Martin Büsser ist gestorben

Wir trauern um unseren Freund, Genossen und Kollegen Martin Büsser. Nach schwerer Krankheit verstarb er am 23. September im Alter von 42 Jahren.

Martin Büsser hat vor über zehn Jahren den Ventil Verlag ebenso mitgegründet wie er die Zeitschrift „testcard“ seit 15 Jahren als Herausgeber und Redakteur geprägt hat. Jenseits des Verlags hat er sich nicht nur als hervorragender Kunst-, Literatur-, Film- und Musikkritiker einen Namen gemacht, sondern war auch als Zeichner und Musiker eine herausragende Gestalt im deutschen Kulturbetrieb.

Den Verlockungen des Mainstreams ist Martin Büsser nie erlegen, auch seine eigene Szene hat er nie mit falscher Zurückhaltung kritisiert. Ohne seine Artikel, Bücher und CDs wäre die deutsche Linke heute um einiges ignoranter.

Der Ventil Verlag hat ihm viel, genauer alles zu verdanken.

In Trauer und Fassungslosigkeit,

Ingo Rüdiger, Jonas Engelmann, Oliver Schmitt, Jens Neumann, Theo Bender

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Martin Büsser, geboren 1968, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft.

In den 1980er und frühen 1990er Jahren war er für das »Zap«-Fanzine tätig, für das er um die 100 Interviews führte, unter anderem mit Henry Rollins, Courtney Love, Sonic Youth, Half Japanese, Flaming Lips, Nirvana und Butthole Surfers. Sorgte innerhalb des Hardcorepunk-Magazins für zahlreiche Debatten, weil er den engstirnigen Musikgeschmack der Szene nicht akzeptierte, sondern auch über Künstler wie Heiner Goebbels und John Zorn schrieb. Seit Mitte der 1990er als freier Journalist mit Schwerpunkt Musik, Popkultur und bildende Kunst tätig, Beiträge u.a. für Jazzthetik, Süddeutsche Zeitung, Emma und Die Zeit.

Mitbegründer und -herausgeber der seit 1995 im Ventil Verlag erscheinenden Buchreihe »testcard – Beiträge zur Popgeschichte«.

Mitarbeit bei zahlreichen Anthologien, unter anderem »Kursbuch Jugendkultur« (Hg. von SpoKK, 1997), »Pop und Mythos« (Hg. von Heinz Geuen und Michael Rappe, 2001), »Text + Kritik Sonderband: Pop-Literatur« (Hg. von Heinz Ludwig Arnold, 2003) sowie am »Neuen Funkkolleg Popkultur« für den Hessischen Rundfunk (1998). 2005 Mitarbeit am Buch-CD-Projekt »I Can’t Relax In Deutschland« gegen den zunehmenden Pop-Nationalismus in Deutschland.

Neben der Veröffentlichungen für den Ventil Verlag sind von ihm die Bücher »Popmusik« (Rotbuch, 2000), »Pop Art« (Rotbuch, 2001), »On the Wild Side. Die wahre Geschichte der Popmusik« (Europäische Verlagsanstalt, 2004) und »Der Junge von nebenan« (Verbrecher Verlag, 2010) erschienen.

Sänger und Texter für die Post-Punk-Artschool-Band Familie Pechsaftha (u. a. mit Junge von EA 80). 2 Singles (vergriffen), eine LP und eine CD. Infos unter www.tumbleweedrecords.de und www.knorzrecords.de.

Seit Mitte der 1990er zahlreiche Lesungen.

Martin Büsser lebte in Mainz und schrieb zuletzt regelmäßig für das Intro Magazin, konkret und die Schweizer WoZ. Arbeitsschwerpunkte: Experimentelle Musik, Musiksoziologie, zeitgenössische Kunst, Gender Studies und Independentkino.
Bei Ventil erschienen:
»Antifolk«
»Antipop«
»Emo«
»If the kids are united«
»Lustmord – Mordlust«
»testcard #10: Zukunftsmusik«
»testcard #11: Humor«
»testcard #12: Linke Mythen«
»testcard #13: Black Music«
»testcard #14: Discover America«
»testcard #15: The Medium is the Mess«
»testcard #16: Extremismus«
»testcard #17: Sex«
»testcard #18: Regress«
»testcard #19: Blühende Nischen«
»testcard #1: Pop und Destruktion«
»testcard #2: Inland«
»testcard #3: Sound«
»testcard #4: Retrophänomene in den 90ern«
»testcard #5: Kulturindustrie – Kompaktes Wissen für den Dancefloor«
»testcard #6: Pop-Texte«
»testcard #7: Pop und Literatur«
»testcard #8: Gender – Geschlechterverhältnisse im Pop«
»testcard #9: Pop und Krieg«
»Wie klingt die Neue Mitte?«

(ventil verlag)

(nachruf von linus volkmann)


1 Antwort auf “Martin Büsser ist gestorben”


  1. 1 Martin Büsser ist tot | Kotzendes Einhorn Pingback am 24. September 2010 um 13:06 Uhr
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