Archiv für Dezember 2008

Veranstaltungsreihe „Kritik und Krise“.

Weltmarktbeben – Vortrag und Diskussion zur aktuellen Krisenentwicklung

Die internationale Finanzmarktkrise wird von den meisten Beobachtern auf die „entfesselte Spekulation“ zurückgeführt, die von „gierigen Heuschrecken“ angefacht worden sei. Tatsächlich jedoch ist die Aufblähung des Finanzüberbaus nicht Ursache, sondern Folgewirkung und Verlaufsform einer strukturellen Krise des Kapitalismus, die seit gut dreißig Jahren durch Kredit und Spekulation immer wieder aufgeschoben wurde. Diese Methode des Krisenaufschubs stößt nun an ihre Grenzen – mit dramatischen Folgen für die gesamte Gesellschaft. Nicht die „Spekulanten“ sind das Problem, sondern der Widersinn einer Produktionsweise, die Reichtum nur als Abfallprodukt von Warenproduktion und Kapitalverwertung produziert.

Vortrag und Diskussion mit Norbert Trenkle (Redaktion der Zeitschrift krisis)
09.12.08, 19.30 Uhr, Conne Island, Koburger Str. 3

Vortrag und Film: Einführung in die Kritische Theorie

Der Begriff „Kritische Theorie“ und das dazugehörige Markenzeichen „Frankfurter Schule“ verbinden sich gemeinhin mit der Vorstellung von rebellierenden Studenten, rauchenden Intellektuellen, Positivismusstreit, „Dialektik der Aufklärung“ und Psychoanalyse. Gelegentlich, das käme dem Halbgebildetenindikator gleich, hört man auch Namen, alle jene, die in solchen Momenten einfallen: Adorno, Negative Dialektik, Horkheimer, Kritik der Instrumentellen Vernunft, Marcuse und die Anderen eben. Die Kritische Theorie aber hat nicht nur Name und Adresse, sie bietet vor allem, und das wird bei der Aufzählung verschwiegen, einen selbstreflektierten, gesellschaftskritischen Standpunkt. So erstreben die Vertreter der Kritischen Theorie eine befreite Gesellschaft, ohne sie zu erträumen. Was das bedeutet beantwortet Christian Dietrich im einleitenden Vortrag zur Dokumentation von Henning Burk und Martin Lüdke mit dem Titel „Es gibt kein richtiges Leben in Falschen“.

Christian Dietrich studierte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Soziologie, Zeitgeschichte und Politikwissenschaft. Er ist Mitherausgeber des Tagungsbandes „Perspektiven der Soziologie“, in dem er mit dem Aufsatz „Faschistischer Staat, geordnete Gesellschaft und autoritäre Herrschaft” Vorüberlegungen für eine Soziologie des Faschismus“ vertreten ist. Im Januar erscheint seine Studie „Tote und Tabu – Über Tabuisierungsschwellen und (kommunikative) Verbreitung des Antisemitismus in Deutschland“.

Montag, 08.12.2008
18.30 Uhr
Universität Halle
Melanchthonianum, HS XIX
Universitätsplatz Halle

east trash fest

easttrashfest

am 6.12. ab 18.00 in der kombi in nünchritz

mit:

zann, short fuse, patsy o hara, sniffing glue, chuck damage, disco vietnam, lethargie und entrails massacre

ZANN

zann

fucked up @ zoro

fuckedup

fucked up am 4. dezember 2008 im zoro, bornaische str. 54 hh, leipzig

Fucked Up is an experimental Hardcore group from Toronto, Ontario, Canada.

All too often punk music is about getting it right, picking a particular subgenre and acing it the way you might a test. Toronto’s Fucked Up has proven the antithesis of this approach since their inception. Formed in early 2001, this five-piece has managed confrontation without cheap gimmicks or novelty, creativity without pointless noodling and intensity without predictable arrangements. Seamlessly plowing through punk’s varied past, a Fucked Up song can invoke the melodic anthems of British Oi, the brawny directness of early ’80s American hardcore and the artistic autonomy of a band that doesn‘t care what its forebears have done before.

Gruff, raspy vocals reminiscent of Negative Approach’s John Brannon topple over driving guitars, sometimes favoring melody, sometimes a chaotic, down-stroke frenzy. A trail of hard-to-find seven-inch EPs show a band not only perfectly at ease with the trade of vintage hardcore punk, but one constantly willing to push its music into new, original directions. Fucked Up manipulates everything from its lyrics and artwork to song length and writing to make a distinct, singularly unique point.

Threading the best elements of Killed By Death obscurities through the Undertones‘ melody, Black Flag’s aggression and Minor Threat’s Marshall-driven guitars, Fucked Up rarely makes for direct comparisons, arriving instead at something wholly intense and new … and isn‘t that the point?

Intersektionalität und queere Pädagogik – eine Verhältnisbestimmung

eine Veranstaltung der Vortragsreihe queer_einsteigen
Dr. Jutta Hartmann, Hildesheim
04.Dez.2008, 19.30 Uhr, Audimax, Hörsaal XXIII, Uniplatz 1, Halle

Intersektionalität steht als relativ neues Forschungsparadigma im Bereich der sozialen Un-gleichheitsforschung in enger Verwandtschaft zur queer theory: beide erheben den Anspruch, multiple und konfligierende Kategorisierungsprozesse zu analysieren. Die Frage nach Ver-bindungen und Trennungen und schließlich nach dem Potential, das beide Ansätze füreinan-der entwickeln können, soll genauso erörtert werden, wie der Stellenwert von Intersektionali-tät für eine (queer verstandene) Pädagogik, die unter anderem Normierung und Normalisie-rung als zentrale Kategorien zu bearbeiten sucht.

Veranstaltung „What happened to ‚Fascism‘“. / Veranstaltungsreihe „Natur, Geschlecht, Gesellschaft“.

Zur Relevanz aktueller Faschismustheorien

Der britische Historiker Thomothy W. Mason stellte kurz vor seinem Tod 1990 die Frage „Whatever happend to ‚Fascism‘?“. Diese längst zu einem Bonmot gewordene Frage über den Verbleib einer ehemals zentralen Kategorie lässt sich auch für jene Kreise stellen, die traditionell für die Verwaltung des Begriffs zuständig waren: die Linke. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, das einzige, was im linken Mainstream von Begriff des Faschismus blieb, ist seine Negation im Antifaschismus, während er in ihren diversen kritischen Abspaltungen nur noch im Begriff des Islamofaschismus existent ist. Um den Begriff in Erinnerung zu rufen soll hier eine Tour d‘Horizon durch einige aktuelle Publikationen der Faschismusforschung geboten werden, um schließlich auch der Frage nach einem religiösen Faschismus nachzugehen.

Diskussionsveranstaltung mit Volker Weiß
(Historiker aus Hamburg)
4.12.2008, 19.00 Uhr, Conne Island,
Koburger Str. 3

Der Versuch einer materialistischen Kritik des Geschlechterverhältnisses

04. Dezember 2008, HGB Raum 2.41, 20 Uhr
Referentin: Andrea Trumann

Einem linken Vorurteil nach existiert das Geschlechterverhältnis als Ideologie und daneben die Ausbeutung durch das Kapital. Dagegen versucht Andrea Trumann die aktuell vorhandene fundamentale Spaltung der Gattung in einen weiblich-sinnlichen und einen männlich-disziplinierten Teil aus den Erfordernissen der Kapitalverwertung selbst zu erklären: Um sich als arbeitsfähiges Subjekt zu setzen, müssen die Vereinzelten jeweils ihr Begehren abspalten und dieses auf die Frau projizieren, welche den Schmuck stellvertretend tragen muss. Unter kritischem Rückgriff auf Butler und Foucault, sowie Marx und Freud soll dieser Verdrängungsmechanismus am Beispiel der verleugneten Homosexualität durchgeführt werden.