lo-fi-Elektronikbastlers schlittern augenzwinkernd zwischen konkreten Beats, Funkkoketterie und dröhnenden Dub-Subbassfrequenzen und sind, nicht lang drum herum geschnackt, Teufelszeug das einen noch Tage nach Einnahme in den Hirnwindungen umherspukt…
grossartige, minimale Geniestreiche, dies!

decks: samtbody (Goldmund) & kick`n`rush (SchubladenKonsortium)

Der Sarrazin-Komplex. Warum die Kritiker Sarrazins im Unrecht und seine Thesen trotzdem verkehrt sind.

Am Mittwoch, den 27.10. um 19.00 beginnen die Antifaschistischen Hochschultage mit der ersten Veranstaltung:

Ort: Melanchthonianum, Universitätsplatz, Halle (Saale)

Vortrag von Justus Wertmüller

So viel ist sicher: Die Leute, die sich in den letzten Wochen in die öffentlichen Veranstaltungen mit Thilo Sarrazin drängeln, sind in ihrer Mehrheit unangenehme Zeitgenossen. Sie wollen einen Volkstribun, der einmal so richtig rauslässt, was »uns kleinen Leuten« verboten ist auch nur anzusprechen. Nämlich das gesamte Ressentiment gegen Ausländer und sogenannte Sozialschmarotzer, wobei letztere gar nicht unbedingt nichtdeutscher Herkunft zu sein brauchen. Dass die unerwünschten Ausländer mit Moslems gleichgesetzt werden, hat den einfachen Grund, dass die mit Abstand größte Gruppe aus der Türkei stammt, in dem der Islam die Mehrheitsreligion ist. Man geht davon aus, dass sechzig bis neunzig Prozent der Deutschen sagen: »Sarrazin hat Recht!« Einen Islamkritiker sehen sie in ihm allerdings wohl kaum, denn bekanntlich widersetzt sich durch alle Lager hindurch die ganz überwältigende Mehrheit der Deutschen jeder Beteiligung der Bundeswehr am Afghanistan-Einsatz und will auch die iranische Bombe nicht aktiv, also gegebenenfalls auch durch die Drohung mit einem Militärschlag, verhindern. Und doch zeigt die sogenannte Sarrazin-Debatte überdeutlich, dass etwas verboten werden soll. Die widerwärtige, wissenschaftlich selbstverständlich bestens fundierte Einsicht, dass Intelligenz vererbbar sei, steht nur scheinbar im Fokus der Kritik. Denn die Gleichen, die Sarrazin empört einen Eugeniker nennen, glauben ihrerseits inbrünstig daran, dass über Fortkommen und Scheitern letztlich eben doch ein Gen mitentscheidet. Nein, an einem anderen Punkt hat ausgerechnet der Fall Sarrazin gezeigt, dass ein Bündnis aus Politik und Medien alles unternimmt, Kritik als pathologisch, kriminell und eben rechts oder rechtsradikal zu diskreditieren und damit zu unterbinden. Eine kritische Diskussion über den Islam soll in Deutschland unterbleiben, der Islam, so hört man stattdessen, gehört »zu uns«. Sarrazin wird in der SPD bleiben, der deutsche Geert Wilders muss noch gefunden werden. Der wird kommen und eine sehr deutsche Mischung aus Eugenik, Ausländerfeindlichkeit und Hass auf die Unterklassen feilbieten, die das niederländische Original weit in den Schatten stellen wird. Zu danken ist diese wenig erfreuliche Aussicht jenem Meinungskartell, das aus Türken »Muslim und Muslima« macht, aus den USA einen fundamentalistischen Aggressor, aus Israel eine Bedrohung des Weltfriedens und in jedem islamistisch gestimmten Pogrompöbel den gerechten Zorn der vom Imperialismus Erniedrigten und Beleidigten erkennt.

Justus Wertmüller ist Redakteur der Zeitschrift Bahamas.

Eine Veranstaltung der AG Antifa.

Das vergessene Lager – das Außenkommando des KZ Buchenwald in Halle/Saale 1944/45

MITTWOCH, 27. OKTOBER 2010, 20 UHR, Stadtarchiv Halle, Rathausstraße 1

Buchvorstellung mit dem Herausgeber Dr. Udo Grashoff

Ein online-Artikel des „Stern“, in dem der Journalist Nico Wingert an ein „vergessenes“ Konzentrationslager erinnerte, sorgte vor zwei Jahren in Halle für Unruhe. Das im September 2010 erscheinende Buch des Vereins Zeit-Geschichte(n) stützt sich auf neue Erkenntnisse aus Archivrecherchen und Einzelschicksalen. Es schildert die Geschichte des halleschen Außenkommandos des KZ Buchenwald, die Arbeitsbedingungen der Häftlinge in den Siebel-Flugzeugwerken und ordnet das KZ Halle in den Kontext der NS-Lagersysteme ein.

Die Dokumentation zum Außenkommando des KZ Buchenwald in Halle/Saale 1944/45 erscheint als Band 3 der EDITION Zeit-Geschichten im Hasenverlag Halle mit finanzieller Unterstützung des Europäischen Sozialfonds und der Stadtwerke Halle.
Ab Mitte September 2010 zu beziehen über den Buchhandel oder direkt beim Verlag:
www.hasenverlag.de

Udo Grashoff (Hg.): Das vergessene Lager
Eine Dokumentation zum Außenkommando des KZ-Buchenwald in Halle/Saale 1944/45
mit zahlreichen Abb. und Dokumentenanhang
Halle/Saale, Hasenverlag, 2010

Veranstalter: Zeit-Geschichte(n) e.V, Eintritt frei