Archiv für Dezember 2009

Ich lass mich doch hier nicht verarschen

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Wir schreiben den 31. Dezember. Heute ist das Bild in Leipzig-Connewitz ein anderes als an den restlichen 364 Tagen im Jahr. Seit Mittag kreist permanent ein Hubschrauber über dem Viertel. Später am Tag setzt der öffentliche Nahverkehr aus und für die Abendstunden wird der Alkoholausschank auf dem Connewitzer Kreuz untersagt. Wenn es dunkel wird, stehen an jeder Ecke Polizist/innen in Kampfmontur und mit Knüppeln in der Hand. Einige Tage vor Silvester werden die Anwohner/innen aufgefordert, das „Connewitzer Kreuz zu meiden“. Für den Fall der Nichteinhaltung hat die Polizei letztes Jahr darauf hingewiesen, dass Schlagstock und Pfefferspray jede/n treffen können.

Silvester am Kreuz – alle Jahre wieder eine Riesenschlagzeile

Gemeinsam mit sensationshungrigen Lokalreporter/innen werden der Stadtgesellschaft dann auch regelmäßig im Nachgang eine paar kokelnde Mülltonnen und Barrikaden wahlweise als „Bürgerkrieg“, „Ausnahmezustand“ oder „Riesenkrawall“ verkauft. Pressekonferenzen, Einsatzkonzepte und Kommentare von jedweden Lokalpolitiker/innen sorgen für Trubel und Unterhaltung.
„Mit aller Härte“ gegen „Chaoten vorgehen“ und endlich mal aufräumen – das kündigt die Polizei jedes Jahr vor Silvester an. Das heißt dann meist, dass betrunkene Jugendliche und feiernde Anwohner/innen von knüppelnden Polizist/innen den Schlagstock zu spüren bekommen. Menschen mit schwarzer Haut werden nebenbei auch schon mal von Polizist/innen als „Scheiß-Nigger“ beschimpft und Umstehenden wird von vorbeigehenden Polizeibeamten mal eben Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Solche Erfahrungen lassen immer mehr Menschen am Mythos einer „sauberen“ Polizei und dem „Freund und Helfer“-Image zweifeln.

Der Staat zeigt Zähne …

Doch nicht nur an Silvester werden Menschen Opfer staatlicher Repressalien und polizeilicher Gewalt. Wann immer Veranstaltungen im öffentlichen Raum, Demonstrationen oder Kundgebungen stattfinden, die sich kritisch mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen, zeigt der Staat seine Zähne: bewaffnete Polizeieinheiten filmen, kontrollieren und schirmen die Veranstaltungen durch übermäßige und martialische Präsenz ab. Nicht selten werden die, die es wagen, das Versammlungsrecht in Anspruch zu nehmen, im wahrsten Sinne des Wortes Opfer staatlicher Gewalt. Dass die Polizei als diejenige Institution, die für den Schutz der Grundrechte verantwortlich sein soll, eben jene oftmals bricht, stellen regelmäßig auch Bürger- und Menschenrechtsgruppen wie die Humanistische Union oder der Republikanische Anwältinnen- und Anwaltsverein fest.
Während im Nachgang zu politischen Veranstaltungen stets von „extremistischen Gewalttätern“ die Rede ist, wird über Polizeigewalt fast nie gesprochen. Denn die Polizei unterliegt in ihrer Arbeit keiner wirklichen Kontrolle. Anonyme und vermummte Polizeibeamte können fast nach Lust und Laune über die Stränge schlagen. Das Prinzip einer effizienten Gewalt(en)kontrolle fehlt also gerade bei der Institution, die befugt ist, im Inland physische Gewalt gegen Menschen einzusetzen.

… und will das Versammlungsrecht beschneiden

Der Staat baut das System der Repressionen weiter aus. Dies wird deutlich an der Vorlage für das neue Versammlungsgesetz der schwarz-gelben Koalition in Sachsen, mit dem Ziel, den angeblichen „Extremisten“ Grenzen zu setzen. Kommunen und Landkreise sollen noch mehr Kompetenzen erhalten, um Versammlungen im öffentlichen Raum zu verbieten. Bisher waren schwerwiegende „erkennbare Umstände“ notwendig, die „die öffentliche Sicherheit oder Ordnung bei Durchführung der Versammlung oder des Aufzuges unmittelbar gefährden“, um eine Demonstration oder Kundgebung zu verbieten. Jetzt reicht ein „konkreter Bezug“ zu Veranstaltungen in der Vergangenheit, bei denen es zu solchen „Gefährdungen oder Störungen“ gekommen ist. Wenn es auf einer Demonstration gegen Atomstrom beispielsweise zu angeblichen Auflagenverstößen einiger Personen kommt und die Demonstration daraufhin aufgelöst wird, können Verwaltungsbehörden diesen Vorfall als Verbotsgrund für andere Anti-Atomstrom Demonstrationen nutzen. Der Versammlungsgesetzentwurf der schwarz-gelben Koalition redet obrigkeitsstaatlichen Maßnahmen das Wort und raubt einer lebendigen, pluralistischen und kritischen Gesellschaft Luft und Ausdrucksformen. Zudem fokussiert der Entwurf auf das Verbot von öffentlichen Versammlungen an bestimmten historisch bedeutsamen Orten. Ganze Stadtgebiete sollen zu Tabuzonen werden. Mit dem Gesetz versucht die Landesregierung -frei nach dem Motto „Verbote statt inhaltlicher Auseinandersetzung“- Erinnerungs- und Ordnungspolitik zu verquicken. Sollte es gelingen, dieses Gesetz durchzusetzen, droht ein politisches Sonderrecht in Kraft zu treten, das Freiheitsrechte mit politischem Kalkül außer Kraft setzen wird.

Der repressive Umgang der staatlichen Organe mit Menschen, die ihren Forderungen Ausdruck verleihen wollen, zeigte sich in diesem Jahr zum Beispiel bei Fahrrad-Demonstrationen, den so genannten Critical Mass. Diese wurden nicht nur mit absurden Ordnungsmaßnahmen überzogen, sondern zum Teil auch brutal verhindert. So wurden Teilnehmer/innen einer Critical Mass im Mai diesen Jahres von Polizeibeamten in voller Fahrt vom Rad gezerrt und geschlagen.

Kultur ist, was zum Standort passt

Eine restriktive Sonderbehandlung erfuhren auch die kulturellen Veranstaltungen, die sich als nicht-kommerziell verstehen und spontan öffentliche Räume besetzten.
Kontrollmentalität und profitorientiertes Denken können als Motivation für die Auflösung solcher alternativer Outdoor-Partys oder die Sperrung von selbst organisierten Veranstaltungsräumen benannt werden. Der Staat läuft Gefahr, treue Konsument/innen und andererseits die Kontrolle über die selbst gesetzte „Ruhe und Ordnung“ zu verlieren. Erst wenn sich alternative Kulturaktivist/innen als Standortfaktoren beweisen und in mehrerlei Hinsicht profitabel werden, werden alternative Vorstellungen und Umsetzungen von Kultur geduldet.

Fußballfans als Verbrecher/innen

Ein weiteres Feld, das von staatlichen Repressionen betroffen ist, findet sich im Sport – speziell im Fußball. Auch hier richten sich die Maßnahmen, wie Kontrollen, Verbote und massive Polizeibegleitung, gegen all jene, die eine andere Vorstellung von der Unterstützung ihrer Mannschaft haben und damit nicht ins vorgegebene Bild der „Nation der Fußballfans“ passen. Ähnlich wie im kulturellen Bereich ist auch im Fußball kein Platz für das Bedürfnis nach einem unkommerziellen Erlebnis. Initiativen, die sich für ein bezahlbares, kontrollfreies Sportereignis ohne Nazis und Diskriminierung einsetzen, werden kriminalisiert und verdrängt.
Das Stadion ist zum Testfeld neuer Überwachungs- und Ausschluss-Maßnahmen geworden. Das lässt sich beispielsweise an Ausreiseverboten für Fußball-Fans illustrieren, Mobilitätseinschränkungen auf Bundesebene, neuen Technologien wie fliegenden Überwachungs-Drohnen (Kleinsthubschrauber) und neuen Polizeitaktiken wie der Vorbeugehaft, bei der Menschen ohne Vergehen eingesperrt werden. Wenn sich diese Maßnahmen im Stadion bewähren, könnten sie durchaus auch an anderen Orten eingesetzt werden.
Bei den repressiven Maßnahmen im Fußball-Milieu spielt das politische Kalkül genau wie beim Versammlungsgesetz eine wichtige Rolle. Unliebsame Meinungsäußerungen werden einfach aus dem Stadion verbannt. Es ist mittlerweile Standard, dass Transparente, Fahnen oder andere inhaltliche Beiträge in Stadien kontrolliert und die, die für nicht passend gehalten werden, einfach verboten werden. Mittels des Begriffs vom „Extremismus“ richtet sich diese Symptom-Bekämpfung gegen „links-“ wie auch „rechtsextremistische“ Symboliken. Die Nazimarke „Thor Steinar“ wird da auf dieselbe Stufe wie ein zerschlagenes Hakenkreuz gestellt, womit gleichsam die Ideologien der Ungleichwertigkeit von Menschen mit Vorstellungen einer Gesellschaft ohne Ausgrenzung gleichgesetzt werden.
Das Fußball-Stadion ist jedoch ein innergesellschaftlicher Ort – keine Sonderzone. Deshalb finden sich hier ebenfalls alltäglicher Rassismus, Nationalismus, Sexismus, Konkurrenz und Leistungsdruck sowie Gewalt. Doch auch im Stadion sind freiheitseinschränkende Maßnahmen kein angemessenes Mittel in der Auseinandersetzung mit menschenverachtenden Einstellungen.

Alles unter Kontrolle

Kontrolle und Konformitätsdruck sind jedoch keineswegs gesellschaftlichen Randgruppen vorbehalten. Das kapitalistische System sucht sich immer neue Instrumente, um die Menschen im Zaum zu halten und Widerspruch im Keim zu ersticken. Dies zeigt sich zum Beispiel an der jüngst bekannt gewordenen Praxis des Mitteldeutschen Rundfunks: der öffentlich-rechtliche Sender nahm Blutproben von potentiellen Arbeitskräften, um ihre „Tauglichkeit“ zu überprüfen. Auch die Kontrollpraxis der Arbeitsagentur im Kampf gegen so genannten „Leistungsmissbrauch“ spricht eine repressive Sprache. Sozialkontrolleure statten ALG II-Empfänger/innen in diesem Zusammenhang spontane Hausbesuche ab, um deren persönliche Lebenslagen zu durchleuchten und alle dürfen via Übertragung dieser Maßnahmen im Privatfernsehen gleich mitkontrollieren. Weiterhin sind die Empfänger/innen von ALG II verpflichtet, alle ihre Kontoauszüge unzensiert dem Arbeitsamt vorzulegen. Auch die Vorratsdatenspeicherung oder die Sperrung von Internetseiten stellen harsche Eingriffe in die Freiheitsrechte aller Menschen dar.
Abgerundet wird dieses Szenario durch eine zunehmende Selbstdisziplinierung der Menschen sowie gegenseitige soziale Kontrolle, die dem Zeitgeist von Konkurrenz und Wettbewerb entspricht.

Das passt zusammen

Das repressive Vorgehen staatlicher Organe gegen Demonstrant/innen, gegen feiernde Menschen, Fußballfans und Erwerbslose bettet sich in die Veränderung des gesamten gesellschaftlichen Klimas ein. Staatliche Kontrolle und Überwachung werden als Normalzustand akzeptiert. Videokameras, die öffentliche Plätze filmen, staatliche und nicht-staatliche Datensammler die Menschen kategorisieren, sowie eine wachsende Kontrolle am Arbeitsplatz sind Ausdruck einer sich verändernden Gesellschaft. Nur selten beziehen die Betroffenen dabei deutlich Stellung. Nahezu gegen Null geht der prinzipielle Widerspruch gegen diese Entwicklung. Vielmehr werden Eingriffe diskursiv als legitim und notwendig erachtet. Der schwingende Polizeiknüppel, die auf dich zielende Kamera und der Bußgeldbescheid wegen Lärmbelästigung sind Ausdruck einer ordnungsliebenden, autoritären Gesellschaft.

Wir fordern ein, dass Menschen ihre eigenen Vorstellungen von einer besseren Gesellschaft öffentlich formulieren und in die Praxis umsetzen können.

Wir wollen nicht weniger als die Freiheit, unseren politischen Ansichten Ausdruck zu verleihen, wir wollen den öffentlichen Raum nutzen und nicht-kommerzielle Partys organisieren und besuchen.

Wir wollen unser Leben selbst bestimmen und diese Gesellschaft anders gestalten!

30.12.09 // 18:00 Uhr // Schumannplatz

301209.blogsport.de

trip fontaine //// patsy o‘hara

trip_fontaine

Freitag, 18.12.2009, 20:00 Uhr, Conne Island, Leipzig

cafékonzerte presents:

Trip Fontaine (Redfield u. Zeitstrafe Records)
Patsy o‘ Hara (Per Koro Records)

Das Konzert findet im Conne Island Café statt.

für immer punk

Die Goldenen Zitronen in Leipzig

Do, 17.12., 20.00 Uhr, Centraltheater

Sie haben viele Bands kommen und gehen sehen. Nun, 25 Jahre nach ihrer Gründung, sind DIE GOLDENEN ZITRONEN die letzte verbliebene Speerspitze linker Gegenwartskultur. Ihre unangefochtene Position als moralische Autorität konnten sie sich über einen derart langen Zeitraum nur erhalten, indem sie, nach ersten schnellen kommerziellen Erfolgen als Fun-Punk-Band, zum Geschäft mit Musik und Meinungen immer mehr auf Distanz gingen.

Die beiden Köpfe der Goldenen Zitronen, Sänger Schorsch Kamerun und Gitarrist Ted Gaier, sind mittlerweile fester Bestandteil der deutschsprachigen Theaterlandschaft. Das hat ihnen von fundamentalistischer Seite den Vorwurf eingebracht, es sich in subventionierten Staatsbetrieben als Berufsrevolutionäre gemütlich zu machen. Gleichzeitig aber sicherte ihnen diese Existenzform ihre Unabhängigkeit als Musiker.

Unter dem Namen DIE GOLDENEN ZITRONEN melden sie sich nur dann noch zu Wort, wenn es wirklich was zu sagen gibt. Das muss eindeutig der Fall gewesen sein, als sich die fünf Mitglieder im vergangenen Herbst trafen, um die Arbeit am neunten Studioalbum aufzunehmen. „Die Entstehung der Nacht“, konzipiert im Krisenjahr 2008, als die Sicherheitssysteme der weltweiten Finanzmärkte zu kollabieren drohten, ist die Momentaufnahme einer Zeit, in der den Menschen ganz grundlegend ihr Leben abhandenkommt.

Selten haben im Werk der GOLDENEN ZITRONEN gesellschaftskritische Texte und avancierte musikalische Praxis auf so brisante und zwingende Weise zusammengefunden, ohne dabei in Moralpredigten und Allgemeinplätze zu verfallen. „Keine Wiederholung der Kritik“, heißt es in einem von der Band lancierten Manifest. „Eher geht es darum, einen anti-resignativen Ausdruck für den Wunsch nach Weltflucht zu finden oder einer zähen Trauer sezierend auf den Grund zu gehen.“

Christoph Gurk 

www.diegoldenenzitronen.de

Rassifizierung + Behinderung geteilt durch Sexualität = hä?

17.Dez.2009, 19.00 Uhr, Melanchthonianum, Hörsaal XX, Uniplatz 8/9, Halle

Christiane Hutson

Die Verwobenheit von Rassismus, Ableism und HeteroSexismus ist keine scheinbar schwer zu lösende Rechenaufgabe, sondern etwas, das unseren Alltag bestimmt. In diesem interaktiven Vortrag wird den theoretischen wie alltäglichen Aspekten dieser Verwobenheit in drei Schritten nachgegangen. Im ersten Teil wird ein Konzept vorgestellt, das Versklavung, Genozid und Orientalismus als drei Säulen weißer Vorherrschaft versteht. HeteroSexismus ist dabei die politisch-soziale Organisationsform, die durch Versklavung, Genozid und Orientalismus weiße Vorherrschaft aufrecht erhält. Der zweite Teil des Vortrags stellt die Frage, wie Ableism (strukturelle Behindertenfeindlichkeit) innerhalb der rassistischen Praxen Versklavung, Genozid und Orientalismus zum Tragen kommt. Im dritten Teil werden beide Schritte mit der Frage zusammengeführt, warum die Reflexion von HeteroSexismus unerlässlich ist, um der unauflöslichen Verwobenheit von Rassismus und Ableism in unserem Alltag auf die Spur zu kommen.

Christiane Hutson ist Bloggerin, Sozialwissenschaftlerin und als Lehrbeauftragte in den Gender Studies an der HU Berlin und in den Erziehungswissenschaften der Universität Bielefeld tätig. Sie ist Mitfrau des Zentrums für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Oldenburg. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich auf die Erfahrungen von Krankheit und Behinderung von People of Color/Schwarzen Menschen, die Vernetzung von People of Color in Deutschland, insbesondere zwischen Behinderten/Kranken People of Color aus dem deutsch- und englischsprachigen Raum. Kontakt: c.hutson@web.de

eine Veranstaltung im Rahmen der vorlesungsreihe queer einsteigen.

Demokratie, Faschismus, autoritärer Etatismus und Postdemokratie

Warum Wahlerfolge rechtsextremer Parteien keine faschistische Herrschaft hervorbringen und trotzdem die Demokratie aushöhlen und was die demokratische Mitte dazu beiträgt.

Donnerstag, 17. Dezember 2009, 18:30 Uhr
Melanchthonianum, Universitaetsplatz, Halle (Saale)

Stellte die parlamentarische Demokratie eine der Feindbilder der klassischen Faschismen dar, so präsentieren sich die neu-rechten Parteien geradezu als Verkörperung von Demokratie. Gemeint ist damit jedoch nicht eine parlamentarische Demokratie, sondern eine plebiszitäre »Demokratie«, die als politische Form des »gesunden Volksempfindens« konzipiert ist und dieses ständig neu mobilisiert.
Über die Aushölung der Demokratie ohne diese formal abzuschaffen referiert Thomas Schmidinger, Lektor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien und Vorsitzender der IG externe LektorInnen und freie WissenschafterInnen.

Eine Veranstaltung der Reihe „Kritische Intervention“ des Arbeitskreises „Alternatives Vorlesungsverzeichnis“ des Studierendenrates der Vereinigten Universitaet Halle-Wittenberg in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt.

bang bang eche

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Fr 11.12. Objekt 5, Halle

Bang Bang Eche (neuseeland)

Bang Bang Eche – das ist Dance-Punk aus Neuseeland. Das verspricht ein grollendes Schlagzeug-Gewitter, rockende Staccato-Gitarren und Keyboard-Flächen, die man sonst eher aus dem Elektrobereich kennt. Bang Bang Eche mischen souverän die Stile und klingen dabei unverschämt aufregend und frisch. Hier werden Indie-Gitarrenfans genauso bedient wie New Raver. Bloc Party treffen Justice und die Hives tanzen mit Digitalism. Eins ist klar: der Club wird beben! Warm-Up und Aftershow mit Flexmaster 3000 und Annek Skywalker.

Cockney Rejects

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Freitag, 11.12.2009, Conne Island, Leipzig

Oi! The Meeting 2010 – warm up show

Cockney Rejects
The Ruckers
Droogiez (Nürnberg) feat. Arne (Ex-Oxymoron) und Lars (Stomper 98)

Kurz vorm Jahresende nochmal „die“ Oi!-Band schlechthin. Vor knapp zehn Jahren hier in diesem Heft noch als Sensation abgefeiert, hat die Re-Union-Welle alter „Legenden“ (nicht erst) seitdem seltsame Blüten getragen: Da gibt und gab sie alle wieder…die 4 Skins oder Reagan Youth mit nur einem Originalmitglied, Slime ohne Stephan Mahler, Dead Kennedys ohne Jello Biafra oder die Angelic Upstarts ohne Mensi… Die Cockney Rejects haben seit ihrer Re-Union allerdings immer mit ihrer überaus fitten Bühnen-Performance geglänzt, ich hab die Band seitdem diverse Male gesehen und war immer begeistert. Für junge Leute sicher nochmals die Chance, eine der Bands live zu sehen, die für einige der ganz großen Hits der „Oi!“-Bewegung verantwortlich ist. Vor allem, weil ich derzeit das Gefühl habe, dass bei der jüngeren Generation Skins und Punks eine Orientierung hin zu unmöglichen Proll-Oi!-Bands stattgefunden hat, versuchen wir mit Konzerten wie diesem das am Leben zu halten, was Oi! und Punk mal ausgemacht hat. Exemplarisch dafür auch die beiden anderen Bands: The Ruckers aus Berlin beschäftigen sich in ihren Songs eben nicht nur über die Trinkfestigkeit oder den eigenen Szene-Mikrokosmos, sondern blicken über den berühmten Tellerrand hinaus. Die Jungs stehen außerdem mit ihrem klassischen Oi!-Sound ganz in der Tradition der alten englischen Vorbilder. Genauso wie die Droogiez aus Nürnberg. Dort leben Arne (früher Oxymoron) und Lars (Stomper 98) ihre Vorliebe für den guten alten Punkrock der End-70er aus. Ich hoffe, wir sehen uns am Tresen.

-ecke-

[aus dem CEE IEH #171]

Fr: KREIDLER & SIMON SCOTT & THE SIGHT BELOW @ UT

UT & Schubladenkonsortium laden ein:

Fr. 11. Dez. 21:00 UT Connewitz, Leipzig

KREIDLER

Im Frühjahr 1994 gründeten Thomas Klein, Andreas Reihse, Detlef Weinrich und Stefan Schneider Kreidler. Kreidlers Album RIVA erschien 1994 auf einem Pariser Label. Die erste von bis heute siebzehn Veröffentlichungen. Unter den zwanzig Künstlern, die Kreidler mit einem Remix beauftragten, befinden sich Einstürzende Neubauten, Depeche Mode oder Faust. Die Band spielte über 300 Auftritte – europaweit, in Asien, in Nordamerika. In Techno-Clubs und Konzerthallen. Auf Festivals oder in Museen und Galerien. Kreidler Videos werden regelmäßig auf Videokunst-Festivals gezeigt. Ihre Musik läuft auf Catwalks und im Theater, in Spiel– und Dokumentarfilmen…
Und am allerwichtigsten: Kreidler haben eine neue Platte und untermauern ihr Relevanz an der Schnittstelle zwischen intelligenter elektronischer Musik, Post und Kraut Rock und werden die live vorstellen.

Simon Scott, seines Zeichens ehemaliger Schlagzeuger der Shoegazer Legenden Slowdive und Televise führ auf seinen Solopfaden das Erbe seiner früheren Bands in modern elektronischen Gefilden fort. Bedächtig werden Klang-Gebilde geformt die sich subtil in die Hirnwindungen der / des Rezipientin/en einschleifen. Dronesounds treffen auf urbanes Rauschen – Elektroakustik erhält dabei genauso Raum wie moderne Komposition. Scott betreibt in Cambridge neben seinen Solo Aktivitäten noch sein eigenes Label Kesh und spielt bei Seavault (Morr Music).

The Sight Below – in Seattle beheimateter Labelkumpan von u.a. Matthew Dear oder Solvent beschert uns lupenreinen Shoegaze-Minimal. Sinister, mitunter von monotonen Kickdrums getrieben, bauen sich die Klangwälle auf. Ergänzt wird das Ambientspektrum durch die mit Bedacht eingewobenen Drone-Gitarrensounds. 4AD, Creation standen hier ebenso Pate wie Kranky oder Kompakt.

Morgen: The Gift @ Conne Island

metroshifter

schubladenkonsortium, ut connewitz & conne island present

THE GIFT

„an outstanding experimental folk punk indie true emo festival“

Mi 09.12. Conne Island
doors: 20.00 start: 21.00

Die letzten Monate haben es gezeigt: Leipzig übernimmt sich mit Shows und Konzerten und tut gerade so, wie auch Kreuzer Leipzig richtig bemerkte, als würde Leipzig zu Berlin gehören. Die Feststellung, dass sich also Konzertveranstalter und Clubs zur Zeit so richtig ins Zeug legen, sollte also nicht nur Involvierten ins Auge gesprungen sein. Die Qual der Wahl fürs Publikum, an welchem Wochentag nun die sehenswertere Show stattfindet, macht es durchaus allen Beteiligten nicht leicht. Doch um nicht in den üblichen krisenhaften Kulturpessimismus zu verfallen, kann dieser Quantität durchaus auch Gutes abgerungen werden. Neue Orte öffnen sich neuen Dingen und szene-internen Vorbehalten entgegen entstehen sinnvolle Kooperationen. Die Landschaft des lokalen Kulturbetriebs scheint breiter, interessanter und gleichzeitig auch enger zu werden.
Diesem Zustand folgt das Konzept des 9.12 im Conne Island: Das Schubladenkonsortium, das UT Connewitz und „wir“ verbünden uns für ein mehr als ansprechendes Mini-Festival unter der Woche. Der Name „the gift“ steht nicht umsonst für ein erstes vorweihnachtliches Geschenk. Eine einzigartige Zusammenstellung aus Post-Folk-Indie-Shoegaze-Tru-Emo und Punk lässt jetzt schon alle beteiligten Herzen höher schlagen.

Metroshifter (us/Doghouse)

Neben Bands wie Texas is the Reason, Chamberlain und Sense Field sind Metroschifter zur Vorhut der melodischen Post-Hardcore-Bands zu zählen. Die Metroschifter aus Louisville, Kentucky, dem Landstrich, wo in den 90ern Bands wie By the Grace Of God und Elliot ebenso das Genre geprägt haben, aus dem sich später die heutige Definition von Emo heraus kristalisierte. Metroschifter sind eine musiklische Legende und jetzt endlich mal wieder aktiv.

Lightning Dust (us/Jagjaguwar)

Lightning Dust sind Joshua Wells und Amber Webber, Tasten und Stimme der großartigen Black Mountain. Das Duo geriert eine stilistisch vielfältige Mischung die sich aus minimalistischem Folk, midtempo Indie-Rock und schrägem Pop speist. Schlichte Brillanz, die sich bei gelegentlichen Streicher und Pianoeinsätzen recht opulent gibt und der eine gewisse retro-futuristische Düsterkeit innewohnt. Über allem steht dabei aber Webbers eindringlich, hallender Gesang dem hier(endlich) der gebührende Raum zukommt.

Radio Burroughs (d/Asymetrie)

Die altbekannten Post-Punk-Indie-Hasen spielten bereits bei der letzten Show von Metroschifter ihren wohlverdienten Support. Mit ausgedehnten Touren und dem neuen Album auf Altin Village & Mine ist in letzter Zeit viel um die Band passiert. Wir freuen uns, sie als passenden Teil unseres kleinen Festivals zu begrüßen.

AU (us/Aagoo)

AU ist eine dieser spannenden Bands aus den USA die momentan, verwurzelt in Noise/Komposition/Punk/Electro-Akustik, Grenzen sprengt. Psychedelische Sounds aus unkonventionellen Klangkörpern erzeugt, verfremded, dekonstruiert, in Schleife geschalten hochgepitcht, runtergetunt, verhallt. Das ganze aber weniger Neo-Hippie Happennig denn eher gekonnt gewiefte Soundkollagen neu kontextualisiert. Großartig! â�šArnold Dreyblatt, Animal Collective, Terry Riley, Steve Reich, High Places oder Grizzly Bear – so wohl Brüder/Schwestern/Mütter und Väter im Geiste im Grenzland zwischen Pop, Elektronik, Kraut, Experimental, Folk und Avantgarde.

Je Suis Animal (nor/Angular)

Es geht hier um Indiepop und dem wird ja gern so ziemlich alles angehangen was mit melodiöser Gitarrenmusik jenseits Stadion und Formatradio zu tun hat. Zurück geht das aber eigentlich auf meist britische 80er Ausprägungen wie Shoegaze, Twee-Pop oder C-86 Pop – Stilen die sich an Schnittstellen von New Wave, Punk und 60s Garagen/Psychedelicrock entwickelten, und auf meist kleinen, eben, unabhängigen Plattenlabels veröffentlicht wurden.
> Soweit die pophistorische Verortung, personell zu finden in Bands wie The Pastels, The Vaselines, MBV, The Wedding Present, The Sundays, Lush, Stereolab bis hin zu Belle & Sebastian oder Camera Obscura. Das sich Je Suis Animal in eben jenem Kosmos sehen wird vom ersten Ton an klar – zwischen schwelgerischen Gitarrenwänden, hypnotischen Synthies, bezaubernden Gesangsharmonien oder treibend groovenden Stücken begeistern Je Suis Animal frisch und trotz all des Referenzgewiehers – ohne auch nur für einen Moment wie ein Aufguss zu wirken.

the_gift

Heute: KEELHAUL & BLACK FREIGHTER

keelhaul

das SchubladenKonsortium & I Talk You Listen laden ein:

Di 08.12. Zoro
doors: 9pm – start: 10pm

BLACK FREIGHTER (lpzg/Vendetta)

tiefer gestimmt, würzig… walzen, nicht walzer!

KEELHAUL (clvlnd,oh/Hydra Head)

gut gereift und trotzdem frisch im abgang: (vorwiegend) instrumental metal mit entzückender math/post-Rock kante. das original, nicht die kopie – kick ass!!!