manche können es arbeit nennen.

an lobos botschaft scheint sich nicht viel verändert zu haben. er tritt nach wie vor als lobbyist der digitalen boheme auf. dabei weiß er aber auch, dass dieses modell nur für einen relativ begrenzten teil der menschen in der gesellschaft in frage kommt. und er weiß auch, dass dieses modell vollkommen innerhalb der kapitalistischen verwertungslogik verbleibt. daher ist er auch nicht für eine abschaffung des kapitalismus, schließlich lebt er davon. die meisten die für eine abschaffung des kapitalismus sind leben natürlich zwangsläufig auch davon, denn eine alternative besteht derzeit nicht, wie lobo zutreffend sagte. eine affirmation der kapitalistischen verhältnisse ist deswegen aber eben nicht zwingend. jedoch hat er insofern nicht unrecht, als dass das neue notwendigerweise aus dem alten hervorgehen muss und die suche nach alternativen darum innerhalb der kapitalistischen verhältnisse stattfinden muss.
vom grundansatz her geht sein modell der digitalen boheme in richtung der forderung „jeder nach seinen fähigkeiten, jeder nach seinen bedürfnissen“. jedoch bleibt dabei ein großteil der menschen unberücksichtigt: diejenigen, die keinen ausreichenden zugang zu mitteln haben, mit denen sie kreativ tätig sein können und vielleicht sogar noch etwas dabei verdienen können, d.h. diejenigen mit zu wenig wirtschaftlichem kapital, diejenigen, die, aus welchen gründen auch immer, zu wenig wissen angesammelt haben um damit kreativ tätig sein zu können, d.h. diejenigen mit zu wenig kulturellem kapital und schließlich diejenigen, die, aus welchen gründen auch immer, zu wenige gesellschaftliche beziehungen besitzen um ihr eventuell vorhandenes wirtschaftliches oder kulturelles kapital gewinnbringend einzusetzen, d.h. diejenigen mit zu wenig sozialem kapital. auf diese weise bleibt in der gegenwärtigen gesellschaft der größte teil der menschen von der option des lebens nach dem modell der digitalen boheme ausgeschlossen. damit bleibt dieses modell ein mehr oder weniger elitäres konzept. im wissen darum und darum, dass solange es einen kampf um die ganz persönliche nische gibt, es auch verlierer geben muss und dies in menschlicher hinsicht nicht akzeptabel ist, kann dieses modell durchaus dazu genutzt werden um die suche nach alternativen zur kapitalistischen vergesellschaftung voranzutreiben. die notwendigkeit dieser suche wird an dem massenhaften elend, welches die kapitalistischen verhältnisse produzieren, offensichtlich.
dazu ein interview mit lobo bei radio corax via commander master chief


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