Archiv für Mai 2010

Vortrag: Säkularismus und Islamismus im Irak

Donnerstag, 03.06.2010 – 18.30
Melanchthonianum (HS XVIII), Universitätsplatz, Halle

Säkularismus und Islamismus im Irak
Dr. Nagih al-Obaidi

Der Irak ist immer weniger in den Medien, die meist nur berichteten, wenn baathistische oder islamistische Terroristen wieder einmal US-Soldaten oder dutzende Iraker ermordet hatten – insgesamt mindestens hunderttausend Zivilisten. Auch in politischen Kreisen ging es nie um die irakische Bevölkerung, während so z.B. einige „linke“ Gruppen allen Ernstes eine Spendenkampagne für Terrorgruppen initiierten, lobten andere in einem Abwehrreflex die gerade in den ersten Jahren deutlich verfehlte US-Militärstrategie.

Die Sicherheitslage scheint sich nun jedenfalls zu stabilisieren, vor kurzem haben zudem die zweiten mehr oder weniger freien Wahlen stattgefunden, die explizit religiösen Parteien haben zu Gunsten einer eher säkular orientierten Partei zahlreiche Stimmen verloren.

Doch die Regierung, die von der internationalen Koalition unter Führung der USA nach dem Sturz des Baath-Regimes Saddam Husseins „im Kampf für Menschenrechte und Demokratie“ eingesetzt wurde und deren Vertreter noch heute die politische Entwicklung bestimmen, hat die Meinungsfreiheit eingeschränkt, die Verfassungsentwürfe verstümmelt und die Religion zum Verfassungsprinzip erhoben.

Wir stellen die Frage nach den Demokratievorstellungen in der irakischen Bevölkerung, nach Akteuren eines Kampfes um demokratische Rechte und einen säkularen Staat. Eingeladen ist der Journalist und Wirtschaftsexperte Dr. Nagih Al-Obaidi, der versuchen wird, anhand des Beispiels “Säkularismus und Islamismus bei den Parlamentswahlen im Irak” auf diese Fragestellung einzugehen.

Eine Veranstaltung im Rahmen von: Tradition oder Moderne? Die Aktualität der Aufklärung im ‚Nahen Osten‘
Veranstaltungsreihe an der Universität Halle. Koordiniert vom AK Kritische Intervention im Rahmen des Alternativen Vorlesungsverzeichnisses an der Universität Halle.

from the depths @ reilstrasse 78

Jungle World über Ludwigstraße

Jungle World 21/2010:

Pazifisten sind nachtragend

RAUCHERECKE von Stefan Heinz

Katharina Schneider* kann es immer noch nicht glauben. Sie hat vor über einem Jahr die Kneipe des soziokulturellen Zentrums „Ludwigstraße 37“ in Halle gepachtet. Nun soll ihr plötzlich der Vertrag gekündigt werden. Die „Ludwigstraße“ unterscheidet sich kaum von anderen linken Hausprojekten, die aus den Besetzungen der frühen neunziger Jahre hervorgegangen sind. Auf dem Dach kündet eine verschlissene Antifa-Fahne vom Kampf vergangener Tage. Ansonsten haben es sich die Bewohner in ihren sanierten Zimmern gemütlich gemacht. Im Vorderhaus ist ein Bioladen untergebracht, im obligatorischen Infoladen residiert eine Flüchtlingsinitiative. Seit Anfang des Jahres beherbergt das Haus darüber hinaus den Gebetsraum einer Gruppe von Zen-Buddhisten.

Nur die „Antideutschen“ mag man nicht besonders. Als eine Hallenser Antifa-Gruppe aus Anlass des 8. Mai eine Party im Haus veranstalten wollte, legte die Hausversammlung ihr Veto ein. „Das Konzept der Antifa war militärverherrlichend und chauvinistisch“, sagt Eddy, einer der Hausbewohner. Als die Gruppe im Vortragsraum des Hauses daraufhin eine Diskussionsveranstaltung über Antimilitarismus und Pazifismus nach Auschwitz organisieren wollte, war die Hausversammlung zunächst einverstanden, obwohl der provokante Titel „Pazifisten sind Mörder“ nicht gerade auf Begeisterung stieß. Vier Tage vor der Veranstaltung kam dann unvermittelt die Absage: „Der Vortrag wird nicht in unserem Veranstaltungsraum stattfinden.“ Katharina Schneider stellte daraufhin ersatzweise ihre Kneipe zur Verfügung. Nun soll deshalb auf der nächsten Hausversammlung die Kündigung ihres Pachtvertrags beantragt werden, womöglich muss sie sich dann nach einer neuen Existenzgrundlage umsehen. Abweichendes Verhalten passt anscheinend nicht zu den „konkreten Utopien für eine herrschaftsfreie Gesellschaft“, die demnächst bei einem Seminar in der „Ludwigstraße“ diskutiert werden sollen.

* Namen geändert.

Claws Of Saurtopia Noise Fest

Claws of Sourtopia Noise Fest im Zoro

ZORO leipzig | bornaische straße 54

freitag 28.05.10:live:

BEN ET BÉNÉ (F) ([myspace.com/benetbene])
FAST ARBEIT BABIES (F) ([myspace.com/fastarbeitbabies])
LE SINGE BLANC (F) ([myspace.com/lesingeblanc])
MONNOCLE (F) ([http://monnocle.free.fr])
NICOLAS METALL & MARIE GERMINAL (F) ([myspace.com/nicolasmetall])
DUFLAN DUFLAN (B) ([myspace.com/duflanduflan])
+ DJ NicoGlam (F/D) + Cocktails + Impro-Bühne

samstag 29.05.10:live:

MR MARCAILLE (F) ([myspace.com/monsieurmarcaille])
NO GOD (DK) ([myspace.com/nogodeurope])
NOISY PIG (D) ([myspace.com/noisypig])
ANTIHAIRBALL (D) ([myspace.com/antihairball])
ANIA ET LE PROGRAMMEUR (D/F) ([myspace.com/aniaetleprogrammeur])
NASA DUDE (DK) ([myspace.com/nasadude])
+ DJ/anes Y and Triangle (NYC) + Cocktails + Impro-Bühne
+ BUILD UR OWN NOISY CRACKLEBOX WORKSHOP

Heute: Double Dagger & Baun´s Backstube @ Atari

das SchubladenKonsortium lädt ein:

Do 27.05. Atari (Kippenbergstr./Täubchenweg) doors:8pm – start:9pm

Double Dagger (baltimore/Thrill Jockey)

knackig, frisch und eigen rockt das bass/drum/vox trio sich in eine linie mit helden wie Shellac, Fugazi oder Drive Like Jehu. noisig-versiert, vertrackt und mechanisch-manisch voller herzblut, leidenschaft und mit bissig, smarten texten. kick ass!!! aus der b-more clique um Dan Deacon, Future Islands, Video Hippos und konsorten…

Baun´s Backstube (leipzig)

instrumental hip-hop mit fernfahrer flair. düstere dubstep-waber-schübe, mal spacig, mal verfrickelt und keine angst vor der grossen bass-geste: einer der raren auftritte der ur-väter des truckstep – don´t miss!

what we feel

what_we_feel

Mi, 26.05.2010 ludwigstrasse 37

What We Feel + Chemieverseucht

Vor dem Konzert findet eine Infoveranstaltung über die antifaschistische Bewegung in Russland mit dem Film „Prinzip Hass“ (26 min, OmU) und anschließender Diskussion statt (ab 20 Uhr).

Leider wird sich 2010 die russische Hardcoreband What We Feel (Moskau) auflösen. Aufgrund der anhaltend starken Repression gegen die Band und politische Aktivisten in Russland sehen sie sich nicht in der Lage ihr musikalisches Schaffen fortzuführen.
What We Feel gründeten sich im November 2005 und gehörten in den letzten Jahren zu den Aushängeschildern der politischen Hardcoreszene Russlands.
Konzerte in Moskau mit weit über 300 Besuchern – trotz fehlender öffentlicher Werbung aus Angst vor Übergriffen – waren keine Seltenheit. Leider werden sich What We Feel 2010 auflösen. Ihr Statement zu ihrem Abschied gibt es hier.
Vorher werden sie aber noch mal auf Abschiedsreise nach Europa kommen.
Ihre Texte handeln vom Kampf gegen den Faschismus und Rassismus in Russland, die Unterwanderung der HC-Szene durch Nazis und für die Toleranz gegenüber Minderheiten. Die Bandmitglieder sind aktiv in antifaschistischen Strukturen, ALF und Food not Bombs Aktionen involviert. Die Musik ist ein Mix aus schnellem melodischen Punkrock und Old-School Hardcore. Durch diverse Touren in Deutschland sind sie auch hierzulande keine Unbekannten mehr. Dabei haben sie vor ihren Konzerten mit Infoveranstaltungen immer wieder auf die Situation der Antifaschistischen Bewegung in Russland aufmerksam gemacht.

LA FAMILIA Y AMIGOS – FESTIVAL 2010

la familia y amigos

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Altin Village & Mine Festival III
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präsentiert von Jungle World, Beatpunk, Persona Non Grata, Testcard, Ox Fanzine & Rote Raupe
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Freitag 21.05.2010 @ Conne Island / Leipzig

XIU XIU (USA, New York)
TED LEO & THE PHARMACISTS (USA, New Jersey)
MI AMI (USA, San Francisco)
THE FALCON FIVE (GER, Würzburg)
GRAVE SHOVEL LET‘S GO (GER, München, Dresden)
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Samstag 22.05.2010 @ Conne Island / Leipzig

DIE GOLDENEN ZITRONEN (GER, Hamburg)
THE ROBOCOP KRAUS (GER, Nürnberg)
PTTRNS (GER, Köln)
SHOKEI (GER, Würzburg)
CUT CITY (SE, Göteborg) CANCELED (sad but true)
MY DISCO (AU, Melbourne)

Aftershowparty:
QUESTION.MARC alias TOWER / Solina Hi-Fi (UK, London)
STEFFEN BENNEMANN / Nachtdigital (GER, Leipzig)
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Ay, Ay, Ay…

Wer hat an der Uhr gedreht? Ein Jahr ist fast vorbei, aber wo isses hin? Einiges ist passiert… 50 % von uns hat es nach Leipzig verschlagen, Platten sind immer noch ein Medium, Touren mussten gefahren werden und jetzt ist gleich wieder Mai!

Entgegen hießiger Trends arbeiten wir weiterhin ordentlich an Nachwuchs und weil der Winter einfach zu lange geht, haben wir uns dafür auch mal im Ausland umgesehen. Wenn Madonna und Brangelina das bringen, können wir das schon lange! Bald werden es 40 Zöglinge! Heidewitzka!

Für soviele Leute brauchen wir eine lange Tafel: Das Ding wird auch im Jahr 2010 von den Cousins und Cousinen vom Leipziger Conne Island gestellt. Da hat eure Oma vielleicht schon im Tee getanzt und deshalb kann das nicht schlecht sein! Dort dürft ihr euch die Finger an weißen Tischdecken abwischen, schwitzig werden die Pfötchen von allein, wenn wir daran denken, wer uns alles beehren wird!

Auf der Bühne stehen die hibbeligen Kids von PTTRNS, die Sugardaddys von SHOKEI, unsere hyperaktiven Ornithologen von THE FALCON FIVE, die Schwiegersöhne GRAVE SHOVEL LET‘S GO und die Tanzkönige von THE ROBOCOP KRAUS aus Nürnberg. Aus dem Flugzeug steigen die Cousins mütterlicherseits: XIU XIU und MI AMI, die Schwippschwager von MY DISCO und die Kinder unserer Tanten aus erster Ehe: CUT CITY.
Besuch bekommt die Sippenfeier in diesem Jahr auch von eingeheirateten Brüdern, die uns nachwuchstechnisch einiges voraus haben: 15 Releases in 26 Jahren, da können die Onkels von DIE GOLDENEN ZITRONEN wohl einiges dazu erzählen. Wir kriegen die Tür nicht mehr zu und hoffen, es wird bald Frühling!

Wenn ihr dann alle vor der Bühne steht und mit uns eine Polonaise durch den Island Saal macht, wird die Sache perfekt!
Ihr seht, es wird ernst – wir sehen, es lohnt sich seit Jahren auf Konzerten zu tanzen, Bands durch die Walachei zu fahren, Platten zu machen und jede Menge toller Menschen kennen zu lernen. Nein, wir werden nicht sentimental, wir sind nur dankbar für den ganzen Fisch! Eine Fete ist Pflicht und (keine Fehde)!

Falls euch jetzt die Hände schwitzen, könnt ihr auch mal kurz pausieren, denn das ist noch nicht alles:
Eine Überraschung muss sein und wird deshalb auch nicht verraten!
Aftershow ist vor der Show und deshalb bringt QUESTION.MARC aus London eure Hufe zum Wackeln. Ansonsten wird das Wetter spitze, das ist schriftlich so besiegelt… Wir hängen im schönen Eiskeller Hof ab und genießen das Zusammensein. Um der Sache etwas Stil zu geben, sorgen wir für Kaffee, wenn ihr den Kuchen mitbringt. Backmischungen sind erlaubt!

Vielleicht kleidet ihr euch in hellen Sachen, um euch in der Stadt zu erkennen, denn das hier (http://www.wave-gotik-treffen.de/info.php) steigt quasi gleichzeitig. Wer jetzt unschlüssig wird, hat sich schon entschieden.

Wir sehen uns! 21.-22. Mai. Conne Island. Leipzig.
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DIE GOLDENEN ZITRONEN (GER, Hamburg)
Wir wissen nicht, was der Diskurs empfiehlt, aber taub stellen kannst du dich woanders. Klingt wie improvisiert und tatsächlich spielt sonst niemand so virtuos alles zwischen New Wave und Free Jazz. Das Beste seit Erfindung des Tonfilms. Unfreiwillig ernst in Szene gesetzt von Schorsch Kamerun. Von ihm lernen heißt singen lernen. Geile Texte vom Ende des Sozialstaats. Als Kenner der Konsumgesellschaft lassen sie ihren Reflexen freien Lauf und halten uns verdammt noch mal immer noch den Spiegel vor die Nase und frönen ihrer unangepassten Beharrlichkeit. Aufgetürmt durch manches Instrument und maschinelle Druckmittel schaffen sie sich ihre eigenen Verhältnisse zwischen Krautrock, Techno und weiß der Geier!

XIU XIU (USA, New York)
Allroundkünstler Jamie Stewart aus New York, der wie kaum ein anderer die Brücke schlug zwischen Lo-Fi-Noise und Post-Punk-Sadrock, danach alle Brücken wieder zerschlug und auf beeindruckende Weise wieder aufbaute, bereichert 2010 das Altin Village & Mine Festival. Introvertierter melancholischer und dabei aber ungeahnt aggressiver und unkonventioneller Post-Alles, eine nervöse Kakophonie, die bei allem Chaos wohl strukturiert und harmonisch klingt, minimalistische Melodien und viel Subtilität. Statt post-pubertärer Bright Eyes-Weinerlichkeit ein reiferer aber unkonventionellerer musikalischer Seelenstriptease.

TED LEO & THE PHARMACISTS (USA, New Jersey)
Ted Leo heißt mit bürgerlichem Namen Theodore Francis Leo und stammt aus einer begabten Familie. Seine beiden Brüder sind ebenfalls Songwriter, er selbst hat einen Abschluss in Anglistik an der Universität Notre Dame gemacht. Der 1970 in Indiana geborene Ted beschließt, den Weg des Punk zu beschreiten und bringt mit der Band Animal Cracker 1991 einen ersten Output zu Stande. Es folgen andere Bands und mehrere Platten: In den Neunzigern spielt er bei Citizens Arrest oder Chisel. Nach zwei Jahren der Funkstille melden sich Ted Leo mit ihrem vierten Album und ihrem Debüt für Matador zurück. „The Brutalist Bricks“ ist überaus selbstsicher und weitreichend. Ted Leo erforscht hier neue Territorien und zeigt seine Singer/Songwriter Seite, wobei er seinen Punkrock Wurzeln jedoch noch immer emotional und energetisch treu bleibt.

THE ROBOCOP KRAUS (GER, Nürnberg)
Die wildesten Kerle kommen immer vom Land. Das war früher in der Schule schon so, als die rauen Bauersöhne die härtesten Fäuste hatten, und daran hat sich auch heute nichts geändert. The Robocop Kraus sind wild und Freaks, wohnen aber immer noch im beschaulich fränkischen Nürnberg. Ein Ort der wilden Kerle und der größten Entertainer, wie die Live-Sets der furiosen Fünf beweisen. In ihrem frühen Dress-Code zum Durchdrehen (Second Hand Anzug, Hemd und Krawatte) rocken sie schon bald halb Europa, die Staaten und Japan. Denn wie wild muss man eigentlich sein, um seinen Bandnamen aus dem Lieblingsfilm und dem Lieblingsentertainer, dem deutschen Elvis, Peter Kraus, zu kombinieren? Genau. Ziemlich wild. Deshalb spielen die vier Ur-Mitglieder Thomas Lang, Matthias Wend, Johannes Uschalt und Roman Maul 1998 auch noch in den wild-rockigen Bands Cyan und Maggat und gründen die Robos quasi nur als Ausgleichsband. Allerdings mit der Voraussetzung, dass jeder ein anderes Instrument spielt als in der Haupt-Band. Immer wieder gern und deshalb das zweite Mal beim Altin Village & Mine Festival dabei.

MI AMI (USA, San Francisco)
Jacob, Daniel & Damon veranstaltet einen ganz schönen Rabatz. Der Bass und das Schlagwerk hieven dich auf einen unendlichen Trip, der hypnotisch und repetitiv durch einen spacy Krautrock-Dschungel in die Früh-80er-Disco leitet. Dazu eine hyper-nervöse, kreischend bis sägende Gitarre passend zum expressiven Gesang. Diese beiden Stimmen bilden den verrückten Gegenpart zu dem einlullenden, meditativen Rhythmus. !!! oder besser Out Hud oder noch besser Tussle treffen Jesus Lizard oder Xiu Xiu. It’s about time, endlich in Leipzig!

PTTRNS (GER, Köln)
“Dass es so was noch gibt, glaub ich nicht“, hört man die einen schon lautstark rufen, während die anderen versuchen zu beschwichtigen: „Gar nicht so ungewöhnlich.“ Das Thema: Die Existenz aktuell beeindruckender Bands aus dem Inland. Sind diese vielleicht doch gar nicht so rar gesät wie häufig angenommen? Was diese drei jungen Männer schon damals einte, war ihre gemeinsame Zukunftsvision: Band gründen, Liveshows ausarten lassen, ab und zu ein paar Platten veröffentlichen und vor allem jede Menge Spaß haben. Das Ergebnis lässt aufhorchen: Dem Postpunk sichtlich angetan und vom klassischen Hardcore beeinflusst, zappeln ihre Songs frenetisch drauf los. Der Blick für die Tanzfläche bleibt stets gewahrt. Dabei hat die Band in immer größerem Maße ihren eigenen Stil gefunden.

MY DISCO (AU, Melbourne)
Der kleine Bruder von Shellac, welcher bereits zweimal unter Regie von Mr. Albini in Chicago Platten produzierte. Nach Touren mit Sonic Youth und Xiu Xiu nun die zweite Europa Tour, welche die drei Australier auch nach Leipzig führt. Elemente, die früher an Shellac erinnerten, wurden minimiert und durch eine Prise Krautrock bereichert. Eine Soundwand sondersgleichen!

CUT CITY (SE, Göteborg) CANCELED (sad but true)
Den Schweden, denen schon Joy Division- und Franz Ferdinand-Verwandtschaft angedichtet wurde, aber sie sind weitaus weniger mainstreamig und anbiedernd als zumindest letztere. Eine gesunde Portion Ironie gemischt mit 80er-Post-Punk, was im Endeffekt schwer an Interpol erinnert, trotzdem ausreichend selbstständig ist, um nicht als bloße Kopie durchzugehen. Exklusiv zur Festival Show geladen, das wird ein Fest!

SHOKEI (GER, Würzburg)
Mit ihrem fränkischen DC-Sound sind viele von uns durch etliche Releases und Deutschlandtourneen wahrscheinlich schon bestens vertraut. Unglaublich rhythmisch und direkt wirkt das Quartett. Und die Verspieltheit sowie ein sehr danciger Shellac-Sound ziehen sich durch ihre sehr vielseitigen Songs. Komplexität trifft Genialität und Gespür für catchy Arrangements, sperrige und doch unheimlich druckvolle und mitreißende kleine Perle mit Vocals. Live gut anzuhören und tanzbar auf Grund der netten Melodien in ihren Arrangements. Allesamt sind sie fitte Musiker und haben einen Sinn für das, was derzeit nicht angesagt ist. Ob von dem kleinen Kurort [Bad Bocklet bei Würzburg] an der Rhön tatsächlich bald wieder eine Bedrohung ausgehen wird, bleibt hier unkommentiert, aber tolle Musik reicht uns auch schon.

THE FALCON FIVE (GER, Würzburg)
The Falcon Five sind das wohl selbstironischste und gleichzeitig musikalisch umwerfendste, was in letzter Zeit aus der Höhle gekrochen kam. Wunderbar grooviger, versierter, überraschender Post-/Art-Punk mit Schellenkranz-Charme und Hang zur großen Geste. Les Savy Fav standen sicher Pate, aber das würden die Jungs nie zugeben, ihre Helden heißen Shakira und AC/DC, oder zumindest irgendwas dazwischen.

GRAVE SHOVEL LET‘S GO (GER, München, Dresden)
Hach, allein schon die Umstände des Kennenlernens. Ein Sonntagabend. Ein Keller. Ich, verschlafen und aufgeregt. Und vollends fasziniert am Ende. Komplett. Ich meine: Hey, den Bandnamen einem Ten Grand-Song zu entleihen. Grandios! Dazu eines der tollsten 7“-Artworks aller Zeiten. Bester Beweis dafür, dass es nicht die Großstadt sein muss, um was Gutes auf die Beine zu schubsen. Sowas schaffste vor allem auch dann, wenn du noch Geschichten erzählen kannst vom vergeblichen nächtlichen Absuchen aller Videotheken eines Orts namens Mühldorf nach einem ganz bestimmten Film. Und heißt auch: Unglaublich freundliche Radaukids mit Sinn für Humor und die absolut richtigen Coverversionen, immer wieder geradezu absurd in der Gegend verstreut, und im richtigen Moment am richtigen Ort zusammen. Bühnenaktionismus, filigran bis lärmig, mit freudigem Rumspringen, Brett und Rufen aus vollem Hals, in einem Referenzkosmos, der sich irgendwo zwischen North Of America und Superchunk, Dischord und Polyvinyl mühelos basteln lässt. Beste Typen für Busfahrten und nächtliche Unterhaltungen, über mindestens Fahrradfahren, Neunziger, Filme und Bier. Alles richtig gemacht!

Nazikollaborateeure und ihre deutschen Apologeten

Donnerstag 13.05. um 19 Uhr in den Räumen von Radio Corax, Unterberg 11, Halle

Vortrag und Diskussion mit Karl Rössel (Rheinisches JournalistInnenbüro, Köln)

Unsere Freunde, die Kollaborateure. Nazi-Sympathisanten in der Dritten Welt und ihre deutschen Apologeten am Beispiel Argentinien, Indien und Palästina

Die hiesige eurozentrische Geschichtsschreibung übersieht, dass der Zweite Weltkrieg auch in Ländern der Dritten Welt geführt wurde und dort ähnlich viele Opfer forderte wie in Europa. Millionen Kolonialsoldaten aus Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika leisteten zudem einen wichtigen Beitrag zur Befreiung der Welt von Naziterror, italienischem Faschismus und japanischem Großmachtwahn.
Fakten wie diese werden im hiesigen Geschichtsdiskurs allerdings ebenso ignoriert wie die Tatsache, dass auch in einigen Ländern der Dritten Welt Teile der Bevölkerung und hochrangige Politiker mit den deutschen Nazis, den italienischen Faschisten und den japanischen Kriegstreibern sympathisierten. Kollaborateure haben die faschistischen Achsenmächte politisch, ökonomisch und in vielen Fällen auch militärisch unterstützt und dies rund um den Globus. Selbst für die Todesschwadronen der Waffen-SS, die Giftgasbrigaden der italienischen Faschisten und die Mordkommandos der japanischen Besatzer ließen sich Tausende Helfershelfer anheuern. Zehntausende meldeten sich freiwillig zur Arbeit in den Rüstungsindustrien der kriegtreibenden Mächte, Hunderttausende zum Kriegsdienst in deren Streitkräften und Millionen Menschen bejubelten deren Siege.
Der Vortrag erinnert an diese „faschistische Internationale“ und dokumentiert am Beispiel des Umgangs mit Nazi-Sympathisanten aus Palästina, Indien und Argentinien, wie Wissenschaftler und Publizisten hierzulande Faschisten und Antisemiten als antikolonialen Freiheitshelden präsentieren.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“.
Mehr Infos dazu unter 8maihalle.

Karl Rössel ist Kurator der Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“, die ab dem 13. Mai im Bunten Salon (Rudolf – Ernst – Weise – Straße 4/5 in Halle) gezeigt wird.

Antimoderne Internationale? Aufklärung und Gegenaufklärung in der arabo-islamischen Welt

11.05.2010 – 18.30 – Melanchthonianum, Uniplatz, HS XV

Vortrag und Diskussion

In seinem Eröffnungsvortrag „Der ‘homo islamicus’ und die Aufklärung“ wird der Philosophiehistoriker Dr. Geert Hendrich (Uni Darmstadt) quasi den historischen und theoretischen Rahmen der Veranstaltungsreihe setzen:
Die Aufklärung gehört zum Selbstverständnis der Kultur der Moderne. Kommt dabei „der Islam“ ins Spiel, berufen sich selbst erzkonservative Scharfmacher oder katholische Sittenwächter auf die „Errungenschaften“ der Aufklärung. Gilt es diese doch gegen einen per se antimodernen, weil zur Aufklärung nicht fähigen Islam zu verteidigen. Vollends heillos wird die Debatte, wenn postmoderne Apologeten im Namen der kulturellen Differenz Menschenrechte und Verfahren demokratischer Legitimation und Partizipation auf den Müllhaufen der Geschichte entsorgen wollen – und dafür Beifall von islamistischen Ideologen bekommen. Wahrlich: „Der Schlaf/Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer“! Denn weder die selbst ernannten Verteidiger noch die naiven Kritiker bemerken, dass Aufklärung heute gerade nicht bedeutet, lediglich die europäische Modernisierungsgeschichte affirmativ nachzuvollziehen.
Der Vortrag möchte einen Bogen schlagen von der grundsätzlichen Problematisierung des Verhältnisses von Aufklärung und Moderne zur Aktualität des Aufklärungsdiskurses in den arabo-islamischen Ländern. Dessen Vielfältigkeit wird kaum wahrgenommen, auch weil die europäische Wahrnehmung noch zu oft von den Gleichsetzungen „aufgeklärt – westlich“ und „antimodern – islamisch“ ausgeht. Dagegen muss nach meiner Wahrnehmung von der Faktizität der Moderne auch in den Kontexten „des Islam“ ausgegangen werden, und dann verlaufen die Diskurslinien nicht zwischen Kulturen, sondern quer durch sie als Aufklärung und Gegenaufklärung. Und auch diese Begriffe werden um so „unübersichtlicher“, je näher man sie betrachtet. Zwischen einer Moderne, die sich selbst nicht wahr haben will, und der Akzeptanz ihrer Unabschließbarkeit erweist sich Aufklärung auch hier vor allem im Ringen um Mündigkeit.

Eine Veranstaltung der Reihe: Tradition oder Moderne? Die Aktualität der Aufklärung im ‚Nahen Osten‘.

the black heart procession

the black heart procession

So 09.03 // 19:30 Uhr // Das SchubladenKonsortium, UT Connewitz & Floss Bros. Buttons laden ein:

THE BLACK HEART PROCESSION (us/ Temporary Residence)
Crippled Black Phoenix (uk/ Domino)
A Sunny Day In Glasgow (us/ Mis Ojos Discos))

Herzensangelegenheiten sind´s ja eh immer, hier, diese wohl aber im ganz Besonderen und was passt besser als die große Theatralik von Pall Jenkins, Tobias Nathaniel & Co endlich ins UT zu bringen? In tiefster Befangenheit proklamieren wir ein ganz besonderes Konzert einer herausragenden Band: The Black Heart Procession wird uns hinabführen in die magisch, schaurigen Katakomben ihrer Seele. Ein Ort an dem verdrängte Ängste, Schmerz, Verlust, Trauer und Zweifel von entrückt, gebrochenen Figuren in schummrigem Licht und fiebrigem Delirium gespielt werden. Wahlweise gegeben als Liebestragödien oder Murder-Mystery Stories mit der Garantie niemanden unberührt zurücklassen. Ganz in der bandinternen Lesart war Unheil nie so schön, ein Trauermarsch nie so würdevoll – Pathos, im positivsten Sinne und absolut stilsicher! Und ganz neben gekleidet in wunderbaren, perfekt arrangierten, hypnotischen, tief in Moll getunkten Folksongs.

Nachdem Geoff Barrows mit Partnerin Beth Gibbons im Jahre 2008 ein neues und erfolgreiches Kapitel Portishead aufgeschlagen hat, widmet er sich 2009 verstärkter seinem Label Invada. Und knüpft mit zwei neuen Releases nahtlos an die Erfolgsstory aus dem Jahr 2008 an. Hier und jetzt ist die Rede von Crippled Black Phoenix und ihrer Fortsetzung. Bandleader Justin Greaves (u.a. Electric Wizzard) hat zusammen mit Dominic Aitchison (Mogwai), Joe Volk (Gonga), Kostas Panagiotou (Pantheist) und Charlotte Nicholls etwas erschaffen, das nahtlos dort anknüpft, wo Pink Floyd 1975 mit „Wish You Were Here“ aufhörten. Unweigerlich drängeln sich längst vergessen geglaubte Erinnerungen an Supertramp, Camel, Alan Parsons oder Yes wieder nach vorne. Wobei die Band mit dem neuen Werk „200 Tons Of Bad Luck“ auch andere – modernere – Assoziationen weckt. Für Spätgeborene mag es der Einstieg in eine neue „alte“ Welt jenseits von Mogwai, Godspeed You! Black Emperor oder Sigur Ros sein und nicht nur der endgültige Zugang zum Plattenschrank der Eltern. Mit Liedern, die eine Zeit wiederbeleben, die diese moderne Welt längst vergessen zu haben schien, transportieren CPB den Hörer außerhalb jeglicher Realität in einen Kosmos, der weit, leer und ausschließlich aus Sound zu bestehen scheint. Diese Band kehrt die innersten Emotionen nach außen und erschafft so den Soundtrack zum „Auf Wiedersehen“ sagen.

ASDIG: Bereits seit vier Jahren beschert uns Ben Daniels mit den um ihn versammelten Musikern schwebend, schwelgerische Dreampopsongs geriert aus flirrenden Gitarren, Keyboards, Electronica und Synthieflächen. Verhallt überlagern sich detailverliebte Klangspuren die von feingliedrigen Rhythmen einen dezent, subtilen Groove verpasst bekommen und so zwischen Minimal Electronic und Ambient hin und her pendeln. Was hier wie eine digitale Version alter Shoegaze Helden wie My Bloody Valentine oder Slowdive klingt reiht sich nahtlos in die Reihe derer die dieses Früh Neunziger Erbe zeitgemäß aufarbeiten – File Under: Asobi Seksu, M83, Deerhunter, Ulrich Schnauss. Tipp!!!