Vortrag: Rassismus, Biopolitik und genetische Verantwortung – Zum Rassismusbegriff bei Michel Foucault

Die Vorstellung eines genetischen Determinismus scheint in den Biowissenschaften nicht mehr haltbar. Nichtsdestotrotz gehören genetische Erklärungsmodelle nicht der Vergangenheit an. Sie spielen eine entscheidende Rolle für die Diagnose, Prävention und Therapie zahlreicher Krankheiten. Von einer „Genetisierung der Medizin“ zu sprechen, scheint daher nicht übertrieben. Das Erstarken genetischer Erklärungsmodelle führt, wie aus feministischen Kreisen vernommen werden kann, zu einer besonderen Betroffenheit von Frauen . Die Entwicklungen in den Reproduktionstechnologi e und der Gentechnik stabilisieren nicht nur die binäre Geschlechterordnung, sondern führen zu asymmetrischen Anforderungen innerhalb des Prozesses einer genetischen Verantwortung.
In Anlehnung an Thomas Lemke werden diese Prozesse erläutert und ihre Bedeutung innerhalb des Feminismus aufgezeigt. Eine theoretische Einbettung mittels der foucaultschen Werkzeuge „Rassismus“ und „Biopolitik“ kann nicht nur Entwicklungen verständlich machen, sondern hilft, eine kritische Haltung gegenüber Optimierungsprozessen des Lebens einzunehmen. Das Aufzeigen von Schnittstellen zwischen Pränataldiagnostik, eugenischen Programmen und Normierungsprozessen scheint provokant und birgt auch Gefahren, dient jedoch als Kritik, die die Hoffnung auf „einen besseren Zustand, in dem man ohne Angst verschieden sein kann“ , hochhält.

Es referiert Carsta Langner

Mittwoch , 25.06.2008
19.00 Uhr, Melanchthonianum, HS Z