Archiv für August 2009

70 Jahre Zweiter Weltkrieg – Diskurse um Weltkrieg, Holocaust und Deutsche Schuld

Vortrag und Diskussion mit David Schweiger (INEX, Autor u.a. in Phase 2)
Dienstag 01/09 18.00 Uhr
Ort: GWZ, Beethovenstraße 15, Hörsaal 20.10
Eine Veranstaltung der Initiative gegen jeden Extremismusbegriff (INEX)

Was war der Zweite Weltkrieg und was ist er heute? Dieser scheinbar banalen Frage wollen wir uns am 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen nähern. Das ist dem Umstand geschuldet, dass das Wissen darum verloren zu gehen droht. Stattdessen etabliert sich eine selektive Wahrnehmung, die entscheidende Elemente ausklammert.
Die Veranstaltung zeigt zunächst den spezifischen Charakter des Zweiten Weltkriegs auf. Es geht darum, zu begründen, was Vernichtungskrieg und Zivilisationsbruch historisch bedeuten – zwei Begriffe, die heute oftmals standardisiert und leer sind.
Davon ausgehend sollen die öffentlichen Diskurse um den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust betrachtet werden, die von Enthistorisierung geprägt sind. Der Zweite Weltkrieg wird häufig nur noch als Rahmenhandlung des Holocaust begriffen. Dieser wird zum Zentrum des Gedenkens erhoben. Der Fokus auf Auschwitz ist jedoch nicht fähig, die osteuropäische Perspektive zu integrieren und ist auch ein deutsch-europäischer Affront gegenüber dem polnischen und russischen Gedenken.
Damit einher gehen die Universalisierung der Ereignisse und die Entschuldung der Deutschen. Holocaust und Zweiter Weltkrieg sind nur noch Mahnungen und Moralismen und die Schar der TäterInnen wird immer mehr erweitert, bis Europa voll ist mit den »Handlangern des Holocaust«.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe „still not lovin‘ Germany“.

edit

ein gespräch mit david schweiger bei radio corax:

sonic youth und nirvana in halle

sonic_youth_nirvana

eigentlich wollten wir damals, in sehr jungen jahren, zu sonic youth aus ny, die, damals schon legende, auch sehr beeindruckend waren. als vorgruppe, die aber niemand so richtig interessiert haben, spielten die damals noch nahezu unbekannten nirvana. einige monate darauf wurden sie mit „smells like teen spirit“ weltbekannt und zu idolen einer ganzen generation.

die discographie von sonic youth als download gibts es hier.

men as trees // single state of man // todo para todos

menastrees

men as trees /// single state of man /// todo para todos

Deutschland und seine Anständigen – Über die Etablierung einer »Zivilgesellschaft« und deren inhaltliche Ausrichtung

Vortrag und Diskussion mit Mario Möller (Autor, u.a. Bonjour Tristesse, CEE IEH, Jungle World)
Mittwoch 19/08 19.00 Uhr
Ort: Atari, Kippenbergstraße 20
Eine Veranstaltung der EGALeipzig

Die Ankündigung einer Demonstration mit nazistischen Inhalt löst in Deutschland vielerorts eine Welle von Gegenprotesten aus. Getragen werden sie meist von Vereinen mit bürgerlicher Klientel und der lokalen Antifa-Gruppe, die sich häufig hinsichtlich der Art und Weise der Gegenaktivitäten unterscheiden. Die inhaltliche Ausrichtung hingegen ist, gerade bei den bürgerlichen Vereinen, meist klar. Der Angst vor einem Image-Schaden der eigenen Stadt geht mit einem Nationalbewusstsein einher, das das Bild einer geläuterten Nation suggerieren möchte, um Deutschland auch weltpolitisch handlungsfähig zu machen. Diese Art von Umgang mit dem bundesweiten »Naziproblem« fand ihren Höhepunkt im staatlich verordneten Antifaschismus und dem »Aufstand der Anständigen« loyaler StaatsbürgerInnen im November 2000. In seinem Vortrag wird Mario Möller den NS als Resultat der antibürgerlichen Ressentiments der bürgerlichen Gesellschaft unter den besonderen Bedingungen in Deutschland darstellen. Darüber hinaus wird die Quintessenz der »deutschen Ideologie«, deren Konstituierung im Nationalsozialismus und ihr Fortleben im postnazistischen Deutschland Teil des Referates sein. Im Fokus stehen dabei die Rolle des linken Antifaschismus und die Etablierung einer vermeintlichen »Zivilgesellschaft«.

im rahmen der veranstaltungsreihe dazu:

antide2009

edit:

Eine Diskussion zur Veranstaltung mit einem Vertreter der Gruppe EGAL bei Radio Corax:

Julith Krishun + Suckinim Baenaim @ atari

julith...krishun

Samstag, 15. August 2009 um 20.00 Uhr

Julith Krishun (Dresden) + Suckinim Baenaim (Israel) @ atari

das hat’s bei uns nicht gegeben

as-ddr

Ausstellung: Antisemitismus in der DDR

Oft wird darüber diskutiert, woher der Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern kommt. Erklärungen suchen Politik und Wissenschaft meist in sozialen Kontexten. Außer Acht gelassen wird jedoch häufig, dass auch der Osten Deutschlands Teil des nationalsozialistischen Täterlandes war. Der Staat aber erklärte die Bevölkerung zu einem Volk von Antifaschisten. In den Familien oder Gemeinden fand in der Regel keine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit statt. So blieb der Bodensatz des Antisemitismus unangetastet. Bis heute hält sich der Mythos, es hätte in der DDR keinen Antisemitismus gegeben.

76 Jugendliche haben in acht ostdeutschen Städten zu diesem Thema geforscht. Sie haben Fragen gestellt und Fakten recherchiert: Wo befindet sich der jüdische Friedhof, und wo sind nach 1950 seine Grabsteine geblieben? Was wurde in der Regionalzeitung über Israel geschrieben? Und wie wurde öffentlich an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert? Ihre Ergebnisse werden in dieser Ausstellung der Amadeu-Antonio-Stiftung präsentiert.

Die Themen der Ausstellung im Überblick:

* Einleitung: Was ist Antisemitismus?
* Antizionismus in Politik und Medien
* Jüdische Friedhöfe in der DDR – Orte der ewigen Ruhe?
* Gedenken und Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus
* Rechtsextremismus und Antisemitismus in den 1980er Jahren
* Instrumentalisierung der jüdischen Gemeinden in den 1980er Jahren

Veranstaltungsort und -zeit:

03. August bis 04. September 2009

Ratshof, Marktplatz 1 (2. Etage)
Halle (Saale)

Rahmenprogramm zur Ausstellung:

Die jüdische Gemeinde Halle während der DDR

Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Halle, Karin Mylius, die von 1968 bis 1986 an deren Spitze stand, war protestantischer Herkunft und arbeitete eng mit staatlichen Stellen in der DDR zusammen. Der Historiker Dr. Frank Hirschinger rekonstruiert mit Hilfe von Originaldokumenten den Skandal.
13. August 2009, 20.00 Uhr, Halle (Saale)

Juden in der DDR – ein Gespräch mit Vera Feldmann

Im zweiten Zeitzeuginnen-Gespräch zur Ausstellung wird die Schauspielerin und Kabarettistin Vera Feldmann von ihrer Kindheit in der DDR berichten. Von ihrem eigenen Jüdischsein erfuhr sie erst durch erlebte Diskriminierung.
18. August 2009, 19.00 Uhr, Halle (Saale)

Fußball und Antisemitismus

Christian Hirsch und Alex Feuerherdt von der Faninitiative „IN DEN LAUF – Fußball, Fans, Kultur” zeigen in ihrem Vortrag, wie Antisemitismus auch im Fußball der DDR verankert war und sich immer wieder durch Parolen und aggressive Zwischenfälle in und um die Stadien herum manifestierte.
21. August 2009, 20.00 Uhr, Halle (Saale)

Neonazis in der DDR

Dokumentarfilm und Diskussion im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung “Das hat’s bei uns nicht gegeben” zum Antisemitismus in der DDR über die Frage, wie in dem selbsternannten antifaschistischen Staat mit der deutschen Vergangenheit und mit Faschismus umgegangen wurde.
27. August 2009, 20.00 Uhr, Halle (Saale)

Neues Deutschland, alter Antisemitismus?

Wie weit hat der unterdrückte Diskurs über Antisemitismus in der DDR und die Verschleierung antijüdischer und antizionistischer Einstellungen das heutige Judenbild in den jungen Bundesländern geprägt hat. Kann in der Verdrängung ein Schlüssel zum Verstehen des aktuellen Antisemitismus in Ostdeutschland liegen?
31. August 2009, 20.00 Uhr, Halle (Saale)

Filmvorführung: Juden in Halle

Die Produktion des Vereins Zeit-Geschichte(n) Halle und der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt zeigt einen 45-minütigen Streifzug durch die Geschichte der halleschen Jüdinnen und Juden.
03. September 2009, 19.00 Uhr, Halle (Saale)

antifa teheran

plakatiran

Iran-Proteste: Linke Gruppen rufen bundesweit zu einem Aktionstag gegen deutsche Firmen auf

Ein bundesweites Bündnis aus linken und antifaschistischen Gruppen ruft für Mittwoch, den 12. August, zu Aktionen gegen deutsche Firmen auf, die Geschäfte mit dem iranischen Regime machen. Der Protest richtet sich dagegen, dass deutsche Firmen den Repressionsapparat des fundamentalistischen Regimes im Iran mit Technik und Ausrüstungsgegenständen versorgen. Als Beispiele dafür nennt das Bündnis u.a. Siemens-Nokia und Mercedes-Benz, die Überwachungssoftware bzw. Polizeifahrzeuge an das Regime geliefert haben.

Christian Linden, Sprecher des Bündnisses, erklärte dazu: „Während die Protest im Iran für eine Demokratisierung und Säkularisierung der Gesellschaft aktuell weitergehen und unvermindert mit Gewalt unterdrückt werden, verdienen deutsche Firmen an den Geschäften mit dem Regime. Es ist eine unerträgliche Heuchelei, dass deutsche Politiker sich einerseits öffentlich für die Einhaltung der Menschenrechte aussprechen und andererseits Deutschland nach wie vor der drittgrößte Handelspartner des Regimes ist.“

Der Sprecher des linken Bündnisses bezeichnete es als eine „Frage der Glaubwürdigkeit für die politische Linke“, die Geschäfte deutscher Firmen mit dem Regime nicht widerstandslos zuzulassen: „Bei dem fundamentalistischen Regime im Iran handelt es sich um eine Diktatur, die rechtsradikale Terrorgruppen in aller Welt unterstützt, Frauen diskriminiert und politische Gegner foltert und ermordet“.

Gleichwohl richte sich der Protest nicht allgemein gegen Wirtschaftsbeziehungen: „Es geht uns nicht um Babynahrung oder Müsli, sondern um alle Geschäfte, die die militärischen, polizeilichen und propagandistischen Kapazitäten des Regimes erweitern. Diese müssen sofort gestoppt werden“, so Linden. Werde das Regime in diesem Sinne wirtschaftlich und diplomatisch weltweit isoliert, sei dies eine Form der praktischen Solidarität mit der Opposition im Iran. In diesem Zusammenhang spricht sich das Bündnis auch gegen militärische Drohungen gegen den Iran aus: „Anstatt mit Kriegsdrohungen noch der Propaganda des Regimes in die Hände zu spielen, sollte der Westen lieber endlich seine Geschäfte mit den Mullahs und Milizen beenden.“

Über die Erfolgssaussichten der Proteste macht sich das Bündnis keine Illusionen. Im Kapitalismus zählten schließlich weder Menschlichkeit noch die besseren Argumente, sondern die zahlungskräftigste Nachfrage. Linden zufolge ist dies aber kein Grund zu resignieren: „Der Preis der Geschäfte mit dem iranischen Regime wird momentan verhandelt und wir werden alles dafür tun, dass es sich nicht mehr lohnt, mit der Diktatur Geschäfte zu machen. Siemens-Nokia, Mercedes-Benz und Konsorten sollten sich überlegen was ihnen wichtiger ist: Ihr Image oder die Geschäfte mit der Diktatur.“

Das Bündnis wird bereits von Gruppen aus Hamburg, Bremen, NRW, Niedersachen, dem Saarland, Hessen, Baden-Württemberg und Berlin unterstützt. Informationen über Kundgebungen, sowie die verschiedenen Aufrufe finden sich auf der Internetseite antifateheran.blogsport.de .

bella ciao

Am Sonntag den 2. August 2009 verstarb Thomas Kupfer plötzlich und ohne jedes Vorzeichen. Fassungslos trauern wir um einen Wegbereiter und Akteur von Radio CORAX, aber vor allem um einen guten Freund, einen freundlichen, tiefsinnigen und zugleich humorvollen Menschen. Als pragmatischer Visionär hat Thomas seit 1997 bis zum letzten Wochenende wesentlich dazu beigetragen, dass Radio CORAX sich so erfolgreich entwickeln konnte.

Gesellschaftliche Phänomene oder Missstände motivierten seinen scharfen analytischen Geist unterschiedlichste Projekte zu entwickeln. So ermöglichte er eine aktive Auseinandersetzung und bot gleichzeitig Interventionsmöglichkeiten. Seine Art die anstehenden Dinge anzugehen war einzigartig. Während für viele von uns das „Was & Wie“ anstehender Unternehmungen langsam Konturen annahm, konnte er schon Anregungen für die nächsten Schritte geben. Nie wirkte er dabei überheblich oder abgehoben, immer agierte er als Teil von uns.

Was dieser Verlust für das freie Radio in Halle, Deutschland und Europa bedeutet, ist im Moment nicht abzuschätzen. Für die Menschen, die ihn kannten und liebten, bleiben der Verlust, die Erinnerung und die Verantwortung, unsere gemeinsamen Ideen zu verwirklichen.

Die Trauerfeier für Thomas Kupfer findet am 15.8.09 statt. Weitere Details sind unter buero [ät] radiocorax.de zu erfragen.

Kondolenzen:
CORAX-Forum
halle-forum.de

Nachrufe:
Bundesverband Freier Radios
Radio Z (Nürnberg)
Radiofabrik Salzburg
Medienanstalt Sachsen-Anhalt
Community Media Forum Europe (CMFE)
Verband Freier Radios Österreich
Radio Blau (Leipzig)
Freies Sender Kombinat (Hamburg)
AMARC (World Association of Community Radio Broadcasters)
Fanprojekt Halle
Hallianz für Vielfalt

(via radio corax)