Körpermodifikationen in BDSM und queerer Kultur – Kritische Gedanken zur Ethnisierung der Ästhetik und der Rassialisierung des Körpers

eine Veranstaltung der Vortragsreihe queer_einsteigen
Dr. Christian Klesse, Manchester
Freitag, 12.Dez.2008, 14.15 Uhr, Hörsaal XV des Melanchthonianums, Uniplatz 1, Halle

Techniken der Körpermodifikation wie z.B. piercing, tattooing, stretching, scarification, usw. spielten eine besondere Rolle in sex-positiven, schwulen, lesbischen, queeren und/oder BDSM Zusammenhängen lange bevor manche dieser Techniken populärer wurden. Studien zur jüngeren Geschichte der Körpermodifikation in westlichen Ländern gestehen lesbischwulen und BDSM erotischen Szenen durchaus eine VorreiterInnerolle zu. In BDSM und queeren Kontexten sind Körpermodifikationen oft Teil erotischer oder sexueller Praxis oder Darstel-lung. Für viele bestehen auch Anknüpfungspunkte zu Fragen der persönlichen Identität. Be-zugnahme auf ‚ethnisierte Praxen‘– auf rituelle Inszenierungen der Körpermodifikation oder kulturell spezifische Formen des Designs – sind oft explizit. Der Vortrag beschäftigt sich mit den vielfältigen Arten auf welche Körpermodifikationen als ‚transgressiv‘ beschrieben wer-den. Das Interesse gilt insbesondere den diskursiven Momenten, in welchen (queere) Grenz-überschreitung sich in ethnisierten oder rassialisierten Konnotationen präsentiert. Gegenwär-tige Körperkunst und radikale Körpermodifikation bedient sich oft aus dem Repertoire des Mythos vom ‚Primitiven‘, einem kolonialen und post-kolonialen imaginären Konstrukt, in welchem Körper und Sexualität mit ‚Race‘ verschmelzen. Die unachtsame Reproduktion neo-primitiven Gedankenguts verweist auf Grenzen hinsichtlich des progressiven Potentials ge-genwärtiger sex-radikaler queerer Bewegungen. Die Ethnisierung oder Rassialisierung des Transgressionsmodelles findet seine Fortsetzung auf der Eben der Queeren Theorie. Der Vor-trag führt mich somit von einer Diskussion bestimmter Praxen der Körpermodifikation zu ei-ner grundlegenden Kritik (queerer) Transgressionskonzepte.