Archiv für Februar 2009

adagio830: and more shit soon like the new GRAF ORLOCK LP

adagio830

daf in leipzig

daf

Deutsch Amerikanische Freundschaft (DAF) (1978 von Robert Görl und Gabi Delgado-Lopez gegründet) sind nach längerer Pause mal wieder für eine Tour zusammen gekommen, und versprechen dem Publikum eine performative Reise durch die Anfänge der Punk-, New Wave- und Techno-Geschichte.

DAF spielen am Sa.28. Feb 2009 im Club Lagerhof Leipzig (Lagerhofstraße 2, Leipzig).

Tabus brechen, die Maschinen zum Schwitzen bringen – Ein Gespräch mit Robert Görl über das Projekt DAF.

Ein Reise durch die 80er unternimmt auch Martin Kersten mit seinem Artikel Jugendkulturen und NS-Vergangenheit. Der schmale Pfad zwischen Provokation, Spiel, Inszenierung und erneuter Faszination vom Punk bis zum Nazi-Rock. Er schärft den kritischen Blick für faschistische Bezüge innerhalb der Neuen Deutschen Welle und macht speziell bei dem Bandprojekt DAF ein geschichtsverdrängendes Selbstverständnis aus, ein wesentliches Merkmal von Popmusik im Allgemeinen.

(via)

sehr gut dazu passt ein etwas älterer text von mir:

no more neo new wave!!! (2003)

nun laufen neo-new-wave, neo-punk, oder wie auch immer, auf viva und werden in den musikmagazinen gehypt.

diese sachen kommen aus amerika. (was auch wieder ein phänomen für sich ist: irgendwie scheint amerika für große teile der subkultur eine avantgardestellung zu haben. aus anderen ländern kommen oft nur kopien amerikanischer vorlagen. aus amerika kommt eben nicht nur fastfoodkultur sondern auch der gegenentwurf dazu.) lustigerweise ist es so, dass nicht wenige der leute die in diesen bands spielen früher mal in emocorebands gespielt haben und deren platten auf labeln erscheinen, welche früher emocore veröffentlicht haben, wenn sie nicht schon zum major gewechselt sind.

die revivalerscheinungen in bezug auf punk in form von modewellen, plattenwiederveröffentlichungen, peinlichen reunions alter bands und eben auch neuen bands, die sich von den alten sachen inspirieren lassen, dauern nun schon einige jahre an. dieses punk und new wave revival läuft aber auf vielen ebenen ab, seit einer ganzen weile auch sehr kommerziell. punk look war ja vor einiger zeit in der haut couture ein grosser hit, auch madonna sah dann so aus und in diesem jahr sind armyhosen bei schicken frauen der renner. irgendwie bestehen da wohl auch gewisse zusammenhänge zum allgemeinen siebziger und achtziger revival.

andererseits sind auf der strasse und in gewissen etablissements soviele punks in klassischem punk-outfit zu sehen wie seit jahren nicht mehr und es gibt auch in anderen, mehr im untergrund stattfindenden punk-sub-stilen wie crust, skate- und hardcore schon seit einiger zeit revivalwellen.

dazu kommen noch alle möglichen anderen retroerscheinungen, wie die wiederentdeckung von rock‘n'roll, surf, soul u.s.w.. manchmal erscheint es so als dreht sich alles im kreis. fragt sich bloss, welches revival kommt als nächstes. aber wahrscheinlich gibts in 20 jahren dann neo-neo-punk. oder man bleibt einfach dabei.

die welt ist doch immer wieder erstaunlich, vor allem die kommerzielle.

kommerzieller erfolg bedeutet natürlich nicht schlechte musik. die musik bleibt, wenn sie kommerziell erfolgreich wird, genauso gut oder schlecht wie sie vorher war. der spass daran kann einem dann aber durch unangenehme begleiterscheinungen auch schnell verdorben werden. meine neo-new-wave-punk-platten schmeisse ich deshalb jetzt trotzdem nicht weg.

die beurteilung dieser phänomene muss wohl jeder für sich selbst übernehmen. kommt wahrscheinlich auch auf das alter des betreffenden an. die originale wird es nicht wieder geben. sie sind und bleiben unerreichbar. sogar sie selbst erreichen ihre größe nie wieder, wie die schon erwähnten meist eher peinlichen reunions zeigen. so etwas hinterläßt meist einen unangenehmen eindruck. da enttäuschen dann auch ehemalige lieblingsbands. YOUTH OF TODAY sind eben heute nicht mehr die jugend von heute. ähnliches gilt für FEHLFARBEN, DAF, DEAD KENNEDYS, DISCHARGE….bei den wirklich herausragenden bands spielt immer auch der geist der zeit eine rolle, welchen sie in irgendeiner weise verkörpern. dies ist nun mal nicht zu wiederholen.

aber heute ist es eben auch so, dass bestimmte bands, wenn auch vielleicht mit retro-anteilen, dem gerade vorhandenen zeitgeist entsprechen und das ist auch zu spüren. denn diese bands haben intensität.

es wird also keine wiederauferstehung der alten legenden geben, aber es gibt neue aufregende bands, welche deren erbe in die heutige zeit übertragen.

(positiv zu erwähnen in diesem zusammenhang sind bands wie AMEBIX und SLIME, die reunions klar ablehnen.)

the bad form

ladenschluß soliparty im zoro

ladenschluss1
ladenschluss2

Alle reden über die Krise. Wir auch!

Donnerstag, 26. Februar 2009

19:00 Uhr im Conne Island

Eine Veranstaltung von Jungle World und Disko e.V.

Die Finanzkrise hat sich in eine globale Wirtschaftskrise verwandelt, trotz Staatsinterventionen in bislang ungekanntem Ausmaß. Während selbst EU-Staaten wie Ungarn der Bankrott droht, will Deutschland, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt, stärker aus der Krise herauskommen, als es in sie hereingegangen ist. Was bedeutet das für eine emanzipatorische Kritik? Darüber diskutieren:

Caren Lay
Parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion im Sächsischen Landtag

Michael Heinrich
Politikwissenschaftler, Redaktion Prokla

Thomas Ebermann
Autor, ehemaliger Fraktionssprecher der Grünen

Moderation: Bernd Beier, Jungle World

Joy Division Dokumentation [Grant Gee/2007]

joydivision

Sollte man Ian Curtis – außer auf Fotos – zum ersten Mal in „Control“ gesehen haben, wird man sich bewusst, wie „falsch“ alleine nur das Gesicht (natürlich das des Schauspielers) ist, das Anton Corbijn ausgewählt hat.

Anton Corbijn präsentierte uns, bei aller Empathie für das Schicksal seines Protagonisten, einen Ian Curtis, wie wir ihn uns schon immer vorgestellt haben dürften: als einen weiteren, wenn auch ungewöhnlichen, Rockstar. Zwar ist sein Ian Curtis ein introvertierter, sensibler Mensch – doch immer zeigt er ihn auch als Star einer Musikbranche, die diese Stars so bitter nötig hat. Doch Ian Curtis war nicht cool; sein „hate“ war nur eine Pose; sein extrovertierter Tanz nicht Teil der Show, sondern nur ein Zeichen – ein Zeichen für etwas, das er gefunden hatte, um seine viel zu intimen Geständnisse auf Platte mithilfe dieser Show auf der Bühne zu kontakarieren, bzw. zu neutralisieren. Oder um sich Luft zu verschaffen?

Und genau das zeigt uns jetzt diese Dokumentation: Tony Wilson, Bernard Sumner, Peter Hook und Stephen Morris (u.a. New Order) decken, unterstützt von echten Dokumentaraufnahmen, auf, was „Control“ nicht zeigen konnte. Sie „enthüllen“ die Geschichte einer Person, die ihre Gefühle leichtfertig einer Öffentlichkeit offenbarte; einer Öffentlichkeit, die diese nur als Teil einer Show betrachteten wollte. Und sie zeigt uns eine Person, die daran offensichtlich zerbrochen ist, und wie sie daran zerbrochen ist. Und sie erzählt von einigen Menschen, die um ihn herum waren und die das nicht erkennen konnten (wie sie auch selbst gestehen).

Die ausgeklügelten Effekte der Musik (und auch darüber erzählt der Film), mögen einen Teil zum Mythos Joy Division beigetragen haben. Doch Ian Curtis war und blieb – sogar bis in den Tod – eine authentische Person im Showbusiness. Das mag für Zyniker kitschig klingen. Doch das war sein Schicksal – und der Grund, warum er uns heute fehlt.

control

genaugenommen wurde mir erst nach dem ansehen dieser doku bewußt, was mich an control wohl doch störte, damals: das inszenierte, trotz aller “nähe zur realität”. das gehetzte abarbeiten durch die curtis-biographie, als wär’s ein schul-referat. daß er (also: control) so tat, als wäre er kein film, keine geschichte, sondern ein “dokument”. bei grant gees film hab’ ich, komischerweise (bzw eben auch nicht, herrjeh, blöde floskel), viel mehr gespürt, was für ein mensch ian curtis war bzw. wie joy division funktionierten, wie ihr umfeld, ihre szene, ihr leben sich angefühlt haben muß. control war einfach “nur” ein (schön gefilmtes und produziertes, immerhin) geschichtchen, leider.

(via)

Sa:DIE CHARTS & WE ARE SOLDIERS WE HAVE GUNS & TOBOGGAN @ UT Connewitz!!!

das SchubladenKonsortium & UT laden ein:

sa 21.februar UT CONNEWITZ
doors: 20.00 – start: 21.00

WE ARE SOLDIERS WE HAVE GUNS (swe/stereo test kit)

malin dalberg, stimme von laurel music und douglas heart, serviert mit band, via gitarre, bass, drums und synthi, indiepop-perlen zwischen lo-fi und hi-fi, up-beat und tiefer melancholie.

DIE CHARTS (d/polpop)

konglomerat aus schneller autos organisation, amtrak, fröbe und eniac: grossartige hamburger lo-fi-diskurs-chansonerie! höflich und freundlich predigen die charts völlige bedürfnis- und bedeutungslosigkeit und suchen nach der stolzen pose des ewigen niedergangs guter ideen, interessanter meinungen und richtiger schlussfolgerungen, nach traurigen melodien und wahrheiten.

TOBOGGAN (swi/sinnbus)

leute von honey for petzi/favez/rosqo. verspielter und raffiniert aufgebauter postrock trifft düstere melancholie. eine subtile harmonik und glasklare popsongs die an experiementierfreude brechen. for the likes of blonde redhead!

am freitag im atari

lauramars

das atari nun auch hier

und in halle:

dialmformurder

Dial M For Murder! (swe) supp Timm Voelker (hal)

20.02.2009 21:00 Objekt 5, Seebener Straße 5

Aftershow: Flexmaster 3000 vs. Annek Skywalker (Indie vs. Electro)

Dial M For Murder sind David und Andy. Zwei Typen aus Oslo haben im August 2007 rein zufällig eine ziemlich tolle Band gegründet. David war gerade umgezogen und hatte keine Möbel, sondern nur einen Drumcomputer, eine abgeschraddelte E-Gitarre und einen Laptop. Und da das Wetter schlecht war und sie außer Bier trinken sowieso nichts vorhatten, begannen die Schweden einfach Musik zu machen. Vielleicht, um durch ein paar Gigs an Geld für Möbel zu kommen, vielleicht auch, um ihren coolen Style weiter in die Welt zu tragen. Dabei rausgekommen ist stilvoller Indierock zwischen Interpol, Joy Division und Chikinki. Dröhnende Gitarrenriffs, melancholischer Gesang, düster gefärbte Atmosphäre und im Hintergrund tuckert die Drum-Machine. So einfach kann geniale Musik entstehen. Und auch Support Timm Voelker mag es schlicht. Den Lärm seiner Band 206 lässt er zu Hause und tauscht ihn gegen eine intensive Nähe. Alles was er braucht sind Stimme und Gitarre. Auch Timm malt seine musikalische Welt mit dunklen Farben. Er liebt die Melvins, Nirvana, Joy Division, aber auch David Bowie.

heute im zoro: hardcore///punk

17.2.2009 zoro leipzig bornaische straße 54 hinterhaus

shades of grey (swe) + worst case scenario (swe) + apatia (pl)

entfällt! Gang Gang Dance / Leila

ganggangdance

Die New Yorker müssen leider ihre gesamte Europatour abbrechen, weil sie plötzlich ohne Equipment dastehen.

Die Bandgeschichte der New Yorker Gang Gang Dance scheint sich leider bald für eine Verfilmung anzubieten – Kategorie: Drama. Nachdem ihnen in der Vergangenheit schon einmal das Equipment gestohlen wurde, und ihr Drummer in einer Bar von einem Streifschuss erwischt wurde, hat sie das Pech nun erneut heimgesucht.

Bei ihrem Auftritt im Amsterdamer Paradiso wurde das Bandequipment nach der Show in einem Lagerraum geparkt. Genau dort kam es wenig später zu einem Kurzschluss, der ein Feuer verursachte. Der Raum brannte komplett aus – inklusive aller Instrumente, Computer und den Samples für die Performance. Aus diesem verständlichen Grunde müssen Gang Gang Dance leider die Europatour komplett absagen.

Das Konzert im CentraltheaterLeipzig muss leider ersatzlos ausfallen. Die Karten werden an der Kasse zurückerstattet.

„Saint Dymphna“, das letztjährige Album der virtuosen New Yorker Band Gang Gang Dance, markierte einen außerordentlichen Wendepunkt in der langjährigen Geschichte der Band; nicht nur, dass es das erste Album war, das sie über das englische Electronic-Label Warp veröffentlichten, es war auch das Album, bei dem „Gang Gang Dance“ endlich ihr jahrelang geheim gehaltenes Pop-Potenzial unter Beweis stellten.

Bis dahin hatten sie sich zwar einen Namen als experimentelle Avantgarde-Band gemacht, die mit ihren anderen Freunden aus Brooklyn (Animal Collective) und dem ganzen Umfeld des Social Registry-Labels neue musikalische Grenzen zieht, aber dass dann nach jahrelanger Arbeit ein so farbenfrohes, tanzbares und stylistisch ausuferndes Werk dabei herauskommen würde, hatte niemand erwartet – es gibt sogar einen Raptrack mit dem englischen Grime MC Tinchy Strider. Und nun kommen sie zum ersten Mal in voller Besetzung, verkabelt und amped nach Deutschland, um den vier Städten der Warp Tour mit Leila ordentlich einzuheizen. Die Zeiten der verhuschten Unplugged-Konzerte in Galerien sind für immer vorbei!

Eine Alternative dazu wäre ja eventuell noch Bloc Party in Dresden im Alten Schlachthof gewesen. Aber das wäre einmal nicht ganz billig und ist außerdem schon ausverkauft.

sa: WAVVES & FUTURE ISLANDS @ ATari!!!

das SchubladenKonsortium laedt ein:

Sa 14.02. Atari (Ecke Kippenberger/Taeubchenweg)
doors: 20.00 – start: 21.00(pnktl.!!!)

FUTURE ISLANDS (us/Upset The Rhythm)

der Whamcity-leuchtturm verkuendet die neueste baltimore-sensation:
potentiell hit gewordene tanzbodenwahn – so als hätten die Thermals eine verschollene Smiths-single gecovert und und das ganze in minimal getunkt. stoische elektronik und trockene gitarren treffen auf hektisches fiepsen.digitale Melancholie vor analoger kulisse und über allem thront ein gesang, der an eindringlichkeit kaum zu überbieten scheint. Future Island schöpfen ideen gleichermaßen bei post punk, new wave und 90er indierock und verbinden dies mit zeitgemäß minimaler, straighter elektronika.

WAVVES (us/Young Turks-Fat Possum)

lo-fi hymnen,die muender offene stehen lassen und mensch fragt sich:wie jemand,anfang zwanzig, die musikalische punk/indie-sozialisation der letzten 30 jahre so „aufsaugen“ konnte:
die einflüsse reichen bis zu den Beach Boys zurück und ziehen sich durch den underground der 70er/80er/90er: Sonic Youth, Wipers, Black Flag, Bad Brains, My Bloody Valentine, Dinosaur Jr Ramones. Gepaart mit jugendlichem uebermut: kick ass!!!