Archiv für März 2010

Sa. CHAIN & THE GANG/SEX JAMS

I Talk You Listen & das SchubladenKonsortium laden ein:

Sa 27.3. Zoro, doors:9pm – start: 10pm

Chain and the Gang (us/K-Recs.)

Ian Svenonius holt wieder aus zum Perfect Pitch! Finger werden auf die ihm eigene Art und Weise in die Wunden des Spätkapitalismus gelegt. Was Svenonius mit seinen alten Dischord/D.C.-Recken Nation Of Ulysses, Make Up und Weird War an Meilensteinen verzapft hat wird hier souverän und ohne Abstriche machen zu müssen weitergeführt: kritische (Ab-)Gesänge auf den bitteren politisch, kulturellen Jetzt-Zustand der westlichen Zivilisation. Das Ganze tief getränkt in lo-fi Blues, Gospel und Doo Woop in der Tradition farbiger Protestmusik der 60er mit Žner Kante Garagepunk und wie gewohnt 100% stilsicher… Genug von Freiheit wie sie heute verkauft wird, genug von Fast Food und genug von Namedropping… Aufhören, zuhören!

Sex Jams (aut/Fettkakao)

Werden dich anmachen! Sachertorte aus dem schönen Wien brettert ordentlich nach vorn mit Dampf im Kessel der amtlich lärmende Melodien aus der Esse sprotzt. Versöhnen Sonic Youth mit Sleater Kinney… !yipyip!…das ganze akzentfrei!

danach, davor und dazwischen Tanzen, Fingerpointen und Pöbeln mit den Djs Heiko Heat & Kick N Rush

just went black

just went black

Samstag, 27. März 2010, 22.00 Uhr, Reilstraße 78

Just Went Black //// Giants Never Tiptoe

Fr. RUSSIAN CIRCLES/GHOST OF THE GOVERNMENT/ELYJAH

das SchubladenKonsortium lädt ein:

Fr 26.3. Zoro, doors: 9pm – start: 10pm

Russian Circles (chcgo/Suicide Squeeze)

vertrackt, atmosphärischer postrock mit metal-einschlag des kalibers Isis, Pelican oder Red Sparrowes.
originale – keine langweiligen epigonen!

Ghost of the Government (lpzg)

agenten musik: spannendes instrumental-kraut/prog-rock-ensemble mit wahnsinns-orgel
und Perth Express/Black Frighter Personalüberschneidungen – erste show!!!

Elijah (brln)

…indierock mit hang zur gepflegten jagd inner schorfheide.
…triffste einen jäger, triffste den richtigen…

Do. HKM/DIATRIBES/REHNIG

Donnerstag, 25.03., 20h, ZORO, 1st Floor

Electroacoustic///Improvisation///Objects:
HKM+ (bremen/newyork)
DIATRIBES (genf/lausanne)
REHNIG (le)

Das konzept ist Teil der Record Release Tour zu einem gemeinsamen Album, das beim Berliner Label „Resting Bell“ erschienen ist.
Fürs Musikmachen ist alles erlaubt, was ein Geräusch machen kann, vom präparierten Lautsprecher über kühlrippen bis zum Milchaufschäumer.
Die Musik liegt irgendwo zwischen Freejazz und Elektroakustik. Es geht also viel um Geräusche, Atmos und Loops. …ziemlich unvorhersagbare, experimentelle und abenteuerliche Musik.

„Sound is all our dreams of music. Noise is music’s dream of us.“ Morton Feldman 1958

[http://www.strommusik.org/]
[http://www.myspace.com/hkmplus]
[http://www.myspace.com/diatribesimprovisors]
[www.robert-rehnig.com]

fuo //// helgoland

19.03.10 21.00 h Reil 78 – Halle

Fuo (HH) + Helgoland (HH)

Buchpräsentation: Christoph Schäfer – Die Stadt ist unsere Fabrik

Spector Books lädt herzlich ein zur Buchpräsentation

*Christoph Schäfer: Die Stadt ist unser Fabrik/ The City is Our Factory*

L E I P Z I G,
19. März, 20.00 Uhr, Pilot im Centraltheater, Bosestraße 1

B E R L I N,
24. März, 20.30 Uhr, pro qm, Almstadtstraße 48-50

H A M B U R G,
26. März, Pudel Salon, Golden Pudel Club, Fischmarkt 27

„Die Stadt ist unsere Fabrik“ ist ein Bildessay in 158 Zeichnungen. Der Hamburger Künstler Christoph Schäfer erzählt in sechs Kapiteln eine rhizomatische Geschichte des Urbanen: vom Ur-Schlamm bis zur »Recht auf Stadt«-Bewegung in Hamburg 2009. Mit dem Aquarellstift zeichnet er die Begriffslandschaften Henri Lefebvres nach, jene „Die Revolution der Städte“, die der französische Philosoph in den 1970er Jahren heraufziehen sah. Im postindustriellen Zeitalter, so die These, wird die Stadt selbst zum zentralen Produktionsort. Im urbanen Gewebe spielen Subkulturen, KünstlerInnen, Designer heute eine bedeutende Rolle: als Produzenten von kollektiven Räumen, als Erfinder von Orten des Begehrens. In einer Gesellschaft, in der Leidenschaft und Arbeit, Privatheit und Professionalität zunehmend schwieriger zu unterscheiden sind, wird der Kampf um die Stadt zu einem Kampf um die Produktionsmittel — zu einem Kampf um das Recht auf Stadt. — Zu was aber, fragt Christoph Schäfer, könnte ein Produzieren zwischen Latte Macchiato und Selbstorganisation in Zukunft führen? Welche Alternativen lassen sich zum neoliberalen Urbanisierungsmodell entwickeln, das fortgesetzt schwarze Löcher produziert: Finanzkrisen, verschüttete Stadtarchive, Marketing-Idiotismen? — Ein riesiger, singender Pitbull gibt in „Die Stadt ist unsere Fabrik“ die Antwort: „Señoras y Señores! – die Städte der Multitude werden Orte der Leidenschaft sein oder, Ladies and Gentlemen — sie werden nichts sein!“

304 Seiten, 158 Zeichnungen, deutsch / english
ISBN: 978-3-940064-95-0
28.00 €

Bestellung über: spector@spectormag.net

Mehr Informationen unter:
www. spectormag.net

Gegen den staatlich verordneten Anti- Extremismus!

Kundgebung zur öffentlichen Kritik an einer LehererInnenfortbildung in Halle,

Freitag 19. März 2010; 12.00 Uhr; Gedenkstätte »Roter Ochse«in Halle/Saale

Am Freitag, den 19. März wird in der Gedenkstätte »Roter Ochse« in Halle/Saale eine zweitägige LehrerInnenfortbildung unter dem Titel Diktaturvergleich als Methode der Extremismusforschung – Hingucken: Sowohl nach rechts als auch nach links beginnen. Wie die Titel der Einzelveranstaltungen ahnen lassen, geht es maßgeblich darum den historischen Blick auf Nationalsozialismus und DDR für eine wissenschaftlich erscheinende Legitimation des Extremismusansatzes zu benutzen. Nicht das Erkenntnisinteresse über die Entstehung und Funktionsweise von Nationalsozialismus und Realsozialismus stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung, vielmehr soll das pädagogische Publikum von der Funktionalität des Extremismusansatzes überzeugt werden. Mit dessen Hilfe entscheiden staatliche Behörden und selbst ernannte Wärter der Demokratie über die Grenzen des politisch Sagbaren. Was den TeilnehmerInnen der Fortbildung schon durch die Wahl des Tagungsortes als Veranstaltung im Geiste von Demokratie und zivilgesellschaftlichem Engagement angeboten wird, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine staatsfixierte Auffassung von politischem Handeln.

OrganisatorInnen der geplanten Veranstaltung sind die Gedenkstätte »Roter Ochse«, die »Friedrich Naumann-Stiftung« in Halle sowie die »Landeszentrale für Politische Bildung Sachsen Anhalt«. In ihrer Ankündigung stellen sie das Tagungsprogramm in eine Reihe von bereits stattgefundenen Fortbildungen zum Problem des »Rechtsextremismus«, nach denen es nun gelte, den »Blick auch nach links zu richten«. Dies sei im Sinne einer wehrhaften Demokratie notwendig, geschehe aber ebenso in Übereinstimmung mit den Prinzipien gesellschaftlicher Offenheit und Toleranz.

Bereits kurz nach Bekanntgabe des Veranstaltungsprogramms regte sich von verschiedenen Seiten Protest. Insbesondere die Bedenken des Innenstaatsekretärs von Sachsen-Anhalt, Rüdiger Erbe (SPD) lösten ein bundesweites Medienecho aus. Erbe, der gleichzeitig Vorsitzender des Gedenkstättenbeirats ist, befürchtete die Gleichsetzung von »NS- und DDR-Diktatur« und untersagte deshalb seinen MitarbeiterInnen die Teilnahme an der Fortbildung. Daraufhin entspann sich eine öffentliche Diskussion über die Möglichkeit des Vergleichs vom sogenannten »Dritten Reich« und DDR, sowie über Meinungsfreiheit, zwanzig Jahre nach der Wende. Das eigentliche Problem, die vollkommene Unzulänglichkeit des Extremismusansatzes bei der Gesellschaftsanalyse und sein durch und durch ideologischer Charakter, kam dabei nicht zur Sprache. So ist, unabhängig vom bisher weitergehenden auch parteipolitisch motivierten Streit über die Fortbildung, zu erwarten, dass trotz mehr oder weniger weitreichender Korrekturen im Veranstaltungsprogramm, die grundlegende Zielrichtung der Tagung beibehalten wird.

Die von einigen KritikerInnen und BefürworterInnen der Veranstaltung bereits als Kompromiss präsentierte Stellungnahme, in der gefordert wurde, dass ein wissenschaftlicher Vergleich von Nationalsozialismus und DDR »unvoreingenommen und differenziert« erfolgen müsse, ist Augenwischerei. Abgesehen von der Tatsache, dass eine gänzlich unvoreingenommene Wissenschaft weder möglich noch wünschenswert ist, lässt sich bereits jetzt feststellen: Nicht einmal eine fragende und in Bezug auf die Antworten differenzierte Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der DDR ist vor dem Hintergrund des Extremismusansatzes möglich. Der Extremismusansatz stellt an die Geschichte keine Fragen, sondern präsentiert politische Antworten. Er kann seine dünne sozialwissenschaftliche Fundierung nicht verbergen, weil er ein funktionales und immer wieder staatlich in Anspruch genommenes Instrument zur Einschränkung politischer Legitimität ist. Insofern sind auch der wissenschaftliche Anstrich der Hallenser Fortbildung, das in ihrem Titel ablesbare akademische Gerede von »Forschung« und der »Methode des Vergleichs« nur Täuschungen. Dies wird schon daran ersichtlich, dass sich die VeranstalterInnen einer im universitären Raum selbstverständlichen Auseinandersetzung mit den zahlreichen Kritiken an den konzeptionellen Grundlagen des Extremismusansatzes entziehen.

Eine Garantie für die unreflektierte theoretische Rahmung der Fortbildung, besteht durch die Bestellung des Eröffnungsreferenten Eckhard Jesse. Der Politologe fiel in der Vergangenheit durch seine ideologische Nähe zu nationalkonservativen Positionen und seine ständigen Versuche zur Bagatellisierung des Neonazismus auf und ist aufgrund seiner Positionen zum Nationalsozialismus auch in universitären Kreisen umstritten. So verließ 1998 der anerkannte US-amerikanische Historiker Saul Friedländer den wissenschaftlichen Beirat des Hannah-Arendt-Instituts in Dresden auch deshalb, weil Jesse einen Mitarbeiter des Instituts verteidigte, obwohl dieser in einem Vortrag die ethische Legitimation des Hitler-Attentäters Georg Elser in Frage gestellt hatte.

Doch nicht die Person Jesse ist das zentrale Problem der Tagung: Sondern vielmehr die Form des Extremismusansatzes im Allgemeinen. Dieser entwirft eine äußerst begrenzte Vorstellung des Politischen, in der linke und rechte Ränder gleichermaßen den Bereich der demokratischen Mitte gefährden. Nach diesem Muster obliegt es bereits staatlichen Organen, insbesondere dem Verfassungsschutz, die politische Legitimität gesellschaftlicher Akteure zu überwachen. Für Expertise stehen ihnen selbst ernannte Richter über die Freiheitlich Demokratische Grundordnung, wie beispielsweise Jesse aber auch andere PolitikberaterInnen zur Verfügung.

Für viele Menschen erscheint die Darstellung politischer Fraktionen nach dem Extremismusmodell, also die Unterteilung nach gefährlichen rechten und linken Extremen und einer guten demokratischen Mitte zunächst einleuchtend. Doch dieser schematische Ansatz offenbart schnell seine Schwächen. So kann er politische Strömungen in der Gesellschaft weder angemessen beschreiben, noch ihre Qualität und Berechtigung mit inhaltlichen Begründungen bewerten. Die Herangehensweise des Extremismusansatzes ist immer strukturell und bezieht sich letztendlich auf die Feststellung von Akzeptanz oder Ablehnung der bestehenden Verfassungsordnung. Das Denken der Menschen, ihre Einstellungen und Weltbilder, spielen deshalb nur mit Blick auf einen äußerst kleinen Ausschnitt des gesellschaftspolitischen Spektrums eine Rolle.

Eine Folge der konzeptionell inhaltsarmen Herangehensweise zeigt sich, wenn VertreterInnen des Extremismusansatzes daran scheitern, die gesellschaftliche Verankerung von Elementen nationalsozialistischer Ideologie, beispielsweise Rassismus, Antisemitismus oder Homophobie zu erkennen. Während Wahlerfolge der NPD ebenso wie die Kontinuität des Naziproblems nur durch die Berücksichtigung der in der Bevölkerung weit verbreiteten Akzeptanz für Bestandteile der nationalsozialistischen Programmatik verständlich werden, behandelt der Extremismusansatz »Rechtsextremisten« als Randphänomen, welches in keinem Zusammenhang mit der »guten demokratischen Mitte« steht. Aufgrund dieser Fehlleistung ist der Extremismusansatz Ursache dafür, dass sich das Engagement gegen Nazis oft nur mit der Spitze des Eisbergs, also mit bekennenden Nazikadern und ihren Organisationen beschäftigt, sich vor einer selbstkritischen Auseinandersetzungen mit den ideellen Grundlagen des Neonazismus aber scheut.

Vor dem Hintergrund des Modells erklärt sich zum Teil auch, warum VertreterInnen des Ansatzes manisch eine linke Gefährdung des Staates beschwören müssen. Das Selbstverständnis als HüterInnen der Mitte, führt quasi automatisch dazu, potentielle linke Abweichler zu entdecken, auch wenn dabei von realen Gefährdungspotentialen und mehr noch von politischen Zielvorstellungen abgesehen werden muss. Diese Kritik ist nicht gleichbedeutend mit der Auffassung, dass es an linker Politik nichts zu kritisieren gäbe. Doch der Extremismusansatz interessiert sich nicht für verschwörungstheoretische Vorstellungen von der Gestaltungsmacht einiger weniger »Finanzhaie«, die einige Jahre lang in der globalisierungskritischen Linken weit verbreitet waren. Ebenso wenig geht es ihm um die Problematik von Befreiungsideen, die auf das Potential von unterdrückten Völkern setzen. Im Extremismusansatz beurteilt man Linke im Großen und Ganzen anhand ihrer Einstellungen zu Recht und Ordnung. Gesellschaftskritik, die sich nicht auf Verbesserungsvorschläge innerhalb des parlamentarischen Systems und im Rahmen der geltenden Verfassung beschränkt, werden über einen Kamm geschert und als Wiederkehr kommunistischer Verbrechensregime diskreditiert.

Zweifelsohne ist die Erfahrung autoritärer Herrschaft und unmenschlicher Verbrechen mit der Geschichte der kommunistischen Bewegung verkoppelt. Doch für die FreundInnen des Extremismusansatzes spielen linke Positionierungen zu den stalinistischen Verbrechen keine Rolle. Egal, ob AltkommunistInnen, die die Unmenschlichkeit des kommunistischen Terrors zu beschönigen versuchen, oder ob reflektiertere Linke die kritische Auseinandersetzung mit diesen Verbrechen zu einer Grundvoraussetzung für ihre Suche nach gesellschaftlichen Alternativen machen: Im blassen Erkenntnisschein des Extremismusansatzes sind alle Katzen grau und bleibt die Linke immer dann eine staatlich zu bekämpfende Gefahr, wenn ihre Auffassungen von Politik und menschlichem Zusammenleben über das Bestehende hinausreichen.

Die von den VeranstalterInnen der Tagung angekündigte Methode des »Diktaturvergleichs« dient keinem analytischen Interesse. Allen gegenteiligen Beschwörungen zum Trotz ist schnell klar, dass der Extremismusansatz auf einem instrumentellen und gleichmacherischen Geschichtsbild baut. Schon die Wahl des Veranstaltungsortes im ehemaligen Nazi- und Stasi-Knast soll ja nichts anderes bewirken, als Nationalsozialismus und DDR auf den Begriff staatlichen Machtmissbrauchs zu bringen. Die gleiche Aussage wird von der Rede über die »beiden deutschen Diktaturen« transportiert. Missachtung von Rechtsstaatlichkeit, politische Willkür etc. – auch die historische Rückschau im Extremismusansatz offenbart nur formale Kriterien der Analyse. Das erleichtert die Parallelisierung von Nationalsozialismus und Realsozialismus. Doch wie genau kennzeichnen diese formalen Übereinstimmungen, die im »Diktaturvergleich« bereits sprachlich zum Wesen sowohl des Nationalsozialismus, als auch des Stalinismus gemacht werden, tatsächlich die nationalsozialistische Volksgemeinschaft und den staatlich verordneten Sozialismus? Nur äußerst unzureichend, wie wir meinen. Vielmehr zeigen sich gerade anhand des Stellenwerts der staatlichen Unterdrückung im Nationalsozialismus und Stalinismus große Unterschiede: Der hierarchisch streng von oben nach unten geregelte Staatssozialismus war tatsächlich auf Repression zum Zwecke des Systemerhalts angewiesen, um trotz Misswirtschaft, Unfreiheit und kultureller Verarmung zu existieren. Hingegen lebte das polykratische Herrschaftssystem der Nazis von der massenhaften Begeisterung, später von hoffnungsfroher Zustimmung, und am Ende, selbst angesichts der offensichtlichen Kriegsniederlage, noch von der verzweifelten Identifikation der Deutschen mit den Ideen des Nationalsozialismus.

Doch um solche und andere Unterschiede geht es der LehrerInnenfortbildung nicht. Den PädagogInnen im »Roten Ochsen« soll stattdessen mit Hilfe historischer Illustrationen beigebracht werden, was sie ihren Schülerinnen und Schülern zu predigen haben: Wer sich an der parlamentarischen Demokratie, an der Verfassung und damit an der bestehenden Eigentums- und Machtordnung versündigt, muss von den Behörden überwacht, notfalls mundtot und auf jeden Fall in der Öffentlichkeit übel beleumundet werden.

Die scheinbare Passgenauigkeit der Wahl des Veranstaltungsortes lässt deshalb eine andere, von den OrganisatorInnen der Tagung nicht gewollte symbolische Deutung zu. Angestrebt ist eine geschichtlich informierte Unterfütterung der Auffassung, die heutige Staats- und Rechtsordnung ist das non plus ultra historischer Entwicklung. Im »Roten Ochsen« präsentiert man sich als Nutznießer der Mär, die Demokratiebewegung von 1989 habe in Deutschland alle Quellen politischer Unfreiheit beseitigt. Doch die LehrerInnenfortbildung, steht eben nicht im Zeichen von Offenheit für politische Konflikte und demokratischer Selbstermächtigung. Nicht zufällig gehörte der für die Tagung eingeladene Hauptreferent, Eckhard Jesse, zu denjenigen, die Anfang Februar die Sitzblockaden gegen einen Naziaufmarsch in Dresden zu kriminalisieren versuchten, obwohl damit erstmals seit Jahren die Verhinderung der größten europäischen Nazidemonstration gelang. So wird im »Roten Ochsen« ein Politikverständnis propagiert, welches restriktive Gesetzestreue zur Maßgabe hat. Es ist, und davon künden nicht zuletzt die Positionen der eingeladenen Referenten, als Berater und Angestellte von heutigen Überwachungsorganen, Ausdruck des staatlichen Bemühens, den Bereich des Politischen zu kontrollieren und die Möglichkeiten emanzipatorischer Kritik mit formalen Begründungen einzuschränken. Das auf der Tagung präsentierte Denken läuft auf den Sicherheitsstaat hinaus und ist das Gegenteil von liberaler Demokratie. Und Lichtjahre weit entfernt bewegt man sich damit von einer Definition von Politik, die auf die Selbstbestimmung des Menschen zielt. Aus diesen Gründen wollen wir mit einer Kundgebung gegen die LehrerInnefortbildung im »Roten Ochsen« demonstrieren. Dabei sind wir uns durchaus bewusst, dass die Möglichkeit, dieses legal tun zu können, eine demokratische Errungenschaft ist. Allerdings eine, die es gegen autoritäre Kontrollfreaks und StaatsfetischistInnen zu verteidigen gilt und die noch lange nicht das erfüllt, was wir uns unter Politik alles vorstellen.

Kommt zur Kundgebung gegen jeden Extremismusbegriff!
Für das Politische!

INEX – Inititative gegen jeden Extremismusbegriff

Heute: Owen Pallett & Ellen @ UT Connewitz

UT & das SchubladenKonsortium laden ein:

17. März, UT Connewitz, doors: 20Uhr start: 21Uhr

Owen Pallett aka FINAL FANTASY (can/Domino Rec.)

Die Pop-Welt reißt sich um ihm. Der studierte Violinist Owen Pallett arrangierte für Arcade Fire, Grizzly Bear und die Pet Shop Boys. Nach zwei Alben als Final Fantasy, erscheint nun das dritte Album „Heartland“ – unter seinem bürgerlichen Namen. „Heartland“ ist großes Kino. Aufgenommen in vier Ländern und über den Zeitraum von neun
Monaten hört man ähnlich wie bei Nico Muhlys letztem Album ein 45-minütiges, prächtig orchestriertes Werk. Es gibt nicht viele Musiker, die so einen Spagat hinbekommen: Owen bewegt sich doch tatsächlich im modernen Dreieck zwischen Songwritertum, Elektrotüftlerei und Rokoko. Stilbestimmend bleibt sein Violinenspiel, das mithilfe von Loops experimentelle und vielschichtige Klänge erlaubt. Stilerweiternd ist das Werk der Prager Philharmoniker, das, nach Palletts Vorgabe ähnlich funktionierend wie ein Synthesizer, den Raum des für ihn typischen Klangs wesentlich erweitert und vertieft. Charakteristisch bleibt Palletts glockenhelle und melodische Stimme, die Geschichten erzählt: Auf Heartland diverse Episoden einer Liebesbeziehung, deren Ende der Tod des liebenden Protagonisten darstellt. Auch wenn er selbst das Wort nicht gern in den Mund nimmt: Owen Pallett hat also ein Konzept-Album abgeliefert. Und dachte man bereits, Palletts Musik, der brillante Streicherpartituren zugrunde liegen, habe mit dem tänzelnden „This Lamb Sells Condos“ (auf „He Poos Clouds“, 2006) eine Grenze des Exquisiten erreicht, findet sich auf „Heartland“ schon jetzt einer der größten Songs des Jahres 2010: Auf „E Is For Estranged“ erreichen irisierende Streicher, gewichtiges Piano und Palletts verlangender Gesang eine einsame Meisterschaft.

&

Ellen Schneider (d/ Biesentales)

ellen hat angerufen: your friend love is the straightest lier. dann hat sie aufgelegt, das rauschen in der leitung schwoll an, ein wetter zog auf und der hinter famosen wolkenfächern hervorwehende nachhall zweier zithern, ihr sich erdender klang, beschlägt jetzt ebnend deine vorstellung. kleine zitternde, nackte pilze, murmelnd in einem bett aus roter beete. sie summen, sie behaupten sich als chor, unter ihnen schlägt das myzel den puls, vor ihnen ihnen am rand der see nascht ein alter hund vom sand panierte
quallen. dann drei aufrechte wellen lang reinste gischt, jedoch hat niemand es gesehen. ellen geht ins wasser.

Do: Beach House & Austin Brown @ UT Connewitz

UT & das SchubladenKonsortium laden ein:

4. März UT Connewitz, doors: 20Uhr, start: 21Uhr

Beach House (us/Bella Union-Sub Pop)

BEACH HOUSE wurde 2004 in Baltimore von Alex Scally und Victoria Legrand gegründet. Mit ihren langsamen Rhythmen, elegisch, atmosphärischen Melodiewogen und eindringlichen Texte referiert das Duo dem Dream-Pop der späten Achziger/frühen Neunziger mit Bands wie Slowdive, Mazzy Star, My Bloody Valentine oder den Galaxie 500. Man mag Shoegazing, Jahrmarktmusik, Folk und eine Vorliebe für Vergangenes, das bis in die 50er-Jahre zurück reicht, hören und im Umkehrschluß erschaffen Beach House aber einen Klang der im Moment so ziemlich einzigartig ist und mit oben genannten am deutlichsten eins gemein hat: Zeitlosigkeit. In einem dichten Nebel aus Hall spielen angestaubte Orgeltasten, depressive Slide-Gitarren, antiquierte Drumcomputer und ein sehnsüchtiger Gesang in sinisterem Moll getränkte Harmoniesucht. Endlich in der Stadt.

Austin Brown (us)

Das Solo-Oevre des langjährigen Why? Bassisten und Produzenten Austin Brown bewegt sich in ähnlichen Gefilden wie Beach House. Treibender freilich, wird hier melodieverliebt, mit Hang zu Distortion, Indie Rock eine Homage geliefert: Built To Spill treffen auf Guided By Voices die sich zuvor mit Ride verbrüderten. Das ganze mit Freunden wie Josiah Wolf eingespielt kommt frisch und unverbraucht und mitreißend!

Julius von Bismarck · Image Fulgurator

bismarck

Donnerstag, den 4. März, um 19.30 Uhr in der Galerie dieschönestadt · Am Steintor 19 · 06112 Halle (Saale)

Der Image Fulgurator (Bildschleuderer) ist ein Gerät zur Manipulation von Fotos. Er greift ein, wenn ein Foto aufgenommen wird und projiziert subversive Botschaften oder Motive auf Fotos, ohne dass der Fotograf etwas davon bemerkt. Anders gesagt handelt es sich um einen umgekehrt funktionierenden Fotoapparat, der aussieht wie eine Pistole und Bilder auf fremde Apparate bannt. Für Bismarck ist er technisch-schlicht ein »Apparat zur minimal-invasiven Manipulation von Fotografien«. Für seine Erfindung erhielt von Bismarck 2008 den Prix Ars Electronica für interaktive Kunst.

Julius von Bismarck präsentierte auf der diesjährigen transmediale.10 seine aktuelle Installation »The Space Beyond Me«.

Ein Veranstaltung in Kooperation mit werkleitz.