Archiv für Mai 2009

elektrokohle

elektrokohle

Elektrokohle (von Wegen)
Deutschland 2009
91 Minuten
Buch und Regie Uli M. Schüppel

Der 21. Dezember 1989 in Berlin: die Musiker, der zur damaligen Zeit als westdeutscher Kultexport gefeierten Band »Einstürzende Neubauten« machen sich von West-Berlin aus auf den Weg zu ihrem ersten Konzert in Berlin-Ost, der (bis dato) Hauptstadt der DDR. Und noch ist es ein ungewöhnlicher, langer Weg von Kreuzberg nach zum Wilhelm-Pieck-Saal des VEB Elektrokohle in Lichtenberg. Noch existiert die Mauer und noch gibt es Grenzkontrollen. Der mit den Mitgliedern der Musikgruppe befreundete Filmemacher Uli M Schueppel begleitete die Einstürzenden Neubauten durch diesen »besonderen« Tag. Gerade für die zumeist in West-Berlin aufgewachsenen Musiker, die vorweg nie die offizielle Genehmigung erhielten in der DDR aufzutreten. Und gerade, weil das abendliche Doppelkonzert durch das Engagement des DDR-Dramatikers Heiner Müller zustande kam, der damals mit Blixa Bargeld befreundet war und der auch das Konzert mit einer kleinen Ansprache einleitete. Dass er hier Backstage mit einer französischen Ministerdelegation (darunter der damalige Kulturminister Jack Lang) erscheint, gehörte zu den bizarren Randerscheinungen dieses Tages. Besonders aber ist dieses Konzert in erster Linie auch für das DDR-Publikum, das immens mit dem Namen und Konzept der »Einstürzenden Neubauten« verband. Was passierte seinerzeit dazwischen? Der Film führt diese Wege von West und Ost jetzt zusammen. So entsteht ein Zeit-Mosaik an diesem »besonderen« Tag – eine Ausflug in die deutsche Zwischenzeit.

LUX KINO AM ZOO: 31. Mai 18.00 Uhr, 3. Juni 18.00 Uhr

brainworms // antlers @ zoro

brainworms_antlers

29.05.09
BRAINWORMS
ANTLERS
INSUICIETY
CROWSKIN
@zoro

eine i talk you listen show.

Do: PIT ER PAT /// MAKE NEW MAPS /// TELEFON TEL AVIV

Das SchubladenKonsortium lädt ein:

28.05. Nato
doors: 20.30 start: 21.00

Pit Er Pat (us/Thrill Jockey)

Pit Er Pat scheinen mit ihrer neuen Platte, der dritten für das renomierte Chicagoer Thrill Jockey-Label, zugänglicher als auf den Vorgängern. Vielleicht weniger arty, aber immer noch versponnen genug, um als Avantgarde durchzugehen, allerdings erzeugen sie gleichzeitig ein so noch nicht gekanntes Behaglichkeitsgefühl. Wilkommen im Pop? Bemerkenswert ist neben dem einsam, fast beklemmend klingenden, irgendwo zwischen Stereolab, Blonde Redhead und Deerhoof befindlichen Gesang das vermehrte experimentieren mit zahlreichen asiatischen und afrikanischen Instrumenten von Tempel-Gongs bis zum Balafon (ein afrikanisches Xylofon). Wobei Pit Er Pat weder traditionelle Musik zu kopieren versuchen noch in einen Weltmusik-Mix verfallen vielmehr melancholisch und reizend versponnen zugleich wirken. Neben diesen Neuerungen stehen Pit Er Pat aber weiterhin für eine Band, bestehend aus unglaublich guten Musikern, die neben aller Vielschichtigkeit in erster Linie mitreißende Musik fabriziert welche in Mathrock und Jazz verwurzelt ist. Die Vertracktheit eines polyrythmischen Schlagzeugspiels, minimalistische Strukturen und die raumgreifende Melodiebögen ihres unverwechselbaren Rhodes Orgelspiels pendeln spielerisch leicht zwischen Eingängigkeit und Experiment.

&

MAKE NEW MAPS (leipzig)

sphärisch,dichte klangkonstruktionen,abwechslungsreich, mit hymnischen postrockquerverweisen,erwachsen zu orchestral,mollgestrichener schönheit.

die tour von SHOLI ist komplete abgesagt wurden!

außerdem

telefontelaviv

28.05.2009, 21:00 Uhr, Conne Island

Telefon Tel Aviv (bpitch control/chicago) /live!
Beautiful Planet Earth /live! (oh yeah/le)
easydcnae /dj

Bereits Anfang des Jahres sollte das einzigartige Electronica-Frickel-Pop Duo aus Chicago hier im Conne Island ihr neues Album präsentieren. Charlie Cooper – eine Hälfte Mastermind von Telefon Tel Aviv – verstarb jedoch tragischerweise am 22.01. diesen Jahres. Der Schock über seinen Verlust saß sichtlich nicht nur bei Freunden und Famile tief. Wer ein Blick auf die virtuellen Kondolenz-Einträge bei Myspace wirft, bekommt einen Eindruck, welche Rolle das telefonische Duo in den letzten Jahren bei Nerds und Fans hinterlassen hat. Ihre Leipzigpremiere zusammen mit Apparat vor zwei Jahren hier auf der Insel sitzt auch uns noch schwer im Gedächtnis. Umso mehr bedauerten auch wir das tragische Ereignis. Joshua – als zweite Hälfte eines der schönsten elektronischen Acts der letzten Jahre – entschied sich dennoch, das musikalische Projekt Telefon Tel Aviv weiterzuführen und kommt ab Ende Mai mit einem engen Freund der beiden nach Europa, um ihr letztes Album „Immolate yourself“ live zu präsentieren. Um seinem Entschluss würdevoll gerecht zu werden, sei hier sein Statement dokumentiert:

„I‘ve decided to play shows (I know, I know, it’s not exactly a big deal, but hey…). Fredo is going to come with me and play keyboards and sing backups. Some of you may know who he is already, but if not, he has co-written some things with TTA and basically been our best friend for a million years. He’s always around when we‘re making a record. We‘ll be playing mostly stuff from the new LP, and some even newer stuff, so please come out and help us move things forward!…
…We hope to see you there. Thank you.“

So bleibt von unserer Seite aus abschließend nur noch auf einen tollen musikalischen Donnerstag hinzuweisen, der sich bei Telefon Tel Aviv mittlerweile um fast schon bedrückenden Pop im Electronica-Gewand drehen wird. Das neue Album auf BPitch Control beweist es!
Als Unterstützung kommt umtriebiger guter Freund der drei – Daniel Meteo – mit nach Leipzig, um uns mit ambienten elektronischen Platten zu verwöhnen. Der Abend wird toll! Bis dann…

jeremy

telefontelaviv_

GRRZZZ //// Avant la Mort @ reil78

mi 27-05-09, 20:00, reilstraße 78, halle

grrzzz in company mit dem theaterprojekt „avant la mort“

electro meets punk meets performance.

demo gegen residenzpflicht in halle am 26.05.09

Residenzpflicht: Apartheid in Deutschland – Zeit für solidarische Gegenwehr! Demo in Halle/Saale am 26.Mai

kompletter aufruf unter: http://thecaravan.org/node/1960

flüchtlinge in deutschland werden mit dem gesetz der residenzpflicht schikaniert, das ihre bewegungsfreiheit einschränkt. sie dürfen nur mit erlaubnis der ausländerbehörde den landkreis verlassen. ein rassistisches gesetz aus der zeit des kolonialismus wird heute auf flüchtlinge angewendet – das ist einmalig in der eu, das gibt’s nur in deutschland!

nicht genug: im landkreis saalkreis verlangt man von den flüchtlingen 10 €, wenn sie beantragen, den landkreis „aus privaten gründen“ zu verlassen. so wird ihnen, die sowieso fast kein bargeld haben, das verlassen des landkreises unmöglich gemacht. ein aktivist hat deshalb vor dem gericht gegen die behörde geklagt. zugleich wollen wir, flüchtlinge und nicht-betroffene, alle antirassistInnen, in halle gegen diese auflage und gegen die residenzpflicht demonstrieren. laßt uns krachschlagen und sichtbar werden, lasst uns solidarität zeigen im kampf gegen die staatliche repression und deutschen alltagsrassismus!

WEG MIT DER RESIDENZPFLICHT! BEWEGUNGSFREIHEIT IST MENSCHENRECHT!

=> kommt zur demo nach halle/saale:
beginn: 11.00 vor dem hauptbahnhof und anschließend zum amtsgericht

So: A HAWK AND A HACKSAW /// THE DROPOUT PATROL

das SchubladenKonsortium lädt ein:

So 24.Mai Skala
doors: 20.00 – start:21.00

A Hawk And A Hacksaw (us/Leaf)

Jeremy Barnes ist der Drummer der legendären Neutral Milk Hotel, was aber zum Verständnis von A Hawk And A Hacksaw nicht sonderlich wichtig ist. Zusammen mit der bezaubernden Heather Trost, die seit ihrem 3. Lebensjahr der Kunst der Violine frönt macht er Musik, geprägt von Balkan-Sound, Mariachi und Klezmer. Beide sind auch in der Beirut-Band aktiv. Ihre musikalische Reise als AHAAHS umfasst die Sounds unzähliger Orte und Menschen: von den englischen Midlands nach Frankreich, über Tschechien, Rumänien und Ungarn bis in die Heimat der beiden Musiker, nach Albuquerque, New Mexico. Für das vierte Album „Délivrance“ erkundeten die beiden Weltenbummler die musikalische Tradition des alten Ostens. Mitgebracht haben sie eine ganze Suite euphorischer Melodien für ausgelassene Zeiten. Nach ihrer EP mit dem ungarischen Hun Hangár Ensemble blieben die beiden ganz in Budapest und vertieften die Beziehungen zur örtlichen Szene. Mit Erfolg, wie man auf „Délivrance“ hört: Alle Songs – eigene und traditionelle Stücke – entstanden dort Mitte 2008 zusammen mit befreundeten Musikern, u. a. dem Hun Hangár Ensemble und Kálmán Balogh, einem der bekanntesten Cimbalom-Spieler. Dabei sind Barnes und Trost nicht auf der Suche nach Authentizität, sondern nehmen bewusst die Perspektive Außenstehender ein – zwei Amerikaner im Paris des Ostens. Das bisher lebendigste und intensivste Album des Duos.

Der Bandname „Hawk And A Hacksaw“ entstammt einer Zeile aus Hamlets 2.Akt „I am but mad north-north-west: when the wind is southerly I know a hawk from a handsaw.“

…und in etwa so sieht sich die Band selbst:
„a hawk and a hacksaw- a rooster, a gaggle of geese, bits of tin, two rivers (one in france, one in new mexico), a violinist who began playing at age three, a small cat who has three little kittens, an assortment of gongs, wooden percussive implements, and portable drums, the occasional jazz musician, or tuba player, an oud master, three accordions, a romanian brass band, 4 hungarian cosmopolitans and a stroh violin. there are three records, and an ep.“

The Dropout Patrol (d/Ugly Dog)

Das Soloprojekt von Petethepiratesquid Sängerin/Gitarristin Jana Sotzko. Wundervolle, reduzierte Folksongs voller Wärme und Melancholie, konsequent Lo-Fi gehalten und live von Freunden reduziert begleitet.

scraps of tape // iona // syn error @ reil78

sa-23-05-09, reilstraße 78, halle (21.00 uhr einlass)

scraps of tape (se)

iona (le)

syn error (bln)

außerdem:

cwill

und

brainworm_santlers_md

23.05.09 | HARDCORE / PUNK SHOW | JUZ KNAST
Magdeburg | UMFASUNGSSTRASSE 76 | DOORS 9 pm | 6 EURO

BRAINWORMS :: hardcore/punk aus Richmond, Virginia mit leuten von Municipal Waste // Stop It! // Ultra Dolphins // Snack Truck
ANTLERS :: noisiger instrumentaler postcore ebenfalls aus Richmond, Virginia mit leuten von Gregor Samsa // Mass Movement Of The Month // Resonance
SOCORRO :: screamo-hc-punk aus wolfsburg

Do: MIRAH & TJO & CRYPTACIZE & GOOD FOR COWS @ UT

das SchubladenKonsortium und UT laden ein:

21.5. UT Connewitz doors: 20.00 start: 21.00

MIRAH (us/K-Records)

Es gibt Musiker, die gelten in ihrer Heimat, trotz ausbleibender Breitenwirksamkeit, als musikalische Genies und in Szenekreisen als einflussreiche Größen. Mirah Yom Tov Zeitlyn, kurz Mirah genannt, Teil des, inzwischen aufgelösten und hochkreativen Kollektivs The Microphones, das sich unter dem Namen Mount Eerie neu zusammengesetzt hat ist hierfür quasi DAS Paradebeispiel. Es wundert nicht, dass sich ihr bisheriger Solo-Output durch Microphones-ähnliches Songwriting mit spontanen Homerecordings, lo-fi Elektronik, gedankenverlorener Melancholie und psychdelischen, Drone-artigen Ausuferungen auszeichnete. Vor sechs Jahren dann mit dem vorletzten Album „C‘mon miracle“ die Zäsur: reifer und überlegter in Szene gesetzt, die schwingende Gitarrenarbeit einem kleinen Kammerorchester überlassen und die weitschweifigen Auswüchse bis auf leichte Spitzen eindämmend. Auch das neue Album „(a)spera“, warm und vollmundig von Mr. Mt.Eeries Phil Elverum produziert und arrangiert, bleibt dieser Entwicklung ins Kleine und Subtile treu: ein reduziertes Vibraphon, flimmernde Keyboardflächen und Streicherarrangements tragen atmosphärisch Mirahs zauberhafte Stimme. Dazu diverse exotische Einsprengsel, die aber nie esoterisch denn eher verzierend und reif wirken, sorgen dafür das Mirah auch im Jahre 2009 für zeitlos schönen, subtilen Folkpop steht. Ob dies endlich adäquat gewürdigt werden wird steht dabei auf einem anderen Blatt.

TARA JANE O NEIL (us/K-Rec./Touch&Go)

Die umtriebige Künstlerin aus Portland mit ihrem großartigen immer etwas entrückten, zart/brüchigen Gesang bedient sich zwar an Field Recordings, Loops und Samples verneint allerdings nicht genrespezifische Wurzeln wie Country oder Folk und generiert so eine warme, schwermütige Atmosphäre. TJO kollaborierte schon mit u.a. Come, Mirah, Ida, Jackie O Motherfucker and Papa M! Sie war Gründungsmitglied von einigen einflussreichen und wegweisenden früheren Bands, wie Rodan, Retsin, und Sonora Pine.

CRYPTACIZE (us/Asthmatic Kitty)

Cryptacize sind Chris Cohen (Git.&Voc./ex-Deerhoof), Nedelle Torrisi(Voc.&Git/Kill Rock Stars) und Michael Carreira(Drums). Hyperaktiv die angespitzte Gitarre mit Schlenkern und Schnörkeln, ein Moment des Innehaltens, dem aber schon der folgende Ausbruch innewohnt. Cryptacize machen schrägen Indie-Prog-Rock bestimmt von Tempo und Rhythmuswechseln wohligen Melodieführungen und TorrisiŽs wunderbarer Stimme die stets in hohen Frequenzbereichen dahinschwebt ohne zu enervieren. Das Ganze auf Suffjan Stevens Label Asthmatic Kitty!

GOOD FOR COWS (us/Asian Man)

Großartiges Free Jazz Duo bestehend aus dem Kontrabssisten Devin Hoff(Nels Cline Singers, Plays Monk) und Xiu Xiu-Schlagzeuger Ches Smith(Trevor DunnŽs Trio Convulsaut, Secret Cheifs 3)

Diskussions-Veranstaltung: Kommunismus – Aber wie?

Die „freie Entfaltung der Einzelnen“ und „die Rücknahme der Staatsgewalt durch die Gesellschaft“ (Marx)

Do., 21.05.2009, 19:30 Uhr, Conne Island

Referieren werden Hannes Gießler und Peter Christoph Zwi. Nach dem Referat besteht die Möglichkeit zur Diskussion.

In den Ländern, in denen im 20. Jahrhundert der Sozialismus eingeführt wurde, entstanden stark verstaatlichte Gesellschaften. In der Kritik des Gothaer Programms aber hatte Marx proklamiert: „Die Freiheit besteht darin, den Staat aus einem der Gesellschaft übergeordneten in ein ihr durchaus untergeordnetes Organ zu verwandeln“. An anderen Stellen hatte Marx die „freie Entfaltung eines jeden“ beziehungsweise die „Aufhebung des Widerstreits von Individuum und Gattung“ proklamiert. Stattdessen aber wurde in den sozialistischen Gesellschaften der Widerstreit tendenziell zuungunsten des Individuums „gelöst“. Was war geschehen?
Um kommunistischer Gesellschaftskritik die Treue zu halten und eine entsprechende Praxis dereinst wieder möglich und wünschenswert werden zu lassen, müssen mit kritischer und begrifflicher Schärfe unter anderem diese beiden Fragen beantwortet werden: Warum die sozialistischen Gesellschaften starke Staaten als auch die Unterordnung des Individuums zeitigten? Ihnen wird sich auch die Veranstaltung widmen, und zwar unter Bezugnahme auf Karl Marx, Theodor W. Adorno, Georg Lukács und die Situationisten.

Hannes Gießler wird zu Marx und Adorno sprechen. Zuerst wird er die Marxschen Ziele, nämlich Freiheit des Individuums und möglichst wenig Staat, herausstellen und mit den Realitäten im „real existierenden Sozialismus“ konfrontieren. Dann wird er bestimmte Dispositionen und blinde Flecken im Marxschen Werk, die möglicherweise zur Entwicklung des „real existierenden Sozialismus“ beigetragen haben, aufzuzeigen versuchen. Dabei wird er zurückgreifen auf die Philosophie Adornos, dem sich angesichts der Entwicklungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Frage aufdrängt, wie das Kapital aufgehoben werden kann, ohne damit einen völkischen oder realsozialistischen Kollektivismus heraufzubeschwören. Adorno hält also an dem Ziel fest, das Kapital aufzuheben, sieht aber deutlich, dass diese Aufhebung mit der Gefahr verbunden ist, hinter Errungenschaften der kapitalistischen Moderne zurückzufallen. Um diese Fragen zu beantworten, taucht Adorno tief in den philosophischen Kategorienkosmos ein und wartet mit überraschenden Ergebnissen auf: Hatte etwa Georg Lukács in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts besonders Marx’ Entfremdungs- und Verdinglichungskritik zustimmend aufgegriffen, richtet Adorno genau dagegen seine Kritik – Entfremdung und Verdinglichung seien Bedingungen von Humanität und Individualität. Die Aufhebung von Entfremdung und Verdinglichung hingegen birgt die Gefahr der Abschaffung von Individualität und Humanität zugunsten einer verwalteten Welt und Kollektivität. Doch was bedeuten diese Einsichten hinsichtlich der Aufhebung des Kapitals?

Der zweite Referent, Peter Christoph Zwi, wird über das Spätwerk Georg Lukács’, das im osteuropäischen Kontext entstand, und die theoretische Praxis der Situationisten im westlichen Europa vor und nach 1968 sprechen. In seinem Spätwerk beschäftigt sich Lukács, ebenfalls in grundlegender Auseinandersetzung mit dem philosophischen Kategoriensystem, mit den Bedingungen der Freiheit des Einzelnen, die im „real existierenden Sozialismus“ unterminiert worden ist. Genauer: Er beschäftigt sich mit der Ontologie von Allgemeinem, Besonderem und Einzelnem. Denn im Verhältnis des Ganzen zu seinen Teilen als auch zu seinem Nichtidentischen bestimmt sich Freiheit historisch konkret als je individuell und zugleich in revolutionärer Assoziation zu erringende „Gattungsmäßigkeit für sich“. In seinen stalinismuskritischen Überlegungen zu möglichen kommunistischen Übergangsformen der Totalität des gesellschaftlichen Seins hält Lukács allerdings an der Notwendigkeit einer neo-leninistischen, parteistaatlich repräsentierten und regulierten Rätedemokratie fest. Dem möchte Zwi die Konzeption der Situationistischen Internationalen gegenüber stellen, die zeitgleich mit Lukács die modernen Möglichkeiten einer „Rücknahme der Staatsgewalt durch die Gesellschaft“ (Marx) nach dem Modell der Pariser Commune beziehungsweise proletarische Organe einer “generalisierten Selbstverwaltung“ postuliert hat, welche zwar noch bestimmte „staatsanaloge“ Aufgaben einer Klassenherrschaft im Sinne der durch nichts außerhalb ihrer zu repräsentierenden individuellen „Zivilisierten“ übernehmen müssten, aber zugleich für die „Klasse des Bewußtseins“ nicht nur nominell, sondern auch tatsächlich „kein Staat im eigentlichen Sinne mehr“ sein dürften. Die radikale Überwindung jeder Verdinglichung und Entfremdung in den Alltagsverhältnissen der gesellschaftlichen Individuen sei dafür ebenso Bedingung wie Resultat.

Hannes Gießler, Jg. 1979, Leipzig, Autor des Cee Ieh und Mitglied der Gruppe in Gründung (Leipzig).

Peter Christoph Zwi, Jg. 1951, Frankfurt am Main, unter anderem Coautor von: Situationistische Revolutionstheorie (Bd. 1 & 2), Schmetterling Verlag 2005, und Mitverfasser zweier Beiträge in dem Buch: Spektakel – Kunst – Gesellschaft, Verbrecher Verlag 2006.

Di: AU /// ORA COGAN @ PARIS SYNDROM

das SchubladenKonsortium lädt ein:

Di 19.5. Café Paris Syndrom, Galerie für Zeitgenössische Kunst, Karl-Tauchnitz-Straße 9-11, Leipzig doors: 20.00 start: 21.00

AU (us/Aagoo)

AU ist eine dieser spannenden Bands aus den USA die momentan, verwurzelt in Noise/Komposition/Punk/Electro-Akustik, Grenzen sprengt. Psychedelische Sounds aus unkonventionellen Klangkörpern erzeugt, verfremded, dekonstruiert, in Schleife geschalten hochgepitcht, runtergetunt, verhallt. Das ganze aber weniger Neo-Hippie Happennig denn eher gekonnt gewiefte Soundkollagen neu kontextualisiert. Großartig! Arnold Dreyblatt, Animal Collective, Terry Riley, Steve Reich, High Places oder Grizzly Bear – so wohl Brüder/Schwestern/Mütter und Väter im Geiste im Grenzland zwischen Pop, Elektronik, Kraut, Experimental, Folk und Avantgarde.

ORA COGAN (can/Borne)

„twilight front porch folk songs. stories with a sense of urgency, be it heartbreak or revolution. This is gorgeous, bitter sweet, and incredibly powerful.“ Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen – minimalistisches Akustikgitarrenspiel verwurzelt in Blues, Folk und Americana dazu ein versponnener Gesang à la Newsom, Banhart oder Coco Rosie. Prädikat: Wunderbar!